MENSCHENOPFER gehörten und gehören immer zum Kult von Vielgöttereien.

Allerdings sind sie in den heute noch existierenden derartigen Religionen von Staats wegen verboten, soweit sie nicht schon von selbst aufgegeben wurden. Zum Kult der Menschenopfer (eigentlich ja "Ermordung von Menschen aus bestimmten ideologischen Gründen") gehört weiter, dass die geopferten Menschen oder wenigstens Teile von ihnen gegessen werden. Im Grunde steht wohl jeder Kannibalismus in Zusammenhang mit solchem mythologischen, also letztlich religiösen Hintergrund, zumindest wenn es dazu nicht aus einer Notsituation kommt und der Mensch, der da verspeist wird, ohnehin schon tot ist. Wenn der jüdische Glaube sich über fremden Götzendienst ereifert, dann geht es dabei auch durchaus um solche unmenschliche Weise der Götterverehrung, die - bedenkt man die näheren Umstände von Menschenopfern genauer - sogar viel mit Triebverbrechen gemeinsam haben. Wir müssen uns bewusst machen, dass sich die Menschen für diese Menschenopfer keinesfalls gern zu Verfügung stellten, jedenfalls nicht junge Menschen, ja dass diese Opfer gerade sie mit Angst und Schrecken erfüllten.

Menschenopfer bedeuten also immer Ängste und Ängste sind immer auch Herrschaftsinstrument.

In der Ödipussage wird berichtet, dass Ödipus die Stadt Theben von einem Ungeheuer (der "Sphinx") befreite, der jedes Jahr (?) drei Jungen und drei Mädchen zum Fraß vorgeworfen werden mussten. Ausdrücklich ist hier von der Angst und dem Schrecken die Rede, worunter die Stadt deswegen leidet, und von der opulenten Belohnung, die sich der "Befreier" verdienen könnte, er würde nämlich König werden und die Witwe des ermordeten alten Königs zur Frau bekommen... Nur noch aus Indizien können wir die Ängste in anderen vergangenen Kulturen ermessen: In Mexiko fand man zum Beispiel in den heiligen Cenotes (= Seen), in die die zu opfernden Jungfrauen im Rahmen einer festlichen Zeremonie lebendig gestürzt wurden und aus denen kein Entrinnen gab, unter den zahllosen Skeletten von Mädchen auch schon einmal ein männliches Skelett: In ihrer Todesangst hatten die Mädchen offensichtlich hin und wieder einen der Priester mit in die Tiefe gerissen. Und die in Peru gefundenen und im Eis auf Berggipfeln der Anden konservierten Knabenleichen lassen darauf schließen, unter welchen Anstrengungen die kleinen Jungen auf die Berge geschleppt wurden (Blasen an den Füßen), und ihre noch im Tode angstverzerrten Gesichter lassen ahnen, wie entsetzt sie waren, als ihnen klar wurde, was mit ihnen geschah. Damit die zu geopferten Menschen ihr Schicksal nun nicht zu früh mitbekamen und etwa bei der Wanderung auf den Berg "Sperenzchen machten", gehörten zu den Menschenopferkulturen vermutlich auch immer massive Tabus.

Bei den Überlegungen, wieso vor knapp 500 Jahren eine im Grunde verschwindend kleine Schar spanischer Soldaten ein solch mächtiges Reich wie das der Azteken in Mexiko erobern konnte, wird immer darauf hingewiesen, dass die Vasallenvölker der Azteken sich ziemlich schnell auf die Seite der Spanier schlugen. Gründe dafür werden nicht nur die Tributleistungen an die Zentralmacht gewesen sein, denn die Vasallen konnten sich ja ausrechnen, dass nach der "Befreiung" solche Tribute auch an die neue Macht, mit der sie jetzt in den Krieg zogen, fällig waren. Erwähnt werden hier immer auch die immensen Menschenopfer, für die gerade die Vasallenvölker das "Material" liefern mussten. Natürlich geschah das alles im Namen einer Religion, doch ändert das nichts an der Tatsache der Ängste, die das alles mit sich brachte: Religion in Verbindung mit Ängsten als perfektes und perfides Herrschaftsinstrument!

Wir müssen uns einmal das konkret vorstellen und auf die heutige Zeit übertragen, was damals bei den Azteken ablief! Stellen wir uns einmal vor, bei uns gebe es in Berlin ein Zentralheiligtum und alle deutschen Städte müssten zu gewissen Festen jeweils je nach Größe der Stadt ein paar Jungen und Mädchen zur Opferung liefern. Dazu noch ein weiteres Gedankenspiel: Viele Menschen spielen einfach kein Lotto oder sonst kein Glücksspiel, weil sie sowieso nicht gewinnen, und selbst ein noch so hoher Jackpot lässt sie kalt. Wenn aber hunderttausend Menschen in einem Stadion versammelt sind und von diesen Menschen soll durch Los ein Mensch bestimmt werden, der jetzt geopfert wird, dann wird bei allen Anwesenden doch lähmendes Entsetzen herrschen, obwohl es ja auch sehr unwahrscheinlich ist, dass man selbst dran ist... Und wieder zu den Azteken: Obwohl die ganze Opferei religiös abgesichert war, wird es auch hier vergleichbare Ängste gegeben haben, bei den Eltern der jungen Menschen, bei den jungen Menschen selbst. Und da ändert sich auch nichts dran, dass die jungen Leute drei Tage lang vor ihrer Opferung "alle Freiheiten" hatten, nicht zuletzt machte jetzt bei den Mädchen eine Schwangerschaft auch nichts mehr aus... Die Grundstimmung ist einfach Angst!

Ist es nicht verständlich, dass sich die Vasallen den neuen Göttern, als welche die Spanier ja zumindest zunächst einmal angesehen wurden, so begierig anschlossen? Dass die Spanier dann nach dem Sieg sich ihrerseits als brutale Tyrannen entpuppten, war ja noch nicht abzusehen... Ob es allerdings nicht auch Wege gibt, sich selbst von solcher Unmenschlichkeit zu befreien, ohne gleich wieder vom Regen in die Traufe zu fallen?

In diesem Zusammenhang stellt sich noch eine Frage, warum besonders die Azteken gleich immer so viele Menschen auf so grausame Weise umgebracht haben, siehe unter "Eindruck von den Menschenopfern". Ob die Götter denn nicht "mit weniger" zufrieden gewesen wären? Vermutlich ging es gar nicht um ein Äquivalent (also um einen Gegenwert) für das, was man erwartete, sondern durch die vielen und spektakulären Opfer wollte man bei den Göttern "auffallen" nach dem Motto: "Schaut her, was wir alles für euch tun, ihr könnte doch gar nicht mehr wegsehen, ihr müsst uns jetzt doch geben, was wir von euch haben wollen..."

Stellen Sie sich einmal vor, Sie leben in so einer götzendienerischen Menschenopfergesellschaft und leiden unter diesen Menschenopfern und wollen sie abschaffen. Was machen Sie?

Trotz allen Leids, das solche Opfer für die davon unmittelbar betroffenen Menschen mit sich bringen, wagt ja üblicherweise an eine völlige Abschaffung wenigstens zunächst kaum jemand zu denken: Zu sehr sind sie mit Tabus und Ängsten gegenüber den Göttern befrachtet, dass sie schon als Sinn des Lebens empfunden werden - es findet also eine Art Teufelskreis statt. Und überhaupt: Versuchen Sie doch mal, Leuten eine Religion auszutreiben!

Doch irgendwann sickern auch hier <wie ja auch bei der Tempelprostitution, die ja bei Frauen und Mädchen die wohl näherliegende Art des "offiziellen" "Missbrauchs des Menschen"*) ist> immer einmal Zweifel durch: Kann denn das alles richtig sein?

Und wir wissen heute, dass gerade in vorderorientalischen und mediterranen Kulturbereichen die Beendigung der Menschenopfer schließlich geschah, indem sie durch Tieropfer ersetzt wurden. Und das war sozusagen zu derselben Zeit, in der die Abrahamgeschichte der Bibel spielte, also etwa vor 3.700 Jahren.

Nach dem religionsgeschichtlichen Ansatz ist die Auseinandersetzung und Ersetzung einer solch unmenschlichen Tradition nun der wahre Hintergrund auch dieser Geschichte der Bibel (wie auch manch anderer der bedeutendsten und bekanntesten Urgeschichten der Bibel): Sozusagen exemplarisch wird uns die Lösung dieses menschlichen Problems nahe gebracht. Auch hier wird ja ein Menschenopfer durch ein Tieropfer ersetzt.

So berichtet die Bibel im Zusammenhang mit den Menschenopfern von dem Sippenoberhaupt (Leute von niederem Stand pflegen seltener aufzumucken, üblicherweise macht man mit ihnen nämlich noch schneller "kurzen Prozess"), der seinen Sohn einem der üblichen Götter opfern sollte und der auch alle Vorbereitungen für dieses Opfer getroffen hatte. Doch als er seinen Sohn gerade erstechen wollte, siegte seine Vaterliebe. Denn er hatte ein Tier entdeckt, das sich in der Nähe in einem Gebüsch verfangen hatte, und er interpretierte dieses Tier als das Zeichen des von ihm ersehnten neuen menschlichen Gottes und nahm es zum Anlass, endlich mit der Unmenschlichkeit der Menschenopfer aufzuhören und statt dessen ein Tieropfer darzubringen. Und er kehrte glücklich mit seinem Sohn nach Hause zurück - und erzählte seiner Familie und seinen Freunden und Nachbarn von der Errettung seines Sohnes durch den neuen, menschlichen Gott, der ab jetzt der einzige sein sollte (siehe Monotheismus) und dem er und sie alle zusammen ab jetzt zu ihrem eigenen Glück untertan und gehorsam sein sollten!

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*) Zum Thema Zusammenhang Menschenopfer-Prostitution - im weiteren Sinn - ist ja bekannt, dass sich die ukrainischen Wachmannschaften aus den Juden vor der Vergasung in Auschwitz (die ja auch eine Art der "Menschenopfer" war) die schönen Mädchen herausfischten, es mit ihnen über Nacht "trieben" und sie dann am nächsten Tag zu den neuen Opfern in die Gaskammern steckten. Weniger bekannt ist, dass es in Krakau ein Mädchenheim gab, das von humanistischen Juden gegründet und unterhalten wurde für arme jüdische Mädchen "aus dem Osten", die in den Westen "drängten", damit sie nicht nur nicht verkamen, sondern auch noch einen Beruf erlernten, damit sie eine vernünftige Basis für ihr Leben hatten. Als die Nazis nach Krakau kamen, sollte das Heim inklusive der Heimbewohner Soldatenbordell werden - statt Auschwitz? Darauf begingen alle Mädchen kollektiv Selbstmord...

Der alte jüdische Glaube ist also ein Konzept der Abschaffung von Unmenschlichkeiten wie der Menschenopfer! Doch kein Ansatz für die Humanität kann so gut sein, als dass er nicht wieder verdreht wird.

Wir alle kennen diese Geschichte von Abraham und seinem Sohn Isaak - üblicherweise allerdings etwas anders. Denn nicht erst in unserem Christentum, sondern auch schon im alten jüdischen Glauben ist längst eine Geschichte daraus geworden, in der nicht mehr die siegende Vaterliebe und die Idee eines menschlichen Gottes die Hauptthemen sind, sondern der groteske Gehorsamstest eines Gottes mit der Forderung nach einem Menschenopfer. Zwar verzichtet der Gott schließlich auf das Opfer, doch ändert das nichts daran, dass aus der Geschichte zur Forderung nach Menschlichkeit eine Geschichte zu Macht und Unterwerfung geworden ist. Und leider sind auch die Zehn Gebote, die eigentlich ein befreiendes Geschenk sein sollten, das 5. Gebot ist das gegen die Menschenopfer, eher zu einer ungeliebten "Zwangsjacke" verkommen.

Können wir nicht auch an dieser Veränderung die Verfälschung des Sinns des jüdischen Glaubens überhaupt ermessen, mit dem doch alles so verheißungsvoll menschlich angefangen hatte? Und zu allem Überfluss haben die machtpolitische Deutung dann auch unbesehen die anderen Religionen des Eingottglaubens übernommen. So wird die Abrahamgeschichte auch christlichen und moslemischen Kindern nie im Sinn des Siegs der Vaterliebe erzählt mit der Aufforderung nach einem Ende der Tötung von Menschen. Wir alle sind ganz offensichtlich längst wieder so sehr in die Glaubens- und Gedankenwelt von Vielgöttereien zurückgefallen, dass wir gar kein Verständnis mehr für das menschliche Grundanliegen dieser Geschichte und wahrscheinlich der ganzen "frohen Botschaft" der Bibel haben.

Das Problem ist eben: Da sind einige wenige, die den Durchblick haben, dass Menschenopfer im Grunde nur Ausbeutung, Herrschaftsinstrument sind und mit Angst und Schrecken zu tun haben - und die wollen das anderen Menschen nahe bringen, um davon abzulassen, für die das jedoch trotz allem immer noch Gottesdienst und Sinn des Lebens ist. Sind da nicht Missverständnisse geradezu vorprogrammiert? 

Jesus könnte sich selbst als endgültige Lösung des Problems Menschenopfer gesehen haben!

Wir wissen nicht genau, was Jesus selbst über seinen Kreuzestod dachte, denn da haben zu viele möglicherweise etwas anderes hineininterpretiert, als was Jesus selbst gesehen hatte. Doch er hatte ja gewiss eine katastrophale Verstricktheit der Menschen seiner Zeit in Sünde und Schuld gesehen (und das stimmt ja auch nach dem kriminologischen Ansatz dieser Website!) und sich selbst als denjenigen, der vom Vater im Himmel ausgesandt war, hier etwas zu ändern. Und da es gewiss Erinnerungen an Traditionen gab, dass man eine Gottheit durch ein Menschenopfer versöhnen konnte (siehe etwa die Rekonstruktion eines Menschenopfers aus archäologischen Befunden am Berg Jouchtas auf Kreta), könnte auch Jesus seinen Tod so gesehen haben - zur Erlösung der Menschheit!

Evangelische Missionare in Indonesien schufen mit derselben Methode in unserer Zeit die "Schrumpfkopfjagd" ab.

Wie allerdings noch in unserer Zeit Menschenopfer abgeschafft werden, haben uns etwa deutsche evangelische Missionare im 19. Jahrhundert in Indonesien vorgemacht. Dort gab es den schrecklichen Brauch der Kopfjägerei, die ja durchaus als Menschenopfer angesehen werden kann, da sie aus kulturellen Gründen geschah, und in gewisser Weise sind kulturelle Gründe auch immer religiöse: Ein junger Mann, der sich um ein Mädchen bemühte, musste zum Zeichen seiner Qualität "Schrumpfköpfe" vorweisen können, die er aus erfolgreich erlegten Männern aus Nachbardörfern "gewonnen" hatte. Natürlich hätte er bei dieser Jagd auch selbst zum Schrumpfkopf eines anderen Jägers werden können. Die Missionare verkündigten diesen Menschen nun den wahren Gott der Liebe und bauten vorzugsweise auf den Gemeindegrenzen die Kirchen, damit die früher verfeindeten Gemeinden jetzt gemeinsam die humanere Welt anstreben konnten.  

Und zur Abschaffung von Menschenopfern bei einem Volk in Afrika, indem dieser schreckliche Brauch durch einen vergleichsweise harmlosen Brauch ersetzt wird, siehe unter Beschneidung.

Im weiteren Sinn müssen auch die Hexen- und Ketzerverbrennungen (siehe auch Inquisition), der Holocaust (siehe Nationalsozialismus), die Todesstrafe und bisweilen auch das In-den-sicheren-Tod-Schicken von Soldaten und Zivilisten in Kriegen als Menschenopfer angesehen werden - hier immer, um das angeblich Böse auszurotten (und damit auch einer angeblichen Gottheit zu dienen). Mit dem Gott und der Religion der Bibel, also mit einem wirklichen Monotheismus, hat das allerdings alles nichts zu tun, der Glaube, damit etwas Gutes und etwas gegen das Böse zu tun, ist ein Rückfall in absolut heidnisches Denken.

Eine merkwürdige Verquickung von Frömmigkeit und Verbrechen in Indien bis ins 19. Jahrhundert finden wir im Buch "Reise um die Welt" von Mark Twain.

Angst und Schrecken werden von der Thag-Sekte auch hier verbreitet - allerdings scheint der Hintergrund nun wirklich nur noch kriminell zu sein und der Dienst an der Göttin mit privat organisierten Menschenopfern nur noch eine Rationalisierung!

Und in eigener Sache:

Na, haben Sie, lieber Besucher, hier gefunden, was Sie gesucht haben? Eigentlich dürften doch die Hintergründe, wie es zu Menschenopfern kam, wie man sie schließlich überwunden hat und was die Bibel damit zu tun hat, interessieren. Die Frage stellt sich jetzt allenfalls, warum diese plausiblen Gedankengänge nur in einem Winkel des Internets zu finden sind und nicht etwa von den "großen und kleinen Kirchen" verbreitet werden. Ich kann´s Ihnen sagen: Kein Interesse weder an der historischen Korrektheit noch an einer Verbesserung der Moral und einer wirklichen Emanzipation der Menschen! Nach wie leben die Kirchen ja von den Ängsten und Zwängen der Menschen, und welche Blamage für sie, wenn sich herausstellt, dass diese Ängste und Zwänge eigentlich überflüssig sind und dass gerade die christliche Religion eigentlich helfen soll, diese Ängste zu überwinden. Aber es sind nicht nur die Kirchen! Ich habe einmal versucht, die Theorie von der Überwindung der Menschenopfer im Zusammenhang mit der Bibel unter dem Stichwort "Menschenopfer" bei Wikipedia einzugeben. Doch meine Ergänzung war, eh ich mich´s versah, wieder rausgeflogen. Das also zur Neutralität von Wikipedia! Und wenn Sie´s nicht glauben, was ich schreibe, versuchen Sie doch einmal die Theorie von der Überwindung der Menschenopfer im Zusammenhang mit der Bibel bei Wikipedia einzugeben!

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)