MITGIFTMORDE nennen wir die Morde an Ehefrauen, wenn ihre Mitgift nicht hoch genug war. Mehr erfahren Sie aus folgendem Beitrag in der WELT vom 20.12.1988.

Doch wenn Sie die merkwürdigen Mißbräuche in einer anderen Religion be- und verurteilen, bedenken Sie, daß Indien über eine Milliarde Einwohner hat - und 4100 sind da nicht sonderlich viele schwarzen Schafe. Auch sollten Sie überlegen, ob das nicht auch bei uns vorkommt, daß Ehepartner wegen des Geldes umgebracht werden, nur davon redet niemand und noch weniger gibt es eine Statistik. Natürlich soll das nichts entschuldigen!

 

Hochzeit ist für viele Männer ein Geschäft / Gesetze verhindern Mißachtung der Frau nicht

 

Verboten aber nach wie vor praktiziert: die Wltwenverbrennung. Der erzwungene Freitod der 18jährigen Roop Kanwar (Foto) löste 1987 weltweite Empörung aus 

 

Für Tausende wird Mitgift jährlich zur Todesfalle

von Marta Weidenhiller

 

Wenn der Monsun aufhört zu wüten, befällt Emsigkeit Indiens Astrologen. Sie erstellen Horoskope, bestimmen Termine - es ist Hochzeit für Hochzeiten. Sie gleichen vielfach noch immer einem orientalischen Märchen - prunkvoll und verschwenderisch. Doch Glanz und Glitter trägen. Von Romantik, von Liebe ist da meist keine Spur, das knallharte Geschäft triumphiert. Und was einst als Geschenk dargebracht wurde, wird heute häufig zur Todesfälle: die Mitgift.

Gesetzlich ist sie zwar seit 1961 verboten; aber niemand hält sich daran. Im Gegenteil. Das Geschäft mit ihr floriert. Da schriftlich nichts festgehalten wird, ja auch nicht kann, sind der Erpressung Tür und Tor geöffnet. Ein Beispiel - und nur eines von Tausenden - zeigt, welche Tragödien sich hier abspielen: Ihre Ehe war arrangiert, und Renu und Rajesh möchten sich sogar. Auch über die Mitgift herrschte Einigkeit: Gold und Schmuck im Wert von umgerechnet 15000 Mark, eine Stereoanlage, ein Fernsehgerät, zwei goldene Armbanduhren, ein silbernes Teeservice - mindestens 600 Mark wert, 21 Goldsaris für die weiblichen Verwandten des Bräutigams.

Aber kurz nach der Hochzeit wollte der Computerfachmann hoch hinaus - er wollte nach Amerika. Nicht aber seine junge Frau. Damit begann das Elend. Sie verhindere seine Karriere, behauptete er und stellte Nachforderungen, immer mehr, immer höher. Die Eltern Ranus, inzwischen hoch verschuldet, verweigerten schließlich die Zahlungen. Kurze Zeit später war ihre Tochter tot. Ein „Unfall in der Küche" lautete die Todesursache.

Kaum ein indischer Haushalt, in dem nicht Kerosin zum Kochen benutzt wird. Wie leicht wird es verschüttet, fängt Feuer, das dann den hauchdünnen Sari erfaßt, heißt es. Doch Tatsache ist: Die Frauen werden mit Kerosin übergössen, dann angezündet. Sie verbrennen, es gibt keine Hilfe, keine Zeugen, keine Spuren.  

„Bride burnng" ist Alltagsgeschehen in Indien geworden: Mehr als 4100 Frauen, wurden seit 1985 umgebracht, weil sie nicht genügend Mitgift in die Ehe brachten, räumte jetzt Innenminister Chidambarairi ein. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen. Schon 1980 kam es allein in Delhi zu 700 Mitgiftmorden.

 

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