Moral zwischen Sittsamkeit und Sittlichkeit

Mit MORAL wird die sittliche Haltung einer Person, einer Gemeinschaft, einer Zeit oder einer Kultur bezeichnet. Unsere menschliche Situation ist ja nun einmal, dass wir vernünftig mit anderen Menschen zusammenleben wollen und schließlich auch in enger Gemeinschaft mit einem einzigen Menschen, der dann für uns in besonderer Weise auf Gegenseitigkeit Partnerschaft, Schutz, Rausch, Versorgung, Harmonie und Beständigkeit bedeutet. Und da dies alles ja auch notwendig ist, wenn es gilt, Kinder nicht gerade nur zu zeugen, sondern auch zu versorgen und aufzuziehen, gibt es vermutlich sogar eine natürliche Veranlagung zur Moral.

Die Schwierigkeit dabei ist, dass gerade in Gesellschaften mit ausgeprägten Herrschaftsstrukturen (siehe Patriarchat) nur zu oft gar kein Interesse besteht, dass Menschen nach ihrem wirklichen Eigeninteresse leben, also nach dieser ihrer natürlichen Veranlagung zur Moral zumindest nicht in der höchstmöglichen Form. Der Drang, andere von einer Moral zu ihrem eigenen Nutzen abzubringen und dorthin zu lenken, wo sie leichter von den jeweils Herrschenden (und das können durchaus auch die eigenen Eltern sein!) manipuliert und ausgenutzt werden können, ist einfach zu stark. Moral ist eben nur zu oft immer noch die Moral der Herrschenden.

Damit nun eine derartige Manipulation vor allem den Manipulierten nicht auffällt, lassen sich patriarchalische Gesellschaften immer wieder eine Scheinmoral einfallen, die zwar denjenigen, die sie leben, nichts wirklich hilft, jedoch ihr Bedürfnis nach Moral erfüllt. Doch es handelt sich natürlich nur um eine trügerische Scheinerfüllung, in Wirklichkeit ist der Mensch sozusagen "moral-los", ein höchst gefährlicher Zustand. Man deckt sozusagen ein dünn zugefrorenes Gewässer mit einer Schneedecke zu, so dass es so aussieht, als ob alles sicher ist. Die Folge ist, dass Menschen es für überflüssig halten, sich ausreichend vorzusehen und etwa schwimmen zu lernen und bei Gelegenheit eben einbrechen und verunglücken.

Man muss also Moral unterscheiden in eine im Sinn von Sittsamkeit und in eine im Sinn von Sittlichkeit (nach R. Lay). Die meisten Menschen wollen leider nur, dass es so aussieht, als seien sie moralisch:

1. Moral im Sinn von Sittsamkeit. Oder eben eine Scheinmoral (weil sie eben doch nicht hält, wenn´s drauf ankommt).

Und so müssen wir besonders in den Bereichen, die für unsere menschlichen Beziehungen einerseits grundlegend sind und die andererseits so persönlich sind, dass sie leicht mit Tabus belegt werden können, nach veräußerlichter und nach wirklicher Moral unterscheiden:

Eine Scheinmoral im Sinn von "Sittsamkeit" oder Sitte und Anstand, die uns im Grunde überhaupt keine Vorteile bringt und die uns gleichzeitig am besten auch gar nicht mehr nachfragen lässt, was eigentlich wirkliche Moral ist und für uns leisten soll. Hauptsache, die anderen meinen, wir seien moralisch!

Solche Moral lässt sich am ehesten von der Tradition her ("weil es schon immer so war") mit Ängsten, Zwängen und Tabus überstülpen. Das Ergebnis ist dann schon von Kind an eine typische Leibfeindlichkeit und Verklemmtheit, die jedoch als Moral empfunden wird und jeden Zugang für wirkliche Moral blockiert, nach den Gesetzen des horror vacui ist unsere "Leerstelle" für Moral eben besetzt. Und das fällt zunächst bei den jungen Menschen in der Pubertät auf: Die jungen Leute können nicht sachlich und vernünftig reden, geschweige denn denken über die ganze Problematik Sexualität und Partnerschaft - und schon gar nicht handeln. Schließlich kommt es dann auch noch zu den für uns typischen heiligen Kühen und Mauern in den Köpfen, die uns starr, schläfrig und passiv werden lassen.

Psychologen sprechen hier von einer Moral aus dem Über-Ich heraus als Folge eines über-ich-gesteuerten Gewissens.

Wenn es auch wegen unserer kulturellen Traditionen oft nicht anders geht, so können wir doch sagen, dass für wirkliche Moral und damit auch für wirkliches Glück das alles kaum nützlich ist. Menschen mit solchen Moralvorstellungen zeichnen sich mitnichten durch eine bessere Menschenkenntnis aus, die uns allein befähigt, ein wirkliches eigenes Lebenskonzept zu haben und um die Gleichgültigkeit, Verantwortungslosigkeit, Hinterhältigkeit und Selbstsüchtigkeit anderer frühzeitig abschätzen zu können und sich selbst anders zu verhalten. Daher werden Menschen mit einer Scheinmoral auch keinesfalls weniger anfällig für Verführungen als diejenigen ohne solche Vorstellungen. Ja, sie werden vor lauter sinnlosen Ängsten vor Spannern und Exhibitionisten, vor Unbekannten und schließlich auch vor Gewalt nur zu oft ausgesprochen blind gegenüber dem, was wirklich gefährlich und schädlich ist.

Leider wird jedoch gerade diese veräußerlichte Moral erfahrungsgemäß von den meisten Menschen auch noch als die typische Moral gewertet. Und so sehen sie überhaupt kein moralisches Problem darin, wenn sie sich beispielsweise auf sexuelle Abenteuer einlassen, unter denen nicht nur ihre Einheit von Leib und Seele leidet, solange sie nur ansonsten die üblichen Regeln von Sitte und Anstand einhalten. Und bei ihren Abenteuern halten sie es schon für Moral, wenn sie ihre Mitmenschen in begehrenswert und nicht begehrenswert oder lohnenswert und nichtlohnenswert einteilen und wenn sie sich zu fein für einen Nichtbegehrenswerten oder Nichtlohnenswerten vorkommen und mit ihm nichts zu tun und schon gar nicht Geschlechtsverkehr haben wollen.

Die negativen Folgen von solchem Verhalten fallen vielleicht nicht gleich auf, doch gewiss später. Vielleicht gehören solche Menschen auch zu denjenigen, die leicht zufriedenzustellen sind, einfach, weil sie keine Vergleichsmöglichkeiten kennen.

Mit wirklicher Moral hat das dann zumindest nichts mehr zu tun. Solche Moral ist im Grunde nur völlig leeres Getue, weil sich jeder ja doch nur alles so zurechtlegt, wie es ihm gerade in den Kram passt ("wenn man sich liebt, dann darf man..."), von einer wirklich prinzipientreuen Einstellung kann gar keine Rede sein, solche Moral ist eine typische Sklavenmoral.

Obwohl hinter solcher Moral im Grunde gar keine wirkliche Sittlichkeit steht, obwohl sie also für wirkliche Moral nutz- und wertlos ist, benötigen wir sie dennoch zur Aufrechterhaltung unseres Selbstwertgefühls, weil wir uns ansonsten abgrundtief schlecht vorkommen würden - wenn es schon nicht Brot gibt, so essen wir eben die Steine nehmen, Hauptsache, wir haben etwas im Magen.... (in Anlehnung an Matthäus 7, 9: "Oder welcher Mensch ist unter euch, der, wenn sein Sohn ihn um ein Brot bittet, ihm einen Stein geben wird?")  Siehe auch Horror Vacui.

Wir kennen die berühmte Gegenüberstellung von echter und von solcher nur scheinbarer Moral aus der Adam-und-Eva Erzählung: Als die beiden gesündigt hatten und merkten, dass dadurch ihre Unbefangenheit und damit ihr Paradies verloren war, Kennzeichen davon war die Nacktheit, erfanden sie - ihnen selbst völlig unbewusst - mit der Scham eine Ersatz- oder Scheinmoral und banden sich Feigenblätter um!

2. Moral im Sinn von Sittlichkeit ist etwas völlig anderes:

Eine Moral im Sinn von echter innerlicher Sittlichkeit kommt dagegen immer aus einem größeren Durchblick heraus, aus einem Lebenskonzept und Realitätsbewusstsein, aus einer inneren Antwort auf eine bewusste Frage nach dem Sinn des Lebens, aus Vorstellungen zur Verwirklichung der Liebe in gelungener Einheit von Leib und Seele und damit aus einer verstandesmäßigen Furcht, diese zu verpassen.

Grundlage dafür können nur umfassende und verlässliche Informationen sein über Chancen und Fallgruben, über mögliche Irrwege und vor allem über alternative Wege. Dabei sind auch ausreichende Kenntnisse über unsere natürliche Mechanismen und über die Folgen und Kehrseiten von dem unerlässlich, was so auf den ersten Blick positiv und erstrebenswert erscheint (siehe Ambivalenz). Schließlich muss ein Mensch, der wirklich moralisch sein möchte, nicht nur wissen, was wirkliches Glück ist, sondern er muss auch unterscheiden können, was alles diesem Glück schadet oder es sogar zerstört und was im Grunde harmlos ist und erst durch Angstmacherei eine Bedeutung erhält.

Und so kommt ein moralischer Mensch nicht durch Verbote und aus Angst vor Strafe zu kleinlicher Prinzipienreiterei, wobei er die wichtigen Dinge doch nicht erkennt, sondern entwickelt aus dem größeren Überblick heraus feste Grundsätze für sein Denken und Handeln. Daher bringt er dann auch genügend Phantasie auf, veränderliche Strategien zu entwickeln, um nicht schließlich doch die entscheidenden Fehler zu begehen, die dem Sinn der ganzen Moral zuwiderlaufen. Ja, er wird sogar durch sein moralisches Verhalten im Umgang eine Art höhere Befriedigung erfahren, vor allem durch den unkomplizierteren und bewussteren Umgang mit anderen Menschen.

In der Moralerziehung unserer jungen Menschen schicken wir diese in die falsche Richtung!

Denn dabei gehen wir nach einen Moralmodell vor, das die jungen Menschen nun einmal nicht in Richtung einer Moral der Sittlichkeit, sondern der Sittsamkeit leitet. Leider, und das geschieht im Allgemeinen auch immer mit den besten Absichten. DAbei wäre es doch gar nicht schwierig, den jungen Menschen zu vermitteln, was wirkliche Moral ist. Schauen Sie doch einmal in das Stichwort "Einstieg", bei dem beschriebenen Spielfilm "Kids" wird deutlich, wie Menschen zur eigenen Triebbefriedigung benutzt werden. Doch es sind nicht nur die Jungen - schließlich machen die Mädchen ja mit. Moral hätte etwas mit fairen Spielregeln gegenüber dem anderen Geschlecht, doch auch etwas mit Wissen und Durchblick zu tun, was man machen kann und was man eben besser nicht macht.

Jesus war kein Moralapostel im Sinn der Moral der Heuchler und Pharisäer.

Bisweilen wird angezweifelt, ob Jesus nun Moral wollte, denn nach Meinung sogar mancher Theologen geht dies nicht eindeutig aus dem hervor, was Jesus wirklich zuzuschreiben ist. Dazu ist zu sagen, dass Jesus gewiss kein Moralapostel war und eben nicht das wollte, was viele auch unserer heutigen Zeitgenossen unter Moral verstehen, und das ist nun einmal die Moral im Sinne von „Sittsamkeit“ nach (1), die die Heuchler und Pharisäer  kennzeichnet. Und gegen die hat er ja ausgiebig gewettert. Was sollte er denn auch machen, wenn er etwa mit der Frau am Jakobsbrunnen (der mit den 5 Männern nach Joh. 4) oder mit der "Sünderin" (Joh. 8) redete, er konnte sich gewiss denken, dass diese Frauen gewiss nicht aus freien Stücken (siehe Durchblick) zu ihrem Schicksal gekommen waren? Sein Ansatz war eben das ganze dekadente System, das die Menschen gar nicht moralisch leben ließ! Und so kann man durchaus aus den überlieferten Worten Jesu entnehmen, dass er gegen die verklemmte „Schleiermoral“ seiner Zeit war, wenn er auf die Lilien des Feldes hinweist (etwa Matthäus 6,28), die sich nicht um ihre Kleidung sorgen und nicht spinnen und weben und gegenüber denen selbst Salomon in all seiner Pracht verblasste. Gegen wirkliche Moral hatte Jesus nun wirklich nichts, ja er ist vermutlich genau dafür gestorben, doch die sieht nun einmal völlig anders aus als das, was so im allgemeinen unter Moral verstanden wurde und wird. Wenn jemand heute bei Jesus ein moralisches Anliegen vermisst, so ist das ein ziemlich sicheres Indiz, dass der Betreffende selbst kein moralisches Anliegen sehen will. Er wird schon seine Gründe dafür haben!

Damit sich nun nicht jeder seine eigene Moral selbst macht, wodurch wir wieder nur bei den oberflächlichen Begriffen von Moral landen und wodurch die Grundlage jeder funktionierenden Gemeinschaft, nämlich die Verhaltenssicherheit, zumindest auf Dauer zerstört wird, urteilen wir Christen nicht nach irgendwelchen schwammigen Begriffe von Gut und Böse, die doch jeder nach seinem Gutdünken interpretiert, sondern inzwischen (wieder) nach den Kriterien Gebrauch und Missbrauch.

Letzter Maßstab hierfür sind die Zehne Gebote. Und das heißt zunächst einmal, dass sich andere unter allen Umständen darauf verlassen können, dass wir uns sozusagen als Vorleistung selbst an diese Spielregeln halten. Und damit dies bei möglichst vielen Menschen geschieht, müssen manche Menschen auch ihre Verantwortlichkeit erkennen, diese Spielregeln zu vermitteln - auch das gehört dann zur Moral.

Wirkliche Moral bringt nicht erst Erfüllung in einer stets doch ungewissen Zukunft und leitet sich schon gar nicht von dieser ab, sondern führt zur besseren Welt unter uns Menschen hier und jetzt (siehe auch Paradies!) und vermeidet viel schädlichen und überflüssigen Stress, weil sich jegliche Heuchelei, Verdrängung und Verklemmtheit erübrigt.

Die Entfaltung des Menschen bei wirklicher Moral

Daher werden wirklich moralische Menschen auch zu einem freieren und ungezwungeneren Umgang untereinander fähig. Es kann also bei wirklicher Moral gar keine Langeweile aufkommen, denn gerade durch sie wird erst die Phantasie und Spontaneität möglich, die nun einmal zu einem geglückten Manselbstsein gehört, ohne dass es von anderen auf Dauer missverstanden werden kann. Und schließlich werden wir auch durch sie frei für die entscheidenden Grenzerfahrungen, die die eigentliche Würze unseres Lebens sind oder wenigstens sein könnten.

Menschen, die kein geglücktes Verhältnis zur Moral haben und dennoch anderen Moral beibringen wollen, nennt man Moralapostel. Sie haben kein Verständnis, dass Moral auch freier und ungezwungener machen und sogar ausgesprochenen Spaß bringen kann, ja man kann sie sogar daran identifizieren, dass sie an der Moral leiden.

Wahrscheinlich allerdings sind es die Establishments der verschiedenen Kulturen seit alters her, die ein Nachdenken über den Unterschied von Scheinmoral und echter Moral und über plausible Begründungen einer selbstbewussten Moral stets nachhaltig verhindern.

Der Einfachheit halber wird daher auch in den Forschungen zur Moral, die von den heutigen Establishments ausgehen, die Beziehung Moral-Sexualität weitgehend vernachlässigt. Wenn es da um Moral geht, stehen Themen wie wirtschaftlicher Konkurrenzkampf, Außenseiter, Benachteiligte, Ungerechtigkeiten, (äußere) Emanzipation im Vordergrund, Abtreibung (unter anderem auch von offensichtlich behinderten Kindern), ohne zu bedenken, dass da möglicherweise ein sehr naher Zusammenhang besteht. Die (abgetrennte) Moral der nächsten menschlichen Beziehungen wird den speziellen Jugend-, Frauen- und Männermagazinen überlassen. Doch da gibt es vermutlich gar kein wirkliches Interesse an einer Änderung zum Besseren, weil es letztlich dort um wirtschaftlichen Nutzen geht und die Leser deshalb eher von der Warte der Aufforderung zum Konsum aus beeinflusst werden sollen.

Eingefahrene Gesellschaften haben kein Interesse an wirklicher Moral - und gerade das beweist doch, dass sie möglich ist.

Es besteht allerdings kein Grund zur Annahme, dass eine ernsthafte Beschäftigung mit der Moral der nächsten menschlichen Beziehungen immer aussichtslos bleiben müsste. Die Bedingungen für eine Änderung hin zu einer funktionierenden wirklichen Moral sind vermutlich folgende:

  1. Da der größte Feind jeglicher echter Moral eine Scheinmoral oder Ersatzmoral ist, nicht nur weil dadurch die echte Moral ersetzt wird, sondern weil sie völlig blockiert wird, müssen Wege gefunden werden, dass es möglichst erst gar nicht dazu kommt. Es ist absolute Glücksache, wenn es gelingt, eine einmal festgefahrene Scheinmoral zu korrigieren.

  2. Wirkliche Moral muss von jemandem vertreten werden, der nicht gerade völlig unsympathisch ist und der sich vor allem nicht bereits selbst schon durch seine Predigten einer Scheinmoral unbeliebt gemacht und seine Glaubwürdigkeit verspielt hat. Das gilt weitgehend auch, wenn jemand im Namen einer Organisation (Kirche oder Partei) spricht, auf die dies zutrifft. Wenn eine Religion erst einmal mit Scheinmoral und Heuchelei in Verbindung gebracht wird, ist es fast unmöglich, junge Leute vom Gegenteil zu überzeugen.

  3. Wirkliche Moral muss die möglichen Opfer motivieren und schlau machen, nicht mehr Opfer zu werden. Wir müssen also lernen, wie wir ohne leichtfertige Vorurteile und Projektionen andere Menschen unterscheiden können, inwieweit für sie derselbe Maßstab der Gebote gilt und wie weit wir uns da ihnen vertrauen können, damit wir nicht trotz eigener guter Absichten letztlich doch wieder reinfallen und so wieder in den Kreislauf von Täter und Opfer hineingeraten und ihn so fortführen.

  4. Wirkliche Moral darf nicht mit Ängsten, Zwängen oder Tabus verknüpft werden, denn damit kommt immer nur eine Sklavenmoral heraus.

  5. Sie muss auf brauchbarem Realitätsbewusstsein aufbauen und nicht auf Unglaubwürdigkeiten (siehe Irrationales). 

  6. Eine lohnend erscheinende Utopie gehört schon dazu!

  7. Das alles muss rechtzeitig geschehen, also noch längst vor der Pubertät, so dass sich die Menschen wirklich darauf einrichten können (siehe Kairos).

  8. Ein positiver Gruppeneffekt sollte mitschwingen (siehe Gruppenzwang).

  9. Sie darf nicht nur nicht langweilig sein, sondern sie muss sogar Spaß machen und Nervenkitzel und Erfolgserlebnisse bringen und Grenzerfahrungen erleben lassen.

  10. Und wie sehr auch ein Gottesglaube im Sinn eines wirklichen christlichen Glaubens dazu gehört, siehe unter Gnade.

Dagegen scheint ist es insbesondere für junge Menschen wenigstens zunächst einmal ziemlich belanglos zu sein, ob eine wirkliche Moral in die jeweilige Kultur passt und ob sie eventuell sogar nur mit erheblicher Anstrengung gelebt werden kann. Schöne Dinge sind nun einmal nie einfach und billig zu erreichen, irgendwie ist das doch auch uns allen klar. Was schinden sich nicht manche Menschen um Dinge, bei denen es um viel weniger als um das Glück des Lebens geht? Wenn wir bedenken, was manche Sportler alles an Freizeit, Bequemlichkeit und Vermögen opfern, um eine Medaille zu gewinnen, was manche Bergsteiger unter extremen Bedingungen frierend und hungernd aushalten, um einen Berg zu erklimmen, oder welche Leistungen Menschen in einem zerstörerischen Krieg vollbringen, warum sollte Ähnliches nicht für das weiß Gott höhere Ziel der Liebe möglich sein, wenn wir Menschen nur wüssten wie und warum!

Und das kann eigentlich nur bedeuten, dass in dieser Moral durchaus unkomplizierte Nacktheit zwischen den Geschlechtern nicht nur akzeptiert werden kann sondern sogar bei bestimmten Gelegenheiten gefördert werden muss - und das ist vorläufig das Dilemma der Moral im Sittlichkeit, weil mit der Realisierung erst einmal viele Menschen ihre Probleme haben. Und dann müssen junge Menschen auch noch auf das Erlebnis aktiver Enthaltsamkeit hin erzogen werden, damit sie auch tatsächlich das berauschende Gefühl der damit verbundenen Endorphine (Anti-Stress-Hormone) erfahren und so am eigenen Leib und an der eigenen Seele einen unmittelbaren und faszinierenden Sinn der Moral erkennen können!  

Aber: Kann es überhaupt eine Begründung von Moral aus sich heraus geben? Ist der Mensch nicht von Grund aus egoistisch, und ist nicht schon von daher jede Moral gegenüber anderen unmöglich?

Wenn wir die leib-seelische Einheit des Menschen als menschliches Ziel schlechthin postulieren, so ist das Erreichen dieses Ziels nur mit einem gewissen Maß an Altruismus möglich. Denn ich kann etwa niemanden zu so einer leib-seelischen Gemeinschaft mit mir zwingen, denn das wäre ein Widerspruch in sich, sie muss also absolut freiwillig sein. Und wenn andere alle für mich möglichen Partner verderben, dann kann mir die leib-seelische Einheit auch nicht gelingen. Also muss ich mich für sie einsetzen. Also ist Altruismus unbedingt für mein eigenes Glück unerlässlich. Das heißt, gerade der wahre Egoist kümmert sich auch um das Glück der anderen!

Wie unter dem Etikett des "neutralen Wissens" von der Moral abgelenkt wird, siehe unter Wikipedia

In unserer Kulturproduktion ist die Diskrepanz zwischen Moral im Sinn von Sittsamkeit und im Sinn von Sittlichkeit durchaus Thema. Zum Beispiel:

1. Das Theaterstück (soziales Drama) "Ein Inspektor kommt" des englischen Autors John Boynton Priestley.

2.  Das Theaterstück (tragische Komödie) "Der Besuch der alten Dame" des des Schweizer Schriftstellers Friedrich Dürrenmatt.

Beide Stücke sprechen für sich selbst: Auf der einen Seite die äußerliche Wohlanständigkeit der Bürger, auf der anderen Seite ihre innere Kälte und Gleichgültigkeit - und gerade auch gegenüber einer jungen Frau... Interessanterweise taucht in beiden Beiträgen, die von Wikipedia übernommen wurden, das Wort Doppelmoral nicht auf und auch nicht der Hinweis, dass in den Theaterstücken auch die Zuschauer angesprochen sind, die doch auch nicht anders sind.

Und Konsquenzen für die Praxis heute? Siehe unter Stichwort "Kindergarten" den Essay "Das Rätsel der heiligen Drei Könige und der `Nacktkindergartenskandal´ von Duisburg".

 ( Wörterbuch von basisreligion)