Die NACHFOLGE JESU sollte das Ideal eines jeden Menschen sein, der wirklicher Christ sein möchte.

Doch bevor wir jemandem - und gerade auch Jesus - nachfolgen, müssen wir uns erst einmal klar werden, wer er wirklich war und was er wollte. Auch hier gilt: Wirkliche Qualität hat nur das Original!

Ansonsten laufen wir Gefahr, daß uns am Ende jemand "untergejubelt" wird, der nichts oder zumindest kaum etwas mit der Wirklichkeit zu tun hat, daß also jemand diesen Jesus sozusagen vor den Karren seiner eigenen Ziele spannt und daß wir am Ende sogar wie Nützliche Idioten immer nur das weitergeben, wogegen er schon bis zu seinem Tod gekämpft hatte. Zur wirklichen Nachfolge Jesu gehört also unbedingt erst einmal die Erforschung des wirklichen Jesus und die Orientierung an ihm! Welches Gottesbild hatte er überhaupt? Ohne solche Orientierung ist die Nachfolge "leer" - und auch die Liebe, die wir in seinem Namen verkünden....

Inzwischen ist die Leben-Jesu-Forschung, also die Forschung um den wirklichen Jesus, weitergegangen und es kann sich auch niemand mehr herausreden, daß wir heute nicht mehr genau wissen, wer Jesus wirklich war, und daß wir daher nur den Jesus verkündigen können, wie ihn die frühe Kirche sah - also den Jesus des Kerygmas

Es ist zwar in den vergangenen zweitausend Jahren ziemlich viel vor allem von anderen Weltanschauungen in unseren Glauben eingeflossen, unser christlicher Glauben ist sozusagen ein Synkretismus aus leibfeindlichem Dualismus und leibfeindlicher Gnosis, aus Buddhismus und typischer Volksreligion, aus römischer Priesterreligion und germanischem und keltischem Geister- und Götterglauben (?) und anderem geworden. Allerdings wissen wir, daß Jesus sich beispielsweise mit Frauen bis hin zu  Prostituierten unterhalten hatte (eine in seiner Zeit ziemlich ungewöhnliche Verhaltensweise), daß er bei seinem Engagement für die Liebe und gegen die Sünde und gegen die Heuchelei und die Hartherzigkeit sozusagen zerrieben wurde - und da bleibt also sonst eigentlich nicht viel übrig, für was er sich eingesetzt haben könnte (siehe Plausibilität)! Nach der Entmythologisierung ist eine realistische Lösung der kriminologische Ansatz (siehe Jesus und die Sünderin und "die Lehre des Jesus").

Und die fehlende Sachlichkeit, mit der dieser Ansatz, obwohl er so nahe liegend ist, übersehen und abgelehnt wird, und zwar gerade innerhalb derselben bourgeoisen Gesellschaftsschichten, die Jesus schon vor fast zweitausend Jahren abgelehnt hatten, ist fast schon der Beweis schlechthin, daß wir damit auf der richtigen Spur sind! Und die Spur führt zu einem sehr konkreten und mitreißendem Jesus, der nichts mit dem jenseitsorientierten oder morbiden Jesus, den die Kirchen heute verkünden, zu tun hat. Und diesem Jesus hier kann man auch durchaus nachfolgen, weil er einfach ein Mensch und daher wirklich ist, einem jenseitigen gerade in den wesentlichen Dingen doch nicht! Denn nur ein diesseitiger Jesus hat auch eine Sexualität, die als Vorbild dienen kann, ein jenseitiger braucht so etwas doch gar nicht - und hat es auch nicht, nicht umsonst wird in der Bibel und in der Theologie darüber alles ausgelassen (siehe Jesus und die Sexualität). Die Fundamentalisten mögen zwar in vielem Unrecht haben, doch in einem haben sie recht, daß eine Chance auf Erfolg der christlichen Verkündigung nur besteht, wenn wir zumindest schon einmal ein festes Bild beziehungsweise eine feste Vorstellung von Jesus haben. Und welche andere Sicht als die des "kriminologischen Ansatzes" kommt denn sonst noch infrage?

Es geht nicht darum, den Jesus zu verkündigen, sondern wir müssen verkündigen, was Jesus verkündigte, und was zumindest in seinem Sinne ist!

Nachfolge Jesu heißt also: Wir müssen dort weiter machen, wo Jesus aufhören musste, es sei denn, die Probleme zu seiner Zeit, also die der Heuchelei und der Hartherzigkeit im Hinblick auf die leibseelische Einheit der Menschen sind inzwischen gelöst. Doch wie es aussieht, sind die Probleme immer noch dieselben, nur vielleicht ein wenig anders...

Zu den Strategien derer, die in seiner Nachfolge stehen wollen, gehört mit Sicherheit auch, daß sie die Gebote selbst in ihrem eigenen Leben aus eigener Einsicht und aus eigenem Antrieb und nicht aus einem Zwang heraus verwirklichen (siehe Zehn Gebote) und sie die Menschen auch in diesem Sinn halten lehren. Nach Matthäus 5,19 wird derjenige, dem das gelingt, groß sein im Himmelreich. Für die Praxis des Lebens kann das nur heißen, daß beispielsweise Erziehungsmethoden, die erfahrungsgemäß zu keinem Erfolg im Hinblick auf das Halten von Geboten führen, endlich einmal als untauglich und böse eingestuft und über Bord geworfen werden (siehe etwa Scham und Sitte und Anstand) und statt dessen bisweilen durchaus ungewöhnliche Überlegungen gefördert werden. Müssen sich also wirkliche Nachfolger Jesu nicht vor allem auch daran orientieren, ob ihre Empfehlungen - und gerade die für junge Leute - sich auch in der Wirklichkeit als brauchbar erweisen? Und funktioniert das auf Dauer nicht nur, wenn diese Empfehlungen auch Vergnügen bereiten, weil sich ansonsten irgendwann ja doch niemand mehr daran hält? Vermutlich erfüllen also gerade manche auf den ersten Blick paradoxe und gewagte Vorstellungen wie die unter Ästhetik und  Enthaltsamkeit beschriebenen viel eher die Forderungen Jesu zu seiner Nachfolge als noch so brave und fromme Überlieferungen, ganz einfach, weil Menschen damit wirklich die Gebote halten können!

Oder kurz gesagt: Jesus will keine Verehrung, er will Nachfolge!

Was heute nicht alles als Nachfolge Jesu verkauft wird...

Ob von daher dann auch Strategien wie die Befreiungstheologie eines Leonardo Boff auch die Verquickung der Botschaft Jesu mit der Tiefenpsychologie eines Eugen Drewermann im Sinne Jesu immer akzeptabel sind, ist zumindest fragwürdig, weder bei Boff noch bei Drewermann scheint das Anliegen Jesu und damit auch nicht das Halten der Gebote im Hinblick auf die Einheit von Leib und Seele der Menschen eine größere Rolle zu spielen, von einem "Vergnügen oder gar Spaß beim Halten der Gebote" dabei ganz zu schweigen. Wichtig für eine wirkliche Nachfolge Jesu ist gewiß nur, daß wir uns mit der notwendigen Phantasie und Kenntnis der überlieferten Ideen um das Reich Gottes hier und jetzt bemühen und uns nicht durch zwangsläufige Widerwärtigkeiten abschrecken lassen. Mit Sicherheit ist jedoch nicht in seinem Sinn, daß wir hier eine Zerstörung des Glücks von Menschen akzeptieren, ihnen zur Entschädigung die Vergebung Gottes versprechen und sie ersatzweise auf künftiges Heil vertrösten, wie es ja die übliche Tätikeit von Priestern in den wohl meisten Religionen ist. Jesus war eben kein Priester und also auch kein Christus! Bevor wir nicht alles getan haben, was möglich ist, sind solche Versprechungen und Vertröstungen nichts mehr als die Neuauflage heidnischen Gedankenguts vom Geschäft mit der Angst um das, was angeblich nach dem Tod kommt, und daher als götzendienerisch anzusehen (siehe Götzendienst). Wir erinnern uns, daß Jesus die Händler aus dem Tempel getrieben hat (Mt 21,12f u.a.), wahrscheinlich ist die Wirklichkeit dieses Berichtes, daß er einem zum Geschäft verkommenen jüdischen Glauben eine Absage erteilt hat.

Auch Vorstellungen, daß Verehrung und sogar Anbetung Jesu, daß Entsagung und Leidensmiene, Kult und Opfer, das Feiern von Festen und Gedenktagen und die Verhinderung von Glaubenszweifeln zur Nachfolge Jesu gehören, weisen auf Einflüsse aus allen möglichen sonstigen götzendienerischen Religionen hin bis zu Ideologien wie der Gnosis, aber nicht, daß wir die Nachfolge Jesu begriffen hätten.

Ein Mißverständnis dieser Nachfolge ist also gewiß also auch, wenn seine angeblichen Nachfolger hinter Klostermauern verschwinden, um in Verzicht und in ständiger Gottesverehrung ihr Leben zu fristen, oder daß sie sich etwa wie im Mittelalter im Gedenken an Jesu Leiden und Sterben selbst auspeitschen und sogar verstümmeln.

Richtig verstandene Nachfolge Jesu kann also nicht heißen, daß wir mit ihm irgendeinen Personenkult (auch nicht mit Festen und Gedenktagen und mit großartigen Bauwerken - siehe allerdings Vandalismus) treiben, sondern daß wir dort weitermachen, wo Er aufhören mußte, weil man Ihn als unbequemen Störenfried sozusagen aus dem Verkehr gezogen und umgebracht hatte!

Und das kann doch nichts anderes bedeuten, als daß wir Sein Anliegen von der Erlösung zu hier und jetzt erfüllender Einheit von Leib und Seele weiter tragen, daß wir hier unsere Verantwortlichkeit für andere Menschen sehen und natürlich auch selbst an dieser Erlösung teil haben. Denn schließlich braucht das Glück unserer Mitmenschen ja nicht im geringsten im Gegensatz zu unserem eigenen Glück zu stehen, unser eigenes Glück und das Glück anderer bedingen sich höchstwahrscheinlich sogar einander!

Und wie handhaben wir das mit dieser Nachfolge? Natürlich kompromißlos und nur der Sache Jesu verpflichtet! Selbst noch so ehrwürdige Traditionen, noch so geheiligte Dogmen, noch so strenge Kirchendisziplin dürfen da keine Rolle spielen!

Also so etwas wie eine Jugendreligion (der 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts, wenn auch auf einem hohen ethischen Niveau)? Und: Es beginnt doch alles mit einer Information für Kinder.... Kann man denen denn mit solchen realistischen Ansätzen kommen? Verstehen die das überhaupt?

Und wie! Bedenken Sie: Schon Kinder sind heute so gut informiert und ihnen kommt so manches mehr als spanisch vor! Erwachsene haben merkwürdigerweise oft kaum Vorstellungen, was Kinder wirklich denken - aus unerklärlichen Gründen können sie sich nicht mehr an ihr Denken in ihrer eigenen Kindheit erinnern. Und hat nicht auch Jesus immer wieder darauf hingewiesen, bei Kindern zu beginnen?

Es kommt eben nur darauf an, wie man´s macht! Klar, wer nicht will, dem fehlt auch jede Phantasie. Auf alle Fälle habe ich die Erfahrung, daß es geht, gerade ein Unterricht bei Kindern in der wirklichen Nachfolge Jesu ist der Knüller  - und wie! Siehe Kindererziehung und Erstkommunion! (Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)