NATURRECHT

Gegenüber der Rechtsphilosophie hat der Begriff des Naturrechts in der katholischen Kirche eine besondere Bedeutung: Gott kann nichts von uns Menschen verlangen, was nicht auch ohne ihn sinnvoll und vernünftig wäre. Damit muss sich auch die Moral und gerade auch die Sexualmoral aus sich heraus begründen lassen (also nicht aus dem "weil-Gott-das-so-und-so-gesagt-hat"). Denn Gott hat im Zweifelsfall überhaupt nichts gesagt, wenn einer etwas gesagt hat, dann waren das Priester oder priesterähnliche Menschen, die das Gott in den Mund gelegt haben.

Papst Benedikt XVI hat in seiner Regensburger Ansprache auf ein Gespräch hingewiesen, was der byzantinische Kaiser Manuel II Paleologos wohl im Winterlager 1391 zu Ankara wohl mit einem gebildeten Perser über Christentum und Islam und beider Wahrheit führte. Ich zitiere diese Rde in Ausschnitten, die komplette Rede finden Sie etwa HIER:

Der Kaiser begründet, warum Glaubensverbreitung durch Gewalt widersinnig ist. Sie steht im Widerspruch zum Wesen Gottes und zum Wesen der Seele. „Gott hat kein Gefallen am Blut”, sagt er, „und nicht vernunftgemäß, nicht „σὺν λόγω” zu handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider. Der Glaube ist Frucht der Seele, nicht des Körpers. Wer also jemanden zum Glauben führen will, braucht die Fähigkeit zur guten Rede und ein rechtes Denken, nicht aber Gewalt und Drohung… Um eine vernünftige Seele zu überzeugen, braucht man nicht seinen Arm, nicht Schlagwerkzeuge noch sonst eines der Mittel, durch die man jemanden mit dem Tod bedrohen kann..." ... Der entscheidende Satz in dieser Argumentation gegen Bekehrung durch Gewalt lautet: Nicht vernunftgemäß handeln ist dem Wesen Gottes zuwider. Der Herausgeber (des Buches, auf das sich der Papst beruft) Theodore Khoury, kommentiert dazu: Für den Kaiser als einen in griechischer Philosophie aufgewachsenen Byzantiner ist dieser Satz evident. Für die moslemische Lehre hingegen ist Gott absolut transzendent. Sein Wille ist an keine unserer Kategorien gebunden und sei es die der Vernünftigkeit. Khoury zitiert dazu eine Arbeit des bekannten französischen Islamologen R. Arnaldez, der darauf hinweist, daß Ibn Hazm so weit gehe zu erklären, daß Gott auch nicht durch sein eigenes Wort gehalten sei und daß nichts ihn dazu verpflichte, uns die Wahrheit zu offenbaren. Wenn er es wollte, müsse der Mensch auch Götzendienst treiben.

Nach christlicher Auffassung kann Glott also keinen Unfug von uns verlangen, auch Gott ist an Sinn und Vernunft gebunden. Das heißt allerdings auch, dass die Sexualmoral der christlichen Religion nicht aus der Bibel oder aus irgendwelchen Geboten (und wenn sie noch so göttlich sind), sondern aus sich heraus begründbar sein muss! Dies wurde etwa in dem "Heft" (viel mehr ist es nicht) "Zum Glück der hohen Liebe" versucht. 

 (Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)