Der Apostel PAULUS ist erst mindestens zwanzig Jahre nach dem Tod Jesu in den engsten Kreis der Jünger Jesu aufgenommen worden. Er entstammte der jüdischen Priesterschicht, also aus den Kreisen, mit denen Jesus zu seinen Lebzeiten sich in heftigster Auseinandersetzung befand (siehe Pharisäer), und war von antikem Denken und von der damaligen griechische Philosophie beeinflusst.

Paulus kannte Jesus nicht persönlich, hat allerdings schließlich aus seiner eigenen Sichtweise einen so entscheidenden Einfluss auf die Lehre Jesu genommen, dass es möglich ist, dass er sie verfälscht hat. Doch es kann auch sein, dass er die Lehre Jesu noch am besten gekannt hat - und Paulus sich daher am besten eignet, dem wirklichen Jesus näher zu kommen. 

Im Prinzip hat Paulus nämlich richtig erkannt, dass Fehlverhalten in der Sexualität wie Prostitution, Seitensprünge, Homosexualität und Perversität nicht zum menschlichen Glück und zum Reich Gottes führen, und er verurteilt auch dies alles engagiert, vielleicht sogar zu engagiert (hatte er etwa sogar massive Leichen im Keller?). Vieles von seiner Theologie - vor allem in Römer 5,12ff  ("Darum, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod und so der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ist, weil sie alle gesündigt haben - denn bis zum Gesetz war Sünde in der Welt; Sünde aber wird nicht zugerechnet, wenn kein Gesetz ist. Aber der Tod herrschte von Adam bis auf Mose selbst über die, welche nicht gesündigt hatten in der Gleichheit der Übertretung Adams, der ein Bild des Zukünftigen ist...) - klingt auch durchaus danach, dass er von demselben redet, von dem der wirkliche Jesus vermutlich geredet hatte. Allerdings dürfte er das Anliegen des wirklichen Jesus (siehe Leben-Jesu-Forschung) von der Befreiung der Frau (und damit auch des Mannes) zu wirklicher Liebe und Partnerschaft (siehe Jesus und die Sünderin) und damit auch von der Gleichwertigkeit der Frau (siehe Emanzipation und Freiheit) nicht so recht verstanden haben, daher war ihm auch die Vorstellung Jesu von einer diesseitigen Einheit von Leib und Seele letztlich wohl nicht zugänglich.

Jesus kann man eben eher als Praktiker sehen, der etwa die Lüge und die Heuchelei seiner Zeit lösen wollte, indem er alles schonungslos aufdeckte und Visionen entwickelte (siehe kriminologischer Ansatz) und Paulus eher als Theologen, der ein theologisches System daraus machen wollte. Vielleicht wird das Problem verdeutlicht, wenn ein Praktiker und ein Theoretiker vor einem kaputten Auto stehen: Der Praktiker sucht den Fehler und beseitigt ihn, notfalls kann er sich behelfen, weil der den Durchblick hat, damit das Auto wieder fährt, doch der Theoretiker macht über das Problem eine Doktorarbeit und geht bestenfalls zu Fuß los, um einen Abschleppdienst zu holen, und ermahnt die zurückbleibenden Mitfahrer, auf seine Rückkehr zu warten... Ich erinnere mich an meine Fahrt durch die Sahara, als der Kühler defekt war: Immerhin haben wir den Kühler mit unserem Bordwerkzeug und, was sich sonst fand, geflickt, zumindest so, dass wir fünf Stunden bis zur nächsten Werkstatt fahren konnten. Siehe auch Theorie und Praxis.

Die Begründung des Paulus für die Ehe "Wegen der Gefahr der Unzucht soll jeder seien Frau haben und jede soll ihren Mann haben" (1 Korinther 7,2) lässt doch darauf schließen, dass er von Liebe und Partnerschaft überhaupt keine Ahnung hat, dass für ihn der Sex zwischen Eheleuten lediglich die Lösung des Problems Notgeilheit ist. Und auch seine Ausführungen über die Liebe im ersten Brief an die Korinther ("Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke...") klingen trotz aller Dringlichkeit jedenfalls recht papieren und fern von jeder eigenen positiven Erfahrung mit der Liebe, ganz im Gegensatz zu den Gesängen des Hohen Lieds im Alten Testament ("...wie schön ist deine Liebe, meine Schwester Braut; wieviel süßer ist deine Liebe als Wein, der Duft deiner Salben köstlicher als alle Balsamdüfte...").

Paulus vor allem war es wohl, der die theologische Grundlage für die christliche Urgemeinde mit dem Glauben an die Auferstehung des Christus des Glaubens und an ein Leben nach dem Tod legte (siehe Kerygma) und damit auch die Weichen für einen Glaubensinterpretation in Richtung Dualismus und Gnosis stellte, also für die Fehlentwicklung, unter der wir noch heute zu leiden haben. Möglicherweise hatte er die Auferstehung allerdings auch nicht so konkret gemeint...

Siehe auch das HEFT "Erst einmal das Paradies erleben...", im Anhang S. 60:

Es ist doch weit hergeholt, dass sich Jesus vor allem für eine Harmonie der Geschlechter einsetzte.“ Ein (weiteres) Argument für diese These ist der Vergleich „erster Adam“ und „zweiter Adam“ (= Jesus) im Römerbrief (12 ff) des Paulus. Paulus gibt viel­leicht noch am besten das Anliegen Jesu wieder. Und wir wissen ja nach der Arbeit von Jan Heller, für was der erste Adam steht, nämlich für eine Gesell­schaft ohne diese Harmonie der Geschlechter. Und von der hat uns nach Pau­lus doch Jesus befreit. Also steht Jesus zunächst einmal für ein Gegenkonzept zu dem der alten „Adam-Gesellschaft“! Und das ist eben diese Harmonie, die es allerdings nur geben kann mit festen und zuverlässigen „(Spiel-)Regeln“.


Auf alle Fälle wurde der christliche Glaube durch die Theologie des Paulus so sehr beeinflusst, dass wir uns zwar immer noch "Jesusanhänger" oder auch "Christusanhänger"  ("Christen") nennen, jedoch viel mehr "Paulusanhänger" ("Paulisten") sind.

 

Denn wo ist denn der kriminologische Ansatz geblieben und mit ihm die Nachfolge Jesu, die doch darauf aufbauen müsste? Priester (und Pfarrer) sehen sich doch gewiss nicht mehr als Kämpfer im Sinne Jesu!

Ein weiteres Problem der Schriften des Apostel Paulus ist, dass noch nicht einmal alle von ihm selbst stammen, so ist mit großer Wahrscheinlichkeit der Brief an die Epheser von einem Theologen verfasst, der glaubte, Paulus sehr gut zu kennen und unter seinem Namen eher Beachtung zu finden.

Sie können auch einmal in eine freikirchliche Seite schauen: http://www.theologe.de/theologe5.htm ! Ob Jesus allerdings Vegetarier war und Paulus daran schuld war, dass die Christen wieder zum Fleisch zurückfanden, wage ich doch zu bezweifeln...

 

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)