PHARISÄER UND SCHRIFTGELEHRTE sind nach landläufiger Meinung so etwas wie der Abschaum der Heuchelei und der Hartherzigkeit, die vor zweitausend Jahren die normalen Gläubigen tyrannisierten und ausbeuteten und schließlich auch den guten und arglosen Wanderprediger Jesus ans Kreuz gebracht haben. Diese Sicht der damaligen Theologen wurde gewiss auch durch die Evangelien genährt, die zumindest zum Teil auch aus einer antijüdischen Einstellung heraus geschrieben wurden.

Wir denken heute ein wenig sachlicher oder versuchen es jedenfalls. Was waren die Pharisäer wirklich für Menschen und vor allem: Was waren die wirklichen Gründe, warum Jesus mit ihnen in Konflikt kam? 

Nach landläufiger Meinung sind Pharisäer und Schriftgelehrte zumindest diejenigen, die beim Umgang mit dem Glauben nur ihre eigenen Vorteile im Sinn haben.

Die Frage stellt sich hier: Wer in aller Welt hat denn mit dem, was er tut, nicht auch seine Vorteile im Sinn? Sind denn diese Vorteile schon "per se" zu verurteilen? Lebt schließlich nicht jeder Lehrer, jeder Beamte, jeder Arzt und wer auch immer von seiner Arbeit im Zusammenhang mit der Hilfe für andere Menschen und ist das denn nicht in Ordnung (siehe allerdings auch unter Nächstenliebe)? Sollen diese Leute denn alle umsonst arbeiten, um sich nicht sagen lassen zu müssen, sie machten das nur um ihrer Vorteile willen? Wer würde dann überhaupt noch solche Berufe ergreifen?

Aber in der Religion? Ist denn dort alles schlecht, wenn jemand für seine Arbeit bezahlt wird? Das kann doch auch nicht sein! Wir sollten also die Frage etwas anders angehen: Wie macht man das wohl am besten und am einfachsten, wenn man mit der Verkündigung des Glaubens und mit dem Umgang mit der Religion überhaupt nur oder in erster Linie seinen eigenen Vorteil im Sinn hat und also das meiste Geld verdient? Und wie unterscheidet sich nun so ein religiöser Geschäftemacher von den wirklich Frommen und Guten, die auch gute und sinnvolle Arbeit leisten? Am Geld und an der Höhe des Einkommens kann´s ja nun nicht liegen, denn  schließlich ist der Arbeiter seines Lohnes wert (das sagt auch Jesus!) und wer eine gute Arbeit macht, der soll auch gut verdienen!

Kurz einmal ein Ausflug in die Geschichte:

Die Pharisäer sind nach einer wechselvollen Geschichte die führende Gruppe innerhalb des palästinensischen Judentums, deren Lebensideal die Gesetzestreue im Alltag des Lebens  ist, man will sozusagen den normalen Lebensalltag religiös durchdringen. Und die Schriftgelehrten bilden die Führungsgruppe, wie überhaupt auch die nichtpharisäischen Schriftgelehrten schließlich die Lebensideale der Pharisäer annehmen.

Was ist daran nun so schrecklich und verwerflich? 

Jüdischer (also monotheistischer) Glauben und wirkliche Moral, also (jüdischer) Gott (siehe auch Gottesbild) und Zehn Gebote, hängen ja unbedingt zusammen. Es soll eben nicht so sein, wie in der schematischen Darstellung (2) im Stichwort Grundschema dargestellt. Die Frage ist also: Kümmerten sich die damaligen jüdischen Priester wirklich um diese Zusammenhänge? Hatten Sie ein Interesse daran, nicht nur den Glauben, sondern auch die entsprechende Moral den Gläubigen nahe zu bringen?

Und es gibt nun zwei Wege zu diesem "ethischen (oder auch moralischen) Glauben" oder eben zu diesem "jüdischen Gott". Der eine ist der über den aus dem Glauben.

Die Idee des Weges "über den Glauben" ist, dass sich die Moral sozusagen von alleine einstellt, dass Menschen also gut werden, wenn sie nur erst einmal den richtigen Glauben haben und auch alle die üblichen Frömmigkeitsübungen praktizieren, die in ihrer  Religion vorgeschrieben sind und die also peinlichst genau eingehalten werden müssen.

Der andere Weg ist der über eine wirkliche Moral. Das heißt, dass die Menschen die Vorteile der Moral beziehungsweise der Zehn Gebote einsehen und dass man ihnen diejenigen Tips und Strategien vermittelt, damit sie die rechte Menschenkenntnis gewinnen und nicht in die Fallgruben des Lebens hineintappen, damit sie lernen, wie Leben und Liebe wirklich gelingt, ja wie man überhaupt Freude am Halten der Zehn Gebote hätte.

Dieser Weg scheint nun einmal zunächst gar nichts mit Gott und Glauben zu tun haben, es geht ja auch "nur" um eine ethische Sache...

Was meinen Sie nun, welchen der beiden Wege die typischen Pharisäer weisen? Der Weg über den Glauben oder der über die Moral?

Raten Sie doch mal!

Ich schätze, Sie haben richtig geraten! Denn es ist natürlich der Weg, der am wenigsten attraktiv ist, der am schwierigsten einzuhalten ist, der am wenigsten Spaß macht sondern der meiste Langeweile bringt, der altmodisch und altjüngferlich aussieht, zu dem man sich insbesondere als junger Mensch gar nicht traut zu stehen, der allerlei "Opfer des Verstandes" fordert (siehe sacrificium intellectus), doch der vor allem am frömmsten und gläubigsten aussieht, in dem vor allem irgendetwas von Sexualität gar nicht erst erwähnt wird und der somit den besten Eindruck macht und der dann doch nicht eingehalten wird und daher hinterher noch das beste Dauergeschäft bringt, nämlich dem mit dem Glauben (und mit den damit verbundenen Glaubenspraktiken) und schließlich dann auch noch mit der Vergebung!

Deswegen kann man ihren Ansatz, Menschen zum Glauben zu führen, auch den "pharisäischen Ansatz" nennen! (Und da die Inquisitoren - siehe Inquisition - genauso dachten,  würde auch passen "inquisitorischer Ansatz"!)

Den anderen Weg, nämlich den über eine wirkliche Moral, sehen sie gar nicht: Sie wissen auch gar nicht, was wirkliche Moral ist, denn sie kennen immer nur die im Sinn von Sittsamkeit oder sie tun wenigstens so... Doch wenn sie die wirkliche Moral im Sinn hätten und Wege dazu zeigten, würden sie auch ihr Geld zu Recht verdienen! 

Und wenn sie bei ihrem Einsatz auf Moral zu sprechen kommen, dann bleiben sie entweder bei Äußerlichkeiten hängen oder sie kommen so spät damit an, damit die Menschen auf alle Fälle nie begreifen, um was es wirklich geht! Damit übersehen sie die wirklichen Probleme der Moral nicht nur, ja, sie weigern sich sogar, diese zu sehen. Dass (wirkliche) Moral etwas ganz anderes ist als diese Sittsamkeit, davon haben sie überhaupt keine Ahnung oder tun wenigstens so, als hätten sie keine Ahnung. Und dennoch erziehen (oder führen sie) Menschen. Sie sind also - mit den Worten Jesu - "blinde Führer".

Dass die normalen Menschen im Alltag ihres Lebens kaum diese ganzen Riten und Frömmigkeitsübungen einhalten können und dies auch gar nicht wollen, ist bei Pharisäern einerseits eine famose Ausrede, warum die Menschen und damit die ganze Welt so schlecht ist und warum sie also eh nichts ändern können. Und andererseits lässt das in ihnen eine Arroganz aufkommen, als ob sie bessere Menschen seien. Diese Arroganz wird heute allein als das Problem der Pharisäer angesehen, ist es aber nicht nur. Es reicht das zweifelhafte Ansinnen, dass nur eine Erziehung zum Glauben wichtig sei und man die Menschen ansonsten dumm lassen könnte.

Und mit ihrem Berufsethos wird das wohl so gewesen sein wie in allen typischen Religionen (oder besser Priesterreligionen), dass die "Profis" oder eben die Priester, also in unserem Fall die Pharisäer und Schriftgelehrten, die Gesetze und Vorschriften schließlich auch mehr oder weniger stellvertretend für die normalen Menschen einhielten, die einfach weder die Möglichkeit noch die Zeit dafür hatten. Und das machten sie schließlich auch nicht nur aus reiner Frömmigkeit, sondern vor allem, weil sie damit sozusagen auch ihr Geld verdienten - oder anders ausgedrückt, die Pharisäer und Schriftgelehrten lebten eben ein eher beschauliches und sorgenfreies Leben auf Kosten ihrer übrigen Mitmenschen, denen sie natürlich erzählten, wie wichtig und notwendig ihre Rolle im Heilsplan Gottes für alle Menschen sei.

Und man gewöhnt sich schließlich an seine Rolle und empfindet sie gar nicht mehr als verlogen und verwerflich oder eben als Rückfall in götzendienerische Praktiken...

Und da kommt nun dieser "Wanderarbeiter und Wanderprediger" Jesus und stößt auf die wirklichen himmelschreienden Probleme der Moral und engagiert sich mit seinem Gottesbild genau dafür (siehe "Lehre des Jesus") und erzählt den Menschen, dass es genau auf die Erlösung der Menschen von diesem kaputten und menschenverachtenden Treiben ankommt und dass das ganze Getue und Brimborium der Pharisäer und Schriftgelehrten dafür überflüssig ist, und zeigt unmittelbare Wege zum richtigen Leben und zum Guten und ermuntert dazu und verspricht dabei auch die Mithilfe eines Gottes, der (wie) ein Vater ist. Das allein ist schon eine Provokation für die sich so unentbehrlich haltenden Priester und vor allem für sie äußerst geschäftsschädigend

Jesus nimmt den Pharisäern und Schriftgelehrten sozusagen den Sinn des Lebens. Das alleine ist schon schlimm für sie, doch erklärt das vielleicht doch nicht, warum die doch im Grunde auf keinen Fall so böswilligen Gelehrten schließlich in ausgesprochen krimineller Weise gegen Jesus vorgingen und ihn beiseite schaffen ließen - oder es auch nur zuließen, was da von anderen eingefädelt wurde. Denn schließlich muss ja auch ihnen - zumindest zum Teil -  aufgegangen sein, dass das Anliegen Jesu gar nicht so falsch und widersprüchlich zu ihrem jüdischen Glauben war. Und die Bibel berichtet ja auch von Anhängern Jesu unter den Pharisäern, bzw. zumindest von einem ("Joseph von Arimatäa").

Was war also der wirkliche Grund? Kritisiert hatte Jesus schon einmal an den Pharisäern und Schriftgelehrten, dass sie lieber den Glauben vorschoben und schon in inflationärer Weise von Gott redeten, statt anzupacken, wenn Not am Mann war. Bekannt sind hier vor allem die Erzählungen Jesu vom barmherzigen Samariter (siehe unter Gottesbild) und vom Mann mit der verdorrten Hand, die natürlich auch am Sabbat geheilt werden darf. Der Priester und der Tempeldiener, die im Gleichnis vom barmherzigen Samariter an dem halbtoten und ausgeplünderten Menschen vorbei gehen (Lukas 10, 25ff) oder in dem anderen Gleichnis derjenige, der den Mann mit der verdorrten Hand leiden lassen würde (Math.12, 1ff), sehen einfach nicht die wirklichen Aufgaben, sondern schieben irgendwelche Glaubensverpflichtungen vor. Doch für Jesus sind nach seinem Gottesbild die wirklichen Glaubensverpflichtungen erst einmal die, dort einzugreifen, wo etwas nicht in Ordnung ist, wo also Menschen der Hilfe bedürfen (siehe unter Bergpredigt).

Der Begriff Hartherzigkeit, den Jesus damals verwendete, entspricht genau unserem heutigen Begriff Machismo.

Wir brauchen uns nur einmal klar zu machen, was sich hinter typischem Machismo verbirgt, und gemeint sind hier nicht die kleinen und großen Nachlässigkeiten des Lebens, sondern die Interesselosigkeit am "Heil" der anvertrauten Menschen. Es ist genau dasselbe, was Jesus damals den Pharisäern mit Hartherzigkeit vorwarf. Inzwischen bin ich der Überzeugung, dass die meisten der Pharisäer gar nichts direkt mit dem Sittenverfall ihrer Zeit zu tun hatten, wie er uns etwa in der Susannageschichte im Anhang des Buchs Daniel begegnet. Doch sie wollten oder konnten das alles nicht sehen und haben weggeschaut und nichts wirklich Sachdienliches unternommen - etwa wie die typischen Gutmenschen im Schema 2 (siehe auch unten im Fenster!). Und sie hätten ja etwas unternehmen können, wenn sie nur ein anderes Glaubenskonzept umgesetzt hätten, sie wären jedenfalls die geeignete Instanz gewesen.

Aber darum ging es ihnen eben nicht. Deswegen hatte sich ja auch Jesus mit ihnen angelegt und sie als Heuchler öffentlich entlarvt und beschimpft, siehe kriminologischer Ansatz. Weniger direkt aber umsomehr indirekt waren diese Menschen an der Unmoral ihrer Zeit mitschuldig nach dem Motto "Der Hehler ist genauso schlimm wie der Stehler". Wenn sich dahinter nicht auch eine Art krimineller Gesinnung verbirgt? Und so machte es ihnen schließlich auch nichts aus, gegen den, der ihre zumindest fragwürdige Gesinnung enttarnte, äußerst brutal vorzugehen, ihn also grausamst umbringen zu lassen - natürlich mit fromm klingenden Gründen und die gibt es in typischen Gottesstaaten (auch Israel zur Zeit Jesu war ja ein solcher Gottesstaat) immer!

Und es stimmt also doch das, was wir in der Erinnerung haben, wenn wir die Pharisäer und Schriftgelehrten mit den Heuchlern schlechthin gleichsetzen!

Ob es diese Menschen heute auch noch gibt? Leider wohl ja... Es sind wohl ziemlich genau die Menschen in unseren Kirchen, die von den Schäbigkeiten im Zusammenhang mit wirklicher Moral keine Ahnung haben und auch nicht haben wollen (siehe etwa Gespräch 2). Ihnen scheint das Gute in dieser Welt letztlich ziemlich gleichgültig zu sein, wenn es nicht so passiert, wie sie es wollen: In einer Art Dienst nach Vorschrift verfechten sie hartnäckig und mit derselben Hartherzigkeit wie die Pharisäer vor 2000 Jahren das (letztlich unverbindliche) "Primat des Glaubens", statt die konkreten Probleme anzupacken - siehe Glaube und Moral

Schauen Sie sich doch einmal in der Seite über den vorhelichen Verkehr an, wie ein katholischer Weihbischof die Enthaltsamkeit begründet - keine Ahnung von der Wirklichkeit und also auch keine Phantasie für mögliche Ansätze! Dabei ist der sicher ein netter Mensch und absolut nicht böswillig!

Und leider war es nicht nur zur Zeit Jesu schwierig, gegen die mafiaähnlichen Strukturen (siehe Mafia) dieser Priesterschichten anzugehen, auch heute noch kämpft man gegen sie wie gegen Beton! Das Problem ist auch, dass sich ja alle Religionen gemäß den Parkinsonschen Gesetzen verhalten, irgendwann geht es immer nur noch um den Erhalt des Systems, die Menschen interessieren nur noch unter dem Gesichtspunkt, wie ihre Zahlungsbereitschaft erhalten werden kann. (Ausnahmen bestätigen die Regel!)

Und auch bei den frommen Juden in Israel immer noch nichts Neues unter der Sonne...

Welche Auswüchse das "Primat des Glaubens" bei den jüdischen Frommen auch heute noch wuchern lässt, schildert ein kritischer Jude in seiner Website "Ich war nämlich Augenzeuge, wie ein ultrareligiöser Jude die Benutzung seines Telefons am Sabbat verweigerte: Für einen Nichtjuden, der in der Gegend von Jerusalem einen Kollaps erlitten hatte, wurde ein Notarztwagen benötigt. Statt mich auf eine Pressemitteilung zu beschränken, bemühte ich mich um eine Zusammenkunft mit dem Rabbinischen Gericht von Jerusalem, dessen Mitglieder vom Staate Israel ernannt werden. Ich fragte die Rabbiner, ob solch ein Verhalten ihrer Auslegung der jüdischen Religion entspräche. Ihre Antwort war, dass der fragliche Jude sich richtig, ja sogar fromm verhalten hätte, und sie zitierten zur Bekräftigung ihrer Aussage eine Passage aus einem in unserem Jahrhundert abgefassten maßgeblichen Handbuch der talmudischen Gesetze." Doch wir sollen als Nichtjuden nicht hochmütig sein. Ohne die berühmten nützlichen Idioten unter den normalen Leuten würde alles nicht funktionieren! Ich weise im Zusammenhang mit einer ethischen Erneuerung darauf hin, wie schwierig es ist, bei der Kirche eine Änderung der (religiösen) Kindererziehung (etwa im Kommunionunterricht) zu erreichen, die den jungen Menschen zu wirklicher beglückender Sittlichkeit verhelfen könnte, statt dieser hohlen Glaubenserziehung, die im Endeffekt kontraproduktiv ist und also doch nichts bringt...

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)

Und hier aus einem Leserbrief (Mai 2005):

...auf der Suche nach Seiten, die sich mit "Pharisäern" beschäftigen bin ich auch auf Ihre Seite gestoßen. Dabei bin ich überrascht hier einen Mann als Ansprechpartner vorzufinden, da die Sichtweise auf den Seiten von "Basiswissen.de" mir ziemlich feministisch vorkommt.
Ungeachtet dessen geht es mir um die auf den Seiten praktizierte Darstellung der Pharisäer im Allgemeinen. Das in christlicher Tradition von Generation zu Generation weitergegebene Bild dieser Gruppe darf ich aus jüdischer Sicht getrost als unzutreffend und diffamierend bezeichnen. Da möchte ich Ihnen nicht einmal persönliche böse Absicht unterstellen. Sie geben ja "nur" - wenn Sie denn der Autor des Inhalts dieser Seiten sind - tradierte christliche Sichtweise weiter. 
In diesem Sinne erlaube ich mir, Sie mit dem untenstehenden Link auf eine Seite aufmerksam zu machen, welche eine jüdische, feministische Sichtweise unter Erklärung der Bedeutung der Pharisäer im biblischen Judentum darlegt.  http://www.hagalil.com/bet-debora/journal/frishman.htm
 
Ich hoffe, dass ich mit dieser Information Ihren Horizont zum Begriff "Pharisäer" erweitern kann und wäre sehr erfreut, wenn diese im Link fundiert und differenziert dargestellte Beschreibung der Pharisäer in die Darstellung auf Ihrer Seite einfließen würde.
Als ehemaliger Religionslehrer gesteht man Ihnen ja relativ vorbehaltlos eine überdurchschnittliche Fachkompetenz und moralische Integrität in der Darstellung religiöser Sachverhalte zu - zumindest aus christlicher Sicht.
 
In diesem Sinne verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
 
A. R.

Antwort von basisreligion:

Ich danke für den Hinweis. Auf Ihre Mail hin habe ich das Stichwort ein wenig verändert. Und mir ist auch bewusst, dass die Pharisäer damals zu den fortschrittlichen Kräften im jüdischen Glauben gehörten. So glaubten sie an ein Weiterleben nach dem Tod, denn diese Sicht kam damals gerade auf. Ob man diesen "Jenseitsglauben" allerdings nicht auch als Rückschritt sehen kann, der einer eher negativ-patriachalischen Sicht von Religion zuzuordnen ist und nicht den wirklichen Traditionen des Judentums - siehe basistheologie? Und wenn eine Pharisäertochter außerehelichen Sex hatte, dann wurde sie gesteinigt, weist das nicht auch darauf hin, dass sie in ihrer Pädagogik versagten, weil sie sozusagen nur mit Gesetzen und folglich mit einem über-ich-gesteuerten Gewissen arbeiteten und eine wirkliche Moral nicht oder nur krampfhaft im Griff hatten?

Natürlich bin ich bei meinem Urteil auch von der Lage in unseren heutigen Religionen beeinflusst, ich sehe einfach überall dieselbem Mechanismen. Auch bei uns sind sehr viele Priester auf ihre Art gewiss völlig integer, also "lauter und rein". Doch damit werden sie dem, was sie "als Hefe für eine gute Sache" eigentlich bringen müssten, eben nicht gerecht.

M.P.

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama) Computer-Übersetzung des Buchs HONESTY AND FUN WITH THE MORALITY ins Englische unter English