Der Begriff PROJEKTION wird in seiner ursprünglichen Bedeutung für etwas, das nur in der Phantasie existiert und das man trotzdem für wirklich hält, kaum noch verwendet. Dafür gibt es heute eher den Begriff Illusion oder Utopie.

Wir verwenden diesen Begriff viel mehr im Sinn Sigmund Freuds, wenn eigene unterdrückte Triebe bis hin zu Perversitäten auf andere Personen übertragen werden. Das Modell hierfür steht im Zusammenhang mit einem Lichtbildprojektionsapparat: Das Bild an der Wand ist in Wirklichkeit nur im Projektor vorhanden.

Wenn wir beispielsweise alle möglichen Folterqualen bis hin zur Tötung für einen Verbrecher in allen grausamen Einzelheiten ausmalen, so kann das durchaus bedeuten, daß es uns in Wirklichkeit gar nicht so sehr um Recht und Sühne im Zusammenhang mit dem Verbrechen geht, sondern daß wir am liebsten selbst solche Grausamkeiten und Perversitäten begehen würden, wenn man uns nur ließe. Doch leider haben wir eben nicht die Gelegenheit dazu und außerdem sind wir durch unsere Ängste daran gehindert und so steigern wir uns wenigstens da in unseren Gedanken hinein.

Wir sind also diejenigen, die genau das sind, was wir anderen unterstellen (siehe auch Unterstellungen). Und daher können uns einfach nicht vorstellen, daß andere aus anderen Motiven denken und handeln, als wie wir selbst in entsprechenden Situation haben und also auch handeln würden. Wir schließen eben schlicht und einfach von uns selbst auf andere, wir pojizieren unsere eigenen Motive in andere hinein.

Wenn wir zum Beispiel einem anderen (oder anderen ganz allgemein) Gier nach Geld, nach sexuellen Abenteuern bis hin zu Perversitäten oder nach Macht unterstellen und ihm die Fähigkeit zur Enthaltsamkeit abstreiten , so kann das der Wirklichkeit entsprechen -  es kann aber auch sein, daß das alles in uns selbst steckt. Wenn der andere ein reines Gewissen hat und wir uns davon auch mit seinen besten Argumenten nicht überzeugen lassen und auch keine Chancen zur näheren Überprüfung zulassen, so wird er sich aufgrund unserer Verdächtigungen und Anschuldigungen wenigstens denken können, welche Leichen im Keller wir selbst haben. Seien wir also vorsichtig mit unseren Unterstellungen, andere können sie als ein Instrument der Menschenkenntnis verwenden und damit auf uns selbst schließen!