Die ägyptischen PYRAMIDEN sind in unserem Bewußtsein als riesige Grabmonumente ziemlich fest verankert! Wir haben vielleicht sogar einmal gehört, daß jeweils bei der Geburt eines Pharaos mit dem Bau begonnen und je nach Lebensdauer die Pyramide größer oder eben kleiner wurde. Doch das ist Unsinn! Nicht zuletzt funktioniert dieses "Verfahren" schon deswegen nicht, weil die Größe einer Pyramide mit der Grundmauer festgelegt sein muß (lediglich die mexikanischen Pyramiden sind zumindest teilweise in "Zwiebelbauweise" gebaut, also eine "Schale nach der anderen", die ägyptischen sind wie "normale" Bauwerke gebaut). Wovon hängt also die jeweilige Größe ab?

Untersuchungen haben ergeben, daß die Größe einer Pyramide gar nicht einmal mit der Bedeutung eines Pharaos in Zusammenhang gebracht werden kann, so haben relativ unbedeutende Pharaonen relativ große Pyramiden und umgekehrt. Auch wurde eine Pyramide zumeist durchaus erst ziemlich lange nach dem Tod des Pharaos gebaut, der in ihr bestattet war, bisweilen hundert und mehr Jahre später.

Und die Größe der Pyramide scheint lediglich mit dem jeweiligen wirtschaftlichen Wohlstand in der Zeit, in der sie gebaut wurde, zusammen zu hängen.

Des Rätsels Lösung ist, daß die ägyptischen Pyramiden keinesfalls Grabdenkmäler sind (würde da nicht ein Denkmal oder sonst etwas auf der Spitze stehen?), sondern sozusagen riesige "Freilufttempel".

Wir müssen uns auch die Pyramiden nicht so "zerrupft" wie heute vorstellen (die Zerrupferei begann schon zwölfhundert Jahre vor Christus, ihr heutiges Aussehen bekamen sie schließlich im Mittelalter, als ein Sultan sie als Götzenwerk verdammte und zum Abriß frei gab), sondern wie sie ursprünglich mit gehärtetem Kalkstein verkleidet waren und in der Sonne fast wie Brillianten funkelten. Eine Pyramide war eine Art Monstranz, wie wir sie in der katholischen Kirche kennen für das Brot, das nach dem Glauben der Kirche der verwandelte Leib Jesu ist, oder auch so eine Art Reliquienschrein von irgendeinem Heiligen, wobei ja auch niemand an einen Sarg oder an ein Grabmal denkt. Die alten Ägypter glaubten nämlich, daß der jeweilige Pharao leibhaftiger Sohn Gottes ist (siehe auch Jungfrauengeburt), der nach seinem irdischen Tod zu seinen Vater (also zum obersten Gott) zurückkehrt (siehe Auferstehung und Himmelfahrt) und dort zu dessen Rechten sitzt und mit ihm regiert. Hier auf Erden verbleibt seine irdische Hülle, die von den Menschen natürlich entsprechend erhalten und auch sonst gewürdigt werden muß bis zu dem Tag, an dem sich die Seele des Pharaos im Himmel mit seiner irdischen Hülle hier wieder vereinigt, damit er uns gewogen ist und beim Vatergott Fürsprache für uns einlegt. Also baute man die Pyramiden immer so, wie es den entsprechenden Priestern gelang, die damaligen Menschen jeweils zu "motivieren". 

Auch andere pyramidenähnliche Bauwerke in Mesopotamien und vor allem in Mittelamerika hatten durchaus Tempelfunktion, allerdings befand sich auf der Spitze immer eine Plattform, auf der ein Tempel stand (siehe etwa Turmbau von Babel). (Wörterbuch von basisreligion)