REICH GOTTES ist ein anderes Wort für Himmel, Jenseits und insbesondere Paradies. Wenn Jesus vom Reich Gottes spricht, meint er nach unseren heutigen Erkenntnissen nicht eine Existenz in einem Leben nach dem Tod, sondern eine zum Besseren veränderte diesseitige Welt. Die wohl wichtigste Bitte im Vaterunser ist diejenige, in der es um das Kommen genau dieses Gottesreiches geht. Dabei meint "Reich Gottes" eine Welt, in der es keine Ungerechtigkeit, keine Ausnutzung, keinen Mißbrauch des Menschen (siehe Gebrauch und Mißbrauch), keine Gewalt gibt - und nur Liebe, Treue, Fürsorge, Frieden und eben verläßliche Gemeinschaft unter uns Menschen. Alle anderen Bitten des Vaterunsers müssen in diesem Zusammenhang gesehen werden. 

Wir müssen endlich einmal akzeptieren: "Gott" wird für uns Menschen immer irrational bleiben - doch "Reich Gottes" ist durchaus etwas Rationales!

An dieser Stelle stellt sich die Frage, wen oder was wir Menschen an erster Stelle anstreben (und wir Lehrer lehren) sollen: den Glauben an Gott (oder auch die Erkenntnis Gottes) oder das Reich Gottes - und was dann, wenn das eine erreicht ist, eher "von alleine" automatisch dazu kommt? Welcher Ansatz hat überhaupt eine realistische Chance, und bei welchem Ansatz können unliebsame Nebenwirkungen am leichtesten vermieden werden? 

1. Gott, Glauben an Gott, Erkenntnis Gottes (dogmatisch-glaubensorientierter Ansatz)

"Gott" ist nun immer eher ein irrationaler Begriff (wissen wir überhaupt sicher, ob es ihn gibt?), sein Nachweis ist sehr schwer zu führen und nicht zuletzt wurde in seinem Namen in dieser Welt schon so viel Unheil angerichtet, daß seine Existenz vielen Menschen immer unzugänglich bleiben wird. Daher wird auch ein Gottesbild immer eine problematische Angelegenheit sein. Und selbst wenn es gelänge, wenn wir Menschen nun wirklich zum Glauben an Gott auf diese Weise zu Gott kämen und von dort aus zu einer moralischen Welt - wäre das Ergebnis letztlich immer ein typischer Gottesstaat - und Gott bewahre uns vor dem! Es mag ja sein, daß die meisten Menschen in einer solchen "göttlichen" Welt auch tatsächlich brav und rechtschaffen sind und sich freiwillig und gern in diesem Gottesstatt dem Gesetz Gottes unterordnen. Doch erfahrungsgemäß gibt es immer auch "schwarze Schafe" (auch und gerade unter den Obrigkeiten), die sich an gar nichts halten und nur wie die "Hechte im Karpfenteich" die Gelegenheit nutzen und umso unverfrorener ihre Bösartigkeiten ausleben... Würden die nicht doch wieder alles hintertreiben und "kaputt" machen - und das Ende eines Gottesstaats wäre eher ein regelrechter "Teufelsstaat", etwa wie im heutigen Afghanistan? Ein "Reich Gottes" käme dabei jedenfalls nie heraus! Und so kann der typische Gottesstaat schließlich nur mit Terror durchgesetzt werden (siehe Inquisition) und der Gott dieses Gottesstaats ist nur noch dem Namen nach ein monotheistischer Gott, in Wirklichkeit hat er vielmehr etwas mit typischer Vielgötterei zu tun!

Wenn Jesus im Konflikt mit den Pharisäern stand, dann wohl vor allem daher, weil sie diesen Ansatz vertraten. Er wird daher in dieser Website auch als "pharisäischer Ansatz" bezeichnet - siehe auch Glaube und Moral - oder auch als "inquisitörischer Ansatz", siehe Inquisition!

2. Reich Gottes im Sinn von einer Welt ohne Ungerechtigkeit, Ausnutzung. Mißbrauch usw. - rational und unabhängig, ob es einen Gott gibt oder nicht (ethisch-rationaler Ansatz)

Das wäre ein Zustand, in dem Menschen - zunächst einmal durchaus auch sogar ohne Glauben an einen Gott - motiviert sind, im Sinne eines höheren Eigeninteresses der Menschen (siehe Egoismus) für sich selbst zu sorgen und die Gesetze wie vor allem die Zehn Gebote aus sich heraus (etwa im Sinn von Kants kategorischem Imperativ) einzusehen und sie daher auch zu befolgen. Und wenn dabei nicht die Gebote, bei denen es um die Liebe geht, ausgelassen werden, dann haben wir den typisch christlichen Ansatz vor uns. Wohl mehr oder weniger automatisch würde dabei auch ein schon vom Wesen her wirklicher monotheistischer (siehe Monotheismus) Gottesglauben herauskommen, weil Menschen einfach mit sich und der Welt in Harmonie lebten und daher auch für Gott zugänglich sind, weil sie ihn als liebenden Vater empfinden. Natürlich brauchte es bei einem solchen Glauben keine Dogmen mehr zu geben und den Menschen wären die auch gleichgültig, doch sind Dogmen in einem "Glauben aus dem Herzen heraus" wirklich so wichtig? Sind Dogmen (siehe Dogmatik) und auch andere "Unglaublichkeiten" in einem Glauben, die man angeblich glauben muß (siehe Sacrificium Intellectus) nicht eher Zeichen, daß etwas nicht mit dem Herzen geschieht, also ein Zeichen des Verfalls eines Glaubens, weil man nämlich nicht mehr richtig weiter weiß und jetzt festgelegte "Glaubensstrukturen" braucht? Nur zu oft dienten diese Dogmen ja schließlich vor allem dazu, Freund und Feind zu unterscheiden oder gar erst Feindbilder aufzubauen? Ist daher der Weg zu Gott über die Verwirklichung des Reiches Gottes nicht der sinnvollere?

Die Frage stellt sich natürlich, was Jesus unter dem Reich Gottes verstand.

Wir gehen schnell davon aus, dass er ein Paradies in einem Leben nach dem Tod meinte. Doch ist das eher unwahrscheinlich, denn er sagte doch, dass das Reich Gottes schon angebrochen ist, allenfalls redete er von "später" und das muss keinesfalls etwas mit "nach dem Tod" zu tun haben.

In dem Mailwechsel mit dem Theologiestudenten geht es auch darum, was Jesus mit "Reich Gottes"  meint. Und die These ist, dass die damalige Gesellschaftsstruktur absolut männerrechtlich war (es war eben eine Machogesellschaft, die Frauen waren noch weniger als zweitrangig, siehe den Auszug aus Grundmann "Umwelt der Urchristentums"!) und dass Jesus aus seinem Umgang mit Frauen die Idee einer neuen Welt, einer weiblich geprägten Welt, entwickelte. Darunter ist natürlich nicht das zu verstehen, was unsere heutigen Feministinnen sagen, denn das ist ja weitestgehend nur "dasselbe wie bisher in Grün", um Partnerschaft und Liebe zwischen Mann und Frau geht es auch da nicht.

Was aber, wenn es Jesus darum ging, wenn er diese menschliche Harmonie als "Reich Gottes" ansah, zumal diese Vorstellung auch der Schöpfungsordnung entsprechende der Adam-und-Eva-Geschichte entsprechen würde?

Natürlich ändert sich in der Theologie bei diesem Ansatz manches - zu den Unterschieden zur traditionellen Theologie siehe unter basisreligion.

Mit dem Streben nach dem Reich Gottes liegen wir immer richtig!

Ob wir nun allerdings damit vor Gott falsch liegen, ob Er uns also verurteilt, wenn wir nicht Ihn, sondern das Reich Gottes anstreben? Ob Er etwa eifersüchtig sein könnte? Keinesfalls - und das wäre ja auch völliger Unsinn! Denn einem liebenden Gott, an den wir Christen ja glauben, kann es nur recht sein, wenn wir an einer friedlichen und harmonischen Welt arbeiten, nicht zuletzt ist ja genau die in Seinem Sinn! Und schließlich ist das ja das Indiz, daß wir keine Heuchler sind! Dagegen kann Ihm, und Christen glauben ja sogar noch weiter, daß Er ein liebender Vater ist, ein liebloser und zerstörerischer Streit um seine Existenz oder "um den richtigen Gott" auf alle Fälle schon gar nicht recht sein! 

Hier paßt auch, was der Theologe und Philosoph Rupert Lay S.J. über die frühen Christen sagt. Diese wurden im alten Rom nicht verfolgt und schließlich nur zu oft hingerichtet, weil sie einen anderen Gott hatten, sondern weil sie als Atheisten galten. Mit einem "anderen Gott" hätten die Römer keine Probleme gehabt, da hätten sie sogar in ihrem Pantheon, also in ihrem Tempel für alle Götter, eine weitere Götterstatue aufgestellt. Doch das, um was es den Christen ging, war etwas ganz anderes, das war eine Revolution der Gesellschaft - und so etwas war für die Römer unvorstellbar. 

Und nicht zuletzt: Wenn ein Mensch an Gott glaubt und auch an die entsprechenden Dogmen unseres Glaubens, jedoch ethisch-moralisch nicht integer ist, dann ist er schlichtweg unerträglich oder sogar widerlich, solches Verhalten empfinden wir als Heuchelei. Wenn jedoch ein Mensch nicht an Gott glaubt, jedoch ethisch-moralisch integer ist, ist er nicht nur so gerade erträglich, er ist sogar ein guter Mensch.  

Das "Reich Gottes" ist also etwas, was wir als Christen auf alle Fälle anstreben müssen, weil wir damit einfach gar nicht falsch liegen können! Und daher geht es in dieser Website vor allem genau um diesen Weg!

Und die Chancen bei den Menschen? Nach meinen Erfahrungen mit jungen Leuten: Gar nicht schlecht, bisweilen sagen sie mir allerdings, daß ich bei ihnen zu spät komme, ich müßte eher bei Kindern mit meinen Vorstellungen vom Reich Gottes anfangen und sollte daher in die Grundschulen gehen. Soviel ich erkennen kann, stimmen die Eltern, also die, die sich unmittelbar für die jungen Menschen verantwortlich fühlen, auch für den ethisch-rationalen Ansatz, sie erwarten von der Religion ja sogar eine Hilfe bei der ethisch-moralischen Erziehung der jungen Menschen (siehe Wünsche der Eltern). Anders sehen dies dagegen sehr oft die etablierten Funktionsträger der Kirchen, sie halten nach meiner Erfahrung eher an dem dogmatisch-glaubensorientiertem Ansatz fest.... (Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)