SAKRAMENT ist ein Sammelbegriff für gottesdienstliche Handlungen, die im Christentum eine relativ selbständige Bedeutung haben und die dem einzelnen Menschen die Gnade Gottes ganz allgemein oder in besonderen Situationen versichern sollen. Wie an unserem gesamten christlichen Glauben läßt sich auch an den Sakramenten der Verfall der Grundidee (also eine Dekadenz) nachvollziehen. So sehen wir heute die Sakramente leider von einem zu einer Priesterreligion gewordenem Glauben her (oder auch von einem eher "pharisäischen Ansatz" oder einem "inquisitorischen Ansatz" von Glaube und Moral <siehe Pharisäer und Inquisition>) viel zu sehr als Rituale, oft genug in Verbindung mit Festen und Gedenktagen, die eher die Mitgliedschaft in einem Verein kennzeichnen und bekräftigen und die Abwanderung der Gläubigen verhindern sollen oder deren Wirkung sogar als magisch empfunden wird. Wenigstens am Anfang der Geschichte unseres Glaubens wurden die Sakramente jedoch keineswegs so gesehen und praktiziert!

Um zu begreifen, was die Menschen damals an den christlichen Sakramenten, wie am gesamten christlichen Glauben, so erstrebenswert fanden, müssen wir uns in die Situation dieser damaligen Menschen versetzen:

Waren schon in Israel zur Zeit Jesu Frauen, Kinder und Sklaven nicht viel wert und die Frauen dabei keinesfalls Gefährten der Männer, so war das bei anderen Völkern noch viel schlimmer. In Ägypten wurden Mädchen beschnitten, weil man sie zu dumm und daher für unfähig hielt, daß sie selbst für ihre Moral sorgen konnten (siehe Beschneidung). Im alten Griechenland konnte ein Kind nach der Geburt getötet, ausgesetzt, verkauft oder versklavt werden und bei der Erziehung der Knaben galt die Verführung zur Homosexualität als völlig normal. Die Knaben hatten gar keine andere Wahl, als sich dabei zu fügen. Bei den Festen der Fruchtbarkeitsgöttin Demeter gehörte gleichgeschlechtlicher Verkehr zu den Riten der Frauen wie die anschließende Zeugung schöner Kinder mit dazugekommenen Männern. Der Geschlechtsverkehr mit einer Prostituierten (siehe auch Prostitution) war normal, und überhaupt wurde die Frau nicht als Partnerin, sondern eigentlich nur als Sache angesehen, mit der man nach Belieben verfahren konnte. Im alten Rom war das alles im Grunde ähnlich, dazu kam hier noch die Freude an der Grausamkeit, die überall zutage trat. Und was in den Theatern bei den berühmten Zirkusspielen an Gewalttaten geschah, übertraf selbst noch alles an Brutalität, was wir von den Todeslagern der Nationalsozialisten her kennen: "Die Zuschauer schlossen Wetten ab, lachten und vergnügten sich, während auf dem Kampfplatz die Waffen klirrten, der zu Tode Getroffene zusammenbrach, der blutige Sand in Eile zusammengekehrt und frischer für das neue Kämpferpaar gestreut wurde. Hinter den Kämpfenden standen die Aufseher, die die Zurückweichenden mit scharfen Schwertern und glühenden Eisen nach vorn trieben..." (aus Borneman: Das Patriarchat).

In einer solchen Umgebung war das Bekenntnis zum christlichen Glauben nicht einfach nur ein belangloses Ritual, sondern es war vor allem einmal ein konkretes Zeichen des intensiven Wunsches, mit den Unmenschlichkeiten dieser menschenverachtenden Umgebung zu brechen und nach einer anderen, menschenwürdigeren Welt, eben dem Paradies oder dem Reich Gottes hier und jetzt, zu streben.

In der Botschaft Jesu fanden die Menschen nun nicht wieder nur eine neue Religion von der Art, wie es schon viele gab, sondern ein Lebens- und sogar Kampfkonzept, das an aussichtsreicher Stelle ansetzte: Hier hatte einmal jemand genau den Nerv getroffen und den Weg angeboten, der wirkliche Erlösung verhieß. Denn der Ansatz war vielversprechend - nämlich bei der schönsten Liebe zwischen Menschen, die man hier und jetzt schon auf Erden erfahren konnte, also der in der Einheit von Leib und Seele. Das war nun etwas wirklich Attraktives, das nur von Menschen erreicht werden konnte, die in wirklicher Freiheit und Emanzipation lebten - und sich darum auch bei anderen Menschen kümmerten (denn nur wenn auch andere Menschen wirkliche Freiheit und Emanzipation haben, kann man sie auch selbst haben - und das heißt, man muß sich darum kümmern!). Bald fanden sich auch genügend Menschen, die sich gegenseitig in ihren neuen Idealen bestärkten und natürlich auch den Wunsch hatten, diese an die Nachgeborenen weiterzugeben.

Und sozusagen als besondere Akzente bildeten sich nun nach und nach durchaus im Hinblick auf entscheidende Lebensabschnitte der Gläubigen die "Sakramente", um Bewußtsein und Ziel dieses neuartigen Glaubens wirkungsvoll in den Gläubigen von Kind an zu verankern. Manches geschah dabei in Anlehnung an die allgegenwärtige römische Soldatenausbildung, so bedeutet auch das lateinische Wort "sacramentum" Fahneneid.

Daß mit einem solchen "Glauben" jemand, der vernünftig und gutwillig war, wider seinen Willen manipuliert werden könnte, darauf kam man gar nicht, denn wer konnte schon für die grausamen Zirkusspiele sein, wer für den Mißbrauch von Kindern zu homosexuellen Spielchen, wer für die Beschneidung der Mädchen, wer für die Hingabe von Mädchen für die gottesdienstliche oder gewöhnliche Prostitution (siehe Tempelprostitution), wenn er erst einmal über das alles nachdachte?

Inwieweit die Sakramente von Jesus selbst ausdrücklich gestiftet wurden, ist mehr als fraglich, doch das ist auch gar nicht von Bedeutung, wenn sie als vernünftige Schritte zu derjenigen Gemeinschaft (siehe auch Gemeinde) gesehen werden, um die es diesem Jesus schließlich ging: Die Taufe war nun sozusagen der erste Schritt in diese Gemeinschaft, um mit der ganzen unmenschlichen und hoffnungslos verlorenen alten Welt zu brechen. Und da sie schließlich fast nur noch den nachwachsenden und unmündigen Kindern gespendet wurde, wurde recht bald die Firmung (oder auch Konfirmation) erforderlich als bewußte Entscheidung der Heranwachsenden. Sinn und Zweck der Kommunion (auch Abendmahl und Eucharistie) ist die häufige Erfahrung der geistigen Gemeinschaft mit dem Vorkämpfer des ganzen neuen Konzepts und der praktischen Gemeinschaft mit Gleichgesinnten. Im Sakrament der Ehe bekennen die Brautleute, daß sie ihre Gemeinschaft vor allem in der wechselseitigen und gemeinsamen Erfüllung der Einheit von Leib und Seele, also der Verschmelzung von Mann und Frau, erkennen und ein Leben lang verwirklichen wollen.

Als weiteres Sakrament hängt dann die Beichte vor allem mit dem Verfehlen der Einheit von Leib und Seele zusammen. Wie weit sie allerdings wirklich ein Neuanfang für dem Gescheiterten bedeuten kann, mag dahingestellt sein. Doch da die Beichten in der Urkirche zunächst öffentlich waren, gab es nicht diese Tabus wie heute, die gerade bei jungen Leuten stets den Eindruck erwecken, daß das Sündigen eine schöne Sache sei. Somit waren die Beichten zumindest eine Art lebensnahe Information für die jungen Gläubigen und dienten ihrem besseren Realitätsbewußtsein, der Grundlage allen sittlichen Handelns. Die Krankensalbung, also die Salbung von Kranken, beruht auf der alten Vorstellung, daß Krankheiten von Geistern verursacht werden, die mit geweihtem Öl ("Salbe") vertrieben werden könnten, eine Vorstellung, die aus der Volksmedizin stammt. Uns ist dieses Sakrament im Zeitalter von Penicillin und Aspirin gegen Viren und Bazillen wohl nicht mehr zugänglich. Ob schließlich die Priesterweihe - jedenfalls wie sie heute praktiziert wird und wie sie unser Verständnis vom Priestertum begründet - tatsächlich im Sinne Jesu ist, ist mehr als fraglich. Von einem Priestertum im Dienste eines Kultes an einer Gottheit hielt er gewiß überhaupt nichts, denn das war für ihn eine Pharisäerreligion (siehe auch Zölibat).

Jeder mag selbst überlegen, welche Erfahrungen er in seinem eigenen Leben mit den Sakramenten hat oder hatte und inwieweit er sich ein anderes Konzept vorstellen kann. Jedenfalls liegt es an jedem selbst, wie er sie persönlich praktiziert und ob er sie in den Dienst an der lebendigen Einheit von Leib und Seele für sich selbst und für seine Mitmenschen stellt. (Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)