SALAZAR-METHODE. Antonio de Oliveira Salazar (1889 - ) war von 1933 bis zu seinem Lebensende portugiesischer Diktator, also zumindest teilweise in einer Zeit, in der es auch im übrigen Europa Diktaturen gab. Allerdings war sein Regierungsstil unvergleichlich humaner als im faschistischen Spanien und Italien und im nationalsozialistischen Deutschland und es gab vor allem nicht diese Grausamkeiten gegen missliebige Bevölkerungsgruppen.

Als er alt war und nicht abtreten wollte, da machten seine Minister einfach nicht mehr, wie er wollte und es lief in Portugal alles schon ziemlich demokratisch. Doch Salazar bekam das gar nicht mit, dass er schon entmachtet war, er machte weiter seine Anordnungen, unterschrieb Ernennungen und Beförderungen... Und er bekam eine eigens für ihn gedruckte Zeitung, in der noch "seine Welt" "in Ordnung" war, so dass er wirklich nichts merkte, und starb schließlich in Frieden mit sich und mit seiner Umwelt.

Ob nicht das Verfahren der Minister, mit einem uneinsichtigen und längst weltfremden Übervater umzugehen, bisweilen auch für uns ein Modell sein kann? Bedenken wir: Leibfeindlichkeit und fehlende Menschenkenntnisse führen geradewegs in sittliches Fehlverhalten, doch wenn wir genau das beim Namen nennen und dagegen angehen, dann stoßen wir bei den meisten Erwachsenen nicht nur so gerade auf Unverständnis, sondern schließlich sogar auf völlige Ablehnung. Wir müssen sogar auf der Hut sein, dass wir nicht angezeigt und verklagt werden. Ein sachliches Gespräch ist jedenfalls im Allgemeinen schier unmöglich.

Wir können also durchaus in einer Notsituation sein, eine Parallelwelt aufzubauen. Elegant ist das zwar nicht, doch mit einer Lüge im Sinn der Zehn Gebote hat das nichts zu tun, nicht zuletzt soll ja den Zehn Geboten in ihrem eigentlichen Sinn wieder Geltung verschafft werden. Und es geht ja auch nicht nur um leere Fassaden wie bei den Potemkinschen Dörfern, hier wird doch etwas Vernünftiges aufgebaut!