SCHOKOLADENSEITE meint, wenn man jemanden immer nur von der guten Seite sieht, weil er sich ja auch nur einem von dieser Seite zeigt. In dieser Website basisreligion gibt es viele Begriffe für dieses Phänomen, etwa rosarote Brille, Durchblick, Tuten und Blasen, Insiderwissen und für die Lösung etwa Toreromethode. Während die übrigen Begriffe eher einen negativen Beigeschmack haben, ist der Begriff Schokoladenseite eher positiv befrachtet, wir können ihn daher leichter auf jemanden anwenden, den wir noch nicht einmal in unserem Denken zu nahe treten wollen. Dennoch ist das Problem letztendlich das alte, daß wir Schwierigkeiten haben, jemanden zu erkennen, weil wir ihn einfach nicht richtig sehen. Und wenn wir immer nur Menschen von ihrer Schokoladenseite sehen, haben wir schließlich auch ein völlig falsches Realitätsbewußtsein - und das ist ja viellciht sogar das eigentliche Problem!

Zwei Beispiele aus dem Leben

Anäßlich der Seligsprechung einer Ordensgründerin, die aus meiner ostpreußischen Heimatstadt stammt und auch dort gewirkt hat, sollte ich für eine Broschüre etwas über die Schwestern des Ordens schreiben, die seit über 100 Jahren in Brasilien wirken. Und da ich von denen kein rechtes Material bekam, habe ich mir selbst etwas zusammen gesucht und dabei dann auch das genommen, was ich während meiner Reise durch Brasilien so gehört hatte... Ich dachte mir, erst einmal etwas zu schreiben und das dann den Schwestern zur Korrektur vorzulegen, eigentlich ein normales Verfahren, wenn einem erst einmal die konkreten Informationen fehlen. Doch das ging völlig daneben, denn die waren sozusagen so aus dem Häuschen, daß sie gar nicht mehr mit mir redeten... Dabei hatte ich doch unter anderem bloß auf eine (nach meinen Informationen, und die hatte ich mir gar nicht einmal gesucht, das wurde mir unterwegs so nebenbei erzählt oder ich hatte sie irgendwo gelesen) völlig altbekannte Sache hingewiesen, daß jeder (wohlhabende und weiße) Brasilianer (wie vermutlich alle weissen Südamerikaner und nicht nur die) zwei Frauen hat, eine weisse als "Statussymbol" und eine schwarze oder "gemischte" "für die Liebe"... Und schließlich wollte ich ja diesen Sachverhalt in dem Beitrag nur als realistischen Einstieg benutzen, um auf die schwierige Situation unserer Schwestern bei ihren seelsorglichen Bemühungen zu kommen. Jedenfalls warf die ehemalige brasilianische Generaloberin, die inzwischen im Ruhestand in Deutschland lebt, meinem Bericht vor, daß man ja genausogut sagen könnte, daß jeder Deutsche vier Frauen habe, weil unser Bundeskanzler vier Frauen hätte. Mit mir sprach sie ja gar nicht erst, sie war nur sauer über das, was ich da geschrieben hatte...  

Und aus ihrer Sicht hatte die ehemalige Genraloberin vermutlich total recht! Denn als ehrenwerte Nonne hat sie die Männer in Brasilien ja wohl immer nur von ihrer Schokoladenseite gesehen, ganz klar, die Männer stifteten brav für die Krankenhäuser und Schulen, die von den Schwestern betreut wurden, und gaben sich gewiß auch sonst vorbildlich mildtätig und religiös, wieso sollte also die Schwester etwas auf "ihre" Männer kommen lassen? Das Ganze wäre ja auch gar nicht einmal schlimm, wenn nicht letztendlich die Seelsorge und vor allem die Sorge um die Moral der Jugend darunter litte. Als ich in einem ersten Schreiben mich erkundigte, was die Schwestern da machten, wußten sie ganz offensichtlich gar nicht, von was ich redete...

Und ein anderes Erlebnis von einer kleinen Party hier bei Freunden von "einer nahen Verwandten" und mir: Eine Freundin erzählte von einem Mann aus ihrem Städtchen, der immer mit neuen, jungen Freundinnen auftaucht und der auch schon mal sie ganz direkt angemacht hätte... Doch sie hätte das nett, aber entschieden zurückgewiesen. Lange sei dann gar nichts passiert, doch irgendwann hätte der Mensch zu ihr gesagt, man hat ja schließlich geschäftlich oder auch sonst miteinander zu tun, daß sie die einzige sei, die Charakter hätte... Meine "nahe Verwandte" war darüber sichtlich perplex, denn, so meinte sie, sie hätte einen völlig anderen Eindruck von diesem Menschen, der sei doch nun wirklich in Ordnung, bei ihr sei der doch noch nie "so" gewesen... Klar, so schrieb ich ihr, "Du machst auch auf den einen biederen und seriösen Eindruck oder vielleicht Du bist ihm auch zu alt, so daß er überhaupt nicht auf die Idee kommt, Dich anzumachen - Du siehst ihn also immer nur von seiner Schokoladenseite"!

Auch hier: Kein Verständnis für mein Engagement!

Ja, auch diese Verwandte, mit der ich mich im Übrigen ansonsten sehr gut verstehe, hat mir vor kurzen noch etwas genervt vorgeworfen, daß ich seit 40 Jahren nur "ein Thema" hätte, als ich ihre für den Besuch Londons mit ihren Patenkindern den wirklich sehenswerten indischen Tempel in Neasden empfohlen und dabei auf die etwas merkwürdigen und erklärungsbedürftigen Ansichten und Gebräuche im Hinduismus hingewiesen hatte... Ihr Vorwurf an mich war, man müßte schließlich nicht alles immer so genau wissen, man könne ja auch mal etwas einfach so auf sich wirken lassen... Mein anschließendes Gemurmel von wegen Oberflächlichkeit prallten an ihr ab, klar, wenn das entsprechende Realitätsbewußtsein nicht da ist, weil man immer nur dich Schokoladenseite sieht... Auf der andern Seite wundert sie sich allerdings, warum ihre Schülerinnen (sie ist auch Kollegin) bei manchen Themen ihrer Gesundheitslehre nicht vernünftig mit sich reden lassen... (Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)