SEELE meint im ursprünglichen jüdischen Glauben, aus dem heraus das Alte Testament der Bibel vor etwa drei bis viertausend Jahren und später entstand, das Leben, den Atem oder noch besser den Lebensatem des Menschen und auch das Gefühl, der Geist, der Charakter, eben das, was ihn ausmacht. Damit galt bei den alten Juden die Seele genauso wie der Leib als sterblich. Im antiken griechischen Denken (also etwa vor 2500 Jahren und danach) ist die Seele dann schon mehr wie ein besonderer Bestandteil, der neben dem Leib und unabhängig von ihm existiert. Daher gibt es auch dort die Vorstellung des Weiterlebens der Seele nach dem Tod sozusagen als Schatten in einem Schattenreich.

Das Problem des christlichen Glaubens ist, daß er im jüdischen Kulturkreis wurzelt, also auch auf jüdischen Vorstellungen von der Seele aufbaut, dann aber im griechischen Kulturkreis (und in anderen nichtjüdischen Kulturkreisen) zu der Ausformung kam, wie wir sie heute vorfinden. Und so hat sich auch die jüdische Vorstellung von der Seele als Lebensatem, der ja mit dem Tod aufhört, in die griechische Vorstellung von einer Geist-Seele verändert, die nach dem Tod weiter lebt.

Wie wenig solcher Glaube an die Unsterblichkeit der Seele allerdings christlich ist, mag schon daraus hervorgehen, daß nach christlicher Vorstellung Leib und Seele eine Einheit sind oder wenigstens werden sollen und dann als solche gemeinsam erlöst sind. Wenn wir diese Erlösung nun auf eine Unsterblichkeit auch des Leibes beziehen, verlassen uns - offen gesagt - unsere Vorstellungskräfte, wie soll ein Weiterleben mit dem Leib aussehen?

Doch gerade diese Vorstellungskräfte brauchen wir, wenn es gilt, auch in Glaubensfragen sachlich und glaubwürdig zu bleiben. Lösen wir uns also wieder vom heidnisch-griechischen leibfeindlichen Seelenbegriff und kümmern wir uns nur um das, was den kompletten Menschen ausmacht, also den Menschen mit Leib und Seele als Einheit - solange er lebt! Und es ist sehr verblüffend, wie heutige Forschungen etwa über den menschlichen Geist (siehe Information und Strategie) und die Steuerungen des Menschen mittels eigenerzeugter Hormone die alten jüdischen Vorstellungen ganz offensichtlich bestätigen.

Ein plausibles Modell der Seele hat der Psychoalanytiker Sigmund Freud (1856 - 1939) entworfen, siehe unter Gewissen. Natürlich ist das nicht alles, zur Seele gehören auch noch das Gefühlsleben des Menschen, seine Sehnsucht nach Liebe, nach Harmonie, seine Ängste und Zwänge, seine Freude an der Natur, an der Kunst...

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)