SEXUALERZIEHUNG - SEXUALPÄDAGOGIK
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Wer meint, bei diesen Begriffen geht es um die Erziehung junger Menschen zu einem emanzipierten, also rationalem und vor allem moralischen Umgang mit der Sexualität und insbesondere um eine Moralerziehung, der irrt gewaltig!

Derzeitiges Ziel dieser Pädagogik sollte die sexuelle Selbstbestimmung sein, doch die typischen Sexualpädagogen verstehen darunter die Hinführung des jungen Menschen zu einem materiell und seelisch folgenlosen Ausleben seiner sexuellen Triebe - zumindest kommt das bei den jungen Menschen so an.

Die Grundlage dieser modernen Sexualerziehung ist so auch eine Pseudowissenschaft! Ich will hier nicht die gesamte Anthropologie verteufeln, doch was sie zur Sexualität bei manchen Völkern zu sagen hat und insbesondere zur Sexualität der Kinder, ist reines Wunschdenken! Inzwischen ist das auch offensichtlich, doch auf die Praxis der Sexualerziehung in unseren Schulen hatte das bisher keine Auswirkungen!

Und so ist immer noch nicht das vorausschauende Handeln mit Analyse auf der einen Seite, was zumindest seelisch schädlich und nachteilig ist, was Traumata und Probleme wie Enttäuschungen bringt und was man daher lieber unterlassen sollte, nicht mehr Menschenkenntnis, damit man sich nicht  mit dem Falschen einlässt und reinfällt, nicht mehr wirklicher Durchblick das Ziel einer modernen Sexualerziehung! Es geht auch nicht um eine Ermunterung der jungen Menschen zum Abbau von sinnlosen und letztlich für wirkliche Moral kontraproduktiver und daher schädlicher Verklemmtheit und Leibfeindlichkeit wie der (Sexual-)Scham, die man nun wirklich problemlos "über Bord werfen" kann, sondern um ein Herunterspielen jeglicher Regungen für wirkliche (Sexual-)Moral. Zumindest wird sie reduziert auf: "Tue nur, wozu du wirklich selbst Lust hast", "Lass dich von keinem unter Druck setzen",  "Benutze immer Kondome, weder dich selbst bzw. deine Freundin oder das Mädchen, mit dem du dich gerade einläßt, schwanger zu machen und sie oder dich nicht mit einer Geschlechtskrankheit anzustecken". Jegliche Menschenkenntnis ist also überflüssig, es zählt im Grunde nur die eigene Lust und Laune, also purer Hedonismus. Und wer es nicht glaubt, soll sich einmal entsprechende Seiten im Internet ansehen, etwa die entsprechende Seite der Universität Merseburg http://www.google.de/search?q=cache:3IhLgaHl-6wJ:www.fh-merseburg.de/~weller/Publikationen/Expertise/2 1_%2520bis%25202 3.doc+Sexualp%C3%A4dagogik+katholisch&hl=de&ie=UTF-8 , da wird Sexualpädagogik in einem Atemzug mit Prävention (also Verhütung) genannt, als ob das dasselbe wäre! Alles ist letztlich pure Manipulation! Allerdings dürfte die Agitation dagegen - vor allem von katholischer Seite - auch nicht hilfreich sein, das alles klingt nur nach Krokodilstränen (siehe etwa http://prhl.crosswinds.net/sexpack.htm), von dem Konzept einer vernünftigen christlichen Sexualerziehung kann auch hier also nicht die Rede sein. Zur Kritik an der Rolle der Religion bei der Sexualerziehung siehe unter Moralerziehung!

Doch wirkliche Sexualerziehung ist nun einmal untrennbar mit einer anderen Moral verknüpft,

bei der es um Treue, Liebe und Ehre und um Partnerschaft auf der einen Seite geht oder eben auf der anderen Seite um Verachtung und um Ausbeutung - und wenn man das alles weg läßt und die Problematik mit der Sexualität auf die Vermeidung von unliebsamen Folgen reduziert, dann ist das schon unmenschlich und makaber. Im soeben zitierten Merseburg gibt es zur Zeit (es ist das Jahr 2002) die Ausbildung zu einem "Sexualpädagogen", die eineinhalb Jahre dauert (http://www.sexualpaedagogik.org/), kein Wunder, daß sie so lange dauert, denn eine Erziehung zu einer Sexualität ohne wirkliche Moral dürfte wirklich kompliziert sein! Kinder sind nun einmal von Natur aus moralisch und wollen vor allem plausible Informationen, wie sie diese Moral in die Praxis ihres Lebens umsetzen können - und eine entsprechende Pädagogik dürfte genau dann auch so kompliziert gar nicht sein. 

Und auch eine Erziehung von Pädagogen zu dieser Erziehung dürfte relativ einfach und leicht zu vermitteln sein, weil sie einfach unserer menschlichen Natur entspricht - man muß sie nur wollen! 

Da der Begriff "Sexualerziehung" derart negativ vorbelastet ist und sinnvolle Sexualerziehung nicht von wirklicher Erziehung getrennt werden kann, wird das Thema der Erziehung mit den für Kinder wichtigen und von ihnen auch gewollten Informationen hier unter Kindererziehung behandelt.


Promiskuität ist nicht nur der Tenor unserer heutigen Sexualerziehung,

sie war auch im Nationalsozialismus wie im Kommunismus angesagt!

Daher einmal etwas anderes: Lernziele für die Sexualerziehung vor Fünf- und Sechstklässlern - entwickelt mit einer Kollegin.

 

Ich finde, der Film "Kids" ist ein guter Anstoß für sinnvolle und notwendige Lernziele, damit es zu erfolgreichen Partnerschaften und erfüllender Liebe zwischen den Geschlechtern kommt. Und das sollte doch der Sinn des ganzen sein? Oder nicht? Der Film "Kids" mag zwar recht drastisch sein, doch kann man gerade deswegen eben vieles unterbringen! Und es gibt wirklich über vieles zu reden!
Schauen Sie sich bitte erst einmal die Präsentation an, damit Sie sehen, dass es zunächst einmal um ein sinnvolles Moralmodell geht, siehe HIER!

  1. Unsere Kulturen stecken immer noch im Denken der arrangierten Ehen und haben daher noch keine Konzepte entwickelt, wie junge Menschen vernünftig in Freiheit und Emanzipation miteinander umgehen können und überlassen es dem Zufall, ob die jungen Menschen passende Partner finden oder nicht. Doch eine sinnvolle Pädagogik ist durchaus möglich!

  2. Die jungen Leute sollen ein Wir-Gefühl entwickeln - wir sitzen alle in einem Boot: Von Natur aus sind weder die Jungens alle Schweine noch sind die Mädels auf ein Drohnendasein aus, aber wenn wir konzeptlos sind, dann schlittern wir einfach da hinein.

  3. Das Allerwichtigste: Nach den Grundsätzen einer guten Werbung nie etwas Negatives - oder zumindest sofort eine Wendung zum Positiven! Also nicht die bösen Don Juans noch schlechter machen, als sie sind, und vor ihnen warnen, denn das bringt sowieso nichts und erzeugt abgesehen von einer möglicher Lächerlichkeit eher Ängste. Viel sinnvoller ist es, die jungen Leute - positiv - zu einem geschwisterlichen Verhalten und zur Überwindung der Leibfeindlichkeit ermuntern, damit sie sich gegenseitig helfen, ihre Probleme zu lösen, damit solche Don Juans erst gar keine Chance haben und sie auch gar nicht entstehen... 

  4. Wie wäre es, wenn wir einmal von dieser immer nur typisch männlichen (nämlich phallusorientierten) Sexualität wegkämen und uns um eine eher an den Sehnsüchten der Frauen orientierten "weiblichen Sexualität" kümmerten?
  5. Die jungen Leute sollen sich gegenseitig helfen, nicht in einen Missbrauch hineinzuschlittern und auch sonst schlechte Erfahrungen zu vermeiden.

  6. Sie sollen Menschenkenntnis lernen - Gespräche, Toreromethode...

  7. Sie sollen erkennen, wie das mit dem Geschlechterkampf oft ganz harmlos und romantisch anfängt, aber hinterher kriegen sie es nicht mehr in den Griff.

  8. Sie sollen sich bewusst machen, was eine wirkliche Partnerschaft ist, wie man sich gerade auch durch die Geschlechtsunterschiede im Geistigen ergänzen kann und wie toll das ist, wenn das funktioniert.

  9. Und in einem solchen Konzept hat jetzt auch die Information über die Anatomie - gemäß Lehrplan an deutschen Schulen - ihren Sinn.

  10. Und vielleicht bekommen die jungen Menschen auch eine andere Einstellung zur Religion: Dass sie kritisch sehen, dass es denen leider nicht um ihr Glück geht, sondern dass die Religionen heute auch Wirtschaftsunternehmen sind, denen es darum geht, wie das am besten läuft. Allerdings hatte der (historische) Jesus das damals schon das alles durchschaut und also auch verurteilt (er trieb die Händler zum Tempel hinaus - vermutlich zahlten sie dem Tempel dafür, dass sie dort ihre Stände hatten) und hatte sich schließlich engagiert, dass nicht mehr das Geld, sondern der Mensch in seinen Grundbedürfnissen wieder das Wichtigste wurde.

  11. Doch auch hier eine Wendung zum Positiven: Auf den historischen Jesus sollte man schon etwas näher eingehen und zumindest den Hintergrund der Erzählung von der Sünderin, die gesteinigt werden soll, bringen. So können die jungen Leute vielleicht sogar anfangen, unsere Religion etwas weniger irrational zu sehen.

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Konkreter Einstieg in eine moderne christliche Sexualerziehung - siehe unter Einstieg.

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Sexualerziehung vor dem Hintergund des Denkens in Moralmodellen - geschrieben im Dezember 2011.

Klar, wenn einer bei einem Thema nicht locker lässt, dann kommen auch immer mehr Erkenntnisse zusammen und immer bessere, oder auch geeignetere Konzepte!



Dazu eine Modellbetrachtung:

Wir können ruhig davon ausgehen, dass vor allem auch der junge Mensch - und dabei gerade auch das Mädchen - ein hochmoralisches Wesen ist und auch keinesfalls vor anderen als unmoralisch da stehen will. Gerade sehr fürsorgliche Eltern haben dann auch noch eine fürchterliche Angst, dass ihre geliebte Tochter für irgendeinen Idioten ein Sexobjekt werden könnte, und so wollen sie genau das verhindern. Eigentlich sind das ja tolle Ausgangspositionen, aus denen sich eine gute Moral für die jungen Menschen machen ließe – ja, „eigentlich“!

Also versuchen nun die Eltern einer Tochter nun, bei der Erziehung alles das zu beeinflussen, was sie zum Sexobjekt machen könnte – so gut sie können. Daher also eine Erziehung gegen die Nacktheit und zur Scham. Schließlich sieht es ja auch so aus, als ob Sexobjekt und Nacktheit irgendwie zusammen gehören, werben nicht gerade auch Prostituierte, die nun wirklich Sexobjekte sind und dies auch sein wollen, mit mehr oder weniger raffiniert-freizügiger Kleidung? Ja, und vor so etwas, was auch nur annähernd nach Prostitution und also auch Sexobjekt aussieht, wollen wir unsere Töchter doch bewahren. (Anmerkung dazu: "Raffiniert-freizügig" ist allerdings nicht dasselbe wie "nackt"!)

Sehen wir also unsere fürsorgliche Erziehung so, dass wir gerade Mädchen dazu bringen, eine Mauer um sich herum aufzubauen – gegen die "schlechte Welt" außen. Sage niemand, dass dem nicht so ist. Sind denn irgendwann die jungen Menschen nicht in einer Hab-acht-Stellung, dass sie vehement gegen jede Entblößung sind, ja dass sie auch noch über alles das, was mit dieser Mauer zusammenhängt, schließlich auch gar nicht mehr frei reden können? Und es ist völlig klar für sie, dass ein schlechter Mensch diese Mauer bei ihnen natürlich nicht will und dass es sogar ein Indiz für seine Schlechtigkeit ist, dass er diese Mauer einreißen möchte. Das Einreißen funktioniert ihrer Meinung nach natürlich in der Weise, dass der typische schlechte Mensch diese Mauer infrage stellt, also dass er „darüber“ redet oder reden will. Und so eine Mauer hat nicht zuletzt auch viele Steine, es gibt eben viele Einstiege...

Schließlich bezieht sich diese Mauer selbst auf die eigenen Eltern, bei Mädchen gerade auch auf den Vater. Hat man nicht gehört, dass gerade auch Väter hier „etwas“ von ihren Töchtern wollen? Oder auch sonst in der Pädagogik? Jedenfalls hat diese Mauervorstellung dazu geführt, dass selbst gutwillige Pädagogen sich gar nicht mehr trauen, solche Themen anzusprechen, weil dies die jungen Menschen misstrauisch macht und unter Misstrauen lässt sich nun einmal schlecht vernünftig reden.

Das Problem ist nun, dass jede Mauer nach außen auch eine Mauer nach innen ist, irgendwann wird diese Mauer auch so eine Art Gefängnis. Der junge Mensch mauert sich also sozusagen selbst ein, diesmal in "seiner Moral" oder vielmehr in der Moral der Gesellschaft, in der er lebt!

Doch funktioniert diese Einmauerei nicht auf Dauer! Denn gerade auch ein junges Mädchen ist nun einmal ein lebendiges und dabei gerade auch ein geschlechtliches Wesen und also solches nun einmal auch auf der Partnersuche. Bei vielen Kulturen (und früher auch bei uns) funktioniert die Partnersuche nun so, dass man (also vor allem die Eltern) irgendwann die Klappe dieses "Gefängnisses" aufmacht und gleichzeitig einen Partner offeriert, von dem man meint, er könnte passen – und damit ist dann das Partnersuchproblem gelöst. Das meint man wenigstens. Dass es gerade in den Kulturen, in denen die Ehen auf diese Weise gestiftet werden, auch immer eine ausgesprochene Prostitutionskultur gibt, die gesellschaftlich ziemlich akzeptiert wird, und dass diese Prostitutionskultur mit den Partnerschaftsstrukturen in dieser Kultur ganz allgemein zusammen hängt, wird natürlich verdrängt. Klar, was nicht sein darf, das wird auch gar nicht erst gesehen!

Und in einer freien Gesellschaft, wie läuft das da mit der Partnersuche?

Dem Mädchen wachsen in der Pubertät nun nicht nur die Brüste und die Schamhaare, sondern auch der Drang, aus diesem Gefängnis herauszukommen. Es will mit Männern in Kontakt kommen, will Männer kennen lernen, will Erfahrungen machen. Klar, die Erfahrungen sind ganz besonders wichtig! Hat frau nicht davon gehört, was für idiotische Männer es gibt oder dies möglicherweise auch selbst in der eigenen Familie beobachtet, wie der Vater doch gar nicht ein sonderlich guter Ehemann ist (sie hat das von der Mutter mitbekommen)? Und es hat auch mitbekommen, dass man das vorher nicht oder kaum erkennen kann, als was sich einer mal entpuppt. Was also liegt da näher, also vor der Ehe zu erkunden, wer nun ein guter Mann ist und wer nicht?

Ja und das kann man doch nur oder auch am besten durch eine Ehe auf Probe herausfinden, oder eben auch durch „probieren“, durch zeitweiliges Zusammenleben....

So weit so gut und auch eigentlich sehr vernünftig!

Das Problem ist nur, dass Geschlechtsverkehr eine nicht mehr ganz harmlose und unverbindliche Erprobung ist, man und gerade auch ein Mädchen ist hinterher nicht mehr der- oder dasselbe wie vorher. Dagegen sind gerade die Möglichkeiten einer harmlosen und eher unverbindlichen Erprobung versperrt, ja da ist geradezu eine absolute Blockade, Nacktheit gilt als ekelig und unmoralisch, von Spaß daran darf schon gar keine Rede sein, das war ja der Tenor der ganzen Erziehung bisher. Bleibt hier nicht nur der Geschlechtsverkehr übrig, denn der kann ja notfalls auch unter der Bettdecke oder im Dunkeln passieren? Und es sagen ja auch alle, dass der sein muss – ja „alle“, nicht zuletzt hatten diese „alle“ doch auch dieselben Erfahrungen mit der Scheu vor der Nacktheit und den Geschlechtsverkehrerfahrungen? Und für diese „Erfahrungen“ wird dann derjenige genommen, der sich anbietet und dem es gelingt, die Dornröschenhecke zu durchbrechen oder eben die besagte Mauer. Und selbst wenn die Erfahrungen mit demjenigen nun schlecht waren, so wird das dann als der Preis dafür angesehen, dass das Leben weiter geht, dass man einen Partner findet...

Dabei wäre doch die Nacktheit gerade für Mädchen doch sehr gut geeignet, genauer zu erkennen, wen sie vor sich haben, einen Windbeutel oder einen Beschützer, dem sie sich anvertrauen können. Denn beim Nacktsein fallen durchaus auch die Hüllen, die wir um unseren Charakter gelegt haben. Doch eine natürliche Beziehung zur Nacktheit wurde ja in der Erziehung erfolgreich abgewürgt – und natürlich hat der junge Mensch da auch mitgemacht und diese Einstellung übernommen, er ist ja ein hochmoralisches Wesen!

So also läuft das mir der Erziehung zur Scham und gegen die Nacktheit in einer freien Gesellschaft, wie wir sie heute haben! Mit einer hohen Moral (also eine Moral der echten Monogamie) hat das Ergebnis jedenfalls nichts mehr zu tun, für die ist eine Erziehung zur Sexualscham geradezu völlig kontraproduktiv.

Und wenn heute viele Eltern gar nichts mehr sagen und alles laufen lassen, so heißt das nicht, dass sie keine Sorgen haben, sondern bei ihnen hat sich nun einmal der Eindruck festgesetzt, dass diese Sorgen sowieso nichts bringen, und so haben sie eben nur aufgegeben.

Und wie soll es anders laufen?

Kann es denn überhaupt anders laufen? Stimmt das denn nicht mit dem Zusammenhang von Nacktheit und Sexualobjekt?

Dazu kann man nur sagen: Ja und nein. Ganz klar, Nacktheit bei gleichzeitiger Dummheit oder auch Unwissenheit ist schon gefährlich. Doch gerade auch Unwissenheit ist ja nicht eine Naturgegebenheit – an der können Eltern und andere Pädagogen doch etwas machen! Und mit einem sinnvollen Wissen und Pfiffigkeit ist Nacktheit gleich etwas völlig anderes!

Ich erinnere mich an eine Begebenheit, die ich mit 7 ½ Jahren erlebt habe, also 1949. Und zwar waren wir mit meiner Mutter und mit meiner zweieinhalb Jahre jüngeren Schwester in Sylt, denn die hatte irgendeine Krankheit, die in dem Seeklima kuriert werden konnte, und in Westerland gab es ein Heim, wo wir wohnen konnten. Außerdem lebten dort gerade meine Großeltern, die nach der Flucht mit dem Handwagen aus Ostpreußen über das Frische Haff und dann weiter per Schiff über die Ostsee dort Zuflucht gefunden hatten, und auch noch ein Onkel, der gerade aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war.

Wenn wir dann also alle gemeinsam am Strand saßen, natürlich schön „züchtig bekleidet“, die Großmutter sogar in schwarzem Rock und dazu passender dezent gemusterter Bluse, da kamen ein paarmal zwei Mädchen, die kaum älter sein mochten als ich, in unsere Nähe. Und nur ein paar Meter entfernt von unserer „Burg“ zogen sie sich splitternackt aus, legten ihre Sachen sorgfältig gefaltet auf den Sand, sprangen ins flache Wasser, planschten ein wenig herum, trockneten sich ab, zogen sich wieder an und gingen dann wieder.

Näheres weiß ich dazu natürlich nicht, auch hatte ich sie nicht gefragt, es war einfach so. Doch heute nehme ich an, dass entweder ihre Eltern bei einem ersten Strandbesuch mitgegangen waren und ihnen uns als eine typische Familie gezeigt hatten, in deren Nähe sie sich auch komplett ausziehen konnten, weil wir ihnen nicht nur nichts tun sondern sogar automatisch auf sie aufpassen würden, oder die Eltern hatten ihnen von vornherein den Tipp gegeben, sich bei ihrer Strandwanderung eine Familie wie uns auszusuchen, in deren Nähe sie auch mal im Wasser planschen könnten. Und wir sahen ja wohl auch nach einer solchen braven Familie aus.

Sage bitte jetzt keiner, dass „so etwas“ damals möglich war, und dass das heute nicht mehr geht! Denn es war ja wohl damals mindestens genauso schlimm wie heute, was den sexuellen Verfall betrifft, und zudem sind wir heute noch viel mehr sensibilisiert und wildfremde Familien würden mindestens so gut wie damals auf kleine Mädchen aufpassen. (Dagegen würde selbst ich nicht solchen Mädchen raten, an einen einsamen Strand zu gehen, und auch nicht im Badeanzug!)

Ja, warum also eine Erziehung nicht gleich richtig, warum denn nicht ohne diesen fragwürdigen Umweg über die Erziehung zur Scham? Gehen wir doch einmal davon aus, dass gerade Kinder erst recht hochmoralische Wesen sind – und versuchen wir, mit ihnen zusammen zu arbeiten statt ihnen etwas zu unterstellen und gegen sie zu arbeiten!

Warum nicht erst einmal alles laufen lassen, so wie die Kinder es wollen, und irgendwann, wenn es einmal passt (und ein solches Passen kann man ja auch arrangieren!), vernünftige Gespräche anfangen?

Siehe hierzu unter Vater-Tochter-Gespräch oder auch Mädchen.

Den "Offenen Brief eines alten Religonslehrers an junge Mädchen über die weibliche Sexualität und die Bibel" (Mai 2012) gibt es auch online auf Deutsch, auf Englisch und auf Niederländisch! Es geht genau um dieses Thema!


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Und hier also der Mailwechsel, zu dem es mit einer Kollegin im August und September 2005 kam.

Lieber Cyberspace-Religionslehrer!

Ich stöbere seit einiger Zeit in deiner Website und weil ich sie so gut finde, schreibe ich dir auch mal was (obwohl ich noch nicht alles gelesen habe). Normalerweise surfe ich nicht im Internet herum, das kostet so viel Zeit... Aber dann brauchte ich ein paar Infos zum historischen Jesus, weil... na ja, es fing letztendlich mit der Frage an, ob meine Kinder (5 und 3 Jahre) getauft werden sollen. Ich selbst bin zwar getauft, aber nicht besonders christlich erzogen worden, abgesehen vom Religionsunterricht; konfirmiert oder kirchlich getraut bin ich auch nicht. Ich hatte aber die naive Vorstellung, im Grunde Christin zu sein und auch irgendwie an Gott zu glauben, und irgendwann wollte ich mich damit mal auseinandersetzen. Es war einfach noch so eine Leerstelle. Nun ja, dann war da ein diskussionsbereiter Religionslehrer an meiner Schule (ich unterrichte an einer Gesamtschule), der meinte, ich müsste unbedingt die Kinder taufen lassen, und das Ganze hätte durchaus seinen Sinn, wenn man sich nur darauf einließe usw., jedenfalls, ich solle doch einfach mal in der Bibel lesen. Auf die Diskussion zumindest ließ ich mich gerne ein; selten genug, dass sich für so was mal jemand wirklich Zeit nimmt. Es fand sich auch noch eine alte Lutherbibel im Kellerregal meines Mannes (der ist konfirmiert, wenn auch aus der Kirche ausgetreten). Aber die Lektüre war alles andere als eine Motivation in Richtung christlicher Glaube – die meisten Texte fand ich ziemlich grausam und menschenverachtend, oder aber unbegreiflich bzw. schlicht langweilig. Man muss (als Outsider) da ja schon ziemlich lange suchen, um mal was vergleichsweise Positives zu finden, was an heutige (bzw. eigene) ethische Normen erinnert, oder mit dem man überhaupt was anfangen kann, wobei ich da auch noch skeptisch war, ob ich das überhaupt richtig interpretierte. Selbst in den Evangelien fand ich vieles abstoßend oder zumindest etwas anrüchig von der Wortwahl her. Und dieses Buch bekommt man als Grundlage des christlichen Glaubens in die Hand gedrückt? Damit waren wir dann ziemlich schnell beim Kernproblem der ganzen Angelegenheit: Natürlich ist nicht alles wörtlich zu nehmen, natürlich muss man den geschichtlichen Hintergrund berücksichtigen. Okay, das hörte sich gut an - aber dieses Zugeständnis hat keinerlei Konsequenz (im Hinblick auf normalsterbliche Konsumenten wie mich): Weiterhin gilt die ganze Bibel, so wie sie ist – wörtlich eben - , als Grundlage des christlichen Glaubens, und ich kriege überhaupt keine Hilfe dabei, die entscheidenden Aussagen herauszufiltern, offenbar weil irgendwie ja doch alles heilig ist, wörtlich – ein Widerspruch, mit dem ich absolut nicht klar kam, und der sich für mich in allen möglichen anderen Widersprüchen äußerte. Dann hieß es immer, ich würde das alles zu sehr vom Verstand her angehen, weil ich eben Naturwissenschaftlerin sei – was ich schon ein bisschen diskriminierend fand (und wieso wird man eigentlich so schnell als atheistisch bezeichnet, wenn man versucht, seinen Verstand zu benutzen?).

Ich unterbreche mal hier: Genauso sehe ich das auch alles! Und im Grunde: Was interessieren uns diese alten Geschichten? Allenfalls von einer Grundtendenz a la basistheologie her, doch das ginge auch kürzer.... Und das mit der Naturwissenschaftlerin ist ja im Grunde ein Eigentor für die, die so reden: Also die Bibel nur etwas für Leute, die nicht klar denken können?

Jedenfalls kam es dann zu vielen interessanten Streitgesprächen, die noch viel besser wurden, als wir sie schließlich per E-Mail führten (da kann man doch fundierter argumentieren als in der Fünf-Minutenpause am Kopierer - obwohl das auch seinen Reiz hatte). Die Taufangelegenheit hatte ich längst abgehakt - wenn christlicher Glaube auf solchen Verstandeswidrigkeiten beruhte bzw. den Glauben an sie voraussetzte, konnte ich doch weder meine Kinder dem aussetzten, noch ihnen das irgendwie vorleben. Christin also wohl nicht, doch Atheistin auch nicht, das kann ich aber nicht so erklären. Man kommt sowieso nicht weit, wenn man über Gott redet, oder nachdenkt, so viel habe ich immerhin inzwischen begriffen. Über Glauben und Religion habe ich trotzdem weiter nachgedacht und fand es immer spannender, komisch eigentlich. Zu der Internetrecherche kam es schließlich, weil ich nicht glaubte, dass der „historische Jesus“ außerbiblisch so gut und eindeutig belegt sei, dass man auch die Evangelien (was die „vorösterlichen“ Geschichten angeht) mit wenigen Abstrichen als „historisch“ betrachten könne. (Ausgangspunkt war übrigens die Frage meiner fünfjährigen Tochter, warum Jesus gekreuzigt worden sei. Sie hatte so ein Kruzifix gesehen. Ich wusste wirklich nicht, was ich ihr darauf sagen sollte – gab es da überhaupt „historisch belegte Tatsachen“ oder nur Mythologie?) Irgendwann landete ich im Wörterbuch von basisreligion (Leben Jesu), und habe mir von da erst mal den Originaltext von „Naturwissenschaft und Glaube“

Oh, habe ich da etwas vergessen? Was ist das für ein Text?

geholt, den ich sehr aufschlussreich finde (wenn auch gegen Ende doch wieder ein bisschen theologisch, im Sinne von „an den Grundpfeilern wird nicht gerüttelt“, aber egal). Ich fand dann auch noch andere einschlägige Beiträge, kam aber immer wieder zu deiner Website zurück, weil ich allmählich folgenden Eindruck gewann: Wenn man denn annimmt, dass es einen historischen Jesus gab, und akzeptiert, dass sich Fragmente seiner Lehre glaubwürdig aus dem ganzen anderen isolieren lassen, dann bleibt, angesichts der Spärlichkeit solcher Fragmente, historisch-wissenschaftlich gesehen, ein ziemlich großer Interpretationsspielraum, was die „eigentliche Botschaft“ angeht. Da kann man nicht viel (oder zu viel) mit anfangen. Wenn man aber nach Lösungen und Handlungsorientierungen sucht, muss man sich schon für eine Auslegung entscheiden. Und was hat man da schon für Kriterien, als dass sich ein in sich schlüssiges („plausibles“) Gesamtbild ergeben soll, das ethisch wertvolle Konsequenzen für uns heute hat. Ein solcher Ansatz „stimmt“ dann auch, wobei allerdings jeder für sich entscheiden muss, ob das Ganze wirklich schlüssig ist. Und die Konsequenzen wertvoll. Es geht ja nicht mehr (nur) um wissenschaftliche Theorien, sondern sozusagen um persönliche, also darum, wie gut das Ganze zu den eigenen Erfahrungen passt. Dass es da viel Kritik gibt, ist klar. Grundsätzlich beruht Wissenschaft natürlich auch nur darauf, Theorien an „Wirklichkeit“ (Befunde und Beobachtungen) anzugleichen, aber diese „Wirklichkeit“ ist eben nicht menschlich erlebte Wirklichkeit. Moralvorstellungen erhält man so nicht. Also, warum nicht dein kriminologischer Ansatz; für mich ist er schlüssig. Wobei ich als Amateurin allerdings schwer beurteilen kann, ob du dich gänzlich an die Grenzen des „Interpretationsspielraums“ hältst; ich unterstelle es aber mal.

Also ich habe ja studiert - und m. E. spricht gerade vom Fachlichen dagegen nichts. Ich male mal nur eben ein konkretes Bild, wo andere gegenstandslos beschreiben. Also ich finde, was die wirklichen Fachleute sagen, das paßt alles auf mein Konzept. Im Übrigen haben mir die Leute vom Server der ev. Kirche, auf dem ich bin, bescheinigt, daß ich sachliche und seriöse Informationen bringe. Und ich bemühe mich wirklich genau darum: Es soll theologisch hieb- und stichfest sein, wovon ich ausgehe.

Ich habe nämlich echt keine Zeit, nebenher auch noch Theologie oder so was zu studieren (obwohl ich das meinem Diskussionspartner schon mal angedroht habe). Deswegen habe ich mich sehr über die informativen Beiträge gefreut, die sich auf den religionsgeschichtlichen Ansatz berufen. Endlich mal ein bisschen Hintergrundwissen (für Amateure).

Genau das wollte ich! Schön, daß das so angekommen ist! Irgendwie hätte ich als Schüler irgendein neutrales Hintergrundwissen gewollte, doch niemand hat es mir gegeben - daher mache ich das jetzt!

Und dann natürlich diese Wörterbuchseiten „Gott“, „Gebet“, „Dreifaltigkeit“, „Dogmatik“, „Offenbarung“ – also, das war wirklich so eine Art Offenbarung, weil da so ziemlich genau das formuliert ist, was ich dauernd versucht hatte auszudrücken; ich dachte nur immer, ich hätte irgendwas Grundlegendes nicht kapiert... Das Erstaunliche ist, dass noch was übrig bleibt, wenn man die ganzen Widersprüche weggeschaufelt hat, und dass sich daraus was wirklich Sinnvolles machen lässt. Das hatte ich nämlich bereits bezweifelt (und mein Diskussionspartner offenbar auch, sonst hätte er sich doch nicht so aufregen müssen, wenn ich das ein oder andere in Frage stellte...).

So sehe ich das auch: Man kann die Mosaiksteinchen, die nach aller Kritik übrig bleiben, sehr wohl zu etwas sehr Vernünftigem neu zusammensetzen!

Das pädagogische Konzept finde ich sehr einleuchtend, und ich hoffe, dass ich da was mit machen kann, im Hinblick auf meine eigenen Kinder und auf meine Schülerinnen und Schüler. Immerhin unterrichte ich unter anderem Biologie, also das Fach, wo traditionell die Kondome ausgeteilt werden... Da könnte ich mir schon vorstellen, zumindest die älteren Schüler/innen auf deine Website zu verweisen; bei den Sechstklässlern muss ich mir halt was einfallen lassen.

Also, die Geschichte von der Abtreibung ist ja wohl eher für jüngere, damit die die menschlichen Zusammenhänge sehen lernen. Ich fände das als Ausgangspunkt sehr geeignet. Jedenfalls kam ich mit Drittklässlern gut hin - und das sind ja die Erstkommunionkinder!

 Im Lehrplan ist immerhin die Rede davon „darüber hinaus... die Kinder auf eine verantwortungsvolle Partnerschaft vorzubereiten“ (ohne weitere inhaltliche oder didaktische Hilfestellung; ist wohl Allgemeinbildung!). Das bezieht sich allerdings wohl kaum auf vorehelichen Sex, sondern auf die Ehe selbst– oder jedenfalls die Partnerschaft „nach vollendeten Tatsachen“, denn die „verbindlichen Unterrichtsinhalte“ beschränken sich auf „Geschlechtsmerkmale, Empfängnis, pränatale Entwicklung, Schwangerschaft und Geburt, Geburtenplanung“. Na ja, „sexuellen Missbrauch ansprechen“

Also ich finde, das in der Geschichte ist ja wohl auch Missbrauch! Ansonsten: Ich fände auch den Film Kids geeignet. Wenn ich den den Schülern gesagt habe, daß die Mädchen dafür doch nun wirklich zu schade seien, dann habe ich nie Widerspruch gehört - und ich hatte den Eindruck, das war für sie einsichtig. Also ich finde, das wäre schon ein Ansatz - Gebrauch und Mißbrauch der Sexualität. Und dann kann man auf den sonstigen Mißbrauch zu sprechen kommen.

steht auch noch da. Zwischen dem sexuellen Missbrauch und der ehelichen Partnerschaft klafft gewissermaßen eine Lücke – um die es womöglich den Kindern gerade geht, wenn sie sich von der fünften Klasse an auf Sexualkunde freuen... Aber es ist so praktisch; man muss nicht mal Kondome austeilen; die brauchen sie ja erst viel viel später, für die „Geburtenplanung“... Dass es gerade bei den „Kleinen“ wichtig ist, nicht nur über „die Biologie“ der Sexualität zu reden, eben weil sie (überwiegend) noch keine Erfahrungen haben und so tun, als käme „so was“ für sie überhaupt nie in Frage, ist mir jetzt erst deutlich geworden. Ich habe auch keine Ahnung, was da normalerweise so parallel im Religionsunterricht läuft (bin auch noch nicht so lange dabei, aber daran liegt’s natürlich nicht).

Da läuft gar nichts! Da geht es nur um Glauben und Vertrauen zu Gott!

Irgendwie hab ich aber auch das Gefühl, dass ich das nicht so einfach dahin abschieben kann; wäre wahrscheinlich doch glaubwürdiger, wenn ich selbst da auch was mache. Vielleicht hast du einen Tipp? Das mit der Abtreibung ist wahrscheinlich ein bisschen zu umfangreich.

Über Abtreibung muß man gar nicht viel reden - nur wenn die jungen Leute wollen. Und ich würde denen nicht das Herz schwer machen, also nicht zu blutrünstig... Allenfalls, daß das auch menschliche Probleme bringt, weil man sich üblicherweise doch auf ein Kind freut...

Na, mal sehen. Muss mich da auch erst mal reinfinden. Ich selbst hatte übrigens zuerst durchaus ein Problem mit der Idee der bedingungslosen Monogamie, kein Sex vor der Ehe usw., fand das ziemlich übertrieben, dogmatisch und wirklichkeitsfremd. Bin ja nicht katholisch und so. Klar, dass man nicht gleich mit jedem..., aber wenn man in einer einigermaßen festen Beziehung lebt und einander liebt, kann es doch nicht unmoralisch sein, miteinander zu schlafen?

Also ich fände das toll, wenn die totale Monogamie von jedem akzeptiert wäre - dann hätten wir wirklichen Freiheit und ungezwungenen Umgang! Jeder könnte mit jedem etwas unternehmen, keine Hintergedanken, keine Ängste...

Bloß weil man (vielleicht sicherheitshalber noch) nicht heiratet, weil man sich vielleicht noch als zu jung, als noch zu sehr in der Persönlichkeitsentwicklung empfindet, das ist doch vernünftig? Wird damit die Sexualität nicht doch wieder überbewertet, oder die Ehe abgewertet, indem man beides zwangsläufig verknüpft, ungeachtet des konkreten Einzelfalls? Tja. Ich habe dann ein bisschen nachgedacht und mir vorgestellt, wie das für mich damals gewesen wäre, hätte ich ein solches Konzept gehabt (und das entsprechende Selbstbewusstsein, und die Männer hätten sich drauf eingelassen...), und ich muss zugeben, es wäre tatsächlich besser gewesen. Dabei bin ich nie mit jemandem „reingefallen“ und Interesse an einer längerfristigen Beziehung war auch (mit einer Ausnahme vielleicht) immer beiderseits da. Trotzdem. Ich kann das jetzt auch anders sehen, dass es eben nicht so gelaufen ist, wie es hätte sein können, oder sein sollen. Aber das muss man sich erst mal rein tun – und aushalten; besonders aufbauend ist das nicht, vorsichtig ausgedrückt.

Ich finde toll, wie offen Du bist und ehrlich! Ich glaube, wenn die jungen Menschen das echt gut durchleben, und man hat selbst etwas dazu getan, dann befriedigt einen das auch wahnsinnig! Denn bei einem selbst hatte man das ja gar nicht in der Hand, weil man es nicht besser wußte, es hatte einem niemand gesagt oder sagen wollen, aber jetzt kann man etwas machen!

Wer braucht das schon. Und das ist ein wesentliches Problem für deine Utopie, denke ich: Diejenigen, die meinen, sie hätten, nüchtern betrachtet, das Bestmögliche aus ihrem Leben gemacht, und es deswegen nicht für nötig halten, den Jugendlichen ein völlig anderes Konzept nahe zu bringen - oder sich überhaupt mit so etwas auseinander zu setzen (weil es so weltfremd ist!). Letztendlich ist das bloß Feigheit, vor sich selbst zuzugeben wie blöd man war.

Das nenne ich echte Aufarbeitung von Dir! Entschuldige, wenn das etwas arrogant von mir klingt, aber so stelle ich mir das vor!

Auch wenn man „es nicht besser wusste“, man hätte es ja merken können (hat man das nicht sogar?!); es geht ja nicht immer gleich um Verführung oder Reinfallen (Opfer). Ich jedenfalls komme da nicht mehr dran vorbei, so wie du einem das alles um die Ohren haust. Und dann stellst du immer so den Zusammenhang mit dem „wirklichen“ christlichen Glauben heraus, hm. Also, wenn das so von den Kirchen vermittelt würde, müsste man seine Kinder wirklich taufen lassen. Aber so ist das halt nicht. Wir waren kürzlich in einem Kleinkindergottesdienst – ist vielleicht an sich schon Schwachsinn, ich weiß nicht, jedenfalls, Freunde von uns wollten da hin, und ich dachte, es kann ja nichts schaden, nur keine Vorurteile. Von wegen. Den Kindern hat es zwar gefallen, die singen ja gerne und so, aber wozu mit den Drei- bis Fünfjährigen das Vater-Unser herunterbeten? Und dann ging es um die Taufe, da hat der Pfarrer den Kindern erklärt, die Taufe bedeute, man sei von Gott geschützt. Na klasse. Ich weiß nicht, ob ihm klar war, dass meine Kinder nicht getauft waren, und dass Fünfjährige bereits gewisse Fähigkeiten im logischen Denken haben, jedenfalls musste ich meiner Tochter später sagen, dass das Quatsch ist, wieso sollte Gott die getauften Kinder beschützen und die anderen nicht, und wovor überhaupt. So kann das doch nicht gehen, dass ich ihr immer etwas anderes erzähle, als sie dann in der Kirche hört. Das will ich ja gerade vermeiden, diese ganzen sinnlosen Widersprüche; ich muss so schon genug Fragen beantworten. (Meine Tochter verabscheut übrigens auch Märchen, die findet sie beängstigend oder traurig und verwirrend. Dein „Märchen“-Stichwort passt gut dazu.) Soll ich sie also grundsätzlich von allem Kirchlichen, und am besten auch noch vom Religionsunterricht fernhalten, jetzt, wo ich mich doch gerade damit anzufreunden beginne, dass an Jesus und den 10 Geboten und vielleicht der ganzen Bibel etwas Wichtiges dran sein könnte? Ist doch frustrierend. So. Eigentlich wollte ich nicht ganz so viel schreiben, aber es hängt halt alles so zusammen.

Was wäre, sich in einer Gruppe zu engagieren? Frage doch mal andere Eltern auf einem Elternabend? Ich könnte dann mal für ein paar Tage vorbei und wir machen vielleicht eine Wochenendtagung - mit wunderbarer Brotvermehrung? So wie ich das sehen, könnten wir uns ja auch mal in Südfrankreich treffen!

Schöne Ferien noch!

Ich habe Deine Mail erst danach gelesen...

Gruß Iris

Und die Antwort von Iris auf die rot gekennzeichneten Passagen von basisreligion:

Lieber Michael,

wir sind erst gestern Abend aus dem Urlaub zurück gekommen.... Vielen Dank erst mal. Ein bisschen Zustimmung kann ich gut gebrauchen. Was ich mir den Sechstklässlern mache (die habe ich dieses Schuljahr tatsächlich in Bio), weiß ich zwar noch nicht so richtig, aber du hast schon recht, das mit dem sexuellen Missbrauch ist ein guter Ansatz. Den Film Kids kenne ich nicht mal, ganz schön ungebildet, was? Muss man da vorher die Eltern informieren oder so? Na ja, zuerst kommt ja mal die „Ausbildung zum Gynäkologen“, wie du das irgendwo genannt hast, das verschafft mir bei zwei Biostunden pro Woche erst mal ein bisschen Luft, und mal sehen, wie die Klasse jetzt drauf ist.

Das mit der „echten Aufarbeitung“ klingt für mich nicht arrogant, aber es ist vielleicht etwas übertrieben, so einfach ist das auch wieder nicht, ich bin erst mal bloß erschrocken. Und wie stellst du dir mein Engagement in einer Gruppe vor? Konkret, meine ich. Ich habe mal eine Krabbelgruppe gegründet, weil es hier keine gab, als wir hergezogen sind; hier gibt es wenig, was auf dem Engagement von Eltern (oder sonstigen einzelnen) beruht und längeren Bestand hat (die Krabbelgruppe existiert auch nicht mehr). Wenn du so was ins Leben rufst, kriegst du vielleicht ein bisschen Anerkennung, aber du machst es allein. Zu den Elternabenden im Kindergarten (falls du die meintest) kommen im Durchschnitt etwa 5 Eltern (Mütter). Gut, ich kenne natürlich ein paar Mütter, die da ähnlich interessiert sein könnten wie ich, vielleicht. Zum Beispiel die, die mich gerade für diese neu geplante, den sonntäglichen Gottesdienst begleitende Kinderbetreuung-inklusive-religiöser-Unterweisung gewinnen wollen (weil sich zu wenige dafür engagieren!). Ausgerechnet mich. Soll ich die mal fragen? Aber was? Du argumentierst vom christlichen Glauben her, mit deiner genialen Auslegung und so, aber du bist ja auch Religionslehrer. Damit kann ich doch nicht daherkommen. Wochenendtagung mit wundersamer Brotvermehrung, meinst du das im Ernst? Pass bloß auf, ich glaube dir das alles und nehme dich noch beim Wort. Südfrankreich hört sich auch gut an. Was war denn noch? Ach ja, das Buch: Ich lese das gern mal, aber dafür brauche ich ein paar Tage. Der Kindergarten ist leider in der letzten (Schul)Ferienwoche geschlossen, da hab ich nicht so viel Ruhe... Zu dem Untertitel: Leuchtet mir schon ein, aber mir ist nicht klar, in welchen Zusammenhang und wo er hin soll – vielleicht bin ich auch gerade zu müde dazu, ist irgendwie schon ziemlich spät, glaube ich. Soll ich jetzt noch was zu dem „Weltjugendtag“ sagen, was du mir da angehängt hast? Ich mäkele nicht direkt daran herum, aber ich verstehe einfach nicht, warum dem Papst so zugejubelt wird. Schöne Feste und Höhepunkte, Hoffnung auf ein besseres Leben, gut, aber geht es (primär) darum, wenn der Papst gefeiert wird? So machtlos ist der doch übrigens gar nicht. Und verkörpert er nicht vieles von dem, was du in basisreligion kritisierst? Natürlich kann man sich vorstellen, da ist bloß ein wehrloser alter Mann und so weiter (obwohl er sich ja nicht so repräsentiert), aber warum wird ihm denn wirklich zugejubelt, bzw. wem wird da zugejubelt – nicht doch dem „Stellvertreter Gottes“, oder dem Repräsentant der katholischen Kirche (mit allen ihren Anachronismen), oder der Person selbst, weil es so schön ist, (unreflektiert) zu jemandem besonderen aufzuschauen? Was denken sich die Leute dabei, wenn sie da dem Papst zujubeln – hat das für sie etwas mit ihrem Glauben zu tun (aber was?), oder spielt das keine Rolle, weil es halt ein schönes Fest ist? Mir wird da einfach ein bisschen mulmig, wenn um einen Menschen ein solcher Aufwand getrieben wird, egal wer er ist oder was er repräsentiert, also auch, wenn tatsächlich hinter der Kirche ein besseres Konzept stünde.

Bis demnächst,

Gruß,

Iris

Und basisreligion:

Liebe Iris!

Zum Film "Kids". Nein, das ist keine Bildungslücke. Doch meine Erfahrung ist, daß in den Klassen mit sozusagen "einfacherem Niveau" (um es einmal so zu sagen) alle Schüler diesen Film kennen, während in den Klassen mit "höherer Bildung" kaum einer diesen Film kannte. Auf alle Fälle scheint er mir ein guter Ansatz - wenn man darüber reden kann und will. Und ich schätze, gerade Sechstklässler sind genau auf das Reden darüber schließlich geradezu scharf. Und m. E. solltest Du Dich gar nicht mit den Eltern in Verbindung setzen, denn die kriegen sowieso nur alles in die falsche Kehle und verstehen gar nichts. Stell Dich doch lieber auf den Standpunkt, daß Du das ganze vom größeren Zusammenhang her angehen mußt, also vom Gelingen beziehungsweise vom Mißlingen von Liebe und Partnerschaft und von der Emanzipation und der Freiheit des Menschen und auch von der Frau. Wenn man bzw. "frau" überhaupt nicht die Kehrseite kennt, wie kann man dann richtig handeln? Und nicht zuletzt siehst Du Dich dann auch im Dienste der Gemeinschaft, denn gescheiterte Partnerschaften kosten die viel Geld - was woanders sinnvoller eingesetzt werden könnte. Da gab es gerade einen Artikel in der WELT "Mit der Scheidung in die Armut - Besonders Frauen leiden finanziell unter der Trennung - Millionen-Kosten für den Staat" unter der Url:  http://www.welt.de/data/2005/08/27/765999.html. (Hinweis auch unter Ehescheidung). Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn Du Dich auch sonst auf meine Arbeit berufst - Du kannst ja auch sagen, daß Dir andere das mal widerlegen sollten und Du solange, bis das nicht passiert, Du einfach nicht weiter an dem Funktionieren Teufelkreises mitwirken möchtest. Nach dem Motto im wunderbaren Kriegslied von Matthias Claudius "Und ich begehre, nicht schuld daran zu sein".

Und wenn Du das so machst und die Eltern das Ergebnis sehen, dann finden das die meisten Eltern sowieso gut - und die übrigen Eltern erleben eine Diskussion á la Gespräch 4 im Buch "Spaß an der Moral". Die läuft dann vielleicht sogar von ganz alleine... Ach, ich wäre dabei ja gerne Mäuschen!

Ach ja, zum Film Kids: Er fängt an, wie ein arbeitsloser Junge an einem Morgen ein minderjähriges Mädchen - offenbar aus gutbürgerlichem Haus -entjungfert (alles sehr dezent gezeigt, nur die Redereien sind sehr offen und deutlich) und wie dann Mädchen über ihr erstes Mal denken. Alles sehr ernüchternd. Doch der rote Faden des Films ist, wie eine seiner Entjungfernten feststellt, daß sie AIDS hat (es kann ja nur von "ihm" sein) und ihn und das nächste seiner Mädel warnen will. Infolge zahlreicher Wirrnisse kommt sie jedoch zu spät (alles sehr spannend gemacht) und läßt sich erschöpft vom Freund des Jungfrauenknackers vernaschen und steckt ihn dabei auch noch mit der Krankheit an. Wie gesagt: Die jungen Leute protestieren nie, wenn ich sage, daß ich mit der sexuellen Freizügigkeit und auch mit dem ganzen vorehelichen Sexualleben der jungen Leute so meine Probleme habe, weil ich immer Geschichten wie in diesen Film vor Augen habe und daß dafür die Mädels doch zu schade sind - so wie auch für diese ganzen dämlichen Liebesbeweise, die doch immer nur Dummheit sind. Und um nicht als verklemmt zu gelten, biete ihnen doch die Idee mit der Phase der Ästhetik an mit der Überwindung der Leibfeindlichkeit und dem Ziel einer guten Menschenkenntnis, was sie alles erst einmal erleben sollten, siehe auch das Gespräch 3 und 4 in "Spaß an der Moral". Was wäre, wenn die Mädchen und Jungen sich dazu einmal zusammen täten? Wenn Du denen etwas von Kondomen erzählen sollst laut Lehrplan, doch dann erst recht davon! Wenn Du den Film zeigst, es gibt ihn in jeder Videothek, würde ich mir die 90 Minuten dafür im Zusammenhang reservieren, damit vermeidest Du, daß ihn manche nur teilweise sehen und irgendjemand dazwischen funkt. Allerdings muß Du bei dem Projekt schon damit rechnen, daß die jungen Leute Dich auffordern, bei der Unverklemmtheit mitzumachen - aber als Frau wirst Du da ja keine Probleme haben! Vielleicht interessiert sich dafür dann auch einmal die Bildzeitung? Aber Vorsicht: denen geht es im allgemeinen nur um den Klamauk! (Auf alle Fälle: Ehrlichkeit ist angesagt, kein Krampf! Wenn Du Schwierigkeiten hast, dann sage das den Schülern und sage aber auch, daß Du ein Konzept von einem alten Religionslehrer im Internet gefunden hast, der das so und so sieht und daß Du das eigentlich gut findest und Du auch Kontakt mit ihm hast. Und ich meine, die jungen Leute werden Deine Offenheit zu schätzen wissen. Übrigens: Meine Tochter war mein Projekt - und ich bin sehr glücklich mit allem, was sie macht! Sieh mal in meine Reiseberichte von Spanien 1995 und 1999, wie meine Idee in der Praxis aussieht!)

Bei jüngeren Kindern würde ich eher das Geständnis von der Abtreibung als Einstieg selbst vorlesen.  (Anmerkung: Inzwischen - im 3. Jahrtausend - sehe ich diesen Bericht anders. Er ist wohl nicht mehr angebracht, da die jungen Leute das alles eh zu blauäugig sehen. Heute wäre wirklich ein anderer Ansatz, ihnen die Probleme à la Gespräch 2 usw. zu vermitteln und die Schönheit der Phase der Ästhetik, siehe auch Vorwort 5 im Buch "Das Durchblickkonzept". Der Vorteil ist, dass die Kinder heute wissen, um was es sich dreht und die Moral nicht mehr an der <Sexual->Scham festzumachen brauchen.)

Zu der Kindergartenkrabbelgruppe kann ich nicht viel sagen, aber vielleicht machen sich die Mütter doch auch mal über mehr Gedanken. Auch mußt Du schon daran denken, etwas Sinnvolles anzuleiern, denn bald bist Du selbst in der Situation, daß Deine Kinder auch älter werden und neue Ideen kann man nicht einfach aus dem Ärmel schütteln - und auch nicht die entsprechende Praxis. Und zum Papst habe ich etwas im Briefwechsel im Anhang des Stichwortes Papst geschrieben - durchaus auch unter Berücksichtigung Deiner Mail. Du hast schon Recht mit Deiner Kritik, aber kann man das nicht auch mal positiv sehen, wir ändern sowieso nichts, wenn wir das Phänomen Papst nur negativ sehen...

Das wär´s erst mal!

Tschüs  Michael

31. August 2005:

Lieber Michael,

danke für die weiteren Tipps zum Sexualkundeunterricht – ich werde das so mal probieren, wenn es soweit ist. Über Unverklemmtheit meinerseits kann ich jetzt erst mal keine Garantie abgeben, aber ich halte dich auf dem Laufenden, was passiert... Nach deiner Diagnose kennt meine Klasse den Film genauso wenig wie ich. Offiziell muss ich übrigens die Eltern grundsätzlich über die Inhalte meines Sexualkundeunterrichts aufklären (auf Formalien wird bei uns Wert gelegt), aber da verwiese ich auf den Lehrplan, von dem ich ja nicht wirklich abweiche.

Ich habe die Papst-Seite gelesen und kann dir da tatsächlich einigermaßen folgen. Du siehst eben die Dinge in erster Linie so, wie sie sein könnten  - und aus dieser Perspektive schwächen sich manche Kritikpunkte halt ab, oder werden gegenstandslos, weil die Realitäten, so konträr sie dieser Sicht auch gegenüberstehen, dann bloß als ungünstige Umstände erscheinen, denen man entsprechend begegnen kann. (Ist positiv gemeint; vermutlich ist es ja genau das, was an basisreligion so motivierend ist. Und natürlich kann man dann auch katholisch bleiben – und den Papst positiv finden - , obwohl man die katholische Theologie eigentlich völlig umkrempelt...) Ein paar Sachen verstehe ich trotzdem nicht – ich hab allerdings auch wenig Ahnung vom Papsttum und diesem ganzen Konfessionskram, aber ich sag’s trotzdem mal (du hast ja damit angefangen): Das mit dem ALDI zum Beispiel – ist es nicht dasselbe Produkt, das die Konfessionen anbieten? Da wäre es doch vielleicht verbraucherorientierter, gemeinsam die beste Verpackung auszuklamüsern und den besten Beipackzettel, schon weil die Produktionskosten dann auch sinken und das könnte ja an den Kunden weitergegeben werden... Auf überflüssigen Werbeschnickschnack könnte man dann verzichten, wenn man nicht in Konkurrenz steht, insbesondere, wenn das Produkt sowieso ein Grundnahrungsmittel ist. Das schreckt doch bloß Kunden ab, wenn sie vor lauter Werbestrategien der Anbieter nicht mehr klar sehen, worum es eigentlich geht. Wie beim Wahlkampf. Da kriegt man bloß das Gefühl, jemand will unangemessen davon profitieren, dass man das Zeug kauft.... Und dann das mit der Empfängnisverhütung – wieso kann der Papst dazu „keine andere Einstellung haben“? Bei Verhütungsmitteln, die erst nach der Befruchtung „verhüten“, kann ich das ja noch einsehen. Aber im Übrigen... Geht es hier tatsächlich um eine „gottgewollte“ Produktion von zahlreichen Nachkommen von wegen „seid fruchtbar usw.“? Ich sehe irgendwie auch nicht, wie man Empfängnisverhütung mit dem Hinweis auf Sexualmoral ganz vom Tisch fegen kann, sei es nun der Papst oder basisreligion. Und dabei habe ich doch „Spaß an der Moral“ inzwischen gelesen und finde es gut, so wie es ist. Wann wird es denn gedruckt? Ich wüsste schon, wem ich es mal in die Hand drücken würde...ein Buch ist doch irgendwie verbindlicher als eine Internetadresse. (Vielleicht bin ich auch einfach nur altmodisch, ich mag Bücher einfach lieber als meinen Monitor.)

Gruß,

Iris

1. September 2005:

Liebe Iris!

 
Danke für die positive Bewertung, vielleicht geht es jetzt mit dem Druck schneller... Und ich habe auch das Originalfoto vom Titelbild gefunden. Eine griechische Schülerin (um 17), ein nettes Mädchen, sagte mal dazu spontan, daß das aber schön sei - für mich gleich ein Aha-Erlebnis... Ich habe auch den Titel geändert: Ehrlichkeit und Spaß mit der Moral. Ich könnte mir vorstellen, daß dieser Titel viel besser ist, damit wirkt alles seriöser, und gerade auch die jungen Leute wollen alle schließlich doch irgendwie seriös sein und vor allem in der Liebe Ehrlichkeit. Oder weißt Du einen besseren Titel?
 
Dein Kommentar zum Papst ist ganz lieb, aber ich hoffe auch, nicht dogmatisch zu sein und ich könnte mir vorstellen, daß eine solche Institution auch für rationale Menschen irgendwann einmal nichts Irrationales mehr zu haben braucht. Schön mit den sinkenden Produktionskosten, aber vielleicht wollen die Kunden nun einmal auch solch ein Brimborium? Auch die Autos sind doch heute vom Technischen her durchaus vergleichbar, aber die Leute wollen eben doch unterschiedliche, selbst wenn alles dadurch teurer wird. Meine Idee ist ja die gemeinsame "wunderbare Brotvermehrung", so ganz locker, wie es sich ergibt, vielleicht läßt sich dadurch etwas ändern - so ganz allmählich. Jedenfalls könnte man dabei reden.
 
Und zur Empfängnisverhütung, ich kenne da eben auch Meinungen, die nichts mit dem Papst zu tun haben, etwa, daß dadurch die Frauen ihren Körper gar nicht richtig kennen lernen (also "Pille rein und nicht nachdenken") oder "ich habe in meiner Ehe ...Jahre die Pille genommen - und das hat unserer Liebe nichts gebracht"... Eine an sich sehr kritische Mitstudentin sagte einmal in einem Seminar: "Der Papst kann sich nicht anders ausdrücken, ihm geht´s ja gar nicht um die Pille, ihm geht´s darum, daß die Frau nicht zur Sache wird...", aber Du hast das ja möglicherweise schon bei mir alles gelesen. Aber ich will natürlich auch hier nicht dogmatisch sein in der Ablehnung - aber man sollte auch nicht dogmatisch sein in der Befürwortung. Nur diese flächendeckende Verwendung heute ist m. E. nun wirklich nicht richtig, so hat die Natur sich das wohl doch nicht gedacht und das ist auch gar nicht notwendig. Aber ich bin nicht verheiratet - und kann mich in diesem Punkt vielleicht wirklich nicht in den Alltag einer ehelichen Partnerschaft in einer modernen Industriegesellschaft hineinversetzen, wo beide Eheleute im Streß stehen...
 
Ich freue mich nun schon auf Deine Erfahrungen mit Deinem Unterricht. Noch etwas zu dem Film: Die Mädels, die dieser Telly vernascht, sind kaum älter als Deine Schülerinnen, also könnte auch ein Argument sein, daß man schnell etwas unternehmen muß, weil die Zeit rennt und die Mädels mit dem Beginn ihrer "Beziehungen" immer jünger werden - und das dürfte doch nun wirklich nicht im Sinn der Eltern sein...
 
Tschüs
 
Michael

2. September 2005

Lieber Michael,

der Titel ist wirklich besser so und mir fällt da so schnell nichts noch Besseres ein, es ist schwer, das alles in einem (kurzen) Titel zusammenzufassen. Es kommt halt auch drauf an, wen du ansprechen willst – die Jugendlichen? Eltern? Erzieher? Also ich kam ja über den historischen Jesus und die Bibel da drauf – bleibt das in dem Untertitel? Was ist mit „Menschenkenntnis, Natürlichkeit, Ehre“ im Untertitel – „Ehre“ finde ich ein bisschen pathetisch – ich würde eher „Verantwortung“ sagen (das klingt allerdings wieder so „moralisch“ – vielleicht „Selbstbestimmung“?). Und „Natürlichkeit“ ist ziemlich vage, da kann man alle möglichen Assoziationen zu haben. Warum nicht „Sexualität“? Und daraus vielleicht noch einen Satz formulieren... Oh je.
Deine Reiseberichte hab ich gelesen (und noch dies und das; diese links bringen mich immer weiß Gott wohin), spannend. So was muss man wahrscheinlich selbst mal probieren, um zu sehen, ob man’s wirklich kapiert hat. Glück für die Mädels, so ein „Ersatzvater“, hätte ich auch mal gebrauchen können (mein Vater ging weg, als ich acht war), aber meine Mutter hätte so was sowieso nie zugelassen bzw. dafür gesorgt, dass ich es auch nicht will...weil Männern grundsätzlich nicht zu trauen ist und so. Hat mich ziemlich beeinflusst, diese Haltung. Für meine Brüder war es aber wahrscheinlich viel schlimmer. Hast du denn solche pädagogischen Abenteuer auch mal mit Jungs gemacht?
Jetzt muss ich doch noch was zum Papst und den Autos sagen (das mit dem Aldi stand unter dem Stichwort Papst, in deinem Kommentar zu Küngs Pamphlet): Das ist es gerade, ich verstehe ja auch nicht, warum es diese ganzen verschiedenen Autos geben muss – gäbe es nur einen Typ, preiswert, umweltfreundlich, sicher, praktisch (und nicht allzu schnell und komfortabel), dann würde auch nur gefahren, um notwendige Ziele zu erreichen, und es gäbe weniger Unfälle, Staus und Luftverschmutzung. Autos würden trotzdem gekauft – von denen die sie wirklich brauchen. Das Brimborium verführt nur zu Unnötigkeiten wie Zweitauto und Raserei und Autowaschen am Samstag und Statussymbolen usw., und es gibt das alles nur, weil irgendwer dran verdient. Aber wenn man nichts dran ändern kann - den meisten gefällt das wohl wirklich so – meinetwegen, dann muss man halt versuchen, durch Gespräche wenigstens ein paar grundlegende Verbindlichkeiten zu vereinbaren - Katalysatoren und Rußfilter und so. (Mir kann es ja eigentlich egal sein, ich fahre sowieso meistens mit dem Fahrrad.)
Schön, dass du nicht dogmatisch sein willst in der Ablehnung der Empfängnisverhütung. Ich finde, man könnte die Empfängnisverhütung jedem selbst überlassen, wenn man eine vernünftige Sexualmoral vernünftig rüber bringt, denn ganz ohne Verhütung geht es meiner Ansicht nach eben nicht, aber pauschal kann man da nicht drüber urteilen. Es muss ja nicht nur die Pille sein, den Schwachsinn des „flächendeckenden Einsatzes“ sehe ich auch, ebenso, dass Frauen sich damit in gewisser Weise verfügbar machen (sollte in einer funktionierenden Partnerschaft aber nicht so sein), und gesundheitsfördernd ist es ja auch nicht gerade (eine Schwangerschaft allerdings auch nicht). Zumindest solange man ein gewisses Risiko eingehen kann, (noch) ein Kind zu kriegen, kann man da ja ganz interessante Varianten ausprobieren, wenn man Glück hat, geht es vielleicht auch langfristig ganz ohne künstliche Verhütung, aber wenn ein (weiteres) Kind  eine Katastrophe wäre? Das gibt es nun mal, so schlimm sich das anhört; es geht ja nicht nur um die finanzielle Tragbarkeit - obwohl das auch schon reicht, wenn man plötzlich ein größeres Auto und eine größere Wohnung bräuchte, aber der eine nicht mehr arbeiten kann. Aber man muss sich um die Kinder schließlich auch kümmern, und wenn es um ein behindertes Kind geht, ist da nicht so leicht einzuschätzen, was auf einen zukommt (ich weiß ein bisschen, wovon ich hier rede). Von einer Bekannten habe ich mitgekriegt, dass sie ihr drittes Kind (die ersten beiden dann wahrscheinlich auch) sicher nicht ausgetragen hätte, wäre es nicht ganz gesund gewesen – das schien irgendwie selbstverständlich (wie hätte sie das auch schaffen können, mit schon zwei kleinen Kindern und so). Wenn man so was nicht so selbstverständlich findet, muss man aber das Risiko einer Schwangerschaft minimieren, und das heißt nun mal Pille oder Kondom (oder Sterilisation, das wäre das Sicherste; was sagt denn der Papst eigentlich dazu?). Und was sich die Natur denkt... die denkt sich gar nichts, denken müssen wir schon selbst. Mit „natürlich“ kommst du hier nicht weit, damit kann man nämlich (fast) jeden Schwachsinn begründen. Zum Beispiel: Unter „natürlichen Verhältnissen“, etwa während einer Schwangerschaft, wird der Eisprung ja auch hormonell unterdrückt, sogar mit den gleichen Hormonen wie in der Pille. Nach der Geburt würde die „natürliche Frau“ mehrere Jahre ihr Kind stillen, ebenfalls eine hormonale Empfängnisverhütung. Das Ganze würde sich in ihrem (unter natürlichen Umständen sicher relativ kurzen) Leben einige wenige Male wiederholen; sie hätte während dieser Zeit – wie eine Frau, die die Pille nimmt -  kaum „normale“ Menstruationszyklen und nur (relativ) wenige Kinder. Die Pille entspricht also eher der Natur als der allmonatliche Eisprung mit regelmäßiger Fruchtbarkeit!! Viele Kinder zu haben ist sowieso unnatürlich; der Mensch als höherer Primat sollte ja fortpflanzungsstrategisch dem Prinzip „sehr wenige Nachkommen mit hoher Aufzuchtsinvestition aber auch hoher Überlebenswahrscheinlichkeit“ folgen. Nur sagt das alles nichts darüber, ob es gut oder schlecht für uns ist, bzw. was wir tun sollen. Das sind doch alles nur (mehr oder weniger alberne) Theorien, evolutionsbiologisch oder sonst was. Unsere  Kultur oder Zivilisation könnte man auch als für uns natürlich bezeichnen, dann wäre Nacktheit eher unnatürlich... und so weiter. Menschen haben nun mal das Problem, dass die Natur ihnen nicht (mehr) sagt, was sie zu tun und zu lassen haben. Die Vernunft muss reichen. Zur Moral und Religiosität sind wir immerhin auch befähigt (als Gemeinschaft), und solange die sich im Rahmen der Vernunft bewegen, hat man eigentlich genug, um über Empfängnisverhütung zu entscheiden – auch als einzelner. Mit Dogmen kommt man hier nicht weiter, die können irgendwo die Entscheidungsgrundlage sein, aber nicht die Entscheidung selbst.

Die Schule beginnt für mich übrigens eigentlich erst nächste Woche; ich musste diese Woche nur schon hin wegen Nachprüfungen und Stundenplan und Konferenz...Ich bin auch nicht aus Thüringen sondern aus Hessen, aber das mit dem Namen kann schon sein, die Familie meines Vaters kam „von drüben“, jedenfalls hat er das Kriegsende und die Nachkriegszeit in Berlin erlebt, soviel  ich weiß.

Gruß,

Iris

Hier überspringe ich etwas, dann weiter am 5. September 2005:

Michael,
habe dein Gespräch 3 gelesen und finde es okay, nur, erstens,  eine Frage zu dem Ersatzbruder: Den würde Martina doch nur dann suchen, wenn sie selbst keine (ausreichenden) Erfahrungen mit einem eignen Bruder gemacht hätte, oder? Ist das wirklich so, dass man dann, bevor man einen Partner sucht, den „fehlenden Familienteil“ sucht? Und Zweitens: Die Martina ist für mich am Anfang des Gesprächs nicht ganz so glaubwürdig (vielleicht bin ich da auch naiv), weil sie explizit eine spätere Heirat mit ihrem tollen neuen Freund ausschließt und ihn bewusst nur als Mittel benutzt, um Erfahrungen zu machen, die ihr dann später in der Ehe (mit einem anderen) nützlich sein sollen (oder ihr zumindest über die Trübsal des ehelichen Sex hinweghelfen). Dass vielleicht für sie momentan nicht relevant ist, ob sie ihn irgendwann heiratet oder nicht, kann ich ja nachvollziehen, aber dass sie eine Beziehung anfängt in der Überzeugung, dass das nichts von Dauer sein kann, diese Einteilung der Männer in die Kategorien „vorehelicher Liebhaber“ und „Ehemann“, ich weiß nicht...Sind das deine Erfahrungen? Man kann natürlich so einen Eindruck bekommen, wenn Frauen, nachdem eine solche Beziehung gescheitert ist, einen „ganz anderen“ Mann suchen (weil sie was draus gelernt haben). Das macht es für den „ganz anderen“ zwar auch nicht viel besser, er wäre trotzdem bloß der  „Nachfolger“, aber wenigstens nicht so aus dieser kaltschnäuzigen Berechnung der Frauen heraus...So, wie Martina sich nachher dafür interessiert, wie man „den Richtigen“ identifizieren kann, würde es eher passen, wenn sie schon irgendwie hofft, eine tragfähige Beziehung gefunden zu haben, es aber natürlich nicht wirklich einschätzen kann und trotzdem (oder deswegen) mit ihm schläft, um nichts zu verpassen oder so. Oder eben auch, um eine engere Bindung herzustellen (was durch Sex ja tatsächlich auch geschieht), die sie sich anders herzustellen nicht vorstellen kann. Die anderen Sachen passen dann trotzdem noch alle.
Im Biologiebuch für die Klassen 5/6 wird das Ganze übrigens etwas gelassener gesehen, da heißt es: In der Pubertät „fühlt man sich zum anderen Geschlecht hingezogen. Von diesem Gefühl weiß man nicht so recht, wie man damit umgehen soll. Man traut sich vielleicht nicht, den Jungen oder das Mädchen anzusprechen und ist schüchtern. Aber irgendwann ist die Hemmung überwunden, man ist zum ersten Mal verliebt und hat einen Freund oder eine Freundin. Jetzt ist ein neuer Partner gefunden, dem man vertrauen kann.“ So einfach ist das. Und dann zeige ich den Film „Kids“, hm?

Und ich soll froh sein, dass ich nichts mit der Kirche zu tun habe? Mein evangelischer E-Mail-Diskussionspartner bedauert das eher... Aber hinsichtlich der Schule hast du natürlich recht, da hat man eh schon genug zu beachten. Mein Examen liegt zwar schon etwa sieben Jahre zurück (davon war ich vier Jahre im Erziehungsurlaub), aber ich bin mir immer noch bewusst, wie schön es ist, dass ich endlich nicht mehr ständig darüber nachdenken muss, was irgendwelche Ausbilder zu meinem Unterricht sagen würden... Und die Kirche kann auch froh sein, dass sie nichts mit mir zu tun hatte, denn so habe ich auch keinen besonderen Groll gegen sie (bin nur ein bisschen frustriert) und kann mit relativer Gelassenheit zusehen, ob sich nicht vielleicht doch was ändert...warum nicht.

 Gruß,

Iris

5. 9. 2005:

Liebe Iris!

 
Danke für Deine konstruktive Mail! Mit dem Ersatzbruder usw. war das die feste Meinung eines Profs, und ich meine, er hat Recht, vielleicht anders, als er es sagte, aber in irgendeiner Weise. Daher habe ich auch versucht, meinem "Kind" so eine Art Bruder zu sein, und das heißt, echter Kumpel... Und dass dabei so nebenbei das Thema Leibfeindlichkeit erledigt wird - so wie ich es sehe -, ist etwas ganz Wichtiges. Dann ist das Thema bei einem richtigen Partner schon mal gelöst.
 
Ich habe das jetzt eingebaut, hoffentlich ist es jetzt o.k.
 
Und auch den Anfang habe ich verändert, obwohl ich tatsächlich Mädels erlebt habe, die so dachten, und gar nicht einmal üble - allerdings meine ich, die hatten das nicht durchdacht, was sie da sagten. Daher ja meine Arbeit, damit die sich mal klar werden, was sie da im Kopf haben. Es sagt denen ja sonst niemand etwas!
Mir geht es überhaupt darum, daß junge Menschen einmal nachdenken über das, was angeblich so "in" ist... Und ich meine, wenn junge Menschen frühzeitig darüber nachdenken, dann wird das auch alles anders - denn der Mensch ist von Natur aus "gut", nur muß das geweckt werden...
 
Das Biologiebuch sieht das alles zu locker, meine ich. Die jungen Menschen wollen das schon genauer wissen, vor allem wollen die jungen Leute diese Herunterspielerei gar nicht, für die ist das alles schon sehr wichtig. Ein junger Kollege sagte mir mal, das Problem ist sowieso immer recht bald vorbei - und auf meine Rückfrage - na, "wenn sie alles hinter sich haben"... Also, ich finde, das ist keine Lösung - und in der Richtung läuft auch das Biologiebuch. Ich finde, hier werden Chancen vertan und die jungen Leute geradezu verdorben...
 
Ich sage ja nicht, daß alle so sind wie in dem Film Kids - doch wenn man weiß, wie etwas schlecht läuft, weiß man auch, wie etwas vernünftig läuft oder laufen kann - und man wird sicherer. Wenn ich weiß, wo die Tretminen liegen, die mir ansonsten immer die Ängste einjagen, kann ich schließlich sogar zwischen ihnen durchrennen! So sehe ich das!
 
Also, ein bisschen kritische Haltung zur Kirche schadet doch nie! Ich war ja auch beim Papst und stehe mich mit den Evangelischen gut - aber ich könnte mir alles noch besser vorstellen. Die Gefahr ist ja immer eine Vereinsmeierei oder Kaffeeklatschmentalität, und es ist doch unsere dauernde Aufgabe, sich davon zu befreien...
 
Du hast eine gute Einstellung zum Unterricht! Nicht pausenlos der Lehrplan - zumal in den alles reinpaßt, wenn man es nur entsprechend begründet...
 
Heute habe ich die englische Version von "Ehrlichkeit und Spaß..." fertig gemacht, ich bin gespannt, ob Besucher kommen.
 
Tschüs
 
Michael

Und gleich am 6. 9. 2005 noch die Mail mit den Lernzielen, siehe oben!

Und es geht natürlich weiter! Hier erst einmal eine Einleitungsmail an den Freund in Wien, dem ich den folgenden Mailwechsel zuschicke. Schließlich soll ich in Wien bei der Freizeit einer christlich orientierten Jugendgruppe eingesetzt werden. Die entsprechenden Verantwortlichen haben mein Referat gehört, das in etwa dem Buch www.basisglaube.de entspricht.

Liebe Besucher der Website! Sie können hier jedenfalls erkennen, wie verfahren alles ist und welche Überlegungen es gibt, aus dem Schlammassel herauszukommen!

26. 11. 2005 Lieber Markus!

Mir geht das natürlich alles im Kopf herum - und bei den spärlichen Informationen aus Wien, umso mehr. Ich verstehe natürlich auch, Ihr macht das alles so nebenbei und ehrenamtlich - und ich habe nichts anderes zu tun...auf alle Fälle nichts Besseres (ja genau so ist es!)... Und ich sehe das als Verpflichtung für mich!

Ja, wie ist mein Einsatz überhaupt vorgesehen? So mal nebenbei - oder richtig? Ich sehe ja ein wenig das Antibiotikaproblem: Wenn man sie nicht richtig dosiert und auch sonst etwas falsch macht, dann wirken sie im Ende nur kontraproduktiv und man macht es schlimmer als zuvor. Also nicht zuviel, aber auch nicht zu wenig!

Ich möchte mich natürlich gern einmal mit den Zuständigen unterhalten (oder "mailen"), wie die sich das vorgestellt haben. Man müßte schon wissen, wie man zusammen arbeitet, wichtig ist ja die gegenseitige Ergänzung! Nur dann kann es etwas werden.

Und mein Ziel ist natürlich immer die Erziehung der jungen Menschen zur Emanzipation (analog der Freilassung des Sklaven - "ex manu entlassen", so wird Emanzipation ja übersetzt), also dass er auch ohne mich klar kommt und sogar die Welt anpackt). Und Emanzipation hängt nicht vom Alter ab, das können schon 10jährige sein!

Immerhin kennen Deine Freunde mich ja jetzt und wissen auch, daß ich ein Gesamtkonzept habe und daß ich auch der Meinung bin, dass ein Motor oder ein Uhrwerk nur funktionieren kann, wenn es in sich stimmig ist und also alles zusammenpaßt. Dann kann auch etwas funktionieren, was üblicherweise als unmöglich angesehen wird - und auch in einer eher ethikfeindlichen Zeit. Man muß sich also unbedingt klar und einige sein, was man will und worauf man hinaus will.

Da es nun bisher mit den Zuständigen noch nicht zu einem Gedankenaustausch kam, schicke ich Dir bzw. ihnen (ich bitte evtl. um Weiterleitung) mal die Korrespondenz mit der hessischen Kollegin "Iris". Die hat sich also getraut, vor ihren jungen Leuten den Film Kids zu zeigen und es gibt also entsprechende Erfahrungen mit Schülern und Eltern. Ihre Erfahrungen mit Schülern lasse ich hier mal weg, aber sie sind trotz mancher Probleme so, dass sie den Film wieder zeigen würden: Die jungen Leute fangen an, zu merken, dass es um ihre Sache geht und dass man reden kann und muss.

Und Du siehst, daß ich das auch mit der Frage "Religion" andern gegenüber sehr positiv sehe. Das Schönste wäre doch, wenn die jungen Leute merken, dass sie kein Sonderverein sind, sondern die besseren Informationen haben und Sauerteig für die anderen sind! Ich könnte mir vorstellen, dass da dann sogar der Gründer der Gemeinde seine Freude dran hätte!

Wir könnten hier also anfangen. Ich würde mich jedenfalls über einen Mailaustausch freuen! Und Du könntest diesen Mailwechsel auch als Einstieg weiter geben. Ich bin mir sicher, dass Iris nichts dagegen hätte, ich erzähle ihr das auch. Wir sitzen schließlich in einem Boot.

Tschüs Michael

Anmerkung: Ich habe rot bzw. fett hervorgehoben, was ich als für Euch als wichtig empfinde.

20. 11. 2005: Lieber Michael,

in die Oper wollen wir auch mal wieder; unsere Freundin Claudia ist so ein Opernfan; sie will uns demnächst mal in „Rigoletto“ mitnehmen und uns die ganzen Feinheiten und Hintergründe erklären (sie besucht dauernd so Opernforen und so was); leider läuft das zur Zeit nur mitten in der Woche; das kriegen wir nicht hin. Ich jedenfalls nicht; die Schule ist schon stressig, auch wenn ich nur die paar Stunden habe. Mit einer vollen Stelle hätte ich wohl auch keinen Spaß mehr daran. Es wird ja auch immer mehr, was man machen soll, schon gar als Klassenlehrer (was ich nicht bin), diese ganzen Formalien und der Schriftverkehr mit Eltern und Förderstellen, und Aktennotizen und „pädagogischen Maßnahmen“; es muss ja alles schriftlich festgehalten werden und dann muss man es auch noch selbst in die Schülerakten einheften, um die Sekretärinnen zu entlasten. Wenn die Leistungen eines Schülers nicht mehr ausreichend sind, muss man die Eltern benachrichtigen und neuerdings muss für diesen Schüler ein mehrseitiger „Förderplan“ erstellt und durchgeführt werden, sonst können die Eltern gegen eine eventuelle Nichtversetzung klagen... –  irre. Vor allem in  Haupt- und Realschulklassen; dafür sind die Gymnasialklassen größer und die Eltern mischen sich mehr ein.

Ja, in der fünften Klasse Sexualkunde, das kann schon seine Vorteile haben. Mal sehen, wann ich wieder eine kriege.

Zu deiner Ergänzung: Okay. Es stimmt schon, dass Sexualscham  mit Religiosität doch eigentlich gar nicht (mehr?) zusammenhängt. Es kann ja keiner erklären, warum Nacktsein so eklig ist; das wird ja als normal empfunden, dieses Schamgefühl, nicht als aufgezwungen.
Kleine Jungen haben übrigens auch ein äußerst lockeres Verhältnis zur Nacktheit, jedenfalls von dreieinhalbjährigen kann ich das definitiv sagen...

Sicher, ein 90minütiger Vortrag bringt dann schon zum Nachdenken auch über Sachen, die man meinte, gewusst zu haben. Du müsstest hier in der Gemeinde mal einen halten; die Pfarrer haben vorgestern schon überlegt, ob sie einen Referenten einladen sollen - weil eine Mutter (ich!) in der Kindergottesdienstvorbereitungsgruppe dauernd mit solchen grundsätzlichen Zweifeln daherkam. Allerdings würden sie dich nicht nehmen, fürchte ich, schon gar nicht auf meine Empfehlung (es ging ja auch nicht direkt um dein Thema)... aber wer weiß! Eigentlich waren sie recht diskussionsfreudig. Na ja, was blieb ihnen übrig; es waren zwar eine Menge Leute angeschrieben worden, und die hatten wohl auch Interesse gezeigt, aber gekommen waren doch wieder nur zwei Mütter (außer mir). Sicher, es war Freitagabend, und bestimmt kommen noch welche dazu, aber so, wie es aussieht, müssen sie schon ein bisschen Rücksicht auf mich nehmen (außerdem habe ich als einzige eine Gitarre – wenn ich auch nicht viel drauf spielen kann). Jedenfalls stellen sie jetzt kein Kruzifix auf, in diesem Kindergottesdienstraum, bloß ein einfaches Kreuz, na ja. (Als später der andere Pfarrer dazu kam, der auch gleich wieder mit diesem Kruzifix anfing, stellte sich heraus, dass sie vor langer Zeit mal eins von den  Katholiken geschenkt bekommen haben, für das keiner eine rechte Verwendung finden konnte, es steht wohl überall im Weg, aber wegschmeißen will man es auch nicht...) Und dann fand ich das Vater-unser nicht soo geeignet als Standard-Gebet für die Fünf- bis Siebenjährigen, weil die doch nicht kapieren, was sie da aufsagen, und es also auch gar nicht meinen können, und was soll das dann. Lieber was Altersgemäßes. Mich hat das nicht überzeugt, was sie darauf alle gesagt haben, dass es nun mal so ein fundamentales Gebet sei, was jeder kennen müsse, und man würde da hineinwachsen, und irgendwann würde der Sinn schon klar werden, und wenn es erst in vielen Jahren sei (und vielen Erwachsenen sei der Sinn ja auch nicht klar; na klasse, was für ein Argument!)... Wozu dann ein Kindergottesdienst? Und mit diesem Sinn, der sich dann schon irgendwie erschließt, waren wir dann auch gleich bei den Bibelgeschichten, wo er das ja auch nicht tut, wenn man sie ganz unbedarft liest. Von Ausnahmen abgesehen. Natürlich sahen die Pfarrer das ein kleines bisschen anders... den religionsgeschichtlichen Ansatz finden sie nicht so essentiell, aber wie ich intuitiv die mythologische Sprache und die zeitgeschichtlichen Anspielungen von vor dreitausend Jahren entschlüsseln soll, konnten sie mir auch nicht wirklich sagen... Irgendwie kamen wir auch auf Gottesbilder, und wie man die vermeiden kann, bei Kindern und überhaupt... Und dann ging es natürlich noch darum, ob es sinnvoll ist, den Kindern Jesus als Zauberer oder so was zu verkaufen, „weil das doch genau zu ihrer Welt der Märchen und magischen Dinge passt“. Meine Kinder leben nicht in so einer Welt, habe ich angemerkt, und wenn, sollte man doch eher klar machen, dass Jesus und das, was er vertreten hat, nicht dazu gehört. Es soll ja irgendwie was für’s wirkliche Leben sein. Ich glaube, das sahen die anderen Mütter auch so, und es wurde ein bisschen eingelenkt, dass man ja wirklich mehr den eigentlichen Sinnhintergrund als diese Wunder hervorheben könne, und dass man das ja eigentlich auch (meistens) tue, und genau für solche Fragen seien ja unsere Vorbereitungsgespräche da... Also, wenn die auch so lange dauern wie das vorgestern, wird es ziemlich anstrengend... War natürlich meine Schuld. Dabei war ich sehr zurückhaltend und sehr diplomatisch (gemessen an den Auseinandersetzungen mit meinem Theologenfreund), und habe auch gar nichts wirklich Ketzerisches gesagt. Ich glaube, zumindest dem einen Pfarrer hat es auch ein bisschen Spaß gemacht. Als er nachher mitkriegte, dass meine Kinder nicht getauft sind, meinte er, da müsse man sich ja Mühe geben...an sich keine schlechte Einstellung, aber er sollte sich lieber keine vorschnellen Hoffnungen machen – das hätte ich vielleicht noch sagen sollen...

Klar, kannst du vorbei kommen, wir sind immer da... Wenn es auf einer deiner Wegstrecken liegt... Du kannst hier auch übernachten, wenn das irgendwie sinnvoll ist.

Liebe Grüße, Iris

 

 21.11.: Liebe Iris!

Ja die Opern waren für mich ein ganz wichtiger Faktor bei der Auseinandersetzung mit "alldem"... Wenn man so von allen Seiten genervt wird, dass man wohl sexuelle Probleme hätte, dann müssen so Leute wie Verdi und Puccini und Mozart (denn deren Opern drehen sich doch auch um solche Themen) doch auch welche gehabt haben, und die waren immerhin berühmte Leute... Ich sehe also die Opern mehr unter dem Gesichtspunkt, ob sie mir gefallen - und bisweilen eben sehr! Wo geht Ihr denn in die Oper? In Wiesbaden?

 Ja Du hast Glück mit der Teilzeit... Bei meinem Fach war das ja egal....

Also diese Formalien sind auch so was, woanders haben sie dafür entsprechende Hilfskräfte. Und o je, diese Fördersachen! Und bisweilen muß man ja durchaus hausgemachte Probleme aufarbeiten, siehe Deine Jungens mit ihren Vorstellungen von Ekel usw. Mein Problem war ja immer, dass ich die jungen Leute immer erst bekomme, wenn sie mindestens 16 oder gar noch mehr sind. Da muß ich dann dort weitermachen, was andere vor mir angefangen haben. Und diese Situation ist völlig unbefriedigend. Eigentlich sollten die Kollegen mal wechseln: die Grundschullehrer sollten an unseren Schulen unterrichten und wir in deren (wenigstens in meinem Fach) - oder zumindest sollten wir uns mal zusammensetzen. Doch keine Chance, und es würde ja auch nichts bringen. Ich kenne hier eine Kollegin, die Kinder unterrichtet hatte (jetzt längst pensioniert), ach wie schwer war es, mit der zu reden...

Auf unseren Schriftwechsel und meinen Vortrag in Wien hin habe ich zum Problem Scham und Scheinmoral noch was in mein Projekt reingeschrieben. Ich hatte das im Lexikon, aber eben nicht dort. Ich hoffe ja immer noch, dass ich in Wien mit jungen Leuten zusammenkomme, halte mir die Daumen... 

Also wenn Ihr einen Referenten braucht, ich komme gerne, immerhin ist nicht nur mein Jesusansatz ursprünglich protestantisch, ich bin auch auf einem offiziellen Server der EKD. Und wenn Dein Pfarrer den religionshistorischen Ansatz nicht mag, so liegt das einfach daran, daß er ihn wohl nicht richtig durchschaut hat. Und wenn nicht mehr Mütter kommen, dann sagt das einfach, dass sie nichts erwarten. Wie sollen sie auch?  

Das Kreuz kann man eigentlich vergessen, es wurde erst von Konstantin eingeführt, und da war der Pep der Urkirche schon längst vorbei und die Dogmatisiererei hatte angefangen....

Das Vaterunser muß wohl etwas anders interpretiert werden, ach, ich bete die Bitte von der Versuchung schon sehr innig aber etwas anders: "...und führe uns in Versuchung und führe uns in der Versuchung!" Was wäre die Welt denn ohne Versuchungen!!!!

Mit Kindern sollte man lieber wandern gehen und dabei vielleicht über Gott und die Welt ehrlich reden - so wie es anfällt. Dazwischen paßt dann auch einmal eine Unterrichtstunde, auch eben, wie es paßt. Oder in eine Museum gehen! In Mainz hängt ein Relief von einem römischen Paar, das zum Himmel auffährt, und in Lauterbach im Dorfmuseum gibt es ein Gipsmodell eines verkrüppelten chinesischen Frauenfußes. Das ist doch alles nicht weit von Euch - Gruppenkarte mit der Bahn! Was glaubst Du, was man über das alles mit jungen Menschen reden kann - und dabei unser Glaubenskonzept aufarbeiten kann!

Was wäre, wenn wir zwei mal ein Team machen? Oft sind andere sehr interessiert, wenn da sich zwei die Bälle zuwerfen - und die anderen (Pastoren) nicht mehr so dominant sind und es deutlich wird, dass sie nicht alles besser wissen...

 Klar, mußt Du sagen, nur Originaltaufe - wenn die jungen Leute ein Ahnung haben, was wirkliche Moral ist und gegen das Konzept einer falschen Moral nackt ins Taufbecken hüpfen! Habe ich Dir erzählt, dass ich über die Firmung/Konfirmation geforscht habe - und bei uns Katholen gibt es da noch 7 Gaben des heiligen Geistes, die auf die Firmlinge herab gerufen werden, und ich konnte die 50 Jahre früher datieren, dass sie in den christlichen Kult kamen, also um 170 n. Chr. statt wie üblich um 220. Und "bei mir" standen sie eindeutig in einem ethischen Zusammenhang! Aber das paßt nicht in unser heutiges Glaubenskonzept, also interessiert auch die ganze Wissenschaft nicht! Immerhin war das alles in der frühen Kirche - und das ist nun wirklich die gemeinsame Tradition!

Also ich komme gerne auch mal über Nacht und auf ein Glas Wein - und ich habe auch meinen Schlafsack dabei! Und dann mache ich daraus schon eine Wegstrecke!

Tschüs und alles Liebe! Michael

 

21.11.2005: Lieber Michael,

ja, wenn, dann gehen wir nach Wiesbaden in die Oper. Ist nicht so weit wie Frankfurt. Hoffentlich wird’s mal was.

Oh je, diese Schulleiter......Irgendwie vermittelt unsere Chefin einem immer das Gefühl, man sollte doch noch eine weitere freiwillige Funktion übernehmen, oder sich noch mehr engagieren, und vor allem öfter das Schulgesetz und die Amtsblätter lesen um nicht so viel falsch zu machen. Na ja. Das Kollegium ist dafür okay, insbesondere die älteren Kollegen aus der ursprünglichen wirklichen Gesamtschulzeit (inzwischen sind es ja nur noch drei Schulen unter einem Dach). An dem Gymnasium, wo ich vorher war, war es auch nicht so gut. Da gab es schon auch ein paar nette, unverkrampfte Kollegen, aber so die Grundtendenz war eher hektisch und konkurrenzmäßig. Liegt vielleicht daran, dass der Unterricht in der Haupt- und Realschule wirklich z. T. ein Kampf ist, und wenn man da nicht zusammenhält, als Lehrer, und an einem Strang zieht, ist es wohl nicht zu schaffen. Die Gymnasiallehrer denken da eher an ihre Aufstiegsmöglichkeiten oder lassen sich an eine Oberstufe abordnen...

Austausch mit den Grundschulen gibt es hier schon, aber da geht es vor allem um Leistung und Methodenkompetenz, wie das schöne Schlagwort heißt. Und um die Hauptfächer.

Wie kann man denn den religionshistorischen Ansatz nicht durchschauen, wenn man das studiert hat? Er (der Pfarrer) meint halt, dass die Bilder, die im AT verwendet werden, auch für uns noch ausdrucksvoll genug sind, und hat ein paar Beispiele aus den Psalmen erwähnt, wo das ja auch zutreffen mag – vielleicht aber auch nicht! Woher soll ich das wissen, habe ich ihn gefragt; natürlich bin auch ich phantasievoll genug, um eine beliebig aufgeschlagene Bibelseite irgendwie im Hinblick auf meine Situation zu interpretieren, aber das kann es doch wohl nicht sein? Wie gesagt, keine Antwort; das war aber auch ein bisschen der Überraschungseffekt, schätze ich. (Ich habe nämlich noch das Beispiel mit der Schlange aus der Schöpfungsgeschichte erwähnt, deren Interpretation ja auch schwierig sei, wenn man nicht von den Schlangengottheiten in anderen Kulturen wüsste; das hat sie etwas verwirrt, glaube ich.)

Ja, das Vaterunser in anderer Form beten wäre schon okay, aber es darf ja kein Zipfelchen verändert werden, wo käme man denn da hin?

Mit Kindern wandern, nun ja, wenn man so eine Gruppe hätte, mit der man machen könnte, was man wollte, aber in diesem Fall geht es ja eigentlich ursprünglich um eine Betreuung wirklicher Kleinkinder (2-3 Jahre), damit die Eltern mal beide ungestört in den Gottesdienst können. Die Erweiterung auf den Kindergottesdienst der 5-7jährigen war dann das Anliegen der Pfarrer, und speziell einer Mutter, die das so aus Baden Württemberg kennt und nicht missen will. Und wie gesagt, die Idee ist ja, dass sich eine größere Gruppe von Müttern (Väter halten sich bei so was ja eher bedeckt) findet, die gemeinsam (monatlich) die Gottesdienste planen und wechselweise im Einsatz sind – es hat ja keiner so viel Zeit, und man fällt auch immer mal aus, wenn man kleine Kinder hat. Und dass man sich dann auch austauscht und als Gruppe zusammenwächst und auch so mal was unternimmt kann sich ja ergeben – meint Dagmar, diese schwäbische Mutter, die das Bad .... Klima noch nicht so kennt... aber sie ist sehr organisationsfreudig und hat ein gutes Händchen mit den Pfarrern, kurzum, eine Frau der Tat, darum unterstütze ich sie mal. – Diese Exkursionen, die du vorschlägst, wären ja dann wohl frühestens für die KU3-Kinder, die Achtjährigen, die sind dann aber wieder in dieser Vorkonfirmandengruppe unter Kontrolle der Pfarrer... Aber warten wir’s mal ab. Ich könnte mir auch vorstellen, dass man in der Kirche mehr Freiheiten hat, als in der Schule, und mein Eindruck war ja auch, dass die im Grunde froh waren, dass jemand mal Fragen stellt und Schwierigleiten benennt, anstatt gleich von der Kirche wegzubleiben; das ist doch deren Problem. Inwieweit sie jetzt alternative Ansichten dulden, muss man halt herausfinden, vorsichtig. Hier geht halt alles ziemlich langsam. Nächste Woche treffen wir uns noch mal, und dann ist erst mal nichts mehr in diesem Jahr.
Klar, wir machen mal was als Team! Das machst sicher Spaß.  Ich halte Ausschau nach Gelegenheiten...  

Liebe Grüße, Iris

24. 11. 2005: Lieber Michael,

ich komme gerade von diesem Elternabend. Es schneit wie verrückt, bin ganz nass (ich bin nicht mit dem Rad gefahren, sondern gelaufen). Es war ganz okay. Immerhin haben sie mir ca. 40 min. gegönnt, obwohl es wegen des Wetters eigentlich schnell gehen sollte – sie müssen noch Elternbeirat wählen und all so was, aber ich konnte dann natürlich gehen. Also, der Hauptkritikpunkt war tatsächlich „Kids“, wegen der Brutalität und auch dieser verwirrenden Geschichte mit AIDS und den Drogen und so; da hatten sie ja auch ein bisschen recht. Für einen Teil der Klasse war das kein Problem gewesen, aber man hätte eben nicht den ganzen Film zeigen müssen. Gegen die Grundidee hatten sie gar nichts. Ich habe beschrieben, mit welchen Vorstellungen die Kinder so ankommen, und dass sie im Grunde eher eine ethische Orientierung suchen, als Kenntnisse über funktionelle Details, und wie dann so die Situation normalerweise ist, wenn sie 15 sind – jedes vierte Mädchen und jeder fünfte Junge hat „es“ bereits hinter sich, in der Mehrzahl übrigens ohne Verhütung, trotz aller Aufklärung usw.. Und dass das zwar im allgemeinen für normal bzw. unvermeidlich gehalten wird, aber eigentlich doch ziemlich blöd ist – das finden die Eltern auch. Sie begriffen auch, wie der Film da rein passt, und dass man mit Kindern über diese Ambivalenz der Sexualität reden muss – ich glaube, das fanden sie selbst auch interessant. Von daher würde ich grundsätzlich doch zukünftig vor einer solchen Unterrichtseinheit mit den Eltern reden, und auch über den Film; die kapieren das schon. Na ja, so vier oder fünf hielten den Film für unangemessen, aber wenn man es vorher erklärt hätte (und nicht alles gezeigt hätte), wären höchstens noch drei übrig geblieben, die im Grunde das Ganze für zu früh hielten, und denen ist sowieso nicht zu helfen. Außerdem wurde denen auch heftig widersprochen. Ein Vater meinte, das Thema Sexualität sei durch meine Methode bei seiner Tochter zu negativ besetzt worden, ihm fehle da die Darstellung der eigentlich entscheidenden positiven Seite. Es ging hier aber auch eher um das Problem, dass er nicht richtig einordnen konnte, was seine Tochter erzählte (sie gehört zu denen, die im Unterricht nichts sagte und sich von all dem distanzierte, allerdings ist sie überhaupt still), und da fühlte er sich außen vor; jedenfalls meinte er auch, ich hätte vorher mit den Eltern reden sollen. Es wurde auch darüber diskutiert, ob der Film nicht später mehr gebracht hätte; einige meinten, die Kinder hätten das alles nur recht oberflächlich aufgenommen. Kann gut sein, bei einigen zumindest. Allerdings sagte dann eine Mutter, die auch einen Sohn in der achten Klasse hat, also wenn, denn in der sechsten, später sei es völlig zwecklos, da seien die geistig doch völlig unzurechnungsfähig (oder so ähnlich) – recht hat sie! Die Achtklässler sind hoffnungslos. Danach geht es dann allmählich wieder. - Eine andere Mutter meinte, durch die Dialoge, die anschließend erarbeitet worden waren, sei das alles doch gut aufgearbeitet worden und habe auch wieder einen positiven Akzent bekommen, da sei das mit dem Film doch okay. (Ihre Tochter hatte zusammen mit einer Freundin einen solchen Dialog aufgeführt, da hatten sie zu Hause für geübt.) Einige Kinder hatten gar nichts erzählt, und die Eltern wussten überhaupt nicht, worum es ging. Die Eltern von Sara, dem Mädchen, das den Film nicht zu Ende sehen wollte, waren sehr interessiert und haben nicht gemeckert; sie stimmten der Grundidee voll zu. Und so weiter! Also, du solltest doch vor allem zu Eltern reden, ich glaube, das hat echt Chancen (zumindest im gymnasialen Bereich, muss man wohl dazu sagen). Und gerade, wenn die Kinder am Pubertieren sind. Dann ist es zwar einerseits ein bisschen spät, aber dafür sind die Eltern aufgeschlossener, weil sie sich Sorgen machen und aufwachen – es ist ja immer wieder unglaublich, wie sich die „Kinder“ im Laufe der sechsten und siebten Klasse verändern. Na ja, und oft haben diese Eltern ja auch noch jüngere Kinder...

So, ich bin müde...

Liebe Grüße!

Iris

 

Liebe Iris!

Nach meiner kurzen Mail gestern Abend herzlichen Glückwunsch, dass Du das alles so toll geschafft hast - ein Anfang! Der Fuß in der Tür! Und trotz der Kritik mancher Eltern: Es war vielleicht sogar sehr gut, daß Du das nicht vorher gesagt hattest, denn am Ende hätten die gar nichts verstanden und alles abgelehnt. Doch es kann auch sein, daß Du einen Frauenbonus hast - und es noch besser geklappt hätte, wie Du ja sagst - ausprobieren! Aber Du hast ja jetzt die Erfahrung! Ja, das war gut, dass sie es selbst interessant fanden, die Leute wollen etwas lernen, aber nicht belehrt werden! Und gerade bei unsrem Thema geht das doch! Auch die Eltern sind ja allein gelassen. Man muß sich das einmal vorstellen, daß die einzigen, die sich zuständig sehen, kommerzielle Medien sind. Die anderen kann man ja vergessen...

Und von wegen des Positiven in der Darstellung: Auch mir ging das in Wien ja so! Das muß man einfach deutlicher sagen, dass die Kinder das Positive schon in ihrem Herzen haben, darüber braucht man gar nicht zu reden, das kann man voraussetzen. Sie müssen lediglich wissen, wie sie das Negative, also die Fallgruben, vermeiden. Und was sie dazu aktiv jetzt tun können - und die Eltern... Ja, was will man an Positivem überhaupt zeigen? Etwa glückliche Familien in blühender Frühlingslandschaft? Das wirkt doch nur lächerlich und stößt eher ab! Oder wie positiver Sex geht? Das ist doch alles Unfug!

Jedenfalls war das eine tolle Diskussion bei Dir, das macht mich auch ganz schön munter!

Und zu mir: Du siehst, auch in Wien läuft das ganz gut an! Der Eindruck, den ich mit dem Vortrag hinterlassen habe, war also positiv und kein Problem, dass ich zu den jungen Leuten komme. Und ich bin sehr glücklich darüber, denn bisher war ich an Silvester und Neujahr immer irgendwo so 5. Rad am Wagen, und das wird wieder schlimmer, wo T... (meine Gasttochter) nicht mehr mit von der Partie ist. Da freue ich mich natürlich, wenn ich in einer Gruppe bin und ich hoffe nur, dass ich mich gut einfüge. Aber ich habe ja eigentlich kein Interesse, selbst der Tollste zu sein, sondern daß etwas wird und alle davon etwas haben.

Mein Konzept ist ja, die jungen Leute zu motivieren, auch andere in diese Ideale mithineinzuziehen nach dem Motto, dass sie sich ja mal später Partner suchen werden - und es also von Vorteil ist, wenn andere längst ähnlich denken... Vielleicht gelingt es ja, mit den jungen Leuten Konzepte zu erarbeiten, wie man an andere ran kommt... Es ist auch gut, dass ich katholisch bin (gerade in Österreich) und meine Website auf einem ev. Server ist, dann wird man nicht in so leicht in eine Sektenecke gestellt.

Tschüs Michael

 

25. 11. 2005: Hi, Michael,

ja, manchmal kann es auch gut sein, wenn man irgendwie eingeordnet wird – als katholisch, damit man nicht in Sektenverdacht gerät, oder als Frau und Mutter, da hat man den Frauenbonus, da ist schon was dran. Muss man ausnutzen...

Das mit Wien ist spannend; was für eine Gelegenheit! Ich habe auch das über den Gründer dieser Gemeinschaft gelesen und bin skeptisch (ohne wirklich zu wissen, worum es da überhaupt geht) aus den gleichen Gründen wie du – wenn sich alles so um eine Person dreht, kriege ich Bauchschmerzen. Es ist schon überzeugender, wenn sich eine Sache allmählich selbst trägt, bzw. von anderen getragen wird, und das als Ziel angesehen wird. Wenn das nicht funktioniert, stimmt sowieso was nicht.

Ja, „meine“ Diskussion, das war schon ganz gut. Mit dem „Positiven“, was angeblich fehlt, na ja. Ich habe diesen Vater auf das Biobuch verwiesen; aus dem „Positiven“ wird ja doch schnell eine Verharmlosung. Man könnte sich auch fragen, wo denn die positive Seite bleibt, wenn die Kinder schon ab Kindergartenalter ausführlich über Pädophile und Triebtäter aufgeklärt werden, ob ihnen da jemand sagt, dass Sex auch was Tolles sein kann? Da setzt man doch auch voraus, dass sie das schon irgendwie „wissen“, oder dass das erst mal gar nicht so wichtig ist. Aber gut, das ist ein bisschen was anderes. Ist ja überhaupt interessant, dass jemand vom Sexualkundeunterricht so was erwartet, ich meine, hätte ich nur das normale Programm gemacht, dann hätte das Mädchen ja auch keine besonders positive Vorstellung von Sexualität gekriegt – bloß, dass sie halt was „Natürliches“ ist. Vielleicht sollte man die Eltern geradezu mal vorher fragen, was sie sich vom Sexualkundeunterricht so erhoffen, oder was sie befürchten, auch das gäbe womöglich schon eine ergiebige Diskussion... Aber im Ernst, so ganz vom Tisch fegen kann man solche Bedenken auch wieder nicht. Grundsätzlich sehe ich schon die Möglichkeit, dass bei einzelnen Ängste erzeugt werden, und eine pauschal negative Besetzung der Sexualität, man muss da schon aufpassen – auch weil die das in diesem Alter sowieso alles sehr suspekt finden und dafür vielleicht besonders empfänglich sind. Das mit dem „Missbrauch“ muss halt wirklich klar sein! Dann ist die „positive Seite“ ja sozusagen auch präsent - wenn man etwa die Schüler benennen lässt, was da nicht in Ordnung ist. Und das fällt ihnen oft gar nicht so leicht; sie finden es zwar schlimm, aber warum eigentlich? Das betraf ja genauso unser letztes Thema, mit dem Kindesmissbrauch – was ist eigentlich so schlimm daran, wenn ein Erwachsener ein Kind „unsittlich berührt“ (solange es nicht wehtut), warum ist das widerlich oder gemein? Da muss man dann schon drauf kommen, dass da etwas zerstört wird, weil Sexualität eigentlich etwas Schönes und Einzigartiges ist (oder sein kann). Dass es beide Seiten gibt...  Ich hoffe eigentlich, dass ich das gemacht habe; aber man erreicht ja nie alle. - Es war halt ein Anstoß; ich habe den Eltern auch gesagt, dass es vielleicht etwas illusorisch ist, in den paar Biostunden dem „was sonst so läuft“ etwas entgegenzusetzen, aber sollte ich es deshalb ganz lassen?

Dieser Waldausflug, das sollte ich wirklich öfter machen – es war ja bloß eine Stunde, da kann man ganz informell im Sekretariat Bescheid sagen und verschwinden, Wald ist ja ringsum – allerdings liegt jetzt Schnee... da bricht sich sicher einer ein Bein oder was...

Das neue Museum in Wolfsburg, ja, warum nicht. Ich korrigiere gerade eine absolut mies ausgefallene Physikarbeit; denen würde so etwas schon gut tun. Andererseits würde die Arbeit nicht soo schlecht ausfallen, wenn sie wenigstens das gelernt hätten, was man eben einfach nur lernen (nicht verstehen) muss – und das nimmt einem eben auch das schönste Experimentiermuseum nicht ab. Aber es sind diese hoffnungslosen Achtklässler, bei denen nun mal häufig das Gehirn völlig aussetzt, vielleicht tue ich ihnen ja unrecht, und sollte sie einfach mal mit in dieses Museum nehmen...anstatt die Arbeit nachzuschreiben...

Liebe Grüße,

Iris

 

Liebe Iris!

Diese "Gemeinde" sieht sich ja auch für die Partnerschaft zwischen den Religionen zuständig, also betonen wir doch das. Und das kann man ja auch interpretieren, dass von einer eigenen Religion nicht die Rede ist. Mir paßt meine Kirche zwar auch nicht, aber eine andere? Habe ich ja auch gar nicht notwendig, ich bin finanziell abgesichert...  Ich frage nicht so viel...aber mein Freund würde mir das sicher erklären. Jedenfalls sehe ich das nicht eng und brauche das wohl auch nicht. Und mir geht es um den Menschen, egal, bei welchen Verein der ist.

Ja, was die sich alles so an Positivem bei der Sexualität vorstellen, verstehe ich nicht. Das einfachste wäre doch der Spaß an der Nacktheit - der unschuldigen - aber da haben sie ihre Probleme! Dabei entspricht das doch dem kindlichen Instinkt oder wie man das nennt. Ich denke hier an Laura. Und man kann damit ja wirklich etwas sehr Positives erleben! Was hatte selbst ich schon für Spaß damit... Ich unterscheide ja auch nach Angst und Furcht - die irrationale Angst ist das Schlimme... Da muß man den Skeptikern eben immer einen kleinen Vortrag halten!

Ich finde, mit dem "unsittlich berühren", das kann man nur verstehen, wenn man das Ganze kennt. Ansonsten sehen die Kinder in allem Möglichen etwas Schlimmes. Das ist es ja, womit die Frauen von den Kindesmißbrauchsvereinen die Kinder so jeck machen: Die Kinder sind ahnungslos und geben irgendwelche Auskünfte und wissen gar nicht, was daraus dann interpretiert wird. Wegen mir wurden ja auch mal zwei Mädel (Töchter von Freunden - und es war alles mit den Eltern besprochen) zur Polizei geschickt - und ich hatte Glück, dass die Kinder nicht nur fair waren, sondern wußten, um was es sich dreht....

Zur Physik: An mir sehe ich, dass ein physikalisches Verständnis noch gar nicht hilft, gute Noten zu bekommen...

Tschüs Michael


 

Und noch mal von Michael: 26. 11. Liebe Iris!


Ich habe also noch mal drüber geschlafen, über positive Erfahrungen mit der Sexualität. "Die" sehen ja heute positive Erfahrungen so, indem sie auch auf eigentlich negative Erfahrungen, also etwa enttäuschende Erfahrungen, ein positives Etikett kleben. Also: Man muß sich nur etwas Positives dabei denken, dass das, was man da erlebt oder erlebt hat, das Natürlichste von der Welt ist und daß es ein Zeichen von Gesundheit ist, wenn man sich da nichts draus macht - und sich zur Aufarbeitung gleich ins nächste Abenteuer stürzt - auch und gerade als Mädchen. Und wer das von den Männern nicht abkann und andere Ansprüche an ein Mädchen hat, der ist einfach ein Macho und ein Idiot. Schlimm ist das eigentlich nur, wenn das ein alter Knacker ist, der sich da vergreift, mit dem ist sogar Nacktheit absolut pervers, der gehört deswegen auch bestraft....

Ich bin einmal auf einer Website gelandet, wo eine Ärztin Mädels Tips für ihre Selbstbefriedigungserfahrungen gibt, damit sie ein positives Verhältnis zu ihrem Körper bekommen und die Ängste verlieren. Also erst einmal schön warm duschen, dann in ihr gemütlich vorbereitetes Zimmer gehen, Kerzen anmachen, schöne Musik hören...usw.

Also ich finde das einfach nur zum Kotzen, wie hier auch noch Frauen die Mädchen regelrecht zu L.f.G´s ausbilden! So erzieht man Prostituierte aber keine Partnerinnen und emanzipierte Frauen! Wo sind wir eigentlich gelandet? (Anmerkung: L.f.G. ist BuWeSoldatenjargon und meint "Leicht fickbarer Gegenstand".)

Und ob das die jungen Menschen wirklich wollen - ich wage das zu bezweifeln!

Mein Konzept ist da das der bewußten und zuverlässigen Enthaltsamkeit nach der Anweisung Jesu: "Wenn dich dein ...  zur Sünde verführt, dann reiß es/ihn aus und wirf es/ihn von dir, denn es ist besser, wenn du ohne das <Ding> ins Paradies eingehst...". Du weißt, ich übersetze das hier ein wenig anders und auch nicht als Drohung und jenseitig, sondern diesseitig und sehr konkret: Wie schön ist es, wenn du dir sicher bist, dass sich der oder die anderen an die "Spielregeln" halten - dann ist das unschuldige Zusammensein mit anderen und gerade mit welchen des anderen Geschlechts schon mehr wie ein Rausch, es ist einfach wahnsinnig! Was da dann alles möglich ist, man kann miteinander verreisen und die Schönheiten der Natur und der Kultur genießen, man kann in demselben Zimmer schlafen, man kann nackt baden (gehört zum Naturerlebnis dazu!) - und dazu kann mon noch völlig frei miteinander reden!

Ja, was soll man sich sonst unter "positive Erfahrungen mit der Sexualität" vorstellen? Was denn???

Und hier hat auch die Warnung vor Kinderschändern und Vergewaltigern einen Sinn: Wie kriege ich asl junger Mensch heraus, wer einer ist, wie unterscheide ich Freund und Feind? Und das ist notwendig, denn damit einer Freund ist, muß er auch sehen, daß es sich lohnt, wenn er sich vernünftig verhält, dass eben dann auch für ihn solche "Spielregelerlebnisse" wichtig sind. Denn wenn es die nicht gibt und nicht geben darf, weil die etwa als pervers gelten, dann bereitet sich keiner mehr drauf vor und man erlebt sie auch selbst nicht mehr, ein Teufelskreis - und ganz nebenbei gewinnen die Idioten weiter und können weiter machen, was sie wollen....

So sehe ich das! Und da das mit Klassen erst einmal schlecht geht (da soll alles ja "ethikneutral" sein), bieten sich eben Gemeinden oder gemeindeähnliche Strukturen an. Und wenn die jungen Leute da dann positive Erfahrungen haben, können sie Sauerteig für andere sein - und junge Leute sind ja nicht an die Vorgabe "Ethikneutralität" gebunden, die können offensiv ihre positiven Erfahrungen anderen mitteilen und sie versuchen zu begeistern.

Klar habe ich so etwas im Hinterkopf, wenn ich an die jungen Leute denke, mit denen ich da in Österreich zusammen kommen soll. Ob aber auch die Betreuer so denken? Ob die also bereit sind mitzuziehen - es wäre ja schön, wenn wir ein Team wären und uns gegenseitig die Bälle zuwerfen könnten. Das wäre dann für mich wirklich Weihnachten!

Ich weiß, mit Dir würde das als Betreuerin einer Gruppe gehen, aber absolut! Und wir hätten auch unseren Spaß dran - und Lisa auch, sie müßte natürlich mitkommen. (Und Dein Mann hätte auch nichts dagegen, da bin ich mir eigentlich sicher, vernünftige Männer merken schon, ob etwas in Ordnung ist oder nicht!) Manchmal denke ich, Du bist hier noch jecker als ich!!! Und Du hast auch die Religion am rechten Platz! Wie sagt der Rheinländer: Nur nix överdriewe!

Tschüs Michael

 

Hi, Michael,

das kann es wirklich sein, dass mit dem „Positiven“ was gemeint ist, was wir eigentlich als negativ sehen – und umgekehrt! Das kann man wahrscheinlich auch nicht so schnell mit einem kleinen Vortrag klären. - Ich hatte den Eltern spaßeshalber ein paar Sätze aus der „Information für Lehrkräfte“ zu einem dieser Lehrfilme über Pubertät vorgelesen – wie es angeblich normal ist, dass die Pubertierenden sich „allmählich an das andere Geschlecht annähern ... nach festgelegtem Muster... bis hin zum Geschlechtsverkehr“, und das stieß schon auf allgemeine Befremdung, wie aus den Äußerungen zu schließen war – aber sicher fanden einige das auch völlig in Ordnung; die haben doch auch alle früher diese Filme gesehen, und das vielleicht so ähnlich erlebt, und als „positiv“ empfunden bzw. wie du sagst, ein positives Etikett draufgeklebt, genau. Das ist der Punkt, wo die Leute überfordert werden – klar will keiner, dass seine Tochter auf einen Idioten hereinfällt, also gerne ein bisschen Aufklärung über die negativen Seiten der Sexualität, aber was das in letzter Konsequenz bedeutet, was da so alles umgekrempelt werden müsste, damit es wirklich positiv ist, und was alles möglich wäre... da hängst du sie ab. Da bin ich ja auch in meinem Unterricht nicht weiter gekommen, bei deren Problemen mit Nacktheit usw.. Hätte ich das diesem Vater antworten sollen ? Dass ich ja schlecht etwas Positives über Sexualität vermitteln kann, wenn die Schüler schon dieses kaputte Verhältnis zum Nacktsein und zum eigenen Körper mitbringen; wie soll ich das auf die Schnelle zurechtbiegen, im zweistündigen Biounterricht; da muss er doch froh sein, wenn ich wenigstens die Fallgruben aufzeige...? Tja, dann hätten sie wirklich was zum Diskutieren gehabt, weil es schließlich auch ein Angriff auf ihre Erziehung (und Denkweise) ist. Da fehlt eigentlich das Positive, nicht in deinem Konzept.

Man kann natürlich sagen, es reicht, wenn die jungen Leute es kapieren, aber wenn man sich mit Eltern und Betreuern arrangieren muss.... Könnten diese Betreuer in Wien nicht vorher schon mal was von dir lesen? So zum Warmwerden. Sonst musst du ja ganz von vorne anfangen. Das Problem ist ja nicht nur, dass das alles so ungewohnt ist, es ist halt einfach auch viel, und wenn man nur einen Einzelaspekt herausgreift, wird man gleich missverstanden...

Ja, mit dir mal eine Gruppe betreuen, außerhalb der Schule, das wäre schon was... Vielleicht tut sich ja mal was auf.

Ach ja, und zu der bewussten und zuverlässigen Enthaltsamkeit nach der Anweisung Jesu habe ich mir kürzlich sagen lassen müssen, dass ich so etwas als Frau ja leicht daher sagen könne, was Männer angehe, sei das aus biologischen Gründen eine völlig hirnrissige Idee. Ja, ja, ich habe das natürlich nicht so stehen lassen – biologische Gründe, dass ich nicht lache - aber so wird es halt gesehen... und bis so jemand kapiert, was daran positiv ist, und dass du das tatsächlich ernst meinst, und dass es doch egal ist, wie utopisch das ist, wenn alles andere so beschissen ist – das ist schon ziemlich mühsam.  (Das war natürlich wieder mein Theologenfreund, wer sonst. Die Thematik hat sich etwas verlagert... Aber auch da hat er keine besseren Argumente.)

Gute Nacht!

Iris


 

Liebe Iris!

Natürlich kann es sein, dass wir alles falsch sehen... Doch warum macht man dann so versaute Witze gerade über die, die sich so modern verhalten? Und bei allen Völkern gibt es Vorstellungen gegen die Herumbumserei - bisweilen natürlich mit der Akzeptanz der Prostitution.

Aber dennoch: Der richtige Ort für eine ethische Erziehung wären vor allem "Vereine" oder "vereinähnliche Gemeinschaften" - die Schule kann das nie leisten.

Und zum Thema "Aufklärungsfilme a la Oswald Kolle": Es ist ein Unterschied, was man mal selbst gesehen und erlebt hat und was man sich jetzt mit den eigenen Kindern vorstellt. Oft herrscht hier einfach nur Hilflosigkeit. Und wenn da eine überzeugende gute Idee auftaucht, die funktioniert, dann ist das alles auf einmal doch wieder "anders". Also, auf diesen "Überzeugende-neue-Idee-Effekt" setze ich!

Und ich könnte mir vorstellen, dass das in so einer Gemeinschaft wie der in Wien durchaus "anfangen" kann, falls die Betreuer mitmachen. Und es sieht gar nicht schlecht aus, zwei von ihnen waren in meinem Vortrag und meine Website wird auch überproportional von Wien aus besucht, bis zu 20 % der Besucher waren in der letzten Woche aus Wien.

Ich würde mich ja auch gerne mit den jungen Leuten unterhalten, was man machen könnte, um einen Gegenpol zu bilden. Oft haben die gute Ideen und engagieren sich auch dafür - wenn sie erst mal begriffen haben, um was es geht.

Also ich weiß das von T..., dass das mit der Enthaltsamkeit der Männer sehr wohl geht, ihr Freund akzeptiert das nicht nur, er unterstützt das sogar.. Und dabei muß man ja nicht immer nur Rosenkranz beten! Aber die Mädels als Jungenentspannungsmelkmaschine, das ist doch wirklich schlimm und frauenverachtend. Was da manche so im Kopf haben. Also läßt man die Mädels dumm, damit das reibungslos funktioniert. Dagegen glaube ich, unter wirklichen Kameraden werden sich auch Lösungen finden, wie man mit der Spannung klar kommt, die es ja auf beiden Seiten gibt....

Das wär´s erst mal.

Und wieder an Markus:

In Ermangelung einer ausgiebigen Korrespondenz mit den Wiener Verantwortlichen habe ich mal unsere Korrespondenz zusammengestellt und nach Wien gemailt - daher maile ich auch diesen Mailwechsel hier gleich weiter. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die dort bessere Lösungen wissen als wir - und wir müssen nun wirklich nicht immer von vorne anfangen!

Ich würde im Übrigen das mit der Nacktheit nur sagen - und gar nichts anleiern. Die sollen erst mal zuhause drüber reden oder mit Kameraden und sich auch hier Lösungen einfallen lassen. Vor allem kann ich sie darauf hinweisen, dass es mir nicht auf Überrumplung ankommt und "Gut Ding will Weile haben!"

Tschüs

Michael

Konkretes Modell

Das Modell eines Gesprächs mit jungen Menschen finden Sie unter "Oder auch konkrete Situation: Gespräch mit jungen Leuten" im Stichwort Kindererziehung.

Wörterbuch von basisreligion und basisdrama) Computer-Übersetzung des Buchs HONESTY AND FUN WITH THE MORALITY ins Englische unter English !