SEXUALPHANTASIEN. Sexualphantasien werden für so normal gehalten, daß es lediglich am Verfahren zu liegen scheint, wie man mit ihnen umgeht. Menschen, die sich für hochstehend halten, unterdrücken oder verdrängen sie (in der katholischen Kirche mußte so schon von Kindern die "Sünde" "ich habe Unkeusches gedacht" gebeichtet werden und es soll sogar heute noch katholischen Orden geben, bei denen sich die Mönche ein- bis zweimal die Woche regelrecht selbst auspeitschen, um ihre Triebe abzutöten). "Niedere" Menschen lassen dagegen ihren Phantasien freien Lauf und setzen sie bei Gelegenheit auch noch in die Praxis um, jedenfalls soweit das möglich ist. Und dafür werden sie dann von den "hochstehenden" Menschen entweder verachtet oder auch beneidet.

Das Verdrängen der Sexualphantasien geht sogar so weit, daß man selbst das Nachdenken über diese Phantasien tabuisiert. Dabei sind solche Phantasien nun wirklich nicht leicht zu nehmen, denn sie drängen immer nach Umsetzung, sind also in irgendeiner Weise eine Art tickende Zeitbombe. Und ob das Verdrängen die Sache entschärft, ist mehr als ungewiß.

Zunächst einmal: Nicht alle Sexualphantasien sind schlecht und verwerflich! Wenn Kinder Spaß an der Nacktheit haben und davon träumen, diesen Spaß auch zu erleben, so ist das völlig in Ordnung, problematisch wird das erst, wenn das dann infolge einer kultur- und erziehungsbedingten Leibfeindlichkeit verdrängt wird. Und wenn ein Mann von einer Frau, die Partnerin ist oder sein könnte, träumt und Phantasien hat, wie schön das mit ihr im Bett sein mag, so ist das auch in Ordnung. Es ist eben nichts an sich schlecht, alles ist eine Frage der Ambivalenz oder von Gebrauch und Mißbrauch, es kommt eben vor allem an, "mit wem"!

Menschen, die ethisch sein wollen, sollten also ihre Sexualphantasien keinesfalls verdrängen, sondern sich um sie schon kümmern, falls sie auf einen Drang nach einer Befriedigung hinweisen, die als Mißbrauch eingestuft werden kann oder auch auf irgendeine Perversität, und nach den Ursachen forschen und sie aufarbeiten. 

Zunächst einmal: Die Sexualität ist eine derartige Urkraft im Menschen, daß sie sich nun einmal nicht so einfach abschalten läßt, und wer es dennoch versucht, bei dem drängt sich irgendwann an anderer Stelle nur umso stärker hervor. Es ist auch hier so ein Problem Horror Vacui, also "Angst vor der Leere", irgendetwas passiert immer, und wenn wir das Gute nicht zulassen, passiert eben das Schlechte oder Nichtkontrollierbare. Wir können diese Kraft der Natur nun einmal nicht unterdrücken - wir können sie allerdings kultivieren! Das heißt, wir können versuchen, sie in etwas umzuwandeln, was einfach gut und in Ordnung ist.

Bei der Sublimierung bezieht sich diese Umwandlung nun auf etwas völlig anderes, also auf etwas Nichtsexuelles. Ob diese allerdings eine Lösung ist, ist fraglich, weil sie eine Art Verdrängung ist und keinesfalls eine Aufarbeitung. Da es sich hier um Sexualität dreht, muß zumindest das Anliegen der Sexualität erhalten bleiben und es dürfte also sinnvoller sein, auf etwas zu kommen, was schon mit Sexualität zu tun hat, aber solcher, die eben in Ordnung ist!

Bedenken wir, daß alle unsre Triebe etwas mit Hormonen zu tun haben, und es gibt Hormone, die sich automatisch im Organismus des Menschen bilden und solche, die sich je nach Erfordernissen bilden. Wenn wir also nichts oder zumindest nichts Zielgerichtetes im Zusammenhang mit diesen Hormonen in uns tun, werden sich in einer Art "Wildwuchs" andere bilden, wobei von Kultur unter Umständen dann keine Rede mehr sein kann:

-     Was der Pubertät mit Scham und Ekel verknüpft wird, fasziniert hinterher und gerade in der Situation großer Verliebtheit ganz besonders - und es kommt zu bisweilen recht zweifelhaften Phantasien.

-     Die Natur hat zwischen engen Verwandten das Inzesttabu geschaffen, was entsteht durch das enge Zusammensein zwischen nahen Verwandten. Wenn Sie hier meinen, schlauer als die Natur zu sein, und die nahen Verwandten trennen, dann können sehr gut "blöde" Sexualphantasien aufkommen.

-     Unbefangene Nacktheit wirkt entschärfend, vor allem an einem Strand, wo Nacktheit üblich ist und auch Gespräche miteinander möglich sind und vor allem, wenn sie sehr vernünftig sind, die Angst vor der Nacktheit und deren Verdrängung (zumindest dort, wo sie möglich wäre) macht uns nur umso schärfer.

Ganz anders sieht es aus, wenn wir von Kind an einerseits auf das praktische Erlebnis der Phase der Ästhetik erzogen werden und andererseits auch Konzepte von wirklicher Liebe und Partnerschaft erhalten.

Damit dürfte sich das Problem "blöde Sexualphantasien" von alleine lösen, wenn wir nur wollen  - und es gibt auch keine Gründe dafür, daß sich "vernünftige" Sexualphantasien einmal in "unvernünftige" umwandeln. Gute Hormone bleiben nun einmal gute Hormone - und schlechte schlechte. Und da muß schon sehr viel passieren, damit sich das ändert, und wer wollte denn freiwillig von den guten Hormonen wegkommen und zu den schlechten überwechseln? 

Einen gewissen Effekt von sinnvoller Aufarbeitung kennt im übrigen gewiß jeder. Bisweilen sehen wir heute Bilder etwa von  unzweifelhaft schönen nackten Mädchen - und dazu noch in obszöner Position. Und nichts passiert in uns, denn schließlich haben wir ja noch irgendeine Vorstellung von wirklicher Liebe usw. im Kopf, und diese Vorstellung ist hier einfach nicht erfüllt, also passiert auch nichts. Und akzeptieren wir doch einmal, daß auch unsere Kinder solche Verknüpfungen anspringen, wenn wir ihnen nur den geeigneten Hintergrund mit auf ihren Lebensweg geben, wenn wir also nur wollen! (Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)

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