Einen SPIESSER (oder auch "Duckmäuser") nennen wir einen Menschen, der einen engen und begrenzten geistigen Horizont hat, der der Kleinheit seiner Lebensverhältnisse entspricht. Spießer wenden sich bewußt ab von allen Fragen, die ihren Horizont überschreiten. Sie haben nie Zivilcourage und plappern dafür immer die Klischeemeinungen nach, die jeweils "in" sind, und verhalten sich auch sonst im Rahmen der üblichen Klischees, selbst wenn dies im Einzelfall äußerst unvorteilhaft für sie ist. Wenn sie einen anderen Menschen verurteilen, tun sie das mit der Selbstsicherheit der Menschen, die sich stets absolut sicher sind, daß sie selbst nie in die Lage dessen kommen, den sie verurteilen. So kommen sie auch nie auf die Idee, in der Fehlerhaftigkeit des von ihnen Verurteilten ein oft kaum zu entwirrendes Durcheinander von tragischer Verstrickung und von Nachlässigkeiten und Böswilligkeiten anderer zu entdecken (siehe <das> Böse, Schuld und Täter und Opfer). Spießer wollen auch nicht wahrhaben, daß in ihnen selbst möglicherweise genau dieselben Boshaftigkeiten stecken wie in denjenigen Menschen, die sie verurteilen, nur, daß ihnen selbst (für die Mitmenschen vorläufig glücklicherweise) der Mut oder die Gelegenheit fehlt, auch diese Boshaftigkeiten in die Tat umzusetzen, sie sind also voller negativer Prohektionen. Wenn dann aber einmal ein starker Mann kommt, der diese Umsetzung in die Hand nimmt, lassen sie diesen begeistert gewähren und helfen auch noch dabei. Und hinterher streiten sie natürlich jede Mitverantwortung ab. Merkwürdigerweise hat so hinterher niemand mehr Hitler gewählt und bei seinen Verbrechen freiwillig mitgemacht.

Die beliebtesten Worte eines Spießers sind "aber trotzdem".

Spießer sind vorzugsweise gegen das Böse, und sie haben dabei auch "hervorragende" Patentrezepte auf Lager, deren Hintergrund jedoch eher eine typische Spießer- oder auch Hosenscheißermoral (also eine eher angstgesteuerte Moral) ist. Bei diesen sind sie selbst einerseits jedoch nie betroffen, so dass eine eigene Änderung nie notwendig ist, und andererseits sind sie so kurzsichtig, daß noch Böseres geschieht, wenn ihre Rezepte tatsächlich einmal in die Wirklichkeit umgesetzt werden sollten. Aber Spießer sind üblicherweise sehr vergesslich und nehmen das dann gar nicht mehr wahr, denn sie kümmern sich schon um die nächsten patenten Lösungen von Gut und Böse. Spießer lassen sich nie durch ihre Fehlurteile beeindrucken. Ein beliebtes Argument ist das "aber trotzdem", mit dem sie stets wirkliche und plausible Alternativen, die ihnen dargestellt werden, über den Haufen werfen. Sie sehen auch grundsätzlich keine Möglichkeit, in ihrer Umgebung oder in ihrem Einflussbereich etwas zu beeinflussen, denn für sie sind immer andere oder angeblich schlimme Zeitumstände schuldig (siehe zeitbedingte Atmosphäre), derentwegen man einfach nichts machen kann.

Schon junge Menschen verhalten sich bisweilen wie regelrechte Spießer. Werden wir nicht geradezu dazu erzogen, wenn wir noch nicht einmal anderen einen Vorteil durch uns gönnen dürfen, selbst wenn wir einen um so größeren Vorteil dabei haben? Steckt etwa nicht hinter jeder Angst vor Spannern genau die Missgunst, dass ein anderer einen Spaß haben könnte, der einem selbst überhaupt nichts schadet? Und letztlich müssen wir selbst doch darunter am meisten leiden, wenn uns so die Menschenkenntnis entgeht, die nun einmal am ehesten mit unkomplizierter Nacktheit möglich ist!

Ursache für das Spießertum ist also vermutlich nicht nur die misslungene eigene Einheit von Leib und Seele, sondern sogar jegliches Verständnis dafür. Spießer verdrängen daher das Wichtigste im Leben, ihnen fehlt sozusagen eine feste Mitte (siehe Verdrängungen). Damit weiß man auch nie genau, woran man bei Spießern ist, sie lassen sich nie so recht festlegen, Spießer werden sich auch nie zu einer letzten Konsequenz der Zehn Gebote und schon gar nicht aus wirklichem Ich-Bewußtsein (siehe Gewissen) durchringen können! Spießer haben für alles Rationalisierungen, auch für ihre eigene Hartherzigkeit, sie sehen eben nie so genau hin und bevorzugen halbe Sachen und sind im Grunde nützliche Idioten für die wirklich Bösen, weil sie sich nie angesprochen fühlen, etwas Geeignetes zu unternehmen. 

"Die Spießer sind immer nur die anderen." 

Natürlich nimmt jeder Mensch, der auf sich hält, von sich an, dass er kein Spießer ist - Spießer sind nur immer die anderen. Doch überlegen wir einmal, wie es mit unseren eigenen Lebensentwürfen steht, wie wir bereit sind, sie in die Praxis umzusetzen, wie wir Verständnis für wirkliche Lebensentwürfe anderer haben und ihnen bei ihrer Durchsetzung helfen. Oder verplempern wir mehr oder weniger sinnlos unsere eigenen Chancen, wie gehen wir mit unserem Geld um und vor allem mit unseren Möglichkeiten zu Grenzerfahrungen und da durchaus zu den möglichen in uns selbst erzeugbaren Räuschen? Oder reicht dazu nicht unsere Energie und wir ziehen doch lieber die typischen Ersatzhandlungen vor und wir setzen auf kleinkarierte Triebbefriedigung? Siehe Drogen, Hormone, Sklavenmoral, Emanzipation.


Und wie stand wohl Jesus zu den Spießern?

Siehe das Gleichnis vom verlorenen Sohn!

Den "Offenen Brief eines alten Religonslehrers an junge Mädchen über die weibliche Sexualität und die Bibel" (Mai 2012) gibt es auch online auf Deutsch, auf Englisch und auf Niederländisch!