STREITKULTUR. Längst nicht jeder Streit ist auch Indiz, dass eine Beziehung nicht stimmt oder sogar zerbrochen ist. Streitet man sich nicht nur mit Menschen, mit denen es sich lohnt, an denen einem also gelegen ist? Und auf der anderen Seite dürfte Streit oft die einzige Chance sein, aus Sackgassen des Denkens wieder herauszukommen, nicht zuletzt hat ja sogar der Streit mit sich selbst etwas mit Wissenschaft zu tun. Wir müssen also im Einzelfall selbst entscheiden, ob sich ein Streitgespräch lohnt oder nicht!

Streitgespräch mit einem Pfarrer, der offensichtlich nicht dazu fähig ist.

Bei einem Stöbern im Internet, was sonst noch so "im Angebot" ist, stieß ich auf die Website eines Pfarrers. Ich finde, wer im Internet veröffentlicht, sucht auch die Resonanz. Und da es eine Rubrik gab "Christen und Muslime", schrieb ich ihm. Lesen Sie, was dabei herausgekommen ist, und entscheiden Sie selbst!

Sehr geehrter Herr Pfarrer Dr. N.N.!

Ich bin ein wenig in Ihrer Website gesurft und beglückwünsche Sie zu Ihrem Engagement.

Doch meinen Sie wirklich, mit den Moslems - oder eben mit deren Ideologie - könnte man klar kommen? Ob das nicht verlorene Liebesmüh ist? Und selbst wenn einzelne oder viele Moslems wollen, ob sie nicht unter dem Druck der anderen stehen, so da´ß sie gar nicht können?

Doch es gibt immer einen Weg.... Haben Sie einmal in Ihrem Unterricht bei jungen Leuten auch Moslems gehabt? Ich sehr wohl - und ich kann sagen, dass bisweilen gerade moslemische Mädchen bei mir die aufmerksamsten Schülerinnen waren.

Allerdings hatte ich einen anderen Ansatz: Nicht den Jesus verkündigen, sondern verkündigen, was Jesus verkündigte... Das ist für mich Nachfolge Jesu - und eine spannende! Und da braucht der Name Jesus überhaupt nicht einmal vorzukommen!

Warum nehmen wir uns nicht den Discounter Aldi zum Vorbild? Hat der denn mit den anderen Anbietern Tengelmann, Kaisers, Stüssgen usw. verhandelt? Wohl kaum. Der hat einfach ein besseres Angebot gemacht, sich von den ganzen etablierten Mitbewerbern abgesetzt und sich nur auf die Kunden eingestellt - und damit den Markt aufgerollt. Warum machen wir das nicht auch so? Warum bieten wir nicht etwa den jungen Menschen ein sinnvolles ethisches Konzept - worauf Eltern und Kinder längst warten? Ist unser Christentum nicht "aufklärungsfähig" und können wir nicht die Freiheit des Menschen fördern und damit seine wirkliche Emanzipation - während das der Islam nun wirklich nicht kann??? Und wenn das bei uns klappt, dann mal sehen, was passiert...

Wir müssen doch nur wollen! (Allerdings habe ich mit meiner Kirche Probleme...)

Wenn Sie Lust haben, können Sie ja einmal in drei meiner Stichworte sehen, die ich beifüge (Freiheit, kriminologischer Ansatz, Islam).

Ich wohne zwar nicht ganz nahe bei Ihrer Stadt, doch habe ich Freunde in der Gegend und würde gern einmal auf ein Gespräch vorbeikommen.

Mit freundlichen Grüßen

M. P.

www.basisreligion.de

Die Website mit dem "kriminologischen Ansatz".

Und hier die Antwort:

Um bei Ihrem Beispiel zu bleiben: Keine Frage, wir müssen unser Angebot unter die Menschen bringen. Ich werde da auch den Namen Jesus nicht verschweigen. Ich brauche mich da nicht zu verstecken. Beim Dialog geht es um etwas anderes: Hier wird das Kind mit dem Bad ausgeschüttet. Islamisten sind grausame Verbrecher. Aber nicht jeder Moslem ist Islamist und wenn es am Stammtisch - wie selbst gehört - schon wieder heißt: Wir werden es noch erleben, dass die Moscheen brennen, dann gilt es den Anfängen zu wehren. Das bedarf einer Aufklärung. Ich möchte auch nicht mit allen christlichen Gruppierungen in einen Topf geworfen werden. Wer etwas kennengelernt hat, kann unterscheiden und ohne diffuse Ängste einer Sache gegenübertreten.

Mit freundlichen Grüßen

N.N.

Hallo,

das hat nichts mit Verschweigen oder Verstecken zu tun, genauso wenig wie es zur Firmenstrategie von Aldi gehört, dass die Kunden Amulette mit den Visagen der Firmengründer am Hals tragen usw., das wäre nur ein oberflächlicher Personenkult... Der Unterschied ist eine besondere Qualität und Preiswürdigkeit - die das Geschäftsgeheimnis - zumindest zuerst einmal - ausmacht und die die Kunden anzieht. Und auf uns übertragen: Wir haben einfach ein anderes Menschenbild oder könnten es wenigstens haben - als alle Moslems, und das hat nun wirklich nichts mit Stammtisch zu tun - und könnten von daher ganz anders operieren. Die Emanzipation oder die Freiheit, wie sie Jesus vor dem Großinquisitor verteidigte (siehe mein Stichwort Freiheit, auf das ich in der vorigen Mail hingewiesen habe), sind im Islam absolut unmöglich! (Ich wurde auf diesen tollen Gedankengang im übrigen von einem Priester im Erzbistum Köln hingewiesen - faszinierend!) Nur wir müssen uns auf unsere Stärken besinnen! Schauen Sie doch einmal in das, was ich zum Islam recherchiert habe - durchaus auch aus islamischen Seiten bzw. Literatur, das ist doch schlimm, was da in deren Köpfen ist. Natürlich, wenn wir über das alles hinwegsehen, dann nivellieren wir die Religionen (und nicht nur die christlichen Gruppierungen) und können auch uns selbst nicht mehr als etwas Besonderes darstellen und auch keine "wirklich andere" Katechese machen. Die Strategie ist ja nicht, andere schlecht zu machen (das macht auch Aldi nicht, das hat der gar nicht nötig, der erwähnt die anderen noch nicht einmal!), sondern etwas besser zu machen - und das "tut wirklich not"!

Und wenn die Menschen wirklich bei einer Gemeinschaft besser aufgehoben sind, werden sie es auch nicht nötig haben, die Tempel anderer Religionen niederzubrennen (genauso wenig wie die anderen Einkaufsquellen...)

Ich füge hier einmal ein Stichwort bei (Aufarbeitung), das ich zusammen mit einer Kollegin irgendwo in Süddeutschland entworfen habe, sie schrieb mir im übrigen, dass ihre Therapeutin das ganz toll fand! Wenn wir hier ein Konzept für die jungen Leute hätten, hätten wir einen Vorsprung vor dem Islam, den "die" nicht aufholen könnten.

Eine Bitte: Lassen Sie sich etwas Zeit mit der Antwort, so einfach ist das alles nicht! Vielleicht diskutieren Sie auch einmal mit aufgeschlossenen Gemeindemitgliedern!

Mit besten Grüßen

Ihr

M.P.

Tut mir leid. An Jesus Christus führt für Christen kein Weg vorbei. Ich denke, da hat sich weitere Diskussion erübrigt.

Mit freundlichen Grüßen

N.N.

Sehr geehrter Herr Pfarrer Dr. N.N.,

doch noch mal. Ich habe eine buddhistische Patentochter. Und sie hat eine sehr schöne Freiarbeit über das Frauenbild im Buddhismus und im Christentum geschrieben - und ganz eindeutig kommt da Jesus erheblich besser weg als Buddha, die Fakten liegen einfach entsprechend, ich mußte gar nicht viel dazu tun. Allerdings stammt ein wenig des Materials zumindest indirekt von mir, etwa durch einen Besuch der Antwerpener Pauluskirche mit einer Betrachtung des wunderschönen Bildes von Abraham Janssens, wie sich Jesus mit Maria und Marta unterhält! Meine "Tochter" kam aber von ganz allein drauf, das den üblichen Frauendarstellungen im Buddhismus gegenüberzustellen. Vor ein paar Tagen hat ein Besucher diese Arbeit ausdrücklich gelobt, er hat sie in einem Referat an zentraler Stelle verwendet, Tendenz eher negativ für den Buddhismus und das Frauenbild dort. Und ich finde, da kann man doch noch viel mehr machen!

Und zu unserem "Dialog" über den Islam: Die Schwierigkeit ist doch, daß so wie im Buddhismus auch im  Islam nicht nur das Frauenbild, sondern auch das Menschenbild und das Gottesbild völlig unterschiedlich gegenüber dem christlich-jüdischen sind! Und unser Jesusbild kann nur verstanden werden vor dem Hintergrund unseres Menschen- und Gottesbildes, und wenn wir hier etwas überspringen, werden wir einfach nicht verstanden. Ihre Berufung auf Jesus in Ehren, aber besonders intelligent ist sie also nicht und sie dürfte auch nicht im Sinne Jesu sein. Wenn ich sein Gleichnis von dem Sämann und den Weizenkörnern (Lukas 8, 5, s.u.) weiterspinne, dann sollte man doch vor dem Säen erst einmal den Boden vorbereiten! (Überhaupt ist dieses den "Boden-Vorbereiten" sozusagen ein nicht ganz unbeabsichtigter Nebeneffekt dieser Website, siehe das Problem der "mathematischen Lücke" unter Spieltheorie!)

Außerdem: In der Schnelle können Sie etwa die Zitate über die Freiheit aus Dostojewskis Großinquisitor, wo Jesus von ihm verurteilt wird, gar nicht gelesen haben. Es ist schon merkwürdig, wie Priester "immer schon alles schon wissen", doch das ist in allen Religionen dasselbe. Dagegen kam auch Jesus zu seiner Zeit nicht an.... Meinen Sie nicht auch, dass das eine Art Arroganz ist, die mit dem Verfall (bzw. der Dekadenz) unseres Glaubens heute (und nur heute?) zusammen hängt?

Sie können mir im übrigen glauben, daß für mich die Nachfolge Jesu oberstes Ziel ist, doch des "historischen" und nicht dessen, den die Gemeindetradition usw. draus gemacht hat - und das ist wirklich spannend! Schließlich geht es mir vor allem auch um die "an den Zäunen und Wegrändern"... Und können Sie sich nicht in jemanden hineinversetzen, dem diese ganze Inflation des Namens Jesus auf den Wecker fällt und der in ihr gar nicht ein besonderes Zeichen des Glaubens sieht?

Meinetwegen ist die Diskussion mit Ihnen jetzt auch zu Ende. Eigentlich schade. 

Ich erlaube mir, den Schriftwechsel in meiner Website unter dem Stichwort STREITKULTUR zu bringen (statt Ihres Namens natürlich nur Dr. N.N.), natürlich bin ich bereit, den Schriftwechsel zu ergänzen.

Mit besten Grüßen

M.P. 

Und hier die Bibelstelle vom Sämann und den Weizenkörnern nach Lukas: "Als die Leute aus allen Städten zusammenströmten und sich viele Menschen um ihn versammelten, erzählte er ihnen dieses Gleichnis:  Ein Sämann ging aufs Feld, um seinen Samen auszusäen. Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg; sie wurden zertreten und die Vögel des Himmel  fraßen sie. Ein anderer Teil fiel auf Felsen, und als die Saat aufging, verdorrte sie, weil es an Feuchtigkeit fehlte. Wieder ein anderer Teil fiel mitten in die Dornen, und die Dornen wuchsen zusammen mit der Saat hoch und erstickten sie. Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden, ging auf und brachte hundertfach Frucht. Als Jesus das gesagt hatte, rief er: Wer Ohren hat zum Hören, der höre!"

Anmerkung: Ich hatte dieses Stichwort ein paar Wochen aus der Website genommen, vielleicht kam es ja doch noch zu einem Gedankenaustausch, schließlich ist mein Ansatz, beim Menschen- und Gottesbild anzufangen, doch wirklich nicht schlecht. Denn wenn Menschen ein anderes Menschen- und Gottesbild haben, ist jede Liebesmüh nicht nur vergebens, sondern sogar noch kontraproduktiv. Doch es kam nichts. Also bringe ich das Stichwort wieder (mit kleinen Korrekturen), damit sich meine Leser ein Bild machen können.

Wie ein Streitgespräch über die ganze Thematik verläuft, bei dem es beiden Partnern ernst ist, siehe dort!

Streitgespräch mit einer Besucherin über die "Niederlagen" in der Vergangenheit, die "frau" nicht missen möchte.

Da dieses Gespräch sehr existentiell ist und für mich das Thema Dilemma betrifft, finden Sie es dort.

Weitere Streitgespräche über den Zusammenhang von Dogmatik und basisreligion finden Sie unter Streitgespräch und über die Wissenschaftlichkeit des Ansatzes von basisreligion im Anhang des Stichworts Plausibilität.

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)