Unter SÜNDENFALL verstehen wir die Zerstörung des Paradieses in der Adam-und-Eva-Erzählung der Schöpfungsgeschichte der Bibel.

Eine merkwürdige Mythologie!

Da hat also angeblich ein erstes nacktes Menschenpaar von einem von Gott verbotenen Baum mitten in einem paradiesischen Garten einen Apfel gegessen. Daraufhin bemerken beide auf einmal ihre Nacktheit und werden wegen ihres Ungehorsams aus dem Garten des Paradieses vertrieben. Die Folge davon ist, dass das Paradies für das erste Paar und für alle diejenigen verloren ist, die von diesem ersten Paar abstammen, also für uns alle. In christlicher Dogmatik wurde daraus dann die Lehre von der Erbsünde und von der Erlösung. Doch das alles ist heute für uns nicht mehr so recht zugänglich. Um was geht es wirklich?

Zunächst einmal diese Geschichte von der vernunftmäßigen Seite her: Da hat also ein Gott offensichtlich nichts anderes zu tun, als einem nackten Menschenpaar den Verzehr von Äpfeln einer bestimmten Sorte zu verbieten und dann aufzupassen, dass sie dieses Verbot auch befolgen? Und diese Äpfel haben auch noch die verflixte Eigenschaft, dass man die eigene Nacktheit als Makel feststellt, sobald man von ihnen gegessen hat. Und wie soll Gott denn überhaupt auf die Menschen zugekommen sein, worawn erkannten ssie ihn? Die Menschen hatten ja gesündigt, brauchten also Feigenblätter, während er als Gott natürlich ohne Sünde war. War er selbst also nackt?

Hand aufs Herz: Riecht diese Geschichte, so wie sie uns erzählt wird, nicht danach, dass etwas vertuscht wird, dass etwas verdrängt wird, dass es also um etwas geht, was man auch heute noch nicht so genau wissen will, gerade wenn wir an die Nacktheit denken?

Was für eine Frucht was das übrigens damals? Ein Apfel? Falsch geraten!

Die Äpfel sind übrigens eine neuere Erfindung, denn von ihnen ist in der Bibel an keiner Stelle die Rede, da ist die Rede nur ganz allgemein von einer verbotenen Frucht. Und das mit dem Verbot und der Forderung nach Gehorsam weist analog zu der Erzählung, wie Abraham seinen Sohn Isaak opfern soll (da also gegen die Menschenopfer), auch auf ein negatives Patriarchat hin - und wieder mit einer Deutung aus dem Nachhinein. Auch hier wird nicht mehr mit Überzeugung und Einsicht, sondern eben mit Verboten und Gehorsamsforderungen gearbeitet. Doch welche Frucht?

Die Lösung können Sie in der Adam-und-Eva-Geschichte finden.

Und es geht tatsächlich um eine Verdrängung: Menschen stellen fest, dass sie ein gestörtes Verhältnis zur Nacktheit und also auch zur Moral haben und ziehen sich diese Schuhe nun nicht selbst an, sie fragen sich also nicht, wo sie selbst Fehler gemacht haben, sondern machen daraus eine Theologie mit einer phantasievollen Dogmatik und schieben ihre Probleme schließlich noch einem Gott in die Schuhe! Und das ist eigentlich schon gotteslästerlich!

Fangen wir also einmal von vorn an! Hintergrund der ganzen Mythologie von Sündenfall und Erbsünde sind vielmehr die damals üblichen Fruchtbarkeitskulte mit dem damit verbundenen Geschlechtsverkehr in der kultischen Prostitution, wie die Tempelprostitution auch heißt und wie er zur Zeit der Entstehung der Sündenfallgeschichte üblich war, oder - diesmal zeitlos - auch derjenige (erste) Geschlechtsverkehr (siehe das erste Mal) ganz allgemein, der nicht im Zusammenhang mit höchstmöglichem und lebenslangem Gefährtesein und der Einheit von Leib und Seele geschieht. Nach diesem Verkehr hat man sich ein Trauma eingefangen, man fühlt sich enttäuscht, blamiert, nackt (siehe Scham), und auch des höchsten Glücks beraubt, das man sich für sein Leben erträumt hatte, man befindet sich unversehens auf dem Boden dieser Welt - also außerhalb des Paradieses. Der Geschlechtsverkehr, der eigentlich als Verschönerung der tiefsten menschlichen Bindung hätte eingesetzt werden sollen und dieser Bindung damit etwas Berauschendes und Verzauberndes, etwas Weltvergessendes und etwas Himmlisches hätte geben können, ist zu einer bloßen Abreaktion, zu einer Triebbefriedigung, zu einem Abenteuer, zu einem Sport verkommen. Und man spürt, dass auch damit auch die Chancen für die entscheidenden Grenzerfahrungen unseres Menschseins vertan sind. Dass man das alles doch erst immer hinterher merkt, wenn die Ernüchterung eingetreten ist! Und man hat auch eine neue Erkenntnis, nämlich die von Gut und Böse, doch um welchen Preis!

Es geht immer um dasselbe.

Die biblischen Schriftsteller waren nun der Auffassung, dass diese (erste) Zerstörung der Einheit von Leib und Seele von Menschen nur sozusagen der Auftakt ist für jede weitere Zerstörung von anderen Einheiten, also auch etwa derjenigen von Mensch und Umwelt, von Mensch und Mensch, von Glaube und Wissen, von Mensch und Gott. Damit wäre der Sündenfall, so wie er in der Bibel gemeint ist, dann tatsächlich die Ursache alles Bösen.

Doch da weigert sich etwas in uns, das zu akzeptieren. Denn das würde ja bedeuten, dass die unerlöste Sexualität, die wir so oft genug mit Pille und Kondomen (siehe Verhütungsmittel) praktizieren und die uns deswegen nur oft genug längst zum Halse heraushängt (doch man macht's trotzdem, weil einem danach verlangt), schuld an allem sein soll, schuld, dass man sich im Partner vertan hat, schuld, dass man sein Leben falsch eingefädelt hat, schuld, dass die ganze Welt so unerlöst ist... Das kann oder besser das darf doch nicht wahr sein! Also verdrängen wir lieber wieder doch alles, bleiben wir lieber bei dem fernen Urpaar Adam und Eva, das den falschen Apfel gegessen hat, bleiben wir bei der Schöpfung in sieben Tagen und bei den ganzen anderen Unwahrscheinlichkeiten und erzählen wir auch unseren Kindern wieder lieber davon!

Und es gibt vielleicht doch eine Sehnsucht nach Erlösung für eine wirkliche Liebe?

Wer das allerdings nicht so sieht, wem es an einer Besserung liegt, der wird auch Verständnis entwickeln für die Erlösung, um die es Jesus ging: Wir müssen anfangen, anders zu leben, wir müssen vor allem unseren Kindern diejenigen Informationen mitgeben (siehe heiliger Geist), die nötig sind, dass sie nicht wieder dieselben Fehler (siehe Sünden) begehen wie wir - und da wird auch der Sündenfall irgendwann überwunden und das Paradies wieder möglich sein, wir müssen es nur wollen! Während für die meisten Menschen etwa allein das Wort Nacktheit Assoziationen weckt mit Geschlechtsverkehr und gar mit missbräuchlichem, vermutlich aufgrund eigener negativer Erfahrungen (siehe auch das unter Reizworte), sieht das bei Kindern völlig anders aus, sie können die Nacktheit unbefangen nehmen, sie sind noch unschuldig. Und warum sollen die Kinder nicht so bleiben, wenn sie nur entsprechend informiert werden (siehe Kindererziehung), sie sind doch von Natur aus erst einmal moralisch und würden diese Moral doch auch durchhalten? Und da die Menschheit sich aus der Summe einzelner Menschen zusammensetzt, dürften wir der Überwindung des Sündenfalls um so näher kommen, je mehr Menschen sich beteiligen. Und warum sollten wir gerade hier nicht von uns auf andere schließen dürfen? Warum sollten nicht auch andere wollen, wenn wir wollen. Geht es denn ihnen nicht genauso um eine Besserung von allem wie uns?

Und ist das wirklich so anders als das, was wir aus der Theologie kennen? Schauen wir uns doch einmal die entsprechenden Passagen beim Apostel Paulus an in Römer 5, 12ff - steht da mit einigem guten Willen nicht dasselbe?

Dass der Sündenfall der Menschheit darin bestehen soll, dass dass das Geld eingeführt wurde und schließlich auch für den Verleih von Geld Zinsen genommen wurden, kann nur als neomarxistische Spinnerei abgetan werden. Diese Theorie ist jedenfalls sehr weit hergeholt, unvergleichlich weiter als die Theorie von der Polemik ggen die Fruchtbarkeitskulte.

Und ein Mailwechsel dazu vom Sommer 2010:

Lieber Herr P.,

auf einer apologetischen Seite, die von orthodoxen Christen gemacht wurde, habe ich einen ausführlichen Text über die Schamhaftigkeit gefunden mit vielen Beispielen aus der Geschichte der Christenheit (Heiligenviten). Können Sie Russisch? Dann können Sie es selber lesen http://www.k-istine.ru/morals/family_korjevskii.htm
Wenn nicht, schreiben Sie mir, dann übersetze ich Ihnen die wichtigsten Stellen.

Dort wird zwar, ausgehend von Adam und Eva ("und sie erkannten, dass sie nackt waren"), als eine vor allem den Frauen eigene seelische Regung dargestellt, welche die Kinder noch nicht kennen, die aber mit der Pubertät und damit der Geschlechtsreife anfängt zu wirken. Dann wird aber - und dies geht in die Richtung Ihres Ansatzes - gesagt, dass es eine Schamhaftigkeit gibt, die noch schlimmer ist als Schamlosigkeit, nämlich wenn sie dazu dient, die Sündhaftigkeit zu verstecken und vor den Menschen tugendhaft zu erscheinen. Das nennen Sie dann Sittsamkeit im Gegensatz zu Sittlichkeit. Der Sinn des Schamgefühls liegt darin,  dass hier diese natürliche Regung dem Menschen hilft, seine Leidenschaften im Zaum zu halten. Aber je höher der Mensch geistig steigt, je mehr er seine irdischen Leidenschaften beherrscht, desto weniger benötigt er das Schamgefühl. Es werden Beispiele genannt von Heiligen, die "für diese Welt gestorben waren" und sich kein bisschen mehr schämten, nackt herumzulaufen.

Es kommt wirklich darauf an, ob man so bestimmt von seinem Geschlechtstrieb ist, dass man beim Anblick nackter Frauen nur noch an Sex denken kann (es gibt Männer, die müssen am FKK-Strand ganz schnell ins Wasser, damit man ihre Errektion nicht sieht), oder ob man die Schönheit des menschlichen Körpers als Tempel des Geistes genießen kann, ohne dass fleischliche Gelüste sich hineinmischen. Dann ist man selbst es, der bestimmt, wann die fleischlichen Gelüste am Platze sind - nämlich dann, wenn sie im Kontext einer ganzheitlichen menschlichen Paarbeziehung (Ehe) stehen - und wann nicht.

Was halten Sie von so einer Interpretation der Vertreibung aus dem Paradies: Zuerst einmal kann man das Wort Sünde in Sündenfall besser verstehen, wenn man den Zusammenhang mit Sonderung sieht. Es geht also um eine Trennung, um eine Entfernung des Menschen von Gott. Das kann durchaus auch positiv sein im Sinne einer Abnabelung. Die ganze Entwicklung der Menschheit zu Freiheit und Moralität wäre ohne den "Sündenfall" nicht möglich gewesen. Das schreibt schon Schiller, und ich finde es sehr einleuchtend: http://de.wikisource.org/wiki/Etwas_%C3%BCber_die_erste_Menschengesellschaft
Die Lehre von der Erbsünde versteh ich nicht so richtig, ich sehe die Sache folgendermaßen: Im Paradiese war der Mensch noch nicht so irdisch und in die Materie hinabgestiegen, wie nach der Vertreibung. Er war noch unmittelbar verbunden mit der geistig-göttlichen Welt mit all ihren höheren Wesen (Engeln). Auch die Trennung der Geschlechter ist etwas tief bedeutsames. Sie kennen bestimmt den Mythos Platons (im Gastmahl) von dem ungeschlechtlichen Urmenschen, den die Götter dann trennten in Mann und Frau. Seitdem streben Mann und Frau zueinander. Sie sehnen sich nach der verlorenen Einheit. Diese fruchtbare Spannung zwischen den Geschlechtern kann auch in aller Unschuld geschehen, sie ist älter als der Sündenfall (Gen. 2:24).
Durch den Abstieg in die Materie ist der Mensch entfernt von Gott; aber nur hier auf Erden kann der Mensch mit dem Bösen in Berührung kommen, kann irren, und damit ist auch die Möglichkeit gegeben, das Böse zu überwinden und die Materie zu verwandeln. Die Scham ist laut dem russischen Artikel "das Empfinden eines tatsächlichen oder eingebildeten Mangels an Vollkommenheit oder Schönheit". Damit ist auch verständlich, dass der Mensch im Zuge der Veredelung und Reinigiung auch der sexuellen Sphäre mit der Zeit das Schamgefühl nicht mehr benötigt. Es ist für mein Dafürhalten also nicht in jedem Fall gut, gleich zum Stadium der paradiesischen Nacktheit überzugehen, wenn die Voraussetzungen dafür nicht gegeben sind. Wenn also jemand von seinen fleischlichen Trieben noch sehr dominiert ist, dann kann die natürliche Scham ein Schutz sein. Ich halte die ungezwungene Nacktheit also für eine Folge und nicht eine Ursache des Lebens in der Einheit von Körper, Seele und Geist. Das scheint mir bei Ihrem Ansatz zu einfach dargestellt, als ob die Nacktheit ein Allheilmittel für die großen Probleme unserer Zeit sei. Der von mir dargestellte Ansatz bezüglich Scham und Nacktheit tut ja keineswegs die Nacktheit per se verteufeln und auch nicht die Scham als hinreichende Bedingung für Moralität darstellen. Aber eine Hilfe auf dem Weg zur Moralität kann die Scham schon sein.

Jetzt habe ich Ihnen doch das Wichtigste auch von dem russ. Text geschrieben.

Mit freundlichen Grüßen,
Berthold L.

Antwort von basisreligion:

Lieber Berthold L.!

Nur kurz, denn ich bin gerade beim Aufbruch: Mir sind diese theologischen Begründungen alle zu spekulativ. Sie wisssen, ich sehe die Sündenfallgeschichte als eine psychologisch überaus geschickte Polemik gegen die Fruchtbarkeitskulte. Und die damaligen Verfasser haben nun die Scham der Menschen beobachet und sie in ihre Sündenfallgeschichte eingebaut. Eine sehr praktische Lösung.

Ja, das ist schon fast witzig: Sie als "Nichttheologe" interpretieren die Sündenfallgeschichte theologisch - und ich als Theologe versuche, die Theologie zu überwinden.

Mit besten Grüßen

Michael Pr.

Die Antwort des Besuchers der Website:


Lieber Herr P., 

danke für die schnelle Antwort. Ich habe es nicht eilig und freue mich, wenn Sie mir bei nächster Gelegenheit etwas ausführlicher antworten.
Ich habe mir mal Ihre Ausführungen zum Stichwort "Sündenfall" und "Adam und Eva" genauer angeschaut. Ist das nicht auch Spekulation, dass Sie die Erzählung als Speerspitze gegen die Fruchtbarkeitskulte sehen? Und alles, was nicht ins Bild passt (das Verbot, die Früchte vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen, die Scham, die Vertreibung) als unwesentliches Beiwerk bezeichnen, wie es eben damals nötig gewesen sei? Sie schreiben:
"Da hat also ein Gott offensichtlich nichts anderes zu tun, als einem nackten Menschenpaar den Verzehr von Äpfeln einer bestimmten Sorte zu verbieten und dann aufzupassen, dass sie dieses Verbot auch befolgen? Und diese Äpfel haben auch noch die verflixte Eigenschaft, dass man die eigene Nacktheit als Makel feststellt, sobald man von ihnen gegessen hat."

Damit stellen Sie den Urtext durch geschickte Auslaussungen in schlechtem Licht dar. Dort heißt es nämlich (Gen. 2:16f.): "Gott, der Herr, gebot dem Menschen: "Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, nur  vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn am Tage da du davon issest, mußt du sterben."" Hier steht das Wesentliche. Vom Makel der Nacktheit jedoch kein Wort.  Und, was man vielleicht oft übersieht, der Versucher sagt keineswegs nur die Unwahrheit. Er sagt: "O nein, auf keinen Fall werdet ihr sterben! Vielmehr weiß Gott, daß euch, sobald ihr davon esset, die Augen aufgehen, und ihr wie Gott sein werdet, indem ihr Gutes und Böses erkennt." (Gen 3:4-5) Und tatsächlich, nachdem Gott die Blöße der Menschen bedeckt hat, sagt er: "Ja, der Mensch ist jetzt wie einer von uns geworden, da er Gutes und Böses erkennt. Nun geht es darum, daß er nicht noch seine Hand ausstrecke, sich am Baume des Lebens vergreife, davon esse und ewig lebe!" (Gen. 3:22) Die Nacktheit ist also hier nicht die Hauptsache, sondern höchstens ein Symptom, die Hauptsache ist das Öffnen der Augen und die Fähigkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden (s. der Schiller-Text, den ich Ihnen geschickt habe).

Und weiter schreiben Sie: "Und wie soll Gott denn überhaupt auf die Menschen zugekommen sein, woran erkannten sie ihn? Die Menschen hatten ja gesündigt, brauchten also Feigenblätter, während er als Gott natürlich ohne Sünde war. War er selbst also nackt?"

Das das ist aber wirklich grober Materialismus, als ob Gott so ein Mann mit langem Bart sei, der im Paradies herumspaziert. Nur mit einem solchen Bild im Kopf  kann die Frage entstehen, ob Gott nackt sei. Ziehen Sie diese Geschichte absichtlich ins Lächerliche, um sie nicht ernstnehmen zu müssen?
Wo sehen Sie in der Sündenfallgeschichte den Bruch zwischen Liebe und Sexualität, der angeblich angeprangert wird? Ich kann ihn nicht finden. Überhaupt geht ja die Übertretung des Gebots der geschlechtlichen Vereinigung voraus. Die geschlechtliche Vereinigung wird auch nirgends kritisiert, es ist sogar das Schicksal der Menschen, sich hinfort geschlechtlich fortzupflanzen - anders kann man Gen. 3:16 nicht verstehen, wo es das Schicksal der Frau ist, unter Schmerzen Kinder zu gebären und ihr Verlangen nach einem Mann steht, der über sie herrschen soll (sic! - so antipatriarchalisch klingt das aber nicht gerade). Man empfand die Sexualität als etwas Heiliges, Göttliches (kein Wunder, denn die Entstehung von neuem Leben kann uns immer wieder mit Ehrfurcht erfüllen), das sieht man in Evas Ausspruch nach ihrer ersten Geburt: "Ich habe einen Sohn erworben mit Hilfe des Herrn." (Gen. 4:1) Gott ist also bei der Verkörperung einer Menschenseele wirksam, der Mensch ermöglicht die Verkörperung durch die Gemeinschaft zwischen Mann und Frau.

"Mann und Frau waren Gefährten <http://basisreligion.reliprojekt.de/gefaehrte.htm> in gelungener Einheit von Leib und Seele <http://basisreligion.reliprojekt.de/leibundseele.htm>, [...] und damit hatte auch der Geschlechtsverkehr <http://basisreligion.reliprojekt.de/ge-verkehr.htm> nur innerhalb der Ordnung dieses Gefährteseins seinen Raum."

Sie sprechen hier doch nicht etwa vom Paradies? Von Geschlechtsverkehr im Paradies steht aber kein Wort im AT. Die haben noch nicht einmal gemerkt, dass Sie nackt waren, man sieht das ja heut noch bei den "unschuldigen" Kindern, die verbinden mit Nacktheit keinen Sex.
Zwischenbemerkung: Gerade ist mir klar geworden, dass die Verbindung von Nacktheit und Sexualität doch gegeben ist, auch wenn Sie den Eindruck vermitteln wollen, dass würde uns nur unsere verklemmte Gesellschaft anerziehen: Die Nacktheit ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für den Geschlechtsverkehr. Und es gibt ansonsten ziemlich wenig Tätigkeiten, für welche die Nacktheit eine notwendige Bedingung ist. Die Assoziation in unserem Bewusstsein ist also gerechtfertigt.

Der Sündenfall besteht zuerst mal in einem Ungehorsam, einer Verbotsübertretung, und alle Schlangensymbolik ändert daran nichts. Die Schlange hat nicht gesagt: "Vögelt mir zu Ehren!", sondern eben: "Esst von der verbotenen Frucht, so schlimm wird's nicht sein." Der Abstieg in die Materie, in die Körperlichkeit und die Sexualität mit ihrer Möglichkeit der Entfremdung waren nur eine Folge davon. Letztlich muss es auch in Gottes Sinne sein, dass der Mensch durch die Gottesferne, durch die Materie geht und das, was er vorher in kindlicher (oder tierischer, instinktgeleiteter) Unschuld besaß, wieder bewusst erreicht, auf einer höheren Ebene, nämlich in Freiheit seinem eigenen Gewissen folgend. Hier bin ich noch nicht zu einem entgültigen Schluss gekommen, wie diese Ansicht mit dem Gebot an Adam zusammenstimmt. Hat Gott das eine gesagt und insgeheim das andere gewollt? Oder tritt hier die Schlange als "Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft" auf?

Und noch kurz zur Frage "theologisch oder nicht?". Für mich ist das nur ein Schlagwort; Theologie ist die Lehre vom Göttlichen. Ich will der Wahrheit möglichst nahe kommen, und da Gott für mich Teil der Wirklichkeit ist, ist die Lehre vom Göttlichen ein wichtiges Instrument, um eben diesen Teil der Wirklichkeit zu beschreiben. Und anstatt sich immer an der Frage aufzuhängen, ob es Gott gibt oder nicht, sollte man lieber die viel wichtigere Frage behandeln, welche Eigenschaften er hat, wie die Welt (Kosmos) in geistiger und irdischer Hinsicht beschaffen ist, welche Wesen in ihr leben und natürlich welcher Platz und welche Bestimmung dem Menschen in diesem Zusammenhang zukommt. Genau wie ein Naturwissenschaftler nicht fragt, ob es die Natur gibt oder nicht, sondern die Zusammenhänge, Kräfte, Stoffe, Wesen etc. in ihr erforscht. Der Vergleich hinkt ein bisschen, weil die Natur kein Wesen ist (im Gegensatz zu Gott), aber Sie verstehen, was ich meine.

Ich nehme auch die Heilige Schrift keineswegs wörtlich (sie polemisieren ja immer mit den Wörtlichnehmern, die sie Dünnbrettbohrer nennen). Nur glaube ich, dass man ihr mit Materialismus nun wirklich nicht gerecht wird.
Ein Beispiel: Die sechs Schöpfungstage. Wer hier nun meint, es sei wirklich eine Woche in unserem heutigen Sinne gemeint, also sieben Erdrotationen, der muss sich doch mal fragen, ob die Erde sich überhaupt drehen kann, wenn sie gerade erst geschaffen wird. Und wo soll sie sich drehen, wenn der Himmel erst am zweiten und die Gestirne erst am vierten Tage geschaffen wurden? - explizit zur Zeitmessung. Davor gab es also noch keine astronomische Zeit, wie wir sie heute kennen. Die sechs Tage können also nur symbolisch gemeint sein für lange erdgeschichtliche Entwicklungszeiträume (hier liegt ein Schlüssel für die Versöhnung von Evolution und Schöpfung).

Viele Grüße,
Berthold L.

Und wieder basisreligion:

Ich sehe die Nacktheit keinesfalls als Allheilmittel! Ich wiederhole hier nur einmal kurz: Der wirklich aufgeklärte und reife und selbstbewusste Mensch hat keine Probleme mehr mit der Nacktheit, für ihn ist sie etwas völlig Normales und er käme sich komisch vor, irgendwelche Körperteile aus Gründen der Scham zu bedecken, die ihm doch einfach angewachsen sind. Die Reife und das sinnvolle Selbstbewusstsein sind also unsere Aufgabe, dazu gehört natürlich auch das Bewusstsein, dass die Scham eine irrationale Angst ist, die für wirkliche Reife usw. gar nichts hilft. Ich habe Ihnen geschrieben (siehe Mailwechsel unter Scham). Natürlich ist es nicht ganz einfach von den Prägungen, die allerdings kulturbedingt, loszukommen. Wenn moslemische Männer nach Europa usw. kommen und hier so leicht bekleidete Mädchen und Frauen sehen, dann haben sie zunächst auch mal ihre Schwierigkeiten - einfach weil sie das nicht so gewöhnt sind. Wie es bei den Eskimos genau ist, weiß ich nicht, doch ich habe einmal gehört, dass die Geschlechtsteile bei den Frauen nichts besonders tabuisiert sind, aber ihre Zehen. Die gehören dem Ehemann... Also werden die Männer dann beim Anblick der Zehen erregt...

Ich finde es lästig und auch schrecklich, wenn der Anblick von Geschlechtsteilen "Leidenschaften" auslöst - und sie daher verdeckt werden müssen. Klar, das gibt es, wenn auch bekannt ist, dass die knappe Kleidung "spannender" ist, sich vorzustellen, dass da in zwei, drei Zentimetern viel interessantere Körperstellen sind.... Doch läuft hier nicht etwas schief? Viel intelligenter wäre doch das Sich-in-die-Augen-Schauen, die tolle Argumentation einer Frau, ihre tolle geistige Einstellung, das alles wäre doch nur die Erregung eines intelligenten Mannes wert - aber die weiblichen "Fettgewebe", die sowieso eines Tages nicht mehr so ansehnlich sind? Da sollte "man" also doch drüber stehen? Ich kann hierzu nur mein Rezept empfehlen - nehmen Sie sich eine komplizierte und aber für Sie wichtige Arbeit mit an einen FKK-Strand und lenken Sie sich durch die Beschäftigung mit dieser Arbeit ab! Sie werden sehen, Sie "gewinnen"! Vor allem haben Sie - und das erkenne ich aus Ihrer Hartnäckigkeit, ja schon einmal einen guten Willen! Siehe auch Legebatteriehennensyndrom!

Und zu der "Sonderung von Gott": Ich habe hier mit "Gott" meine Probleme, wer ist das, wer erzählt mir von dem? Ich sehe das anders: Der Mensch hat sich durch seine Kultur von sich selbst, von der Natur getrennt, also braucht er jetzt seine Krücken, eben diese "Verklemmungsfetzen". Ich habe gerade einen Mailwechsel mit einem Vater, dessen Töchterchen (9) von einem Exhibitionisten belästigt wurde, und das davon einen Schock bekam. Ich kenne eine Familie, die mich mit ihren Kindern in meinem Haus am Atlantik besuchen kommt, und wir diskutieren viel und gehen auch gemeinsam an den Strand. Und das Töchterchen (7) kam völlig unbefangen auf mich zu und eh ich mich´s versah, hatte sie mich "unten" angetippt und irgendeinen Kommentar abgegeben, den ich nicht verstand. Und - gar nichts war... Alles eine Frage der Einstellung und der Gewohnheit, sowohl bei dem Kind wie bei mir... Klar, wenn ich ein Kind jeck mache, dann wird es auch jeck. (Wohlgemerkt: Mit dem Geschlechtsverkehr ist das etwas völlig anderes, doch davon rede ich ja gar nicht!)

Und wieder zu Ihrer obigen Mail: Ich muss mich nicht von Gott abnabeln - ich muss mich nur von dem abnabeln, was irgendwelche Priester (also die Kulturträger) in Gott hineininterpretieren und dann auch von ihm erzählen... Und auch so kann ich zu geistigen Höchstleistungen kommen! Alles andere wäre doch hirnrissig: Wenn ich erst einmal Fehler machen muss, um dann wirklich vernünftig zu sein... Schauen Sie mal in das Stichwort "Moralmodell" - klar, wenn ich ein falsches Moralmodell mitbekomme, dann werde ich auch falsch handeln - doch wenn es ein richtiges ist, warum sollte ich dann genauso "falsch" handeln?

Und zu Ihrer folgenden Mail: Sie kennen den Spruch: "Fliegt wie eine Ente, sieht aus wie eine Ente, schnattert wie eine Ente und schmeckt schließlich auch eine Ente - wird also wohl eine Ente sein..." Jedenfalls passt zu der Theorie von der Polemik der Adam-und-Eva-Erzählung gegen die Fruchtbarkeitsskulte doch so vieles, ich mag mich hier nicht wiederholen...

Ihre Berufung auf den Text in Ehren - doch sind das nicht irgendwelche zeitbedingten Formulierungen - und dann auch noch Übersetzungen? Natürlich steckt dahinter eine Philosophie, eine Theologie der Verfasser, zumal es ja auch nicht einfach gewesen sein dürfte, sich von den Fruchtbarkeitskulten abzunabeln? So blöde und primitiv waren deren Priester ja auch nicht, klar, die hatten auch ihre geistreichen Begründungen für alles! Wenn ich an den Sex mit einer Kultdirne zur Erkenntnis der Gottheit denke, dann könnte man schon dazu kommentieren: "Ha ha, Ihr denkt, Gott zu erkennen - doch in Wirklichkeit erkennt Ihr nur Gut und Böse...!"

Und wie sollen die damals denn vom Paradies reden? Wir müssen und doch vorstellen, dass das Paradies nun wirklich keine historische Angelegenheit ist, es ist die Idee der Verfasser dieser Geschichte, um den Werdegang des Menschen zu dem Zustand zu erklären, wie er zur Zeit der Entstehung dieser Geschichte aussah. Na, und bei "heilen, natürlichen" Menschen ist die Nacktheit kein Problem - auch wenn sie Sex miteinander haben. Sie gehören eben einander, sie nutzen sich nicht aus, sie verachten sich nicht, sie sorgen für sich gegenseitig... Da ist das wie ein gemeinsames schönes Apfelessen... Und wenn diese schöne Gemeinschaft eben nicht besteht, dann ist das ein problematisches und daher eigentlich eher verbotenes Apfelessen....
Wir haben doch noch dasselbe Problem: Die Nacktheit gilt als ekelhaft, daher möglichst schnell zum Sex, der gilt ja als normal! Selbst Drewermann beschreibt dieses Phänomen in seinen "Klerikern" - er bringt es allerdings nicht mit der Sündenfallerzählung in Verbindung, sondern mit einer verfehlten Erziehung....

Ich gehe mit Gott noch weiter. Wieso welche Eigenschaften er hat? Das ist doch auch eine sinnlose Spekulation. Für mich ist interessant das "Reich Gottes", denn das ist eine Lebensmöglichkeit und auch -wirklichkeit.

Sie wissen, ich sehe in der Schöpfungsgeschichte überhaupt keine Theorie zur Schöpfung - sondern einen geschickten Schachzug, die Naturgottheiten zu überwinden mit ihren menschenfeindlichen Kulten...

Eigentlich habe ich das doch alles schon geschrieben???

Tschüs
Ihr M.P.