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Unter SÜNDENFALL
verstehen wir die Zerstörung des Paradieses
in der Adam-und-Eva-Erzählung der Schöpfungsgeschichte der Bibel.
Eine merkwürdige Mythologie!
Da hat also angeblich ein
erstes nacktes Menschenpaar von einem von Gott
verbotenen Baum mitten in einem paradiesischen Garten einen Apfel
gegessen. Daraufhin bemerken beide auf einmal ihre Nacktheit und werden wegen ihres Ungehorsams
aus dem Garten des Paradieses vertrieben. Die Folge davon ist, dass das
Paradies für das erste Paar und für alle diejenigen verloren ist, die
von diesem ersten Paar abstammen, also für uns alle. In christlicher Dogmatik wurde daraus dann die Lehre von der Erbsünde und von der Erlösung.
Doch
das alles ist heute für uns nicht mehr so recht zugänglich. Um was
geht es wirklich?
Zunächst einmal diese
Geschichte von der vernunftmäßigen Seite her: Da hat also ein Gott
offensichtlich nichts anderes zu tun, als einem nackten Menschenpaar
den Verzehr von Äpfeln einer bestimmten Sorte zu verbieten und dann
aufzupassen, dass sie dieses Verbot auch befolgen? Und diese Äpfel
haben auch noch die verflixte Eigenschaft, dass man die eigene
Nacktheit als Makel feststellt, sobald man von ihnen gegessen hat. Und
wie soll Gott denn überhaupt auf die Menschen zugekommen sein, worawn
erkannten ssie ihn? Die Menschen hatten ja gesündigt, brauchten also
Feigenblätter, während er als Gott natürlich ohne Sünde war. War er
selbst also nackt?
Hand aufs Herz: Riecht
diese Geschichte, so wie sie uns erzählt wird, nicht danach, dass etwas
vertuscht wird, dass etwas verdrängt wird, dass es also um etwas geht,
was man auch heute noch nicht so genau wissen will, gerade wenn wir an
die Nacktheit denken?
Was für
eine Frucht was das übrigens damals? Ein Apfel? Falsch geraten!
Die Äpfel sind übrigens
eine neuere Erfindung, denn von ihnen ist in der Bibel an
keiner Stelle die Rede, da ist die Rede nur ganz allgemein von einer verbotenen Frucht. Und das
mit dem Verbot und der Forderung nach
Gehorsam weist analog zu der Erzählung, wie
Abraham seinen Sohn Isaak opfern soll (da also gegen die Menschenopfer), auch auf ein negatives
Patriarchat hin - und wieder mit einer Deutung aus dem
Nachhinein. Auch hier wird nicht mehr mit Überzeugung und Einsicht,
sondern eben mit Verboten und Gehorsamsforderungen gearbeitet. Doch
welche Frucht?
Die Lösung können Sie
in der Adam-und-Eva-Geschichte finden.
Und es geht tatsächlich um
eine Verdrängung: Menschen stellen
fest, dass sie ein gestörtes Verhältnis zur Nacktheit
und also auch zur Moral haben und ziehen
sich diese Schuhe nun nicht selbst an, sie fragen sich also nicht,
wo sie selbst Fehler gemacht haben, sondern machen daraus eine Theologie mit einer phantasievollen Dogmatik und schieben ihre Probleme
schließlich noch einem Gott in die Schuhe! Und das ist
eigentlich schon gotteslästerlich!
Fangen wir also einmal von vorn
an! Hintergrund
der
ganzen Mythologie von Sündenfall und Erbsünde sind vielmehr die
damals üblichen Fruchtbarkeitskulte mit
dem damit verbundenen Geschlechtsverkehr
in der kultischen Prostitution, wie die
Tempelprostitution auch heißt und wie er zur Zeit der Entstehung der
Sündenfallgeschichte üblich war, oder - diesmal zeitlos - auch
derjenige (erste) Geschlechtsverkehr (siehe das
erste Mal) ganz allgemein, der nicht im Zusammenhang mit
höchstmöglichem und lebenslangem Gefährtesein
und der Einheit von Leib und Seele
geschieht. Nach diesem Verkehr hat man sich ein Trauma
eingefangen, man
fühlt sich enttäuscht, blamiert, nackt (siehe
Scham), und auch des höchsten Glücks
beraubt, das man sich für sein Leben erträumt hatte, man befindet sich
unversehens auf dem Boden dieser Welt - also außerhalb des Paradieses. Der Geschlechtsverkehr,
der
eigentlich als Verschönerung der tiefsten menschlichen Bindung
hätte eingesetzt werden sollen und dieser Bindung damit etwas
Berauschendes und Verzauberndes, etwas Weltvergessendes und etwas
Himmlisches hätte geben können, ist zu einer bloßen Abreaktion, zu
einer Triebbefriedigung, zu einem Abenteuer,
zu
einem Sport verkommen. Und man spürt, dass auch damit auch
die Chancen für die entscheidenden Grenzerfahrungen
unseres Menschseins vertan sind. Dass man das alles doch erst immer hinterher
merkt, wenn die Ernüchterung eingetreten ist! Und man hat auch
eine neue Erkenntnis, nämlich die von Gut
und Böse, doch um welchen Preis!
Es geht immer um dasselbe.
Die biblischen
Schriftsteller waren nun der Auffassung, dass diese (erste) Zerstörung
der Einheit von Leib und Seele
von Menschen nur sozusagen der Auftakt ist für jede weitere Zerstörung
von anderen Einheiten, also auch etwa derjenigen von Mensch und
Umwelt, von Mensch und Mensch, von Glaube und Wissen, von Mensch und
Gott. Damit wäre der Sündenfall, so wie er in der Bibel gemeint ist,
dann tatsächlich die Ursache alles Bösen.
Doch da weigert sich etwas
in uns, das zu akzeptieren. Denn das würde ja bedeuten, dass die
unerlöste Sexualität, die wir so oft
genug mit Pille und Kondomen (siehe Verhütungsmittel)
praktizieren
und die uns deswegen nur oft genug längst zum Halse
heraushängt (doch man macht's trotzdem, weil einem danach verlangt),
schuld an allem sein soll, schuld, dass man sich im Partner vertan hat,
schuld, dass man sein Leben falsch eingefädelt hat, schuld, dass die
ganze Welt so unerlöst ist... Das kann oder besser das darf doch nicht
wahr sein! Also verdrängen wir lieber wieder doch alles, bleiben wir
lieber bei dem fernen Urpaar Adam und Eva,
das
den falschen Apfel gegessen hat, bleiben wir bei der Schöpfung in sieben Tagen und bei den ganzen
anderen Unwahrscheinlichkeiten und erzählen wir auch unseren Kindern
wieder lieber davon!
Und es gibt vielleicht doch eine Sehnsucht nach Erlösung für eine wirkliche Liebe?
Wer das allerdings nicht
so sieht, wem es an einer Besserung liegt, der wird auch Verständnis
entwickeln für die Erlösung, um die es Jesus ging: Wir müssen anfangen, anders zu leben,
wir müssen vor allem unseren Kindern diejenigen Informationen mitgeben (siehe heiliger Geist), die nötig sind, dass sie
nicht wieder dieselben Fehler (siehe Sünden)
begehen wie wir - und da wird auch der Sündenfall irgendwann
überwunden und das Paradies wieder möglich sein, wir müssen es nur
wollen! Während für die meisten Menschen etwa allein das Wort Nacktheit
Assoziationen weckt mit Geschlechtsverkehr und gar mit
missbräuchlichem, vermutlich aufgrund eigener negativer Erfahrungen
(siehe auch das unter Reizworte), sieht das
bei Kindern völlig anders aus, sie können die Nacktheit unbefangen
nehmen, sie sind noch unschuldig. Und warum sollen die Kinder nicht so
bleiben, wenn sie nur entsprechend informiert werden (siehe Kindererziehung), sie sind doch von
Natur aus erst einmal moralisch und würden diese Moral
doch auch durchhalten? Und da die Menschheit sich aus der Summe
einzelner
Menschen zusammensetzt, dürften wir der Überwindung des
Sündenfalls um so näher kommen, je mehr Menschen sich beteiligen. Und
warum sollten wir gerade hier nicht von uns auf andere schließen
dürfen? Warum sollten nicht auch andere wollen, wenn wir wollen. Geht
es denn ihnen nicht genauso um eine Besserung von allem wie uns?
Und ist das wirklich so
anders als das, was wir aus der Theologie
kennen? Schauen wir uns doch einmal die entsprechenden Passagen beim
Apostel Paulus an in Römer
5,
12ff - steht da mit einigem guten Willen nicht dasselbe?
Dass der Sündenfall der
Menschheit darin bestehen soll, dass dass das Geld eingeführt wurde und
schließlich auch für den Verleih von Geld Zinsen
genommen wurden, kann nur als neomarxistische Spinnerei abgetan werden.
Diese Theorie ist jedenfalls sehr weit hergeholt, unvergleichlich
weiter als die Theorie von der Polemik ggen die Fruchtbarkeitskulte.
Und ein Mailwechsel
dazu vom Sommer 2010:
Lieber Herr P.,
auf einer apologetischen Seite, die von orthodoxen Christen gemacht
wurde, habe ich einen ausführlichen Text über die Schamhaftigkeit
gefunden mit vielen Beispielen aus der Geschichte der Christenheit
(Heiligenviten). Können Sie Russisch? Dann können Sie es selber lesen http://www.k-istine.ru/morals/family_korjevskii.htm
Wenn nicht, schreiben Sie mir, dann übersetze ich Ihnen die wichtigsten
Stellen.
Dort wird zwar, ausgehend von Adam und Eva ("und sie erkannten, dass
sie nackt waren"), als eine vor allem den Frauen eigene seelische
Regung dargestellt, welche die Kinder noch nicht kennen, die aber mit
der Pubertät und damit der Geschlechtsreife anfängt zu wirken. Dann
wird aber - und dies geht in die Richtung Ihres Ansatzes - gesagt, dass
es eine Schamhaftigkeit gibt, die noch schlimmer ist als
Schamlosigkeit, nämlich wenn sie dazu dient, die Sündhaftigkeit zu
verstecken und vor den Menschen tugendhaft zu erscheinen. Das nennen
Sie dann Sittsamkeit im Gegensatz zu Sittlichkeit. Der Sinn des
Schamgefühls liegt darin, dass hier diese natürliche Regung dem
Menschen hilft, seine Leidenschaften im Zaum zu halten. Aber je höher
der Mensch geistig steigt, je mehr er seine irdischen Leidenschaften
beherrscht, desto weniger benötigt er das Schamgefühl. Es werden
Beispiele genannt von Heiligen, die "für diese Welt gestorben waren"
und sich kein bisschen mehr schämten, nackt herumzulaufen.
Es kommt wirklich darauf an, ob man so bestimmt von seinem
Geschlechtstrieb ist, dass man beim Anblick nackter Frauen nur noch an
Sex denken kann (es gibt Männer, die müssen am FKK-Strand ganz schnell
ins Wasser, damit man ihre Errektion nicht sieht), oder ob man die
Schönheit des menschlichen Körpers als Tempel des Geistes genießen
kann, ohne dass fleischliche Gelüste sich hineinmischen. Dann ist man
selbst es, der bestimmt, wann die fleischlichen Gelüste am Platze sind
- nämlich dann, wenn sie im Kontext einer ganzheitlichen menschlichen
Paarbeziehung (Ehe) stehen - und wann nicht.
Was halten Sie von so einer Interpretation der Vertreibung aus dem
Paradies: Zuerst einmal kann man das Wort Sünde in Sündenfall besser
verstehen, wenn man den Zusammenhang mit Sonderung sieht. Es geht also
um eine Trennung, um eine Entfernung des Menschen von Gott. Das kann
durchaus auch positiv sein im Sinne einer Abnabelung. Die ganze
Entwicklung der Menschheit zu Freiheit und Moralität wäre ohne den
"Sündenfall" nicht möglich gewesen. Das schreibt schon Schiller, und
ich finde es sehr einleuchtend: http://de.wikisource.org/wiki/Etwas_%C3%BCber_die_erste_Menschengesellschaft
Die Lehre von der Erbsünde versteh ich nicht so richtig, ich sehe die
Sache folgendermaßen: Im Paradiese war der Mensch noch nicht so irdisch
und in die Materie hinabgestiegen, wie nach der Vertreibung. Er war
noch unmittelbar verbunden mit der geistig-göttlichen Welt mit all
ihren höheren Wesen (Engeln). Auch die Trennung der Geschlechter ist
etwas tief bedeutsames. Sie kennen bestimmt den Mythos Platons (im
Gastmahl) von dem ungeschlechtlichen Urmenschen, den die Götter dann
trennten in Mann und Frau. Seitdem streben Mann und Frau zueinander.
Sie sehnen sich nach der verlorenen Einheit. Diese fruchtbare Spannung
zwischen den Geschlechtern kann auch in aller Unschuld geschehen, sie
ist älter als der Sündenfall (Gen. 2:24).
Durch den Abstieg in die Materie ist der Mensch entfernt von Gott; aber
nur hier auf Erden kann der Mensch mit dem Bösen in Berührung kommen,
kann irren, und damit ist auch die Möglichkeit gegeben, das Böse zu
überwinden und die Materie zu verwandeln. Die Scham ist laut dem
russischen Artikel "das Empfinden eines tatsächlichen oder
eingebildeten Mangels an Vollkommenheit oder Schönheit". Damit ist auch
verständlich, dass der Mensch im Zuge der Veredelung und Reinigiung
auch der sexuellen Sphäre mit der Zeit das Schamgefühl nicht mehr
benötigt. Es ist für mein Dafürhalten also nicht in jedem Fall gut,
gleich zum Stadium der paradiesischen Nacktheit überzugehen, wenn die
Voraussetzungen dafür nicht gegeben sind. Wenn also jemand von seinen
fleischlichen Trieben noch sehr dominiert ist, dann kann die natürliche
Scham ein Schutz sein. Ich halte die ungezwungene Nacktheit also für
eine Folge und nicht eine Ursache des Lebens in der Einheit von Körper,
Seele und Geist. Das scheint mir bei Ihrem Ansatz zu einfach
dargestellt, als ob die Nacktheit ein Allheilmittel für die großen
Probleme unserer Zeit sei. Der von mir dargestellte Ansatz bezüglich
Scham und Nacktheit tut ja keineswegs die Nacktheit per se verteufeln
und auch nicht die Scham als hinreichende Bedingung für Moralität
darstellen. Aber eine Hilfe auf dem Weg zur Moralität kann die Scham
schon sein.
Jetzt habe ich Ihnen doch das Wichtigste auch von dem russ. Text
geschrieben.
Mit freundlichen Grüßen,
Berthold L.
Antwort von basisreligion:
Lieber Berthold
L.!
Nur kurz, denn ich bin gerade beim Aufbruch: Mir sind diese
theologischen Begründungen alle zu spekulativ. Sie wisssen, ich sehe
die Sündenfallgeschichte als eine psychologisch überaus geschickte
Polemik gegen die Fruchtbarkeitskulte. Und die damaligen Verfasser
haben nun die Scham der Menschen beobachet und sie in ihre
Sündenfallgeschichte eingebaut. Eine sehr praktische Lösung.
Ja, das ist schon fast witzig: Sie als "Nichttheologe" interpretieren
die Sündenfallgeschichte theologisch - und ich als Theologe versuche,
die Theologie zu überwinden.
Mit besten Grüßen
Michael Pr.
Die
Antwort des Besuchers der Website:
Lieber Herr P.,
danke für die schnelle Antwort. Ich habe es nicht eilig und freue mich,
wenn Sie mir bei nächster Gelegenheit etwas ausführlicher antworten.
Ich habe mir mal Ihre Ausführungen zum Stichwort "Sündenfall" und "Adam
und Eva" genauer angeschaut. Ist das nicht auch Spekulation, dass Sie
die Erzählung als Speerspitze gegen die Fruchtbarkeitskulte sehen? Und
alles, was nicht ins Bild passt (das Verbot, die Früchte vom Baum der
Erkenntnis von Gut und Böse zu essen, die Scham, die Vertreibung) als
unwesentliches Beiwerk bezeichnen, wie es eben damals nötig gewesen
sei? Sie schreiben:
"Da hat also ein Gott offensichtlich nichts anderes zu tun, als einem
nackten Menschenpaar den Verzehr von Äpfeln einer bestimmten Sorte zu
verbieten und dann aufzupassen, dass sie dieses Verbot auch befolgen?
Und diese Äpfel haben auch noch die verflixte Eigenschaft, dass man die
eigene Nacktheit als Makel feststellt, sobald man von ihnen gegessen
hat."
Damit stellen Sie den Urtext durch geschickte Auslaussungen in
schlechtem Licht dar. Dort heißt es nämlich (Gen. 2:16f.): "Gott, der
Herr, gebot dem Menschen: "Von allen Bäumen des Gartens darfst du
essen, nur vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du
nicht essen; denn am Tage da du davon issest, mußt du sterben."" Hier
steht das Wesentliche. Vom Makel der Nacktheit jedoch kein Wort.
Und, was man vielleicht oft übersieht, der Versucher sagt keineswegs
nur die Unwahrheit. Er sagt: "O nein, auf keinen Fall werdet ihr
sterben! Vielmehr weiß Gott, daß euch, sobald ihr davon esset, die
Augen aufgehen, und ihr wie Gott sein werdet, indem ihr Gutes und Böses
erkennt." (Gen 3:4-5) Und tatsächlich, nachdem Gott die Blöße der
Menschen bedeckt hat, sagt er: "Ja, der Mensch ist jetzt wie einer von
uns geworden, da er Gutes und Böses erkennt. Nun geht es darum, daß er
nicht noch seine Hand ausstrecke, sich am Baume des Lebens vergreife,
davon esse und ewig lebe!" (Gen. 3:22) Die Nacktheit ist also hier
nicht die Hauptsache, sondern höchstens ein Symptom, die Hauptsache ist
das Öffnen der Augen und die Fähigkeit, zwischen Gut und Böse zu
unterscheiden (s. der Schiller-Text, den ich Ihnen geschickt habe).
Und weiter schreiben Sie: "Und wie soll Gott denn überhaupt auf die
Menschen zugekommen sein, woran erkannten sie ihn? Die Menschen hatten
ja gesündigt, brauchten also Feigenblätter, während er als Gott
natürlich ohne Sünde war. War er selbst also nackt?"
Das das ist aber wirklich grober Materialismus, als ob Gott so ein Mann
mit langem Bart sei, der im Paradies herumspaziert. Nur mit einem
solchen Bild im Kopf kann die Frage entstehen, ob Gott nackt sei.
Ziehen Sie diese Geschichte absichtlich ins Lächerliche, um sie nicht
ernstnehmen zu müssen?
Wo sehen Sie in der Sündenfallgeschichte den Bruch zwischen Liebe und
Sexualität, der angeblich angeprangert wird? Ich kann ihn nicht finden.
Überhaupt geht ja die Übertretung des Gebots der geschlechtlichen
Vereinigung voraus. Die geschlechtliche Vereinigung wird auch nirgends
kritisiert, es ist sogar das Schicksal der Menschen, sich hinfort
geschlechtlich fortzupflanzen - anders kann man Gen. 3:16 nicht
verstehen, wo es das Schicksal der Frau ist, unter Schmerzen Kinder zu
gebären und ihr Verlangen nach einem Mann steht, der über sie herrschen
soll (sic! - so antipatriarchalisch klingt das aber nicht gerade). Man
empfand die Sexualität als etwas Heiliges, Göttliches (kein Wunder,
denn die Entstehung von neuem Leben kann uns immer wieder mit Ehrfurcht
erfüllen), das sieht man in Evas Ausspruch nach ihrer ersten Geburt:
"Ich habe einen Sohn erworben mit Hilfe des Herrn." (Gen. 4:1) Gott ist
also bei der Verkörperung einer Menschenseele wirksam, der Mensch
ermöglicht die Verkörperung durch die Gemeinschaft zwischen Mann und
Frau.
"Mann und Frau waren Gefährten <http://basisreligion.reliprojekt.de/gefaehrte.htm>
in gelungener Einheit von Leib und Seele <http://basisreligion.reliprojekt.de/leibundseele.htm>,
[...] und damit hatte auch der Geschlechtsverkehr <http://basisreligion.reliprojekt.de/ge-verkehr.htm>
nur innerhalb der Ordnung dieses Gefährteseins seinen Raum."
Sie sprechen hier doch nicht etwa vom Paradies? Von Geschlechtsverkehr
im Paradies steht aber kein Wort im AT. Die haben noch nicht einmal
gemerkt, dass Sie nackt waren, man sieht das ja heut noch bei den
"unschuldigen" Kindern, die verbinden mit Nacktheit keinen Sex.
Zwischenbemerkung: Gerade ist mir klar geworden, dass die Verbindung
von Nacktheit und Sexualität doch gegeben ist, auch wenn Sie den
Eindruck vermitteln wollen, dass würde uns nur unsere verklemmte
Gesellschaft anerziehen: Die Nacktheit ist eine notwendige, aber keine
hinreichende Bedingung für den Geschlechtsverkehr. Und es gibt
ansonsten ziemlich wenig Tätigkeiten, für welche die Nacktheit eine
notwendige Bedingung ist. Die Assoziation in unserem Bewusstsein ist
also gerechtfertigt.
Der Sündenfall besteht zuerst mal in einem Ungehorsam, einer
Verbotsübertretung, und alle Schlangensymbolik ändert daran nichts. Die
Schlange hat nicht gesagt: "Vögelt mir zu Ehren!", sondern eben: "Esst
von der verbotenen Frucht, so schlimm wird's nicht sein." Der Abstieg
in die Materie, in die Körperlichkeit und die Sexualität mit ihrer
Möglichkeit der Entfremdung waren nur eine Folge davon. Letztlich muss
es auch in Gottes Sinne sein, dass der Mensch durch die Gottesferne,
durch die Materie geht und das, was er vorher in kindlicher (oder
tierischer, instinktgeleiteter) Unschuld besaß, wieder bewusst
erreicht, auf einer höheren Ebene, nämlich in Freiheit seinem eigenen
Gewissen folgend. Hier bin ich noch nicht zu einem entgültigen Schluss
gekommen, wie diese Ansicht mit dem Gebot an Adam zusammenstimmt. Hat
Gott das eine gesagt und insgeheim das andere gewollt? Oder tritt hier
die Schlange als "Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und
stets das Gute schafft" auf?
Und noch kurz zur Frage "theologisch oder nicht?". Für mich ist das nur
ein Schlagwort; Theologie ist die Lehre vom Göttlichen. Ich will der
Wahrheit möglichst nahe kommen, und da Gott für mich Teil der
Wirklichkeit ist, ist die Lehre vom Göttlichen ein wichtiges
Instrument, um eben diesen Teil der Wirklichkeit zu beschreiben. Und
anstatt sich immer an der Frage aufzuhängen, ob es Gott gibt oder
nicht, sollte man lieber die viel wichtigere Frage behandeln, welche
Eigenschaften er hat, wie die Welt (Kosmos) in geistiger und irdischer
Hinsicht beschaffen ist, welche Wesen in ihr leben und natürlich
welcher Platz und welche Bestimmung dem Menschen in diesem Zusammenhang
zukommt. Genau wie ein Naturwissenschaftler nicht fragt, ob es die
Natur gibt oder nicht, sondern die Zusammenhänge, Kräfte, Stoffe, Wesen
etc. in ihr erforscht. Der Vergleich hinkt ein bisschen, weil die Natur
kein Wesen ist (im Gegensatz zu Gott), aber Sie verstehen, was ich
meine.
Ich nehme auch die Heilige Schrift keineswegs wörtlich (sie
polemisieren ja immer mit den Wörtlichnehmern, die sie Dünnbrettbohrer
nennen). Nur glaube ich, dass man ihr mit Materialismus nun wirklich
nicht gerecht wird.
Ein Beispiel: Die sechs Schöpfungstage. Wer hier nun meint, es sei
wirklich eine Woche in unserem heutigen Sinne gemeint, also sieben
Erdrotationen, der muss sich doch mal fragen, ob die Erde sich
überhaupt drehen kann, wenn sie gerade erst geschaffen wird. Und wo
soll sie sich drehen, wenn der Himmel erst am zweiten und die Gestirne
erst am vierten Tage geschaffen wurden? - explizit zur Zeitmessung.
Davor gab es also noch keine astronomische Zeit, wie wir sie heute
kennen. Die sechs Tage können also nur symbolisch gemeint sein für
lange erdgeschichtliche Entwicklungszeiträume (hier liegt ein Schlüssel
für die Versöhnung von Evolution und Schöpfung).
Viele Grüße,
Berthold L.
Und wieder basisreligion:
Ich sehe die
Nacktheit keinesfalls als Allheilmittel! Ich wiederhole hier nur einmal
kurz: Der wirklich aufgeklärte und reife und selbstbewusste Mensch hat
keine Probleme mehr mit der Nacktheit, für ihn ist sie etwas völlig
Normales und er käme sich komisch vor, irgendwelche Körperteile aus
Gründen der Scham zu bedecken, die ihm doch einfach angewachsen sind.
Die Reife und das sinnvolle Selbstbewusstsein sind also unsere Aufgabe,
dazu gehört natürlich auch das Bewusstsein, dass die Scham eine
irrationale Angst ist, die für wirkliche Reife usw. gar nichts hilft.
Ich habe Ihnen geschrieben (siehe Mailwechsel unter Scham). Natürlich
ist es nicht ganz einfach von den Prägungen, die allerdings
kulturbedingt, loszukommen. Wenn moslemische Männer nach Europa usw.
kommen und hier so leicht bekleidete Mädchen und Frauen sehen, dann
haben sie zunächst auch mal ihre Schwierigkeiten - einfach weil sie das
nicht so gewöhnt sind. Wie es bei den Eskimos genau ist, weiß ich
nicht, doch ich habe einmal gehört, dass die Geschlechtsteile bei den
Frauen nichts besonders tabuisiert sind, aber ihre Zehen. Die gehören
dem Ehemann... Also werden die Männer dann beim Anblick der Zehen
erregt...
Ich finde es
lästig und auch schrecklich, wenn der Anblick von Geschlechtsteilen
"Leidenschaften" auslöst - und sie daher verdeckt werden müssen. Klar,
das gibt es, wenn auch bekannt ist, dass die knappe Kleidung
"spannender" ist, sich vorzustellen, dass da in zwei, drei Zentimetern
viel interessantere Körperstellen sind.... Doch läuft hier nicht etwas
schief? Viel intelligenter wäre doch das Sich-in-die-Augen-Schauen, die
tolle Argumentation einer Frau, ihre tolle geistige Einstellung, das
alles wäre doch nur die Erregung eines intelligenten Mannes wert - aber
die weiblichen "Fettgewebe", die sowieso eines Tages nicht mehr so
ansehnlich sind? Da sollte "man" also doch drüber stehen? Ich kann
hierzu nur mein Rezept empfehlen - nehmen Sie sich eine komplizierte
und aber für Sie wichtige Arbeit mit an einen FKK-Strand und lenken Sie
sich durch die Beschäftigung mit dieser Arbeit ab! Sie werden sehen,
Sie "gewinnen"! Vor allem haben Sie - und das erkenne ich aus Ihrer
Hartnäckigkeit, ja schon einmal einen guten Willen! Siehe auch Legebatteriehennensyndrom!
Und zu der
"Sonderung von Gott": Ich habe hier mit "Gott" meine Probleme, wer ist
das, wer erzählt mir von dem? Ich sehe das anders: Der Mensch hat sich
durch seine Kultur von sich selbst, von der Natur getrennt, also
braucht er jetzt seine Krücken, eben diese "Verklemmungsfetzen". Ich
habe gerade einen Mailwechsel mit einem Vater, dessen Töchterchen (9)
von einem Exhibitionisten belästigt
wurde, und das davon einen Schock bekam. Ich kenne eine Familie, die
mich mit ihren Kindern in meinem Haus am Atlantik besuchen kommt, und
wir diskutieren viel und gehen auch gemeinsam an den Strand. Und das
Töchterchen (7) kam völlig unbefangen auf mich zu und eh ich mich´s
versah, hatte sie mich "unten" angetippt und irgendeinen Kommentar
abgegeben, den ich nicht verstand. Und - gar nichts war... Alles eine
Frage der Einstellung und der Gewohnheit, sowohl bei dem Kind wie bei
mir... Klar, wenn ich ein Kind jeck mache, dann wird es auch jeck.
(Wohlgemerkt: Mit dem Geschlechtsverkehr ist das etwas völlig anderes,
doch davon rede ich ja gar nicht!)
Und wieder zu
Ihrer obigen Mail: Ich muss mich nicht von Gott abnabeln - ich muss
mich nur von dem abnabeln, was irgendwelche Priester (also die
Kulturträger) in Gott hineininterpretieren und dann auch von ihm
erzählen... Und auch so kann ich zu geistigen Höchstleistungen kommen!
Alles andere wäre doch
hirnrissig: Wenn ich erst einmal Fehler machen muss, um dann wirklich
vernünftig zu sein... Schauen Sie mal in das Stichwort "Moralmodell"
- klar, wenn ich ein falsches Moralmodell mitbekomme, dann werde ich
auch falsch handeln - doch wenn es ein richtiges ist, warum sollte
ich dann genauso "falsch" handeln?
Und zu Ihrer folgenden Mail: Sie
kennen
den Spruch: "Fliegt wie eine Ente, sieht aus wie eine Ente,
schnattert wie eine Ente und schmeckt schließlich auch eine Ente -
wird also wohl eine Ente sein..." Jedenfalls passt zu der
Theorie von der Polemik der Adam-und-Eva-Erzählung gegen die
Fruchtbarkeitsskulte doch so vieles, ich mag mich hier nicht
wiederholen...
Ihre Berufung auf
den Text in Ehren - doch sind das nicht irgendwelche zeitbedingten
Formulierungen - und dann auch noch Übersetzungen? Natürlich steckt
dahinter eine Philosophie, eine Theologie der Verfasser, zumal es ja
auch nicht einfach gewesen sein dürfte, sich von den
Fruchtbarkeitskulten abzunabeln? So blöde und primitiv waren deren
Priester ja auch nicht, klar, die hatten auch ihre geistreichen
Begründungen für alles! Wenn ich an den Sex mit einer Kultdirne zur
Erkenntnis der Gottheit denke, dann könnte man schon dazu kommentieren:
"Ha ha, Ihr denkt, Gott zu erkennen - doch in Wirklichkeit erkennt Ihr
nur Gut und Böse...!"
Und wie sollen die damals denn vom Paradies reden? Wir müssen und doch
vorstellen, dass das Paradies nun wirklich keine historische
Angelegenheit ist, es ist die Idee der Verfasser dieser Geschichte, um
den Werdegang des Menschen zu dem Zustand zu erklären, wie er zur Zeit
der Entstehung dieser Geschichte aussah. Na, und bei "heilen,
natürlichen" Menschen ist die Nacktheit kein Problem - auch wenn sie
Sex miteinander haben. Sie gehören eben einander, sie nutzen sich nicht
aus, sie verachten sich nicht, sie sorgen für sich gegenseitig... Da
ist das wie ein gemeinsames schönes Apfelessen... Und wenn diese schöne
Gemeinschaft eben nicht besteht, dann ist das ein problematisches und
daher eigentlich eher verbotenes Apfelessen....
Wir haben doch noch dasselbe Problem: Die Nacktheit gilt als ekelhaft,
daher möglichst schnell zum Sex, der gilt ja als normal! Selbst
Drewermann beschreibt dieses Phänomen in seinen "Klerikern" - er bringt
es allerdings nicht mit der Sündenfallerzählung in Verbindung, sondern
mit einer verfehlten Erziehung....
Ich gehe mit Gott noch weiter. Wieso welche Eigenschaften er hat? Das
ist doch auch eine sinnlose Spekulation. Für mich ist interessant das
"Reich Gottes", denn das ist eine Lebensmöglichkeit und auch
-wirklichkeit.
Sie wissen, ich sehe in der Schöpfungsgeschichte
überhaupt keine Theorie zur Schöpfung - sondern einen geschickten
Schachzug, die Naturgottheiten zu überwinden mit ihren
menschenfeindlichen Kulten...
Eigentlich habe ich das doch alles schon geschrieben???
Tschüs
Ihr M.P.
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