TÄTER UND OPFER
gibt es bei jedem Verbrechen, bei jeder Grausamkeit, bei jeder Ausbeutung, bei jeder Vergewaltigung, aber auch bei jeder Anmache, jedem Reinfallen, jeder Verführung, jedem Zerbrechen einer Liebe.

Für die Täter im Bereich der Mann-Frau-Beziehungen gibt es viele Worte: Triebverbrecher, Mitschnacker (Kinderschänder), Vergewaltiger, Macho, Don Juan, und es gibt auch Frauen, die da den Männern in nichts nachstehen. Zu den Opfern zählen neben den Ausgebeuteten die Enttäuschten, die Verzweifelten, die Vereinsamten (siehe Einsamkeit), die Manipulierten (siehe Manipulation), die Überrumpelten (siehe Überrumplung), die um ihr Glück Betrogenen.

Wenn es um eine Änderung zum Besseren gehen soll, denken wir immer zuerst an Verbote und an den Einsatz von Gewalt, Drohung und Strafen gegen die Täter. Doch damit sind wir im Grunde auch wieder nur Täter. 

Kommt damit jedoch nicht wieder nur genau die Macht ins Spiel, die auch schon Kennzeichen der Täter ist? Sind Verbote und Strafen nicht letztlich immer nur Mittel eines negativen Patriarchats ?Und wie wenig etwa Strafen auf Dauer ausrichten, sollten wir eigentlich wissen, denn es geschehen bekanntlich in den Ländern, in denen es selbst die Todesstrafe gibt (etwa in den U.S.A.), nicht weniger Schwerverbrechen als in den Ländern ohne Todesstrafe - eher sogar noch mehr.

Für eine grundsätzliche Besserung der Verhältnisse sind Gesetze und Strafen gewiss nicht der richtige Weg. Zudem kostet die ganze Organisation der Bestrafung auch sehr viel Geld, zur Zeit bei uns allein etwa 130 € pro Tag je Gefangenem, was die straffixierten und -versessenen Unschuldigen mit ihrer Steuer natürlich auch noch aufbringen müssen. (Dass die Todesstrafe billiger ist, weil sie nur ein paar Mark für die Todesspritze usw. kostet, ist ein Märchen: Mit allen notwendigen Untersuchungen, Verfahren und Prozessen, um etwa ungerechte Tötungen oder gar Justizmorde zu vermeiden, belaufen sich die Kosten einer einzigen Todesstrafevollstreckung in den Vereinigten Staaten auf mindestens 2 Millionen Dollar!)

Und Appelle an die möglichen Täter, doch brav und lieb zu sein und nicht die Naiven und Schwachen auszubeuten, helfen ja auch nichts; außerdem ist es ja meist so, dass die Prediger von Moral, also die typischen Moralapostel, sich mit ihren letztlich nutzlosen Aufmunterungen zur Moral doch nur lächerlich machen. So bleibt ein Macho - auf alle Fälle mit Moralpredigten - immer ein Macho, ein Triebverbrecher ein Triebverbrecher, ein Mitschnacker ein Mitschnacker. Und selbst wenn es einmal gelingen sollte, dass sich auf diese Weise hin und wieder einer der Täter bekehrt, so gibt es doch immer genügend Nachfolger, die nur zu bereitwillig in die Lücke springen und weitermachen. Durch Appelle und fromme Sprüche kann man keine Täter ändern und damit auch nicht das Böse aus der Welt schaffen und das Paradies nie und nimmer erreichen!

 

Die Täter-Opfer-Betrachtung gibt uns nun die Chance, doch noch etwas zu tun! Denn es gibt fast immer eine Beziehung von Täter und Opfer, zumindest wenn man genauer hinsieht, und damit können wir endlich aus unserem Teufelskreis und aus unserer Lethargie herauskommen, aus der heraus wir uns immer nur wie das Kaninchen vor der Schlange gebannt unserem Schicksal ausgeliefert sehen.

 

Es gibt hier vor allem drei Phänomene:

 

1. Täter und Opfer haben sich sozusagen gesucht und gefunden.

So unwahrscheinlich es auf den ersten Blick aussieht, doch es gibt zumindest von übergeordneter Warte her in den meisten Fällen eine Beziehung von Täter und Opfer, und oft genug trägt das einzelne Opfer sogar eine ganz gehörige Portion Mit-Schuld an der Tat. Ohne Menschen, die Opfer sein wollen, gäbe es keine Täter! Bisweilen besteht nämlich eine geradezu magische Anziehung von Täter und Opfer, als ob sie sich gesucht und gefunden hätten.

Wir kennen das Problem der Mitschuld bei der Vergewaltigung. Doch die funktioniert weitgehend anders als nach landläufiger Meinung. Es ist nämlich nicht die aufreizende Kleidung, die zu einer Vergewaltigung motiviert, denn im allgemeinen werden gerade solche aufreizend gekleideten Frauen eben nicht vergewaltigt. Probleme bekommen hier eher zurückhaltende Frauen, die vielleicht einen naiven und unselbständigen Eindruck machen. Es ist so, als ob manche Frauen sozusagen eine unsichtbare Aura um sich haben, durch die "man" sich einfach nicht hindurch traut, gleichgültig wie offen und unbefangen sich diese Frauen nun geben. Doch die Frauen, die diese Aura nicht haben, werden eben die Opfer.

Ein anderes Beispiel ist das, dass Mädchen, die miterleben mussten, wie ihre Mutter von ihrem Vater oder einem anderen Mann geprügelt und/oder vergewaltigt wurde, sich einen Partner "aussuchen", mit dem genau dasselbe wieder passiert, siehe Wiederholung des Schicksals.

Und natürlich trifft gerade auch die Verführung eines Don Juans nicht eine völlig Unschuldige: Denn da gab es doch eine brisante Mischung aus Konzeptlosigkeit, fehlender Menschenkenntnis, Leibfeindlichkeit und Träumereien vom Traumprinzen - und bei passender Gelegenheit konnte das eben nur mit einem Reinfallen enden!

Wem die Ansätze von basisreligion in manchen Dingen etwas derb und direkt erscheinen, der sollte bedenken, dass es darum geht, dass bei dem einen Problem genau diese wirksame Aura bei Frauen verstärkt oder gar aufgebaut wird und bei dem anderen Problem Mädchen bei ihrem Umgang mit Männern und bei ihrer Partnerwahl einige Mechanismen durchschauen und sich entsprechend anders verhalten (können).

Siehe hierzu auch den Mailwechsel mit einem Vater, dessen Tochter (9) von einem Exhibitionisten belästigt wurde. Ja, wie kann der Vater die Täter-Opfer-Beziehung, die es da ja gab, so beeinflussen, dass etwas Positives für die Tochter dabei herauskommt?

 

2. Die Opfer von heute sind die Täter von morgen.

Von ganz besonderer Tragik ist, dass die Opfer von heute zu alledem - ihnen völlig unbewusst - gerade durch ihren besten Willen, etwas zu tun, dass sich ihr Schicksal nicht bei anderen Menschen wiederholt, ganz einfach aus ihrem unaufgearbeiteten Helfersyndrom heraus noch oft genug direkte oder indirekte Täter von morgen sind. Siehe die zweite schematische Darstellung im Stichwort Grundschema!

Wir kennen das Problem insbesondere von den Frauen, die in ihrer Kindheit oder Jugend vergewaltigt wurden und jetzt alles dran setzen und sogar einen Beruf anstreben, in dem sie wirksam sein können, dass den nachwachsenden jungen Menschen genau das nicht mehr passiert. Doch sie erreichen letztlich mit ihrem ganzen Eifer nur, dass sich entweder genau das wiederholt oder dass die jungen Leute andere Fehler begehen, die so ungefähr auf derselben Ebene liegen wie das, was sie eigentlich verhindern wollten. Zu heilen Beziehungen führen jedenfalls gerade sie die jungen Menschen nicht.

Die Ursache ist, dass die erlittene Verletzung oder gar Zerstörung der eigenen Einheit von Leib und Seele und der Hass auf den Täter sozusagen zum Sinn des Lebens wird. Und Verletzung oder Zerstörung und Hass sind nun einmal keine guten Ratgeber, wenn es darum geht, anderen zu helfen. Menschen, denen solches widerfahren ist, sind in höchster Gefahr, jegliches Gefühl für Menschlichkeit, für Glück und Erfüllung (und nicht nur für eigene) zu verlieren und ihrerseits schließlich nur neue Opfer zu produzieren.

Hier sind also eben nicht nur die typischen Zuhälter einzuordnen (die könnte man vielleicht als "direkte Täter" bezeichnen), sondern auch bei uns die Emanzen oder in manchen anderen Ländern die beschnittenen Frauen (siehe Beschneidung), die selbst die gelungene Einheit von Leib und Seele nie kennen gelernt und schon gar nicht erfahren haben und die meinen, dass das normal sei, und andere jetzt genauso verpfuschen, wie sie es selbst sind. Sie sind eher "indirekte Täter", weil sie entweder überhaupt nichts an Idealen und an sinnvollen Lebenskonzepten weiter geben können oder wollen. Schließlich ermuntern viele von ihnen die jungen Menschen sogar noch zu allen möglichen Abenteuern, weil sie glauben, dass allein die Schuldgefühle das Problem seien und sie mit ihrer vermeintlichen Großzügigkeit den jungen Menschen Schuld-Gefühle, unter denen sie selbst leiden, ersparen können.

Hierhin passen auch alle die Probleme mit den berühmten Leichen im Keller - gleichgültig ob verschuldet oder unverschuldet. Sie alle bedeuten immer auch Ängste ohne Aussicht, daraus eine sinnvolle Furcht zu entwickeln, jedenfalls nicht ohne fremde Hilfe. Und Ängste führen allenfalls zu den zwar nervenden, jedoch zumeist untauglichen Ratschlägen für junge Menschen. Was dann eben letztlich genau zu der Wiederholung ihres eigenen Schicksals führt, wenn auch oft etwas anders.

In vielen Fällen lässt sich auch keine genaue Unterscheidung nach "direkten" und "indirekten" Tätern machen, hinter den äußerlich guten Motiven der "indirekten Täter", etwas zum Besseren zu ändern, stehen dann durchaus die schäbigen der "direkten Täter", dass die "nächsten" es nämlich auch nicht besser haben sollen als man selbst. (Passende Literatur dazu ist Aldous Huxleys (1894 - 1963) "Schöne neue Welt": Da wird den schon jungen Menschen jegliche Beziehung zur Liebe "abtrainiert", indem sie geradezu gezwungen werden, so früh wie möglich mit "jedem", mit dem es sich anbietet, intim zu werden.)

In jedem Fall entsteht ein Teufelskreis - und es gilt, genau den damit verbundenen Kreislauf zu unterbrechen! (80 % der Vergewaltiger von Kindern sollen in ihrer eigenen Jugend selbst Opfer von Vergewaltigungen gewesen sein!)

Machen wir also mit Abbau von sinnlosen Ängsten und mit Aufbau von sinnvoller Furcht die möglichen Opfer fit, dass sie gar nicht mehr in die Fänge der Täter kommen!

Anmerkung: Nach allen meinen Beobachtungen muss ich leider sehr stark bezweifeln, dass Menschen, die in ihrem Leben erst einmal Opfer geworden sind, noch für sich selbst oder für andere, also vor allem junge Menschen, noch entscheidende Strategien entwickeln können, wie sie nicht (mehr weiter) Opfer werden können. Sie sind ganz offensichtlich an irgendeiner Stelle immer noch zu sehr in einer Art Scham verhaftet, irgend etwas verbergen und verdrängen zu müssen, auf irgendein Feigenblatt können sie nie verzichten. Und das verhindert immer ein wirkungsvolles Konzept einer Änderung. Um zu einer wirklichen Änderung zu gelangen, ist vermutlich immer eine Zusammenarbeit von Opfern als Informanten und von Nichtverwickelten als Konzeptemacher und Pädagogen vonnöten, die dann gegenüber einer Gemeinschaft junger Menschen auf den Gruppeneffekt bauen.

 

3. Wenn die Täter gleichzeitig Opfer sind.

Eine weitere Überlegung ist die, inwieweit nicht die Täter immer auch selbst gleichzeitig die Opfer sind. Sind nicht in einer Kultur, in der die Frauen unterdrückt und so zu Opfern gemacht werden, indem in ihnen nicht viel mehr gesehen wird als Arbeitstiere und Freizeitgespielinnen (siehe Dienstmagd und Dirne) auch die Männer insgesamt vor allem die Geschädigten, also die Opfer?

Sind diejenigen, die die Frauen so abwerten, nicht auch diejenigen, die selbst darunter zu leiden haben, weil ihnen schließlich wirkliche Gefährtinnen fehlen?

Auch hier ist die Beschneidung der Frauen das passende Beispiel. Allein die Vorstellung von Partnerschaft zwischen Mann und Frau ist in den Kulturen, in der ein solcher Brauch praktiziert wird, völlig fremd (siehe auch unter Gefährten), und auch von der Sexualität haben die Männer dort nicht viel; zu einem Genuss dabei benötigen sie Drogen, weil die Frauen nicht reagieren - von einer Einheit von Leib und Seele in einer ganzen Kultur keine Spur! Überall nur Opfer! Doch praktizieren wir bei uns im Grunde nicht mit unserer Tabuisierung gegenüber jungen Leuten eine vergleichbare (allerdings geistige) Verstümmelung? Sind nicht auch wir hier gleichzeitig Täter und Opfer?

 

Täter und Opfer in den Religionen

Das Problem von Tätern und Opfern ist wohl das Problem der typischen Priesterreligionen schlechthin: Priester sind diejenigen, deren Lebenskonzept sich auf Glauben an überirdische belohnende oder bestrafende Mächte und damit auf einem über-ich-gesteuerten Gewissen, also auf Ängsten, aufbaut. Man hat ihnen das seit frühester Jugend so beigebracht, und sie haben das zumeist mit bester Absicht verinnerlicht - sie sind also Opfer. Und da sie an wesentlicher Stelle in der Pädagogik für junge Leute stehen, geben sie genau das weiter. Sie sind also auch Täter... Ein Ausweg bietet sich eigentlich nur in unserem christlichen Glauben: Die Nachfolge des historischen Jesus...  Siehe hierzu auch das Grundschema von basisreligion!

 

Auswege für normale Menschen.

Nach den Bedingungen für die intelligente Anwendung einer Strategie sollten sich gerade junge Menschen, die noch nicht Opfer geworden sind, einfach anders verhalten. Mädchen und Frauen beispielsweise sollten hier von Anfang an die Chancen ihrer Female Choice und damit ihre Macht erkennen und nutzen. Man (oder frau, wie manche heute auch sagen) kann auch eine Gesellschaft ändern durch Austrocknung, indem sich einfach niemand mehr zum Opfer machen lässt - und es bedarf keiner großen organisatorischen Umwälzung dazu, es ist nur die geeignete Information und vor allem auch eine Überwindung der Leibfeindlichkeit erforderlich, alles andere erledigen die einmal informierten und freien Menschen schon von allein! (Anmerkung: Ja es ist wirklich so, die Überwindung der Leibfeindlichkeit gehört unbedingt dazu! Die Leibfeindlichkeit drängt junge Leute sozusagen mit aller Macht dazu, sie zu überwinden. Und da die harmlosen Wege blockiert sind, etwa das Erlebnis einer Phase der Ästhetik mit einer unschuldigen Nacktheit am Meeresstrand, schlittern sie zur Befreiung mehr oder zwangsläufig in echte Täter-Opfer-Beziehungen.)

Ganz konkret könnten ja auch einmal Mütter versuchen, ihren Söhnen ein Konzept beizubringen, wie sie selbst mit Mädchen als Gefährtinnen umgehen können. Sie könnten da auch einmal von einer nicht ausbeuterischen Sexualität, wie sie sie selbst gerne erlebt hätten und wozu ihnen leider die geeigneten Männer fehlten, ihren jungen Zöglingen vorschwärmen (siehe Enthaltsamkeit und Tantrismus oder auch das Gespräch 9 zwischen Beatrix und Martina)? Was könnten Mütter da ändern, einfach indem sie gegenüber ihren Söhnen nur einmal den Mund aufmachten! Doch vermutlich sitzen für so etwas ihre geistigen Fesseln zu fest (siehe auch Mauern in den Köpfen).

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)