THEOLOGIE nennt man die Gesamtheit der Lehren, die sich mit dem Glaubensinhalt vorzugsweise unseres christlichen Glaubens beschäftigen.

Schon in der Bezeichnung Theologie - wörtlich: Wissenschaft von Gott - liegt allerdings ein Problem: Es dürfte sinnlos sein, Wissenschaft über etwas zu treiben, was man grundsätzlich gar nicht erkennen kann!

Allenfalls götzendienerische Religionen können behaupten, daß eine Erkenntnis Gottes möglich ist oder daß sie diese gar erreicht haben. Doch dürfte das Kennzeichen seriöser religiöser Gemeinschaften sein, daß sie zugeben, daß solche Erkenntnis letztlich Spekulation ist und immer bleiben wird (siehe Wahrheit).

Was wir wirklich überdenken können, sind die ganz konkreten Dinge unseres Menschseins und da vor allem diejenigen des Sinns des Lebens.

Sollte es nun tatsächlich einen uns wohlgesonnenen Gott geben, wird er seinen Wohlgefallen daran haben, wenn Menschen sich gegenseitig helfen, diesen Sinn zu erreichen. Ein anderer Gott interessiert uns ohnehin nicht, und wenn es einen solchen anderen Gott geben sollte, wäre es natürlich besser, auf dessen Gegenseite zu stehen! Denn dann wäre dort die heile, erlöste, bessere Welt zu finden.

Leider ist es nun eine der fragwürdigen Leistungen christlicher Theologie, daß die Botschaft Jesu im Laufe der Zeit mit den Gedanken der Gnosis und anderer Weltanschauungen bis zur Unkenntlichkeit verfilzt wurde (siehe etwa Fronleichnam). Sie verkam dadurch recht bald zu einer typischen Religion, bei der das irrationale Verhältnis zwischen Mensch und Gott mehr interessierte als wirkliche Lebenshilfe.

Einzelne Fragen dieses Verhältnisses zwischen Gott und Mensch wurden schließlich Anlässe für Lehrsätze der Dogmatik.

Wenn wir uns zum Beispiel die Texte unserer kultischen Feiern (Gottesdienste) anhören, werden wir schnell feststellen, daß es vor allem darum geht, daß Gott uns unsere (begangenen) Sünden vergibt (siehe Vergebung). Interessant scheint also erst der sündige, der gefallene Mensch zu sein, der einen wirklichen Sinn im Leben nicht erreicht hat und auch nicht mehr erwartet. Ihn kann man jetzt mit einem neuen Sinn aufbauen! Daß ein Mensch durch die Erlösung Jesu grundsätzlich einmal einen letzten innerweltlichen Sinn hier im Leben erfahren und dazu vor dem diesen Sinn zerstörenden Sündigen geschützt werden kann, scheint niemand mehr ernsthaft in Erwägung zu ziehen oder gar zu erwarten. Hartherzigkeit pur...

Und im Zusammenhang mit dieser Verzerrung der Botschaft Jesu geht es jetzt in unserer Theologie weitgehend nur noch um ein Ausbildungsfach zur Heranbildung von Geistlichen und Religionslehrern der verschiedenen christlichen Konfessionen.

Erkenntnisse werden allenfalls als Gelegenheiten gesehen, solche Probleme aufzugreifen, die doch keinem der Betroffenen so recht weh tun, Bücher zu veröffentlichen, Titel zu erwerben und auf der Stufenleiter des kirchlichen Establishments höher zu steigen.

Das mag die Ursache dafür sein, daß Deutungen wie die von der Adam-und-Eva-Erzählung (als Angriff auf die kultische Prostitution) und von einem gegen die Establishment-Mafia seiner Zeit kämpfenden Jesus völlig verdrängt werden und so die Beschäftigung mit der ganzen Theologie auch ohne Konsequenzen für unser menschliches Leben bleibt. Eine Änderung ist ja auch gar nicht beabsichtigt - welches Establishment sägt schon gern an dem eigenen Ast? Die Theologie ist somit zu einer Hofwissenschaft verkommen, es werden - von Ausnahmen einmal abgesehen - nur Bestätigungen für das erforscht, was "oben" gebraucht wird...

Dabei ist dringender Bedarf für wirklich sinnvolle und unbedingt notwendige Wissenschaft gegeben: Die Fragen nach Gut und Böse, nach der Einheit von Leib und Seele und nach Emanzipation und Freiheit, nach Erziehung und Manipulation sind alles Fragen, die den Sinn des Lebens betreffen und damit zutiefst theologisch sind und auf eine Lösung warten.

Im Grunde wäre es Aufgabe der Theologie, dabei falsche Götzen zu entlarven, das wirkliche Anliegen der Botschaft Jesu zu erforschen und herauszustellen und zu versuchen, es in einer Gemeinschaft in der Nachfolge Jesu zu verwirklichen. Je näher wir der Erfüllung dieses Anliegens kommen, desto attraktiver dürfte wahrscheinlich die Beschäftigung mit Theologie werden - möglicherweise sogar für heute noch abseits Stehende.

In der Website basisreligion wird nun an einer Basistheologie gearbeitet, die diese Rückkehr zum Anliegen Jesu leisten soll. In gewisser Weise wird in der Konzeption dieser Theologie sogar das Schema der Theologie des Paulus gemäß Römer 5,12ff zum Vorbild genommen, allerdings etwas anders. Siehe dazu auch unter Weltbild des Konzepts basisreligion.

Checken Sie Ihre Theologie, ob sie noch für den Menschen da ist!

Denn zu den Ergebnissen einer stimmigen und auf den Menschen abgestimmten Theologie müßte man auch auf anderen Wegen kommen, etwa auf denen von basisreligion. Doch wenn andere Wege von vornherein gar nicht interessieren, wenn jegliche Streitkultur fehlt, dann ist das wohl ein Indiz, daß die Theologie Selbstzweck geworden ist - und vermutlich ein lebensfremder, eben eine "Konstruktion im Wasserglas". Dann also mit ihr auf den Kehricht!

Zum Unterschied von traditioneller Theologie und derjenigen, die sich am historischen Jesus orientiert, siehe unter basisreligion!

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)