TOD ist das Ende des Lebens einer Zelle, eines Organismus, einer Existenz. Besonders schmerzlich ist der Tod eines geliebten Menschen.

Da der Tod oft etwas Unverständliches und Unheimliches, etwas Unfaßbares und Unbeschreibliches ist, wird er nur zu gern verdrängt.

Man will ihn einfach nicht wahrhaben. Die seit alters her immer wieder praktizierte Methode des Nichtwahrhabenwollens ist die der Leugnung des Todes: Man sieht ihn nicht als Ende des Lebens, das schlicht und einfach akzeptiert werden muß, sondern nur als Zwischenstufe zu einem neuen, endgültigen und eigentlichen Leben. Und diese Sicht ist vor allem Inhalt und Trost aller typischen Religionen! Da wird dann den Gläubigen ein Leben nach dem Tod versprochen, das zwar einerseits in ihrem diesseitigen Leben Hoffnungen, andererseits jedoch auch Ängste bedeutet. Und um diese Hoffnungen und Ängste aufzufangen (die ja vor allem von den Priestern unterstützt und auch noch aufgebauscht wurden), gibt es dann auch überall die entsprechenden Totenrituale.

Ursprüngliches Ziel des Monotheismus war es nun, diesen Betrug der Religionen an den Menschen zu entlarven und sie sozusagen auf den Boden der Wirklichkeit hier und jetzt zurückzubringen.

Und so ist auch im ursprünglichen jüdischen Glauben nicht die Beschäftigung mit dem Tod und das, was angeblich danach kommt, Ziel des Glaubenslebens, es geht also nicht um eine Unsterblichkeit einer Seele mit oder ohne Leib, sondern vielmehr um das hier und jetzt einmalige Leben und um dessen Gelingen in einer wunderbaren Einheit von Leib und Seele. Mit Tod wird in dieser Weltanschauung deshalb auch sehr oft nicht das Ende des Lebens bezeichnet, sondern das Zerbrechen dieser Einheit von Leib und Seele. Ganz gewiß ist dies so in der Adam-und-Eva-Erzählung gemeint, wenn Sünde und Tod hier in eine Beziehung gesetzt werden. Ist denn die wirkliche Sünde nicht auch eine Art Tod? Vielleicht können wir uns einen solchen seelischen Tod am Beispiel wohl der meisten Selbstmörder vergegenwärtigen: Bevor diese sich umbringen, war doch schon längst ihre Einheit von Leib und Seele tot, befanden sie sich nicht in einer aussichtslosen, verzweifelten Lage ohne Hoffnung, ohne Lebenssinn, waren sie sich nicht sozusagen schon längst kaputt oder fühlten sie sich wenigstens so? Und die Erlösung von diesem Tod der Einheit von Leib und Seele ist es auch, worum es einem wirklichen christlichen Glauben an Erlösung und Paradies geht. Den Tod des Körpers (und auch der Seele, wenn man so will) wird es in diesem Paradies natürlich weiter geben, aber er wird nicht mehr so schmerzlich sein, weil er nicht Abbruch eines falsch gelaufenen und daher unbefriedigenden Lebens ist, sondern Abschluß eines erfüllten oder zumindest auf Erfüllung ausgerichteten Lebens, ganz gleich, wann er eintritt. Wirkliche Christen haben somit nicht mehr die alles verkrampfende Vorstellung, etwas im diesseitigen Leben falsch Gemachtes und durch eigene Fehler Verpaßtes in einem weiteren Leben nachholen zu müssen.

Leider ist das ursprüngliche Konzept unseres Glaubens schon im Laufe der ersten christlichen Jahrhunderte unter anderem unter dem Einfluß der Gnosis verloren gegangen.

Und zwar geschah das in dem Maße, wie es nicht mehr gelang, den Menschen eine diesseitige Einheit von Leib und Seele so überzeugend nahe zu bringen, daß sie auch danach leben konnten. Als Ersatzvertröstung sickerten dann zum Schaden der Gläubigen und auch aller Menschen, die sich nach einem revolutionierenden Glauben sehnten und noch immer sehnen, wieder die heidnischen Konzepte (oder eben die Konzepte einer typíschen Volksreligion) mit der Vorstellung eines Weiterlebens nach dem Tod in unseren christlichen Glauben durch. Es wird uns nicht ganz leicht fallen, so schnell zum ursprünglichen Sinn der Idee der christlichen Befreiung vom Tode als vom Tode der Seele zurückzukehren. Zu lange und zu intensiv wurde uns ein Weiterleben des Körpers nach dem Tod versprochen, so dass wir dies schließlich auch sehr oft als den Sinn des Lebens schlechthin empfinden. Und es gilt ja trotz aller unser angeblichen modernen Aufgeklärtheit (siehe Aufklärung) immer noch lange nicht das als richtig, was nach sachlichen und logischen Überlegungen stimmig ist (siehe Plausibilität), sondern was schon immer so war. Um die Dimension eines vom seelischen Tod befreiten Lebens zu ermessen, sollten wir uns einmal vorstellen, was auf unserer Welt alles anders und besser sein könnte... Wäre unsere Welt dann nicht schon das Paradies? (Wörterbuch von basisreligion)