TODESSTRAFE. Es gibt viele Gründe für ein Strafe: Gerechtigkeit, Sühne, Besserung, Wiedergutmachung, Schutz der Gemeinschaft vor einem Verbrecher...

Befürworter der Todesstrafe sollten sich fragen, ob die Todesstrafe das alles leistet, also den Zweck als Strafe erfüllt - oder steckt in ihnen selbst doch eine gehörige Portion Sadismus oder eine Art Rachegefühl, das sie anderweitig nicht ausleben können und von dem her sie so versessen auf die Todesstrafe sind?

Wenn Todesstrafenbefürworter darüber hinaus noch ausmalen, was der Täter eigentlich verdient hätte und wie er gequält und gedemütigt werden müsse, dann denkt der psychologisch gebildete Zuhörer: "Wer so redet, der ist ja noch schlimmer als der Verbrecher, er würde das am liebsten selbst tun, Gott sei Dank ist er zu spießig, das in die Tat umzusetzen. Doch Gnade uns Gott, wenn einmal ein Tyrann kommt, der solche Folterknechte braucht, dann findet er leicht welche, wie zum Beispiel diesen Todesstrafenbefürworter..." Das Problem der Todesstrafe ist also vielleicht das Problem der Todesstrafenbefürworter?

Abgesehen von der Problematik der Todesstrafenbefürworter: Kann Todesstrafe in gewissen Fällen nicht doch angebracht sein? 

Das wichtigste Gegenargument können wir vielleicht leichter an einem Vergleich mit der Prügelstrafe erkennen: Wo ist ein Unterricht mit  Kindern und Jugendlichen einfacher, wo braucht es weniger qualifizierte Ausbildung der Lehrer: In Gesellschaften, in denen es die Prügelstrafe gibt oder wo sie es nicht gibt? Die Lösung ist doch eigentlich klar: Mit Prügelstrafe ist der Unterricht viel einfacher: Im schlimmsten Fall braucht der Lehrer da nur anzuordnen, was gelernt werden muß, er braucht es gar nicht mal gut zu erklären oder auch überhaupt nicht - und wer es in der Klassenarbeit nicht kann, der wird verprügelt. Sollen die Schüler doch sehen, wie sie zu ihrem Stoff kommen - und sie werden irgendetwas schon leisten, aber aus Angst. Und für einen solchen "Unterricht der Gewalt" ist eine richtige Ausbildung eigentlich gar nicht notwendig, Hauptsache der Lehrer weiß, mit der "Peitsche" umzugehen. Dagegen ist alles in einer Gesellschaft ohne Prügelstrafe viel komplizierter: Was muß dort ein angehender Lehrer alles lernen, bis er auf die jungen Leute losgelassen wird! Allein drei Jahre dauert die Referendarzeit! Schließlich soll der Lehrer ja die jungen Leute motivieren und interessieren und systematisch belehren können, so daß die Schüler auch noch gerne lernen, und wenn das nicht gelingt, dann ist schließlich auch noch der Lehrer schuld! 

Haben wir nicht bei der Todesstrafe ein ähnliches Problem vor uns?

Anmerkung: Der Vergleich mit der Prügelstrafe findet sich auch in Thomas Morus´ "Utopia", Reclam 513, 1990, S. 24.

Wo ist eine Disziplinierung der Menschen, keine Straftaten zu begehen, eigentlich einfacher? In einer Gesellschaft, in der schwer bestraft wird bis hin zur Todesstrafe, oder in einer Gesellschaft, wo am besten überhaupt nicht bestraft wird?

Bedenken wir weiter: Der Staat hat das Erziehungsmonopol und sollte eigentlich für die Ergebnisse seiner Erziehung "gerade stehen". Doch das tut er nicht: Diejenigen, bei denen die Erziehung nicht gelungen ist, werden eben bestraft - bis hin zur Todesstrafe. Als ob man fehlende Moral mit Gesetzen durchpeitschen könnte! Wo ist der Unterschied zur Prügelstrafe, außer dass alles hier noch viel krimineller ist? 

Vermutlich kann allerdings der Staat allein eine vernünftige Erziehung gar nicht leisten, zumal es sich um moralische Werte handelt, die den Menschen beigebracht werden müssen. Hier sind die Religionen gefragt, doch was ist, wenn die sie auch nicht zuständig sehen, sondern nur für den Trost und für die Vergebung? Das Konzept basisreligion ist jedenfalls ein anderes!

Die Problematik wird noch brisanter, wenn man bedenkt, daß in den U.S.A., in denen die Todesstrafe in manchen Staaten zum Rechtssystem gehört, die Verbrechensrate in den Staaten, in denen sie verhängt wird, keineswegs geringer ist als in den Staaten, in denen sie nicht verhängt wird. Und dann weiß man auch längst, daß sie eine typische "Siegerjustiz" ist: Wenn ein Schwarzer in Arizona ein todeswürdiges Verbrechen begeht, bekommt er sozusagen immer die Todesstrafe, wenn ein Weißer in New York desselben Verbrechens schuldig wird, bekommt er sie wahrscheinlich nie... Siehe auch Mißbrauch mit dem Mißbrauch!

Besonders problematisch ist die Praxis der Todesstrafe in Ländern, die es mit den Menschenrechten noch weniger genau nehmen als die Amerikaner. Es sei hier auf den Beitrag "Angebliches Mordopfer lebt noch - Elf Jahre saß ein Chinese als Mörder seiner Ehefrau im Gefängnis - jetzt tauchte sie wieder auf"  von Johnny Erling in der WELT vom Dienstag, 5. April 2005 verwiesen. Vollständige Url. des Artikels: http://www.welt.de/data/2005/04/05/621821.html.

Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)