Mit TUGEND bzw. TUGENDEN bezeichnen wir sittlich hervorragende Eigenschaften im Sinn einer einwandfreien, vorbildlichen Haltung. Tugend hat etwas mit Vernunft, Einsicht, Realitätsbewußtsein, Menschenkenntnis und Zivilcourage zu tun.

Im Abendland entwickelte sich die Vorstellung von den vier Kardinaltugenden Klugheit (oder auch Weisheit), Gerechtigkeit, Tapferkeit (oder auch Zivilcourage) und Maß (oder auch Besonnenheit), die in sich einen Wert haben. Daneben gibt es die sogenannten Sekundärtugenden, die nur in Beziehung auf die Kardinaltugenden von wirklichem Wert sind und ansonsten unter Umständen das Böse durchaus noch verstärken können. Bekannt ist die Problematik des „Gehorsams“, auf den sich die Mörder von Ausschwitz oder auch die Todesschützen an der innerdeutschen Grenze beriefen. Doch die Problematik der Sekundärtugenden geht auch uns etwas an, denken wir daran, dass die meisten Menschen unter Moral eben nur eine veräußerlichte im Sinn von Sittsamkeit verstehen, etwa in Form der (Sexual-)Scham.

Ein naiver, dummer Mensch, der von den Zusammenhängen im Leben keine Ahnung hat, kann also überhaupt nicht tugendhaft im Sinne der Kardinaltugenden sein.

Dabei denkt der tugendhafte Mensch nicht nur an sich selbst, an sein eigenes materielles und menschliches Glück, sondern er weiß auch, daß er dieses Glück nie und nimmer auf anderer Menschen Kosten erreichen kann. Daher hat er auch stets seine Mitmenschen im Auge, denen er auf keinen Fall durch sein Verhalten irgendeinen Schaden zufügen möchte (siehe Egoismus - Egozentrik).

Leider ist der Begriff TUGEND heute zumeist so veräußerlicht oder auch in Richtung „Sekundärtugenden“ verbogen, daß es schon fast als Schande gilt, tugendreich zu sein, insbesondere im Bereich der Beziehungen zwischen Mann und Frau. So stellen wir uns unter einem tugendreichen Mädchen ein fades, langweiliges, zugeknöpftes Mauerblümchen vor, dem man die fehlende Lebenslust schon von weitem ansieht. Da solche Art Tugend wirklichkeitsfremd und daher auch nicht überzeugend ist und somit in einer entsprechenden Lebenssituation (etwa bei einer Anmache) eigentlich immer ziemlich schnell bricht, kann von wirklicher Tugend nicht die Rede sein, es handelt sich lediglich um eine Art Sklavenmoral. Wirkliche Tugend erweist sich vor allem dadurch, daß sie eben nicht gebrochen werden kann, ja dass sie sogar so überzeugend ist, daß sie wie ein Funke auf andere überspringt.

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)