Einer ÜBERRUMPELUNG scheinen wir oft hilflos ausgeliefert ("man ist einfach perplex"), und gerade in Situationen, die etwas mit den Gefühlen zu tun haben, also durchaus auch in der Sexualität und in der Erotik, kommt es dadurch bisweilen zu ausgesprochenen Fehlentscheidungen.

Dabei scheint es sich im Hinblick auf den Bereich der Gefühle um ein typisches  "Dampfkesselproblem" zu handeln: Wenn sozusagen alle Ventile durch Verbote, Ängste, Tabus, durch Ekel und (Sexual-)Scham und durch Verdrängungen verstopft sind und es gleichzeitig zu einem Druckanstieg kommt, wie er ja mit der Entwicklung unserer Hormone gerade in unserer Jugend geschieht, dann kann es sozusagen zu einer Kesselexplosion kommen - oder eben zu einer Überrumpelung. Die Überrumplung ist also vor allem erst einmal die Quittung für die ganze bisherige Leibfeindlichkeit und Verklemmtheit und angstbestimmte Menschenkenntnis. Dabei dreht es sich nicht nur um plattes Ausleben (siehe Hedonismus), gerade die Wege zu einer vernünftigen Lösung aus dem Geist heraus sind im allgemeinen blockiert, die sonst gewiß möglich wären.

Das bedeutet dann auch, daß wir im Grunde nie von einem anderen, sondern immer von uns selbst oder besser von unserem eigenen Unvorbereitetsein überrumpelt werden. Je mehr wir beispielsweise meinen, daß uns eine erotische oder sexuelle Leidenschaft nicht "passieren" könnte und wir daher die ganze Thematik mit einem Tabu belegen, um so mehr "erwischt" es uns dann irgendwann doch einmal: Wir lechzen geradezu nach einem Erlöser, der uns von der ganzen unnatürlichen Leibfeindlichkeit befreit. Und das Problem in einer solchen Situation ist schließlich auch noch unsere bisherige angstbestimmte Menschenkenntnis, die jetzt gar nichts mehr hilft. Unsere Sexualität ist nun einmal ein ganz wesentlicher Bestandteil unserer menschlichen Natur und die Natur läßt sich nun einmal nicht abwürgen, indem man sie tabuisiert.

Mauern in dem Köpfen sind auch immer Staumauern.

Wir können dies alles auch als ein Problem des Horror Vacui in unserer Seele sehen, des Zustands des Schreckens vor der Leere, was unsere menschliche Veranlagung zu denjenigen besonderen Rauscherfahrungen betrifft, die mit der Sexualität nun einmal verbunden sind. Daher sollten wir endlich begreifen, daß wir alle einfach süchtig nach solchen Erfahrungen sind, ob wir wollen oder nicht, und daß diese Tatsache nicht einfach durch Leugnen und Verschweigen oder eben durch Leibfeindlichkeit und Verklemmtheit aus der Welt zu schaffen ist.

Es wäre nun eine merkwürdige Laune und ein arger Konstruktionsfehler der Natur, wenn wir gerade denjenigen Dingen, die für unser lebenslange Gemeinschaft mit einem Partner von größter Bedeutung sind, sozusagen machtlos dem Zufall ausgeliefert sind. Natürlich: Mit Ängsten und Tabus ist eben gewiß nichts zu machen, zumal die immer blind machen und in einer Überrumplungssituation mit allerlei Rationalisierungen üblicherweise sehr schnell vom Tisch gefegt werden. Denn das Problem der Überrumplungen scheint zu sein, daß Menschen, die sozusagen im Dunkeln tappen, dazu neigen, aus einem recht unausgegorenen Gefühl heraus zu handeln, wie sie ihre Vorurteile interpretieren, weil sie keine genauen Informationen über etwas haben und auch keine Alternative kennen und sich dessen jedoch nicht so recht bewusst sind.

So haben sich alle Methoden in der Erziehung, durch Verweigerung von Informationen und statt dessen etwa mit Ängsten wie der Leibfeindlichkeit (also etwa der Sexualscham) einer Überrumpelung vorzubeugen, so oft als derart nutzlos erwiesen, daß es schwer fällt, noch Gutwilligkeit anzunehmen, wenn gerade Pädagogen immer wieder meinen, Moral sei nur auf diese Weise zu erreichen (siehe Dummheit oder Böswilligkeit und auch Moralapostel).

Die häufig genug in allen Kulturen den jungen Menschen dazu noch anerzogenen Verbote oder auch nur  Mauern in den Köpfen haben nun bei alledem noch die verhängnisvolle Eigenschaft, daß sie alle notwendigen verstandesmäßigen Einsichten und damit auch die Entwicklung von aussichtsreichen Strategien verhindern (Anmerkung: die sinnvollste Strategie finden Sie unter Kybernetik). Große Gefühlsregungen - und die kommen ja irgendwann doch einmal - durchbrechen jedoch im allgemeinen stets fast widerstandslos die mit diesen Mauern in unseren Köpfen gegebenen Sperren. Und hinterher sind die Schwierigkeiten da, wenn es etwa um ein zerstörtes Jungfernhäutchen geht, nicht nur im Islam ein großes Problem!

Natürlich gibt es Möglichkeiten, klaren Kopf zu behalten. Nur: Man (oder frau) muß das auch wollen!

Um konkret zu werden: Es ist so etwa weitgehend unmöglich, einen jungen Menschen in der entscheidenden Phase der Pubertät oder danach mit Vernunftgründen zu etwas absolut Harmlosem, wie etwa unschuldiger Nacktheit an einem entsprechenden Strand zu bewegen, weil das eine intellektuelle Gehirnleistung erfordert, für die die Mauern in den Köpfen jedoch eine sichere Sperre darstellen. Doch einen enttäuschenden Geschlechtsverkehr, den beginnt er viel leichter, weil der über eine Aufwallung der Gefühle zustande kommt, für die die Mauern in den Köpfen nun einmal in der Geschichte der Menschheit noch nie wirkliche Barrieren gewesen sind.

Eine lebensnahe und dazu noch psychologisch höchst geschickte Anleitung, wie wir einer Überrumpelung vorbeugen könnten, finden wir in der Adam-und-Eva-Erzählung. Den Menschen in dieser Geschichte wird ja gesagt, daß sie von vornherein die erlaubten Früchte in ihr Lebenskonzept einplanen sollten, daß also keinesfalls alles verboten ist. Allerdings handelte es sich bei dem konkreten Pärchen eben um ein Paar der kultischen Prostitution, und hier gelten nun einmal (auch heute noch) andere Gesetze als für unschuldige junge Menschen. Und so kam auch das mit den erlaubten Früchten nicht an und damit auch nicht, wie das etwa mit dem "Daranrühren" auszulegen ist. Und das spielte dann auf dem Weg zum Scheitern eine verhängnisvolle Rolle. Jedenfalls störte sich offensichtlich niemand daran, auch nicht Gott, so wie die Verfasser der Geschichte ihn sahen, an ihrem Nacktsein, das schien also selbstverständlich gewesen zu sein.

Eine Übertragung der Adam-und-Eva-Erzählung in unsere heutige Zeit würde bedeuten, daß auch wir uns an den erlaubten Früchten erfreuen sollen!

Das heißt aber auch, daß wir geeignete Sollbruchstellen kennen und also die erlaubten von den unerlaubten Früchten zu unterscheiden gelernt haben, daß wir also die Früchte des Baumes "in der Mitte des Gartens" meiden sollten, womit ja nach der hier vertretenen Interpretation derjenige Intimverkehr gemeint ist, der nicht im Zusammenhang mit immerwährenden Gefährtesein gegeben ist. Von unseren Überlegungen zu den Hormonen wissen wir nun, daß es nicht nur solche Hormone gibt, die für eine Art Rausch bei der Befriedigung (mit oder ohne Intimverkehr) zuständig sind, sondern auch solche, die bei bewußter Enthaltsamkeit als Anti-Streß-Hormone gebildet werden, wenn trotz höchster Anspannung auf jegliche Befriedigung und natürlich auch auf Intimverkehr verzichtet wird. Auch diese Hormone können dann eine Art Rausch bereiten, der dann jegliche weitere Verlangen nach einem Rausch in Richtung Befriedigung sozusagen neutralisiert.

Folglich könnte es in der Absicht der Verfasser der Adam-und-Eva-Erzählung gelegen haben, denen wir ja zumindest sinnvolle Ahnungen in denselben Dingen zutrauen dürfen, die auch uns heute bewegen, daß wir uns um die Bildung der Anti-Streß-Hormone ganz bewußt kümmern - und wegen des Rauschs, der dabei entsteht, dann den "Horror vacui" vermeiden und damit erst einmal "immun" gegen Überrumpelungen werden, wir sind ja schon erfüllt oder "wissen" zumindest, wo es entlang geht! Das, was etwa im Gespräch 9 zwischen Beatrix und Martina das Thema ist, dürfte also so ein Weg sein! Und na ja, man kann ja auch aus dem Petting etwas machen - siehe auch Gespräch 16 zwischen Beatrix über Martina über Petting - aber richtig!

Wer sich also wirksam gegen eine Überrumpelung durch seine Gefühle schützen will, muß Alternativen kennen und wird von daher ganz bewußt unverfängliche Hormonerfahrungen anstreben. Wissenskraft statt Willenskraft!

Nehmen wir einmal ein Mädchen, das als kleines Kind begeistert mit dem Vater nackt herumgetollt hat und dabei auch auf seinen Schultern geritten ist. Und wenn dieses Mädchen dann später (im Kinderunterricht, siehe etwa Erstkommunion) von den Problemen der Enttäuschung und von dem Gespräch 2 zwischen Felix und Alexander erfährt, ob es dann nicht einmal zuerst mit Jungen so unbefangen herumtollen will wie mit dem Vater früher einmal? Und ob es nicht skeptisch wird, wenn Jungen das nicht wollen, und also gegen eine Überrumplung besser gewappnet ist, als wenn es das alles nicht erlebt hat?

Und wenn der, der das nicht erlebt hat, dennoch vor Überrumplungen gefeit sein möchte, dann muß er sich auf die natürlichen Mechanismen besinnen und wissen, daß sich etwa Scham- und Ekelgefühle im Fall einer Verliebtheit automatisch umkehren und eine innere Spannung nicht nur einfach vergrößern, sondern sogar ins nicht mehr Aushaltbare steigern. So wird er also versuchen nachzuholen, was in der Kindheit nicht geschehen war, und schon in einer Zeit, in der er nicht unter Gefühlsdruck steht, gegen Ängste und Tabus von seinem Bewußtsein her bei sich angehen (siehe Nacktheit). Natürlich wird er dabei diejenigen gegenseitigen Berührungen oder andere Angebote vermeiden, die auf eine Befriedigung hinauslaufen (man hat da schnell entsprechende Erfahrungen!), denn die könnten die guten Absichten wieder schnell zunichte machen!

Bei vielen Menschen scheinen allerdings die Mauern in den Köpfen zu fest zu sein, etwas ungewohntes Harmloses zu tun, während sie von ihrem Gefühl her sich dann nur zu bereitwillig auf etwas unvergleichlich Problematischeres einlassen. Sie müssen dann wohl den bitteren Weg der Erfahrung gehen. Zur Überrumpelung im Zusammenhang mit Vergewaltigung siehe dort!

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama) Computer-Übersetzung des Buchs HONESTY AND FUN WITH THE MORALITY ins Englische unter English !