VERARSCHUNG. Ich habe lange gesucht nach einem genauso passenden, aber “anständigeren” Wort! Ich habe keines gefunden. Auch der "Thesaurus" des Computers, der sonst immer alles weiß, hat da nur das Wort „Verharschung“ im Angebot, doch das ist ja nun wirklich etwas völlig anderes. Es gibt auch nichts für die Verbform "verarschen", Fehlanzeige.

Das Wort wird im Wesentlichen weder von “Verschaukelung” noch von “Verhöhnung” noch von "an-der-Nase-herumführen" noch von "Verachtung" getroffen, es enthält nämlich alles zusammen und noch mehr: Verschaukelung und Verhöhnung und an-der-Nase-herumführen und Verachtung gleichzeitig und dazu noch Öffentlichkeit, auch andere sollen davon erfahren und sich amüsieren, und vielleicht auch noch Profit von dem Schaden haben, den der Verarschte dabei hat.

 

Also: Zuerst wird jemandem unter Ausnutzung seiner Naivität etwas Falsches (vom Klapperstorch) erzählt oder jemand wird in einem falschen Glauben gelassen, was auf dasselbe hinausläuft.

 

Und wenn dieser Jemand sich dann auf diesen falschen Glauben eingelassen hat und erwartungsgemäß reingefallen ist und sein Wertobjekt sinnlos verplempert hat, dann macht man sich auch noch lustig über ihn. Und schließlich bietet man ihm auch noch Hilfe an, die den Helfer allerdings nicht nur nichts kostet, sondern ihm sogar noch Gewinn bringt, und die der arme Schlucker in seiner Not begierig ergreift und die ihm in Wirklichkeit doch nichts hilft! Was er natürlich wegen seiner Naivität alles nicht durchschaut. Geniales System - siehe auch Mafia!

 

Es dreht sich doch nur um  Kavaliersdelikte...

 

Dabei ist sehr oft eine solche Verarschung nicht das Werk eines einzelnen, viele sind beteiligt, ja ganze Kulturen, und sehr oft hat sie sogar eine Beziehung zur Sexualität, ein Gebiet, das sich wegen der üblichen Tabus vorzüglich eignet. Schauen wir uns einmal die Episode im Stichwort Recht der ersten Nacht an. Alle wissen es, was das Mädchen erwartet, doch man läßt es im Unklaren, und alle amüsieren sich hinterher, wenn das Mädchen schwanger wird und an irgendeinen Gutsangestellten verkuppelt wird. Und der “Verursacher” nutzt seine Macht und spart sich so die Alimentenzahlung. Daß das diesmal tragisch endet, war natürlich nicht vorgesehen und trübte den Spaß der Leute auf dem Gut und dabei auch der Mitwisser schon ein wenig, doch recht schnell ist das vergessen und übrig bleibt eine Episode für den Wirtshaustratsch – es war eben nur ein Kavaliersdelikt.

 

"Gut" oder "falsch", kann hier der Kritiker sagen, immerhin geschah das von Seiten des Mädchens nicht freiwillig. Doch darauf kann man entgegnen: Wie ist das in dem Bericht von dem "Mädchen, das da abgetrieben hat" (siehe im Stichwort Kindererziehung) oder in dem Gespräch über die jungen Damen, auf die sich das Gespräch 2 bezieht - die Freiwilligkeit kann man schließlich auch manipulieren (siehe Manipulation) und die Verarschung findet dann sozusagen mit verteilten Rollen statt!

 

Der aufmerksame Leser weiß inzwischen längst, daß hier die Religionen (oder besser die typischen Priesterreligionen) angegriffen werden.

 

Denn sie lassen keinen Trick aus, Menschen von Kind an naiv zu machen oder sie in ihrer Naivität zu belassen, sie fühlen sich nicht zuständig für die menschlichen Fehlentscheidungen und Verirrungen und für das Leid und den Kummer, die sich daraus ergeben, und die dann noch mit für sie billigen Ablenkungsmanövern wie Vertröstungen wie der Vergebung einer Gottheit und der Aussicht auf ein illusorisches Leben nach dem Tod ihre Geschäfte machen und ihren billigen und primitiven Spaß haben.

 

Es sei hier auf die auch im Stichwort Priesterreligion zitierte Passage aus der FAZ unter Hinduismus zur Tempeldirnenweihe junger Mädchen in Indien hingewiesen: Die Priester wissen um das Schicksal der jungen Mädchen. Aber: „Wir müssen unseren Lebensunterhalt verdienen", sagen sie, „wir sind dazu da, religiöse Riten zu vollziehen, und dazu gehört die Devadasi­Weihe." Und der Leser weiß auch, dass unser christlicher Glaube von der Idee des Stifters Jesus her einmal die Religionskritik schlechthin war, solche unmenschlichen und sogar kriminellen Religionen zu zerstören (siehe kriminologischer Ansatz), doch es die Tragik auch dieses Glaubens ist, selbst in die Fußstapfen solcher Religionen getreten zu sein und dabei die Liebe zerstörenden Zustände laufen zu lassen, die denen in Indien um nichts nachstehen (siehe auch Dekadenz). Auch hier werden kleine Mädchen "geweiht" und man weiß genau, was da einmal später läuft und man fühlt sich dennoch nicht zuständig...

 

Es geht also hier nicht darum, Menschen zu einem Glauben zu bekehren und ihm damit etwas aufzuzwingen, sondern ihn vielmehr zu erlösen von jeder Verarschung, die ihn hindert, wirklich Mensch zu sein und diejenige Liebe zu leben, die Krönung des Menschseins ist oder zumindest sein könnte. Und das alles ist möglich! Ich weiß, wie gerade der junge Mensch offen und bereit für wirkliche Moral ist, wenn er erst einmal aufmerksam geworden ist, dass es so etwas gibt – und wie alles dran gesetzt wird, dass ihm diese Veranlagung gar nicht so rechtzeitig bewußt wird, daß er sie in sein Leben einbauen kann, und die sich daher auch gar nicht entfalten kann.

 

Ich verweise hier auf meine Eindrücken von Kindern, denen eine sinnvolle Furcht beigebracht wurde, und insbesondere den Erfahrungen mit Kindern unter den Stichworten Fahrt mit Frankfurter Kindern in den Bayrischen Wald  und Kindererziehung hin. Und schauen Sie bitte auch einmal in den Anfang des Reiseberichts Osterfahrt per Auto und Zelt mit zwei Chinesen bis nach Portugal, wo es um das kleine Mädchen geht, das nur zu gerne mitmachen wollte und das von seiner amerikanischen Tante total umgedreht wurde. Sage mir niemand, daß ich Kindern etwas aufzwingen will! Natürlich muß man Kindern vernünftige Antworten geben, wenn sie "quatschen" wollen. Doch wer Kinder hier an ihrem Kindsein und an der Entfaltung ihrer Veranlagung zu den höchsten menschlichen Erfüllungen gehindert hat, das waren doch die typischen nützlichen Idioten! Daß die Kinder hinterher irgendwann einmal nicht mehr wollen, ist normal, klar, wenn der Kairos verpaßt ist, stellen sie sich eben um, dann wird eben leicht etwas anderes für sie Sinn des Lebens!

 

Anmerkung des Verfassers!

 

Wenn ich in dieser Website hin und wieder nicht ganz bürgerliche Ausdrücke benutze, so liegt das vor allem auch daran, daß die Website basisreligion auch von ganz normalen Leuten im Internet gefunden werden soll. Und wer von denen sucht etwa schon unter dem Stichwort Religionskritik, wenn es ihm um so etwas geht. Normale Leute kennen diesen Ausdruck einfach nicht, doch sie haben für ihre Zweifel nun einmal andere Ausdrücke....  (Wörterbuch von basisreligion)