VERBOTE sind Anordnungen, die keine Diskussion zulassen und unbedingt befolgt werden müssen. Es kann allerdings nicht verborgen bleiben, daß Verbote auch und gerade in den Fragen der Moral - wie auch entsprechende Gesetze - von vielen Menschen und vor allem auch von jungen, nur zu gern übertreten werden, selbst wenn sich dies hinterher als die größte DUMMHEIT für sie herausstellt. Erzieher pflegen dann mit den Schultern zu zucken und zu erklären, daß das eben die Eigenschaft der Menschen sei, die letztlich alles selbst ausprobieren wollten und daher auch ihre bitteren Erfahrungen selbst machen müßten. Anweisungen - im Guten (also Ratschläge) wie im Bösen (also Verbote) - würden da auf Dauer eben leider nichts helfen.

So dumm sind jedoch die Menschen keinesfalls!

Da die wesentliche Ursache für das vermeintlich uneinsichtige Verhalten junger Menschen vor allem ihr fehlender Überblick oder auch Durchblick ist (siehe Realitätsbewusstsein), dessen Ursache wiederum eine fehlerhafte oder unvollständige Information ist, kann eine grundsätzliche Verhaltensänderung nur mit einer Änderung hier beginnen.

Verbote machen aus mehreren Gründen etwas Negatives attraktiv oder wirken verschlimmernd:

  1. Etwas Verbotenes wirkt eher interessant. Das Leben, das Erzieher oft den jungen Leuten vorführen, erscheint oft banal, langweilig und spießig, was auch immer darunter zu verstehen ist. Das Verbotene ist da das Besondere, es reizt, es hat etwas von dem, was wir mit Nervenkitzel und Grenzerfahrungen bezeichnen  - und ist schon von daher interessant.

  2. Ungeschickte Überziehung der Verbote. Es ist ja nicht so, daß bei einer verbotenen Sache gleich immer alles auch verbotsnotwendig ist. Vieles an einer verbotenen Sache ist für den, der sich auskennt, etwas durchaus Erlaubtes und sogar Vernünftiges. Unsinnige Überziehungen erschüttern nur die Glaubwürdigkeit des Verbieters. So ist das Autofahren nur für denjenigen verboten, der keinen Führerschein besitzt oder sonstwie eingeschränkt ist, und das Baden in tiefem Wasser für den, der nicht schwimmen kann.

Ein eigentlich psychologisch höchst geschicktes Verbot finden wir in der Adam-und-Eva-Erzählung, wenn es heißt: "Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen...". Wenn wir uns vorstellen, was mit dieser Anweisung an ein nacktes Paar alles selbstverständlich und erlaubt gewesen sein mag, so können wir uns heute nur wundern, wenn jemand meint, daß bei uns nicht mehr mit Verboten erzogen wird (siehe Spanner und Exhibitionisten).

Daß dieses Gebot schließlich doch übertreten wurde, dürfte an dem fehlenden Überblick der betreffenden Menschen gelegen haben, schließlich muß man wissen und nachvollziehen können, wie man ohne Verbote leben kann.

  1. Ungeschicktes Verhalten beim Übertreten der Verbote. Statt daß sich die Menschen wenigstens noch halbwegs sinnvoll verhalten und sich am Ende nicht aus reiner Dummheit noch selber schaden, wenn sie schon etwas Gefährliches und Risikoreiches machen, erreichen Verbote bei ihnen immer nur, daß sie ihre Hauptsorge darauf konzentrieren, wie sie nicht erwischt werden. So denken etwa Kinder, denen das Klettern auf Bäume verboten wurde, nur daran, wie ihre Eltern es nicht erfahren, wenn sie es doch tun, statt ihre Phantasie einzusetzen, wie sie sich die geeigneten Bäume aussuchen und sich dann auch noch an den richtigen Ästen geschickt festhalten können. Und Ähnliches gilt auch beispielsweise für das Anhalterfahren junger Mädchen (siehe dazu bei Vergewaltigung und bei Täter und Opfer) und natürlich auch für die "verbotene Liebe" besonders junger Mädchen, als deren einziges Problem nur zu oft angesehen wird, daß es beim ersten Mal nicht weh tut und daß sie dabei nicht schwanger werden...

Verbote bedeuten immer Ängste und Ängste verhindern nicht nur jede Vernunft und auch noch den letzten Spaß beim "Tun" und erreichen nur, daß Menschen gegebenenfalls auch noch gleich alles falsch machen.

Wir können uns natürlich nun fragen, warum überhaupt noch Verbote ausgesprochen werden, wenn sie letztlich doch nur negative Wirkungen haben. Da wohl nichts ohne tieferen Sinn geschieht, müssen wir uns fragen, ob am Ende gar nicht beabsichtigt ist, daß Menschen sich wirklich an sie halten? Sind Verbote vielleicht genau dazu da, daß man sie schließlich nur um so eher übertritt? Ist dieses Übertreten sogar erwünscht, damit Menschen schließlich ein schlechtes Gewissen bekommen (natürlich ein über-ich-gesteuertes Gewissen!) und irgendwann zu Kreuze kriechen?

Geht es also bei Verboten gar nicht um Moral, sondern nur um die Steigerung der Macht der Verbieter nach dem Motto: Je größer die Unmoral, je mehr profitieren einige davon?

Es weist alles darauf hin, daß genau das beabsichtigt ist! So kann nämlich der Verbieter hinterher als der große und weise und überlegene Lehrer und Helfer dastehen, auf den man leider nicht rechtzeitig gehört hat. Damit ist der wichtigste Schritt getan, daß die Menschen ihre eigene Schuld und Fehlerhaftigkeit akzeptieren lernen und sich diesen großen und weisen Lehrern und Helfern auf Gedeih und Verderb für immer und ewig unterordnen - und genau darum geht es in jedem unseriösen Patriarchat. Und schließlich kann man auch noch mit dem Versprechen einer Vergebung durch eine Gottheit ein recht einträgliches Geschäft aufbauen. (Siehe Macht, Religion, Kritik.) In der Praxis findet sich bei Gutwilligkeit dagegen immer ein Weg, Überblick und Durchblick der Betroffenen und Verhaltensappell miteinander zu verbinden, wenn es sich um etwas wirklich Sinnvolles handelt. Wichtig ist, daß dabei der gesunde Egoismus und die Neugier der Menschen angesprochen werden, daß sie also nicht den Eindruck haben, man wolle ihnen etwas Schönes und Interessantes vorenthalten. Es ist nicht einzusehen, warum selbst junge Menschen sich dann nicht selbst in sehr versuchungsträchtigen Situationen vernünftig verhalten sollten.

Das berühmte Herdplattensyndrom, daß Kinder also unbedingt die verbotene Herdplatte anfassen wollen, ist ein leerer Mythos!

So hatte ich beispielsweise einmal bei einem Zeltlager mit Kindern in der Nähe eines Truppenübungsplatzes Bedenken, daß sie gefährliche Munition oder Ähnliches finden und sich beim Spielen damit verletzen könnten. Ein grundsätzliches Verbot, solche Dinge anzurühren, kam für mich allein aus der Erinnerung an meinen eigenen kindlichen Forschungs- und Abenteuerdrang (siehe Neugierde) nicht infrage, denn zu gerne hätte ich ja selbst früher (wie wohl auch heute noch bisweilen!) mit so etwas herumhantiert. Außerdem war wohl vieles, was in solchen Gegenden für Unwissende gefährlich aussieht, in Wirklichkeit völlig harmlos, ein generelles Verbot würde also Ängste gegenüber etwas Harmlosem aufbauen, ein mir unerträglicher Gedanke. Um alle diese Probleme zu lösen, gab ich den Kindern Anweisung, alle etwaigen Munitionsteile oder andere unbekannte Dinge, die sie vielleicht entdecken würden und die für sie interessant seien, nicht selbst näher zu untersuchen, sondern mit einem Stock und einem Papierfähnchen zu kennzeichnen und mir zu melden. Wir würden dann alle gemeinsam hingehen und das Fundobjekt begutachten und ich würde erklären, um was es sich handelte und wie das funktionierte. Je nachdem - schließlich hatte ich ja eine Militärdienstzeit mit einigen Lehrgängen hinter mir, und kannte mich so in solchen Dingen schon einigermaßen aus - könnte dann das Kind, das das Objekt gefunden hatte, es bei Unbedenklichkeit behalten oder wir würden etwas anderes damit machen. Irgend etwas Spannendes und für uns alle Ungefährliches und Lehrreiches würde sich immer ergeben, eventuell könnten wir auch die Truppenübungsplatzkommandantur benachrichtigen.

Natürlich hatte kein Kind etwas gefunden, schließlich pflegen übende Soldaten bei uns zumindest in Friedenszeiten schon von sich aus darauf zu achten, daß sie nichts Gefährliches verlieren und dadurch einen Unfall verursachen könnten. Doch hatte ich dem seltenen Fall, daß etwas passieren könnte, vorgebeugt, für ein wenig Spannung gesorgt, die gerade bei jungen Leuten immer gut ankommt, auf die Notwendigkeit von Fachverstand hingewiesen und gleichzeitig meine Glaubwürdigkeit nicht in Frage gestellt. Außerdem hatte ich etwas Ruhe - denn die Kinder waren beschäftigt!

Eine Methode, wie wir selbst heiße Herdplatten testen können, ohne uns zu verbrennen, ist, wenn wir uns vorsichtig (!) mit den Lippen dem "verdächtigen Objekt" nähern. Dort haben wir nämlich noch die auf Hitze reagierenden empfindlichen Nerven - und können unsere Erfahrungen also schon "im Geiste" machen und brauchen also das Objekt gar nicht erst zu berühren! Aber wie gesagt: Vorsichtig und in Ruhe!

Und vergleichsweise ähnliche Lösungen gibt es natürlich auch bei einer sinnvollen Sexualerziehung oder  besser Moralerziehung, siehe unter Kindererziehung!

Eine Erziehung über die Einsicht und ohne Verbote hat im übrigen nichts mit einer Erziehung zu Orientierungslosigkeit der jungen Menschen zu tun; wer so etwas behauptet, scheint etwa von seinem eigenen Leben her keinesfalls etwa von der Attraktivität wirklicher Moral überzeugt zu sein und entlarvt sich damit selbst als Moralapostel.

Solche Menschen pflegen daher dann auch den Begriff antiautoritäre Erziehung stets völlig falsch zu verstehen.

Die Grundsätze dieses Stichworts gelten im übrigen auch für diese Website überhaupt: Ob bei Abtreibung, bei Sterbehilfe, bei Gentechnologie, bei vorehelichem Sex - es wird nie etwas verboten! Das hätte ja ohnehin keinen Zweck. Doch es werden so viele Hinweise gegeben, bei alledem keine Fehler zu machen, daß damit viel wirkungsvollere Barrieren aufgebaut werden. Und diese Barrieren können durchaus dazu führen, sich etwa an die Regeln der Kirche zu halten... 

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)