VERGEWALTIGUNGSÄNGSTE gibt es eher bei sehr behüteten jungen Mädchen, oft sogar Ausländerinnen, die von ihrer Tradition her keusch in die Ehe gehen müssen, die zumeist dann eine arrangierte Ehe ist. Und wie sehr sie ihre Keuschheit auch angeblich selbst wollen, erzählen sie immer und überall herum. Ob das in ihrem tiefsten Herzen allerdings tatsächlich auch so zutrifft, scheint zumindest fraglich - denn wie alle Ängste sind auch die Vergewaltigungsängste irrational, sie helfen und schützen also nicht wirklich. Und vielleicht scheint das auch sogar so gewollt sein? Vielleicht steckt hinter diesen Ängsten also sogar der heimliche Wunsch: "Ach wenn es doch einmal dazu käme, doch so, daß mich nun wirklich keine Schuld trifft..."  

Grund für diese Diskrepanz - und daher wirkliche Gefährdung - dürfte vor allem sein, daß hinter den Vergewaltigungsängsten eine über-ich-gesteuerte Moral steckt (siehe Gewissen), die eben doch nicht richtig verinnerlicht wurde. Kennzeichen hierfür sind etwa eine besondere Scham, die längst zu einer Art Sinn des Lebens geworden ist, etwa nie das Kopftuch abzulegen oder auch nicht beim Schwimmunterricht in der Schule mitzumachen. Ein Rezept gegen die Vergewaltigungsängste wäre eine von einem ich-gesteuerten Gewissen getragene wirkliche Moral, dann gäbe es auch nicht mehr die heimlichen Sehnsüchte, die gar nicht so "brav" sind, sondern der junge Mensch würde sogar ausgesprochen kreativ werden, daß es eben selbst in einer Situation, in der man "nicht schuld" wäre (s.o.), nicht zu einer Vergewaltigung kommt. Doch eine solche "Moral der Freiheit und der Emanzipation" muß mit der Kindererziehung beginnen - ob die aber in den Kreisen möglich ist, in denen die Mädchen so superkeusch erzogen werden?

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)