VOLKSGLAUBEN (oder auch Volksreligion). Der Volksglaube unterscheidet sich massiv vom jeweiligen offiziellen Glauben in einer Religion und ist in allen Kulturen im großen und ganzen derselbe.

Das Problem der etablierten Religionen ist, daß sich immer irgendwelche Priesterschichten bilden und daß diese Priesterschichten sozusagen verakademisieren, also sich in akademischen Spitzfindigkeiten verlieren und damit den Bezug zur Wirklichkeit und zum normalen Volk verlieren. Denn dieses hat nun einmal etwas anderes zu tun und interessiert sich nicht für die ganzen theologischen Konstruktionen ihrer jeweiligen Priester. Und so flüchtet man sich sozusagen in die übliche Volksreligion, die natürlich von den jeweiligen Priestern schon etwas variiert wird, doch im Wesentlichen ist alles dasselbe.

Es geht also immer um einen Gott oder um Götter, die uns Menschen angeblich geschaffen haben und die uns in Zusammenarbeit mit guten Geistern oder auch Engeln alles geben, was wir zum Leben brauchen. Und dafür müssen wir uns irgendwie durch einen Dienst an den Göttern revanchieren, also irgendetwas opfern, was uns mehr oder weniger weh tut. Und natürlich müssen wir auch gut und fromm sein, doch da wir das nicht immer sind - und irgendetwas machen wir ja immer falsch, werden wir schuldig und brauchen also die Vergebung der Gottheit, was natürlich auch wieder etwas kostet. Und wenn wir das alles getan haben, was die Gottheiten von uns verlangen, erwartet uns ein besseres Leben nach dem Tod in einem Himmel, und wenn wir das nicht getan haben, eben ein schlechteres in einer Hölle.

Nachprüfbare Beweise für die Wahrheit gibt natürlich nie, die übliche Masche ist immer Tradition in Verbindung mit "Zuckerbrot und Peitsche". Und: "Je abstruser die Lügem sind, desto eher werden sie geglaubt!"

Die eigenartige Verknüpfungen von Erschwernissen (wozu gerade auch die Opfer des Verstandes - siehe Sacrificium Intellectus - und des Körpers zählen, also zum Fasten oder gar bis zum Einsatz für den Glauben bis hin zum eigenen Leben) mit geradezu rauschhaft und faszinierendem Positivem, wie herrlichen oder sonst wie eindrucksvollen Kirchenbauten oder Tempeln und vor allem Festen und Gedenktagen und anderem eindrucksvollen Kult, suggeriert sozusagen von Kindheit an, das alles sei wirklich wahr oder dahinter steckt zumindest etwas Wahres..

Und so kann der jeweilige Glauben schließlich für den einzelnen durchaus zum Sinn des Lebens werden.

Der Wille des Stifters der jeweiligen Religion interessiert nur am Rande und wird dafür bezahlten Spezialisten überlassen.

Ich bin etwa bei meiner buddhistischen Adoptivtochter ziemlich verblüfft, was die alles glaubt (es ist so ungefähr dasselbe, was wir in unserem Volksglauben glauben) - bei Buddha steht da genauso wenig davon wie von unserem Volksglauben bei Jesus!

Die Besonderheiten des jeweiligen Glaubens wissen oft nur die jeweiligen Priester (oder auch nicht - der Wille des Stifters interessiert auch die weitgehend nicht!) und die praktizieren das dann auch stellvertretend für die normalen "dummen" Gläubigen. Es macht ja auch nichts, wenn die normalen Menschen sich nicht so genau auskennen und nicht die Parallelen erkennen, Hauptsache, sie "versorgen" ihre Priester und Mönche. Und zuviel Wissen bei den normalen Gläubigen führt ja doch nur dazu, daß sie nicht nur abtrünnig werden und zu einer anderen Religion wechseln, sondern dem Glauben überhaupt den Rücken kehren. Jedenfalls sind durch den Dienst der Priester an den Gottheiten die Gläubigen von allen Verpflichtungen befreit und können munter und lustig leben, wie man auch ohne Religion leben würde.

Allerdings: So wie der christliche Glaube bei basisreligion gesehen wird, ist er nun wirklich einmal etwas, das nicht wieder auf irgendeinen Volksglauben hinausläuft!

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)