In einem sogenannten WIEDERHOLUNGSZWANG befinden wir uns sehr schnell, wenn wir etwas getan haben, was uns gefühlsmäßig sehr nahe gegangen ist, und zwar unabhängig davon, ob es angenehm oder widerwärtig für uns war. Wir sagen dann, daß wir Blut geleckt haben. War es schön, möchten wir es schon deswegen wiederholen, war es widerwärtig, so möchten wir es mit einem anderen Vorzeichen als dem erlebten neu erleben. Das trifft insbesondere auf alles das zu, was mit Befriedigung zu tun hat, also auf unser Verhalten im Bereich der Sexualität und auf den Umgang mit Drogen. (Beim Wiederholungszwang im Hinblick auf Drogen sprechen wir allerdings eher von Sucht.)

 

Der Grund dafür, daß wir Handlungen sozusagen zwanghaft wiederholen müssen, liegt in der Steuerung unserer körperlichen und seelischen Funktionen durch Hormone. Manche dieser Hormone werden in unserem Organismus etwa in einem bestimmten Alter sozusagen automatisch gebildet, andere in bestimmten Situationen, je nachdem, wie sie gebraucht werden.

Die Natur scheint nun Vorsorge getroffen zu haben, daß insbesondere bei Mädchen bis zu dem Moment, in dem ein konkreter Partner in ihr Leben tritt, die für den Sexualtrieb zuständigen Hormone gar nicht oder nur wenig wach werden. Somit sind sie nicht hilflos ihren Trieben ausgeliefert, wenn die äußeren Rahmenbedingungen eines schützenden Partners für Versorgung und Aufzucht von Nachwuchs gar nicht gegeben sind. Es spricht also auch hier nichts gegen eine Veranlagung zu einer natürlichen Moral.

 

Von Vorteil für unsere menschliche Moral dürfte weiter sein, daß die Natur etwa im Hinblick auf die Art und Weise, wie wir unsere Sexualität leben, nichts oder kaum etwas Konkretes festgelegt hat.

Das bedeutet, daß wir alles oder zumindest das Entscheidende erlernen müssen. Im Unterschied zu den Tieren, bei denen vor allem das Wissen um den Vorgang der Befruchtung ganz offensichtlich im Erbgut fest einprogrammiert ist und die daher von allein darauf kommen, wenn sie alt genug dafür sind, scheint der Mensch sogar hier eine Information zu benötigen. Der Wiederholungszwang kann sich also auch durchaus darauf beziehen, daß wir besonderes Verlangen nach bewußter und aktiver Enthaltsamkeit haben, wenn wir erste erfolgreiche Erlebnisse damit und vor allem nur damit hatten. (Möglicherweise stimmt daher auch der Bericht von dem jungen chinesischen Paar, das sich wunderte, weil nach zweijähriger Ehe immer noch kein Kind kam, und schließlich einen Arzt um Rat fragte. Dieser erfuhr nun, daß die jungen Leute von der Tatsache des Geschlechtsverkehrs keine Ahnung hatten und dachten, daß eine Befruchtung durch Vermischung entsprechender Moleküle auf der Haut stattfände. Von sich allein waren sie also nicht auf den Geschlechtsverkehr gekommen, wahrscheinlich kamen die jungen Leute daher wohl mit bestimmten sexuellen Berührungen aus, die dem Petting vergleichbar sind, und vermißten keinesfalls den Geschlechtsverkehr, der in der chinesischen Gesellschaft tabuisiert wurde und von dem sie daher nichts wußten. Es gibt also wohl sexuelle Triebe, jedoch keine konkreten!) Haben Menschen allerdings den Geschlechtsverkehr erst einmal praktiziert, so bezieht sich der Wiederholungszwang gerade auf ihn. In einer gelungenen Partnerschaft, wie es nach unserem christlichen Glauben nur die Ehe sein kann, ist dieser Zwang nun ausdrücklich erwünscht, nicht zuletzt trägt er zur Stabilität der ehelichen Verbindung bei.

 

Wenn jedoch der Geschlechtsverkehr fernab von einer solchen Gemeinschaft erst einmal begonnen wurde, kann der Wiederholungszwang zu einem Problem werden, vor allem geht durch ihn die Unschuld des unbefangenen Umgangs mit der Sexualität verloren.

Die betroffenen Menschen leben dann bisweilen in einer eigenartigen Zwiespältigkeit zwischen Abwehr und Hingezogensein, die auch als Sexualangst bezeichnet werden kann. Daher verhalten sie sich schon allein deswegen etwa bei einer Anmache oder auch schon bei einem Flirt anders, als wenn sie nie das betreffende Erlebnis gehabt hätten. So werden sie auch kaum noch die durchaus berauschenden und dabei doch harmlosen Praktiken unbefangen erleben und genießen können, wie sie bei bewußter Enthaltsamkeit möglich sind. (Siehe auch Ungeduld, Vergewaltigung und Scham, besonders dabei die Ausführungen über Schuldscham.)

Eine Art Wiederholungszwang ist es auch, wenn sich etwa das Schicksal der Eltern bei den eigenen Kindern wiederholt. Siehe unter Wiederholung des Schicksals.

(Wörterbuch von basisreligion)