Die ZAUBERFLÖTE von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) kann hier leider nur als eine Oper bezeichnet werden, die gerade junge Menschen letztendlich eher aus der Oper und damit aus dem höheren Kulturleben hinaus treibt, als dass sie sie für diese herrliche Seite unserer Kulturproduktion gewinnt. Schauen Sie bitte unter diesem Stichwort nach, wie das wohl kommt!

Inzwischen ist die Zauberflöte vor allem auch eine Bildungsbürgeroper, die besonders deswegen für Kinder geeignet erscheint, weil nix vom Sex vorkommt!

Um aber nicht nur einseitig zu sein, sei hier einmal zitiert, was „Bildungsmenschen“ über diese Oper denken, die zumeist als einzige Oper im schulischen (Musik-)Unterricht besprochen und daher auch hier angeführt wird. Ob es bei folgendem Zitat aus dem Operführer „Oper von A-Z“ aus dem VEB Breitkopf&Härtel-Musikverlag, Leipzig (1969), nicht doch um eine übertriebene Lobhudelei aus kommunistischer Sicht eines zwar wundervoll und phantastisch aufgemachten, jedoch inhaltlich zumindest fragwürdigen Werkes handelt (weil keine der brennenden menschlichen Fragen konkret angegangen werden und damit jeglicher Einsatz für das Gute letztlich wirkungslos „verpufft“, im Grunde ist diese Oper sogar frauenfeindlich), das zu Recht auf junge Menschen letztlich eher abschreckend wirkt? Urteilen Sie selbst!

Den Marxisten gefällt sie natürlich, weil sie im Zeichen der Aufklärung gegen die katholische Kirche gerichtet ist!

Nach dem genannten DDR-Opernführer ist die Zauberflöte, „das schönste und tiefste Musikmärchen im Bezirke der deutschen und österreichischen Bühne, ja, der Opernliteratur überhaupt“. Sie „entstand an der Schwelle von Mozarts Tod. Es ist des Meisters eigentliches Testament: in den volkstümlichen Elementen des Singspiels noch ganz im Leben der Heimat verbunden, im weihevollen Ernst, im Irdisch-Frommen der Sarastro-Welt aber von jener Erhellung der Schönheit, Weisheit und Stärke“, die nur über letzten Dokumenten leuchtet. Aus Motiven der Wiener Volkskomödie und des damals beliebten Zauberstücks, gespeist aus ethischen Quellen und beflügelt durch Mozarts Genie, erwuchs der Humanismus der „Zauberflöte“. Es war jene Zeit der Aufklärungsperiode des 18. Jahrhunderts, da die Menschen ganz Europas auf die Ereignisse der Französischen Revolution blickten, da das aufstrebende Bürgertum auch in Österreich seine Stimme erhob. In den geistigen Strömungen gegen die feudale Unterdrückung spielten die Freimaurer eine große Rolle. Sowohl Mozart als auch sein Librettist Schikaneder gehörten einer jener Logen („Zur gekrönten Hoffnung“) an, die damals Sammelpunkte fortschrittlicher Ideen, des Gedankens und der Menschenverbrüderung waren. Die Freimaurersymbolik kommt in vielen Einzelheiten des Textes und der Musik des Werkes zum Ausdruck. Mochte Mozart auch zunächst verschiedene Einwände gegen Schikaneders volkstümliche Prägung des Textes geltend machen, so lockte ihn doch bald das höhere Ziel der deutschen Oper, mit der er sein Humanitätsideal der Erziehung des Menschen gestalten konnte. Gerade in ihrer seltsamen Mischung von Wachheit und Verzauberung, feierlicher Strenge und naiven Fröhlichsein trägt die „Zauberflöte“ eine Lehre von Menschenliebe, Freundschaft, Tugend und Standhaftigkeit vor. Eine „Botschaft der Zuversicht und Menschenwürde“, wandte sich Mozart hier an das größte und plebeische Publikum (Knepler). Die Grundidee des Märchens von tieferer Bedeutung (soweit es sich klar erkennen lässt) ist: dass die finsteren Mächte der Rache und der Gewalt durch Weisheit und Menschlichkeit überwunden werden. Die fortschrittlichen Gedanken werden durch Priester des Isis-Kultes, die Hüter des Weisheitstempels, verkörpert. Sarastro, von der nächtlichen Königin als Bösewicht verleumdet, ist der Vertreter der höchsten Wahrheit, der Ideen der Aufklärung. Tamino, ein Prinz, ist aufrichtig und edel von Charakter; aber, wer es „verdienen will, ein Mensch zu sein“, hat Prüfungen auf sich zu nehmen. Nicht jedem Menschen ist es gegeben, den Rang eines Eingeweihten zu erreichen; die meisten bleiben auf halbem Wege stehen, bringen es nicht weiter als das Naturgeschöpf Papageno – ein Kind der Welt, die von Hunger und Trieben regiert wird. Dass die Liebenden, Tamino und Pamina, gemeinsam den letzten Weg der Prüfung durch Wasser und Feuer gehen, gehört zum Schönsten und Tiefsten des Werkes. Eros erweist sich als dienender, hilfreicher Geist auf dem steilen Pfad zur Weihe der Humanität. „Es siegte die Stärke, und krönet zum Lohn die Schönheit und Weisheit mit ewiger Kron´.““

Zur Tradition der Freimaurer siehe auch das Stichwort Johannes der Täufer.

O wie schön, dass wir in dieser Oper alle für die Humanität und die Schönheit und die Weisheit motiviert werden (heute wäre das Kultwort Frieden!),

nur fühlt sich dabei im Endeffekt niemand angesprochen. Dagegen hätten andere Opern Mozarts, vor allem "Don Giovanni", "Hochzeit des Figaro" oder "Cosi fan tutte" schon eine ethische Bedeutung gerade für junge Leute, würden sie nur entsprechend aufgeführt.... Oder auch die Oper Rigoletto von Guiseppe Verdi.

Und überhaupt: Von Toleranz, die nun einmal auch Kennzeichen von Menschlichkeit ist, ist in dieser Oper nicht viel zu spüren, wenn der Oberpriester über die, die anderer Meinung sind, singt: "Wen diese Lehren nicht erfreu´n, verdienet nicht, ein Mensch zu sein".

Kommentar des Webmasters basisreligion

Ein Klassenkamerad meines Vaters, ein katholischer Geistlicher (in dessen Gemeinde 1933 signifikant weniger NSDAP gewählt wurde, so hatte er von der Kanzel seine Schäfchen aufgeklärt), hatte mir einmal seine Interpretation der Zauberflöte erzählt: Die mächtige "Königin der Nacht" steht für die katholische Kirche, die die Menschen verdummt und an wirklicher Moral hindert, während (im Sinne eines freimaurerischen Gedankenguts) der Priester Sarastro für Aufklärung und Menschlichkeit steht. Sarastro und seine Anhänger versuchen nun, die Menschheit aus den Klauen der Königin der Nacht zu erretten, die natürlich dies verhindern will.

Im Prinzip ist dies die Deutung wie oben - nur noch etwas schärfer. Hier wird ausgesprochen, was oben nur angedeutet ist.

Trotz dieses kirchenfeindlichen Hintergrunds ist die Zauberflöte selbst in Nonnenschulen ein beliebter Unterrichtsstoff - weil eben nichts vom Sex vorkommt. Das ist natürlich gerade heute unverständlich, wo doch schon Zweit- und Drittklässler über die Sexualität aufgeklärt sind. Da wäre es wirklich sinnvoller, mit den Kindern etwa die Oper Don Giovanni oder Rigoletto zu besprechen, damit ihre biologisches Wissen durch kulturelle und ethische Informationen ergänzt wird.

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)