ZENSUR wird die Befugnis vor allem des Staates (und bisweilen auch der katholischen Kirche) genannt, bestimmte öffentliche Meinungsäußerungen zu unterdrücken, weil sie (angeblich) für die Menschen schädlich sind.

Eine derartige Zensur ist typisch für totalitäre Systeme, in denen die Herrschenden etwas zu verbergen haben und die Beherrschten für dumm verkauft werden sollen.

Die Auswahl an Informationen soll verhindern, daß die Bürger Negatives über ihre Herrscher oder Gegenargumente für aufgezwungene Meinungen erfahren, darüber nachdenken und schließlich aufbegehren. Solche Zensur läuft im Grunde stets auf eine Art Offenbarungseid hinaus, wer ein reines Gewissen hat, hat auch immer gute Argumente und braucht keine Zensur! 

Auch in unseren demokratischen Verhältnissen gibt es eine indirekte oder sogar direkte Zensur vor allem angeblich zum Schutz der Jugend: Nicht alles, was gedruckt oder verfilmt wird, darf jungen Menschen zugänglich gemacht werden, um sie vor allem nicht in ihrer sittlichen Entwicklung zu beeinträchtigen.

Jeder schließt von sich auf andere - Maßstab für die Unzumutbarkeiten für andere ist immer das, womit man auch selbst Probleme hat.

Die Schwierigkeit ist allerdings: Wer entscheidet, was positiv oder negativ für junge Menschen ist? Wenn wir beispielsweise einen typischen Moralapostel zensieren lassen, wird er wahrscheinlich gerade diejenigen Informationen unterbinden, mit denen er selbst ganz persönlich seine Schwierigkeiten hat, weil sie ihn mit derjenigen Wirklichkeit konfrontieren, die er am liebsten verdrängt. Damit behindert er allerdings junge Menschen beim Aufbau ihres zutreffenden Realitätsbewußtseins, das wiederum zum Fundament jeder wirklichen Emanzipation und damit auch jeglicher Moral gehört. Was ein Moralapostel unter Moral versteht, sieht zwar nach außen hin sehr moralisch aus, doch das ist genau die Moral, di einem jungen Menschen in der Wirklichkeit seines Lebens im Grunde gar nichts hilft. Muß ein nackter Busen auf einem Bild wegzensiert werden, gilt ein Kulturfilm für junge Menschen gefährlich, in dem der Penis eines Mannes zu sehen ist und selbst wenn er von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle des Vatikans gemalt ist? Einer Verführung fällt doch gerade derjenige am schnellsten und leichtesten zum Opfer, bei dem alle Zensuren der Moralapostel voll durchgeschlagen haben und der daher auch von der Ambivalenz der Sexualität nichts so recht mitbekommen hat, der sich daher Illusionen macht und dessen Naivität sozusagen ungetrübt ist. Lassen wir dagegen einen Menschen mit wirklicher Moral zensieren, dann wird der vielleicht über alle die sinnlosen Bemühungen von Moralaposteln lachen und sogar spotten und ganz etwas anderes als bedenklich einstufen.

Bei Kindern können wir zunächst einmal davon ausgehen, daß sie gar kein Interesse an Dingen haben, die ihrer Lebenswirklichkeit nicht entsprechen. Und daß sie über ihr Leben, ihren Körper, ihre Herkunft und die Zusammenhänge von Heirat und Kinderbekommen informiert sein wollen, ist verständlich und auch ihr gutes Recht. Ihre Neugier da ist nur ein Zeichen ihrer Aufgewecktheit, ihrer Intelligenz und ihrer Sinnenfreude (siehe Sinnlichkeit). Und wenn sie nicht vernünftige und für sie erschöpfende Informationen von berufener Seite bekommen, werden sie sich (nach den Regeln des Horror Vacui) sehr bald woanders her ihre Informationen holen, die dann möglicherweise die Wirklichkeit sehr verzerren und überhaupt nicht mehr kontrolliert werden können. Und dann fällt den Erziehern irgendwann einmal ein, daß sie sich um die Auswahl dessen, was die jungen Leute lesen oder sich im Fernsehen oder sonstwo ansehen, kümmern müssen, also daß sie Zensur ausüben müssen. Dabei wäre den Kindern gegenüber die Scheu ihrer Erzieher gar nicht nötig. Wir Menschen besitzen aller Wahrscheinlichkeit von unserer Veranlagung her eine sozusagen angeborene Fähigkeit, vor allem das schadlos zu verkraften, was normalerweise mit unserem Menschsein zusammenhängt, also mit Zeugung, Geburt, Leben, Liebe und schließlich auch Tod. Der Mensch wäre eine merkwürdige Konstruktion der Natur, wenn er nur glücklich werden könnte, wenn er von solchen Normalheiten - wenigstens zeitweise - keine Ahnung hätte. Es muß eben nur Sorge getragen werden, daß die Informationen wirklichkeitsnah und nicht einseitig sind.

Wenn also junge Menschen immer nur Filme sehen, in denen sich Menschen gegenseitig abknallen, dann sollte man ihnen zur notwendigen Ergänzung auch einmal nahe bringen, daß im Grunde hinter jedem Toten eine weinende Mutter, Schwester und vielleicht auch Frau oder Braut steht.

Und wenn jungen Menschen bewußt wird, daß hinter jeder sexuellen Abartigkeit eine nicht gelungene Einheit von Leib und Seele steht, dann werden sie auch einen angeblich ungeeigneten Film anders sehen und einordnen als jemand, der gelernt hat, das alles genauso zu verdrängen wie viele Erzieher. Wichtig ist also in guter Erziehung nicht die Zensur, sondern eine rechtzeitige ergänzende Aufarbeitung: Und wenn sie schon vor einer möglichen ungünstigen und abartigen Beeinflussung geschieht, dann um so besser: Der junge Mensch hat dann erforderlichenfalls längst bessere und vor allem verinnerlichte Informationen, die ihn überzeugt haben, und sortiert den Mist von allein aus. Es geht in der Praxis auch nur so, schließlich können Erzieher letztlich ohnehin nicht kontrollieren, was junge Menschen alles an Medien, also an Filmen, vor allem Videos, sehen oder an Büchern lesen. Und wer meint, er könnte das, lebt in einer anderen Welt und ist nicht realistisch!

Zensur führt auch dazu, daß Menschen wichtige Probleme unseres Menschseins gar nicht mehr wahrnehmen und schließlich verdrängen - und gar nicht mehr sachlich reden und handeln können.

Ganz lächerlich und sogar ärgerlich wird die Zensur, wenn etwa für den schulischen Deutsch- und Musikunterricht nur Werke ausgesucht werden, in denen jeglicher Hinweis nicht nur auf die Sexualität überhaupt, sondern sogar auf die Ambivalenz der Sexualität fehlt, wo doch gerade das Wissen darum sehr zu einer inneren Emanzipation junger Menschen beitragen würde (siehe Kulturproduktion). Auch scheint es Kennzeichen einer Gesellschaft der Dekadenz zu sein, daß da für die jungen Leute in ihrer Freizeit eine absolut belanglose Literatur oder Fernsehunterhaltung als besonders jugendgeeignet angesehen und anderes damit verdrängt wird (hier liegt die Problematik der Mickey-Mouse-Literatur!). Diese Zensur rächt sich später, wenn junge Menschen sich etwa weigern, die für sie wirklich wichtigen und notwendigen Themen zu durchdenken.

Errrrdstrahlen - und wie das mit der Zensur in der Zeitschrift HÖRZU läuft....

Joachim Siegerist berichtet in seinem Buch "Was ungeschrieben blieb - Notizblock eines konservativen Journalisten" (Hamburg 2006), warum manche sachlichen Informationen einfach deswegen unterbleiben, weil sie nicht opportun sind, weil sie der Auflage eines Druckerzeugnisses schaden, weil sie schlicht und einfach gegen den Zeitgeist sind. Und das gilt gewiss nicht nur für die Zeitschrift HÖRZU,  für die er damals gearbeitet hat!

Jedenfalls ist eine solche Zensur meines Erachtens auch das Problem von basisreligion, es ist einfach nicht opportun, was hier das Thema ist. Aber wie lange noch?

Doch hier die "Kurzgeschichte" von Joachim Siegerist:

"Errrdstrahlen" und sterbende Kinder

Das Schwein heißt Hetzer und hat einen akademischen Titel. Professor Dr. med. Hetzer. Stolz ist es auf diesen Titel. Das Schweinchen Hetzer. Hat ihn gedruckt auf eine breite, weiße Binde. Richtig gedruckt - mit großen, schwarzen Buchstaben: Professor Dr. med. Hetzer. Diese weiße Binde mit den schwarzen Buchstaben trägt "Professor Dr. med. Hetzer" um seinen Bauch. Der ist rosa. Und rund. Und borstig. Und dieser Hetzer, der sagt "ruff, ruff", hat einen Kringelschwanz, kleine Schweinsäuglein, Schlappohren und einen Rüssel. So einen Rüssel - wie richtige Schweine ihn eben haben. Ein echtes, lebendiges, dick-und-fettes Rüsselschwein. Das steht in seiner Box in Hannover vor der gefüllten Krippe und schmatzt.

Gute Kost. Krankenhauskost. Übrig gebliebenes Patienten-Essen aus der Medizinischen Hochschule Hannover dort, wo Schweinchen Hetzer in einem schönen, luftigen Stall seine Schweine-Wohnung hat. Zusammen mit anderen Schweinen. Auch die haben akademische Titel. Doktoren, Professoren. Alle mit Bauchbinde und schwarz bedruckt. Nie im Leben zuvor habe ich so viel medizinische-Würdenträger-Schweinchen gesehen und ich muß lachen. Der richtige Hetzer auch. Der trägt einen weißen Kittel. Darauf nur ein ganz kleines Schildchen mit der Aufschrift "Prof. Hetzer". Hat dunkle, volle Haare, und ein freundliches Gesicht. "Keine Ähnlichkeit mit Schweinchen Hetzer", diagnostiziert er selber.

Das Schweinchen Hetzer ist sein Versuchsschwein. Damit sich kein anderer Weißkittel an Schweinchen Hetzer vergreift - auch nicht der Krankenhausküchen-Koch - nur darum trägt Schweinchen Hetzer die Bauchbinde mit dem schwarz aufgedruckten Namen und dem "Dienstgrad". Der richtige Hetzer steht vor der Box und tätschelt dem Namens-Vetter auf die Schwarten. "Ruff", sagt Schweinchen Hetzer freundlich, schmatzt weiter. Damit bin ich beim Thema Tierversuche - über das in Deutschland nur mit Schaum vor dem Mund diskutiert wird.

Ich bin Tierfreund, habe vor Jahren einen Tierschutzverein gegründet - bin sicher: Tiere sind Geschöpfe Gottes, die uns anvertraut wurden, von uns Menschen beschützt werden müssen. Wie immer im Leben - da gibt es einen goldenen Mittelweg. Ich war empört darüber, daß "grüne" Tierschützer in medizinische Versuchslabors einbrachen, die Tiere "befreiten"........damit sie dann in freier Natur erbärmlich eingingen. Es ärgerte mich, daß sogenannte Tierschützer ihren eigenen Tieren Medikamente gaben, die - das war naheliegend - nur durch Versuche an anderen Tieren erprobt worden sein konnten. Jung war ich - und Chefreporter der HÖRZU, schlug Chefredakteur Peter Bacher schließlich breit: "Lassen Sie ich eine Reportage über das Für und Wider der Tierversuche schreiben." Mein guter, alter Chef nickte.....aber ich sah seine Sorgenfalten über den blauen Augen seiner kleinen, goldenen Cartier-Brille. Der alte Hase.......

Meine Recherchen waren gründlich, sauber, korrekt. Nur zwei Beispiele: Es gibt viele Kinder, die kommen mit einem schweren Herzfehler auf die Welt. "Loch in der Herzwand",sagen wir Laien. Für einen Mediziner ist klar: Damit kann ein Kind nicht überleben. Aber wie läßt sich helfen? Medizinische Versuche an Kindern mit diesem Geburtsfehler? Vergessen wir es. Das weckt schreckliche Erinnerungen an eine vergangene Zeit. Da gab es diesen Professor Hetzer - damals noch in der Medizinischen Hochschule von Hannover. Der entdeckte es zuerst und kam auf den Gedanken: Das Herz eines Schweins ähnelt dem Herzen eines Menschen sehr. Warum also nicht? Richtig. Es wurden Schweine gezüchtet. Mit Geburtsfehler. Schweine mit Loch in der Herzwand. Dann Schweine-Operation. Danach kein Loch mehr in der Herzwand. Alle operierten Schweinchen schnauften besser, grunzten freundlicher ihr "ruff, ruff".

Irgendwann nach Jahren das erste Kind. Ein Kind ohne Lebens-Chance. Nur ganze vier Jahre alt. Verzweifelte Eltern. Wie hatten sie sich auf ihren kleinen Christian gefreut. Die Diagnose: "Das kann nicht lange gut gehen. Aber helfen können wir nicht." Alles, was die Ärzte an "Trost" geben konnten.

Mehr als 20 Jahre ist das her - meine Begegnung mit dem "echten" Professor Hetzer in Hannover. Christian ist ein gesunder junger Mann. Sportler, Hochsprung. Kerngesund. Kerngesund wie alle Kinder, die mit "Loch in der Herzwand" geboren und dann erfolgreich operiert werden. Sie alle werden nach der Operation kerngesund.

Ich berichtete Peter Bacher vom ersten Teil meiner Recherchen. Seine Sorgenfalten blieben.

"Errrdstrahlen"...... lachte Kollege Louis Hagen. Eine unendliche Fortsetzungs-Reportage schrieb er über Erdstrahlen. Alle Welt war damals sicher - die Menschen werden negativ beeinflußt durch Erdstrahlen. Nur zwei Folgen sollte Louis schreiben. Nur zwei Folgen. Es wur den Dutzende......und wir lachten beide, grüßten uns auf dem Flur statt mit "Guten Morgen" mit dem für andere seltsam klingenden Gruß "Errrdstrahlen". Aus einer Mücke wurde mit Erdstrahlen ein Elefant gemacht und die HÖRZU-Gemeinde verschlang die Hagenschen "Errrdstrahlen". Beim Thema Erdstrahlen schlug die Phantasie der Leser Purzelbäume und wissenschaftlich Beweisbares mischte sich zu 90 Prozent mit Humbug.

Aber Errrdstrahlen mußten es sein und der arme Louis Hagen schrieb alles über Errrdstrahlen - wußte genau: "Das meiste davon ist kalter Kaffee."

Es blieb dabei - und Peter Bacher war sicher: "Ja, das wollen sie lesen. Erdstrahlen. Aber Tierversuche ............ recherchieren Sie noch ein wenig mehr. Dabei nie vergessen: Unsere gute alte HÖRZU ist ein Luxusdampfer - und die Passagiere zahlen viel. Kommt der Luxusdampfer ins Schlingern und müssen die Passagiere spucken ("spucken" sagte Bacher, nicht "kotzen", wie ich es gesagt hätte) dann buchen sie keine zweite Reise und HÖRZU verliert Leser."

Ich recherchierte weiter, trieb Professor Riehm auf. Auch Medizinische Hochschule Hannover. Ein großartiger Arzt. Mediziner und Menschenfreund. Schon als Student hatte er erfahren: In Peru gibt es eine bestimmte Art von "Murmeltieren", die bekommen niemals Krebs. Ich fasse es stark verkürzt zusammen: Aus dem Blut der Murmeltiere ließ er Impfstoffe entwickeln, erinnerte sich an New Yorker Tierheime, die er als Tierfreund aus Mitleid besucht hatte. Hunde mit Krebsgeschwüren waren ihm dort aufgefallen. Große Krebsgeschwüre am Hals......und er durfte sie impfen.......mit dem von ihm entwickelten Impfstoff. Murmeltier-Impfstoff aus den Anden in Peru im Tierheim von New York. Die Tumore bei den Hunden verschwanden. Die Tiere wurden gesund - und der Mediziner forschte weiter. Inzwischen Professor an der Medizinischen Hochschule in Hannover. Spezialisiert auf Blutkrebs bei Kindern. Leukämie. Rund 90 Prozent aller Kinder mit Leukämie starben - noch in den Sechziger Jahren. Der Weg vom Tierversuch - bis hin zum erfolgreichen Präparat bei Menschen ist lang. Sehr lang. Aber Professor Riehm gab nicht auf .......hatte Erfolg. Dank seiner Tierversuche. Früher starben 90 Prozent aller Leukämie-Kinder, heute überleben 90 Prozent aller Leukämie-Kinder. Leukämie bei Kindern war früher wie ein Todesurteil. Vorbei.

Ich war mir sicher: Jetzt kann Bacher nicht mehr "nein" sagen. Er sagte "nein".....und mein menschlich so angenehmer Chef tröstete mich mit den Worten: "Siegerist. Tut mir leid. Aber ich hab Sie unterschätzt. Hab nicht mit Ihrer Hartnäckigkeit gerechnet. Ich dachte: Irgendwann gibt er selber auf - dann muß ich es Ihnen nicht sagen. Ich weiß, daß Sie im Recht sind. Aber HÖRZU verliert Leser und Abonnenten, wenn wir uns mit Ihrer Reportage gegen den Zeitgeist stellen."

Ich schluckte, hatte doch mit meinen Vermutungen zum Thema "Tierversuche" Recht - aber Peter Bacher mit seiner journalistischen Einschätzung: "Was ist dem Leser zuzumuten?"

Meine Reportage über Tierversuche wurde nie gedruckt. Louis Hagen "tröstete" mich: "Errrdstrahlen. Denk an die Errrdstrahlen."

 

Und was erreichen wir denn mit der Zensur überhaupt?

Das Böse bekommen wir jedenfalls mit ihr nie in den Griff und ob wir damit die Unschuld von Kindern bewahren, hängt ganz davon ab, was wir unter Unschuld verstehen. Viel eher wohl ist Zensur als moderne Form von Tabu anzusehen. Und Tabus helfen nie wirklich den (jungen) Menschen, sondern dienen lediglich ihrer Anpassung an die jeweilige Kultur.

Wie man Zensur austrickst!

Zu dem Stichwort "Zensur" gehört allerdings auch, wie Zensur offiziell umgangen werden kann. Als Beispiel wird hier bisweilen die Methode des preußischen Abgeordneten N. (ich müßte jetzt lange suchen, wenn mir über die e-Mail-Adresse Bedarf mitgeteilt wird, dann tue ich es auch!) zu Zeiten des Bismarckschen Kulturkampfs gegen die katholische Kirche erwähnt: Es war verboten, das Rundschreiben des Papstes gegen die Anordnungen der Regierung zu veröffentlichen und zu verbreiten. Und was machte dieser Abgeordnete N.? Er las das Rundschreiben des Papstes im Parlament vor - und "Parlamentsmaterial" durfte nicht nur, ja mußte sogar veröffentlicht werden!

Eine andere Methode, Zensur zu umgehen, findet sich etwa im "Neuen Theologischen Wörterbuch" von Herbert Vorgrimler (Freiburg, Herder, 2000) unter dem Stichwort "Jungfrauengeburt": Es ist auch heute immer noch schwierig für einen Theologen, der keinen Ärger mit der Kirche haben will, offen auszusprechen, daß es die Jungfrauengeburt Jesu durch Maria nicht gab, daß sie Mythologie ist. Vorgrimler geht daher folgenden Weg. Er schreibt: "Jungfrauengeburt bezeichnet in der Religionsgeschichte...die Geburt eines Menschen aus der Verbindung eines Gottes mit einer Frau. Von entsprechenden Mythologien, deren Einfluß auf das NT <Anm.: Neues Testament der Bibel>...nicht bewiesen ist...." Damit spricht Vorgrimler zwar nicht direkt aus, daß die Angelegenheit der Jungfrauengeburt aus der Mythologie übernommen ist, er scheint dem sogar zu widersprechen, doch allein indem er es erwähnt, gibt er die Problematik zu und macht damit einen Schritt in Richtung Überwindung der Zensur. Basisreligion macht nun im Grunde nur den nächsten Schritt (siehe Jungfrauengeburt) und öffnet damit den Weg für die Interpretation des wirklichen Jesus und seines Anliegens.

Und wenn schon Zensur. Es müßte vielleicht auch welche für alte Leute geben!

Also ich wäre dafür! Jedenfalls würde ich das Gespräch 9 oder auch das Gespräch 16 zwischen Beatrix und Martina lieber jungen Leuten zu lesen geben als alten. Und vor allem: Die jungen Leute können etwas damit anfangen, die alten Leute könnten sich vielleicht nur ärgern...

Neue Studien belegen, daß sich die Abschaffung der Zensur, also vor allem die Liberalisierung der Medien, auch ökonomisch auszahlt.

Nach einem Artikel in der WELT vom 3. Mai 2004, also zum Internationalen Tag der Pressefreiheit, gibt es in Ländern mit Pressefreiheit viel weniger Hunger... Vollständige Url des Artikels: http://www.welt.de/data/2004/05/03/272684.html:

Mit Pressefreiheit gegen den Hunger
    
Hier einige Zitate aus dem Artikel: "In keinem Land mit einer relativ freien Presse hat je eine große Hungersnot stattgefunden", fasst Wirtschaftsnobelpreisträger Sen ein Ergebnis seiner Untersuchungen zum Zusammenhang von Pressefreiheit und Wirtschaftsentwicklung zusammen. Da von einer Hungersnot selten mehr als zehn Prozent der Bevölkerung betroffen seien und diese daher meist nicht über Wahlergebnisse entschieden - können oft nur die freien Medien aus einer solchen Notlage eine wichtige politische Frage machen.

Sen weiß um diesen Zusammenhang nicht nur aus einer Analyse aller Hungerkatastrophen des 20. Jahrhunderts, sondern auch aus eigener Erfahrung: Als Kind erlebte er in der indischen Provinz Bengalen die Hungersnot im Jahre 1943 mit. Strenge Beschränkungen der Presse durch die britische Kolonialmacht führten dazu, dass das britische Parlament nichts von der Notlage in Britisch-Indien wusste. Erst als Ian Stephens, Herausgeber der Zeitung "The Statesman of Calcutta", sich über die Beschränkungen hinwegsetzte und die Kolonialmacht in scharfen Leitartikeln anprangerte, gerieten die Regierungskreise Britisch-Indiens in Bewegung: Nach erregten Diskussionen im Parlament in London begannen schließlich öffentliche Hilfsmaßnahmen.

Auch die Weltbank als weltweit einflussreichste Institution der Entwicklungspolitik schenkt den Medien in jüngster Zeit größere Beachtung. Jahrelang hatten die Ökonomen in Washington lediglich auf freie Märkte gesetzt. Nach zahlreichen Fehlschlägen wie etwa im postkommunistischen Russland geraten nun auch die anderen Randbedingungen ins Blickfeld, das Rechtssystem vor allem, aber auch die Medien. "Es besteht kein Zweifel mehr daran, dass die Medien zum Wirtschaftswachstum, zur Korruptionsbekämpfung, zur Einebnung der Ungleichheit zwischen Arm und Reich und letztlich zur Eindämmung der Armut weltweit einen unschätzbaren Beitrag leisten", kommentiert Weltbankpräsident Wolfensohn die Ergebnisse.

Der Weltentwicklungsbericht 2002 widmete den Medien erstmals ein eigenes Kapitel. Er belegt anhand zahlreicher Beispiele, wie freie Medien die wirtschaftliche und soziale Entwicklung fördern können. Zu den Erfolgsgeschichten zählt ein Radioprogramm für schlecht ausgebildete Bauern in Indonesien, das über Preise, Anbaumethoden und Wetter informiert und so die Ernteerträge steigern hilft. In Thailand und Uganda senkten Medienberichte über Aids und Empfängnisverhütung die HIV-Ansteckungsquote und die Geburtenrate - und zwar unabhängig von Einkommen und Ausbildungsniveau umso stärker, je besseren Medienzugang die in der Studie erfassten Frauen hatten.

Den wichtigste Beitrag zu wirtschaftlicher Entwicklung leisten Medien nach Wolfensohn durch die Bekämpfung der Korruption: "Je größer die Pressefreiheit in einem Land ist, desto besser lässt sich die Korruption in die Schranken weisen. Daraus folgt, dass ein größerer Teil der knappen Ressourcen für Entwicklungsprojekte eingesetzt werden kann." Mit Kursen in Enthüllungsjournalismus unterstützt das Weltbankinstitut deshalb Journalisten aus über 50 Ländern. Außer investigativen Recherchetechniken stehen dabei auch Fragen der persönlichen Sicherheit auf dem Programm. Denn in Ländern ohne freie Presse ist die Berichterstattung über Korruption häufig lebensgefährlich, wie die 53 getöteten Journalisten des letzten Jahres zeigen.

Im weiteren Artikel wird noch berichtet, wie gerade durch die Pressefreiheit die Korruption sinnvoll bekämpft werden kann und wie (lebens-)gefährlich allerdings Journalisten leben, die sich hier einsetzen.

Es besteht kein Zweifel, daß bei einer Befreiung des Menschen von irrationalen Ängsten und  Zwängen, an der auch und gerade Religionen immer einen entscheidenden Anteil haben, der Pressefreiheit größte Bedeutung zukommt. Und das gilt nicht nur im Hinblick auf unseren christlichen Glauben, sondern auf alle Religionen, erwähnt sei hier vor allem der Islam! Da leider auch die Presse nicht immer frei ist, verlagert sich dann die Verpflichtung zur Pressefreiheit auf Anbieter im Internet!
(Wörterbuch von basisreligion)